Krankheitsverlauf
Ein Krankheitsverlauf wird nach verschiedenen Kriterien beschrieben. Eine bestimmte Krankheit kann bei verschiedenen Patienten unterschiedlich verlaufen. Dies kann z. B. durch Unterschiede in der Virulenz eines Krankheitserregers, in der Dosis eines Gifts, im vorbestehenden Gesundheitszustand und Ernährungszustand der erkrankten Person, dem Zustand des Immunsystems und dem Alter des Patienten begründet sein. Auch äußere Faktoren (Temperatur (Hitzewelle, Kältewelle), Luftfeuchtigkeit, Staubbelastung, Zugluft) können Krankheitsverläufe beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
Zeitlicher Verlauf
Nach dem zeitlichen Verlauf klassifiziert man Erkrankungen, gelegentlich aber auch Ereignisse in anderen Bereichen, mit verschiedenen Begriffen:
- akut (von lateinisch acutus ‚scharf‘, ‚spitz‘) kennzeichnet schnell zum Ausbruch kommende Erkrankungen.
- chronisch (von griechisch χρόνος chrónos ‚die Zeit‘) kennzeichnet sich meist langsam entwickelnde und lang andauernde Erkrankungen. Der Krankheitsverlauf erstreckt sich über mehr als vier Wochen. Eine Erkrankung kann chronisch sein und trotzdem eine akute Komponente haben. Einige chronische Erkrankungen, wie z. B. Epilepsie, zeichnen sich durch akute Schübe (Anfälle) aus.
Zur feineren Klassifizierung gibt es Abwandlungen dieser Grundformen:
- perakut wird für sehr schnell auftretende und oft tödliche Krankheiten (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall) verwendet.
- subakut wird für eine klinisch weniger heftige Symptomatik als akut, zeitlich zwischen akut und chronisch verwendet.
- subchronisch ist eine verlängerte, aber noch geringere Krankheitsdauer als bei einem chronischen Verlauf<ref>Eintrag zu subchronisch im Flexikon, einem Wiki der Firma DocCheck, abgerufen am 10. Januar 2015.</ref>
- chronisch-progredient ist eine lang anhaltende oder bleibende Erkrankung, in deren Verlauf die Symptome zunehmen oder zusätzliche Symptome entstehen.
- prolongiert sagt man im Falle einer überdurchschnittlich langen Krankheits- oder Symptomdauer.
- transitorisch wird bei vorübergehenden Störungen verwendet.
Weitere Eigenschaften zeitlicher Verläufe sind:
- paroxysmal („anfallsartig“): sind innerhalb von sehr kurzer Zeit eintretende Symptome.
- foudroyant („überwältigend und schnell“): z. B. manche Lungenembolie, Sepsis
- rezidivierend: „wiederholt auftretend“, siehe Rezidiv
- episodisch oder phasenhaft: ab und zu oder mehr oder weniger oft eintretende Symptome
- schubförmig: wie "episodisch" nur meist mit jeweils dauerhafter Verschlechterung, wie bei Multiple Sklerose
- intermittierend: (ebenfalls phasenhaft, aber eher kurz), v. a. im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörung oder Fieber
- zyklisch oder rhythmisch: wie bei Wechselfieberarten (Malaria), mit einem typischen Zeitverlauf
- tardiv: ein langsamer oder verzögerter Eintritt der Erkrankung
- progressiv („fortschreitend“, Synonym: progredient): über einen längeren Zeitraum sich verschlimmernde Erkrankung, siehe Progredienz
- persistierend: eine Krankheit oder ein Symptom in konstanter Ausprägung
- protrahiert („in die Länge gezogen“) wie persistierend, aber mit Verschlechterungstendenz.
Nach Stärke der Symptome
- latent wird für „schlummernde“ Erkrankungen genutzt, bei denen beim Patienten keine Krankheitserscheinungen auftreten. Latente Infektionen können unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei einem verminderten Immunstatus) jedoch klinisch manifest werden.
- inapparent („nicht in Erscheinung tretend“) oder
- asymptomatisch („ohne Symptome“) wird für Erkrankungen ohne Krankheitszeichen verwendet (vergleiche Stille Feiung).
- subklinisch bedeutet unterschwellig, nicht offensichtlich.
- blande gilt für eher harmlose bzw. schwach ausgeprägte Symptome
- oligosymptomatisch bedeutet nur wenige klinische Symptome.
- klinisch manifest sind Erkrankungen mit gut erkennbaren Symptomen.
- aggraviert wird für (oft durch andere Faktoren oder durch Übertreibung - siehe Aggravation) verschlimmerte Krankheitszustände benutzt.
Nach Schweregrad oder Prognose
- letal werden tödlich verlaufende Erkrankungen bezeichnet, siehe Letalität.
- fulminant [fulmen (lat.) Blitz] sind sehr schwere Krankheitsverläufe, die dazu auch noch besonders schnell voranschreiten (analog zu foudroyant).
- remittiert oder remittierend für Heilung bzw. rückläufige Beschwerden.
- exazerbiert Verschlechterung chronischer Krankheitsverläufe (z. B. Exazerbation COPD)
- infaust wird für absehbar hoffnungslose Krankheitsverläufe verwendet.
Nach pathophysiologischem Schädigungsmuster
- abszedierend (einschmelzend, einen Abszess bildend)
- destruierend (zerstörend, v. a. Knochenstrukturen)
- nekrotisierend (Gewebsuntergang verursachend)
- konsumierend bei auszehrenden Erkrankungen mit so genannter B-Symptomatik wie bösartigen Krebsarten oder granulomatösen Krankheitsbildern wie Tuberkulose oder Granulomatose mit Polyangiitis, Sarkoidose
- erosiv (erosive Gastritis)
- generalisierend, z. B. epileptische Anfälle, die im Verlauf auf das ganze Gehirn übergreifen
- immobilisierend können akute Krankheitsbilder wie Rückenschmerz, aber auch chronische wie die rheumatoide Arthritis sein
- infiltrierend
- metastasierend (Absiedelungen bildend)
- obstruierend, obstruktiv (verschließend)
- perforierend (durchbrechend, durchbohrend)
- septische Verläufe sind solche mit Übergang in einen Zustand allgemeiner Blutvergiftung
- sklerosierend (allgemein: verhärtend)
- stenosierend (einengend)
- ulzerierend (Geschwüre bildend)
- zentralisierte Blutzirkulation im beginnenden Kreislauf-Schock
- phlegmonös (eitrig und sich diffus ausbreitend)
Nach Einwirkungsrichtung
- aszendierend (aufsteigend, z. B. Harnwegsinfekt in Richtung Nierenbecken)
- deszendierend (absteigend, z. B. Etagenwechsel bei Entzündungen des Nasen-Rachen-Raumes, auch Seitenstrang-Angina)
Nach dem Ursprung der Erkrankung
- Primäre Krankheit, entsteht unmittelbar aus der krank machenden Ursache, also z. B. in den Organen oder Geweben, Primärer Hyperaldosteronismus oder auch Conn-Syndrom
- Sekundäre Krankheit, die Krankheit entwickelt sich als Folge einer anderen Erkrankungen oder Schädigungen, z. B. Sekundärer Hyperaldosteronismus
Einzelnachweise
<references />
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