Garage


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25px Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Garage (Begriffsklärung) aufgeführt.
Datei:Carport In Front Of Garages.jpg
Garagen mit Schwingtor und vorgelagertem Carport

Eine Garage kann sowohl abschließbar als auch nicht verschließbar sein. Ein Indiz dafür findet sich beispielsweise in der "Verordnung über den Bau und Betrieb von Garagen sowie über die Zahl der notwendigen Stellplätze. In § 1 Abs. 1 Satz 1 sowie Abs. 2 findet sich der Hinweis, dass es offene Garagen sowie geschlossene Garagen gibt. Eine Garage muss nicht unbedingt verschließbar sein. Hier würde schon eine Schranke oder ein Absperrband für eine verschließbare Garage sorgen. In Wörterbüchern ist der Hinweis auf eine Garage, dass es sich um einen einfachen Bau handelt, in dem man ein Auto abstellt.

Das Wort Garage stammt, wie das verwandte „gare“ (Bahnhof), aus dem Französischen. Garer bedeutet „sicher verwahren“. In Österreich und der Schweiz wird unter Garage vorwiegend eine Autowerkstatt verstanden.

Bei den Garagen lassen sich Einzelgaragen und Großgaragen (Schweiz: Einstellhalle) unterscheiden. Während bei einer Einzelgarage das Fahrzeug seinen eigenen abschließbaren Raum besitzt, dient die Großgarage zur Aufnahme mehrerer Fahrzeuge. Einige Großgaragentypen bieten jedoch durch Rolltor und Gitter zwischen einzelnen Stellplätzen ebenfalls die Möglichkeit, ein Fahrzeug separat einzuschließen. Teilweise werden Großgaragen auch mit Kameras überwacht.

Eine Garagenanlage, die von mehreren Besitzern benutzt wird, bezeichnet man als Gemeinschaftsgarage.

Andere Bedeutung

In der Schweiz ist Garage auch die Bezeichnung für eine Autowerkstatt, der Betreiber wird Garagist genannt.

Garagenvarianten

Datei:DDR-Garagen.jpg
Mehrzweckgaragen aus DDR-Zeiten
Datei:Etagen-Garage.jpg
Etagengarage an einer hügeligen Straße
  • Beton-Fertiggarage
  • Fertiggarage aus Stahl oder Aluminium
  • gemauerte Garage
  • Einzelgarage: Stellplatz für ein Fahrzeug
  • Doppelgarage: hier können zwei PKW nebeneinander parken
  • Duplexgarage oder Doppelstockgarage: hier können zwei PKW übereinander parken
  • Großraumgarage: für LKW oder Wohnmobil ausgelegte Garage
  • Großgarage: Garage mit mehreren Pkw-Stellplätzen
  • Erddruckgarage: muss von der Baustatik her so ausgelegt sein, dass Wände und/oder Dach die Last auch nasser Erde tragen können; zudem muss sie gegen Feuchtigkeit isoliert sein.
  • Unterflurgarage: eingeschossige Erddruckgarage, die z. B. in einen Hang eingebaut werden kann oder als komplett unterirdischer Parkplatz eingebaut wird. Ihr Dach kann so als Gartenfläche oder Terrasse genutzt werden.
  • Tiefgarage: unterirdische Garage mit mehreren Stellplätzen
  • Hochgarage: oberirdische, mehrgeschossige Garage mit mehreren Stellplätzen
  • Reihengarage: in Modulbauweise werden mehrere Garagen mit dünnen Zwischenwänden nebeneinander gebaut
  • Parksysteme
  • Parkhaus
  • Carport

Garagendach

Selbst für Betonfertiggaragen gibt es unterschiedliche Dachformen, damit die Garage an die Optik des Hauses angepasst werden kann, z. B.

Viele Städte sehen beim Bau von Garagen oder Carports zwingend eine Dachbegrünung vor, zum einen für ein verbessertes Regenwassermanagement, zum anderen als Ausgleich für die zunehmende Versiegelung der Landschaft.<ref>vgl. Wolfgang Fabry: Öffentlich-rechtliche Aspekte der Dachbegrünung.</ref>

Garagentor

Es gibt verschiedene Formen von Garagentoren:

Garagentore werden heute meist mit einem Torantrieb ausgestattet, damit sie sich z. B. per Fernbedienung aus dem Auto heraus bequemer öffnen lassen.

Baurecht in Deutschland

Baurechtlich wird die Ausführung und der Betrieb von Garagen in Deutschland in den Verordnungen über den Bau und Betrieb von Garagen (Garagenverordnung, GaragenVO) der einzelnen Bundesländer geregelt.

In der Muster-Garagenverordnung des Bundes (M-GarVO) <ref>siehe Webseite Bauministerkonferenz</ref> ist unter anderem festgelegt:

Es sind Garagen mit einer Nutzfläche

  • bis 100 m² Kleingaragen,
  • über 100 m² bis 1000 m² Mittelgaragen,
  • über 1000 m² Großgaragen.

Offene Garagen sind Garagen, die unmittelbar ins Freie führende Öffnungen in einer Größe von mindestens einem Drittel der Gesamtfläche der Umfassungswände haben.

Die Stellplatzgröße beträgt mindestens 5 m Länge und 2,3 m Breite (links und rechts weitere Parkplätze) bzw. 2,5 m Breite. Ebenso werden Zufahrtsgrößen, Kurvenradien, Fahrgassen usw. festgelegt.

Die M-GarVO regelt auch die Lagerung von brennbaren Stoffen: So dürfen z. B. in Kleingaragen bis zu 200 l Dieselkraftstoff und bis zu 20 l Benzin in dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern aufbewahrt werden.<ref>Muster-Garagenverordnung Teil III, §18, 3.</ref>

Wenn Garagen in der Nähe der Grundstücksgrenzen oder direkt auf die Grundstücksgrenze gebaut werden, gilt das Grenzbaurecht. Unter bestimmten Größenvoraussetzungen erlaubt das Grenzbaurecht, sogar ohne die Zustimmung des Nachbarn Garagen direkt auf die Grundstücksgrenze zu bauen. Die Größenvorgaben unterscheiden sich je nach Bundesland bzw. Landesbauordnung.

Ein Sonderfall stellt die Maschinenhalle (z. B. in der Landwirtschaft) dar. Sie dient der Unterstellung oder Reparatur von KFZ wie LKW, Traktoren, usw. Damit erfüllt sie formal die Definition einer Garage. Allerdings handelt es sich bei den KFZ zumeist um Arbeitsmaschinen. Auch das Nutzerverhalten ist deutlich abweichend. Dementsprechend sehen die entsprechenden Garagenverordnungen der Länder Abweichungen hinsichtlich der baulichen Anforderungen (z. B. Brandschutz) sowie der technischen Ausrüstung (z. B. Lüftung) vor.

Geschichte

Datei:Chemnitz Villa Esche Remise 2005.jpg
Automobil-Remise der Villa Esche in Chemnitz, 1903
Datei:Dr-Carl-Benz-Garage.jpg
Dr.-Carl-Benz-Garage in Ladenburg, 1910

Die ersten Garagenneubauten entstanden in den USA<ref>Shannon Sanders McDonald: The parking garage. Design and evolution of a modern urban form, Washington 2007</ref>, Großbritannien<ref>Kathryn A. Morrison, John Minnis: Carscapes. The Motor Car, Architecture and Landscape in England, New Haven/London 2012, S. 167</ref>, Frankreich<ref>Pierre Belli-Riz: L'Immobilier de l'automobile en France, 1890-2000: du garage à la ville (Thèse de doctorat), Université de Paris VIII. 2000</ref> und Deutschland<ref> René Hartmann: Architektur für Automobile – Hochgaragen und Parkhäuser in Deutschland. Eine Auto[mobil]-Vision im 20. Jahrhundert (Dissertation), Technische Universität Berlin 2015</ref> bereits vor der Jahrhundertwende. Das Spektrum dieser eigens für die neuen Kraftwagen entworfenen Gebäude umfasste einfache Holzschuppen genau so wie aufwändig gestaltete, luxuriöse Sammelgaragen.

Eine der ältesten in Deutschland heute noch erhaltenen Garagen ist die 1903 fertiggestellte Automobil-Remise der Villa Esche in Chemnitz von Henry van de Velde. Hierbei handelte es sich um eine relativ einfach ausgestattete Doppelgarage (die Orangerie wurde erst 1911 aufgestockt).

Ein besonders beeindruckendes Beispiel für den Luxus privater Garagengebäude jener Zeit ist hingegen das 1907 fertiggestellte Automobil-Haus Reiner in München (Moneten- und Prinzenstraße) von Architekt Karl Bauer.<ref>René Hartmann: Die Hochgarage als neue Bauaufgabe – Bauten und Projekte in Berlin bis 1933 (Magisterarbeit, Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik), Technische Universität Berlin 2009</ref> In dieser, neben der Villa des Automobileigentümers gelegenen, Luxusgarage mit Auto-Einstellhalle, Werkstatt, Benzinlager und Waschplatz sowie Herren-, Spiel- und Damenzimmer, einer Bibliothek, einer Kegelbahn und einem dazugehörigen Schwimmbad konnten bis zu vier große Automobile eingestellt werden.

Die vielleicht bekannteste Einzelgarage Deutschlands ließ Carl Benz, der Erfinder des Automobils, im Jahr 1910 in Ladenburg als Turm in historistischen Formen mit Auto-Abstellplatz im Erdgeschoss und Studierzimmer im Obergeschoss errichten.<ref>Rhein-Neckar-Industriekultur.de: Älteste geplante Auto-Garage der Welt in Ladenburg. Abgerufen am 19. August 2014.</ref>

Ebenfalls als Einzelgarage entstand in der ostwestfälischen Stadt Minden 1908 ein Wagenhaus, in welchem Theodor Mayer, einer der ersten Automobilbesitzer der Stadt, sein Fahrzeug unterbrachte. Auch hier ist über dem Abstellplatz eine kleine Wohnung für den Chauffeur eingerichtet.<ref>Geschichte des "Alte Wagenhaus" Homepage der Freien Künstlergruppe Regenbogen, abgerufen am 30. Januar 2015</ref>

Sonstiges

Im Oktober 2007 wurde der Deutscher Garagenverband e. V. gegründet. Vereinszweck ist laut Satzung die „Förderung der Wissensgewinnung über Garagen sowie Information der Öffentlichkeit über die Herstellung, bauartbedingten Unterschiede, Einsatzzwecke und Nutzungsmöglichkeiten (Öffentlichkeitsarbeit)“. Der Verein befindet sich laut seiner Internetpräsenz 2012 bereits wieder in der Auflösung.

Siehe auch

Literatur

  • Pierre Belli-Riz: L'Immobilier de l'automobile en France, 1890-2000: du garage à la ville (Thèse de doctorat, Urbanisme et aménagement), Université de Paris VIII. 2000 (Lille, Atelier national de reproduction des thèses, 2002)
  • Shannon Sanders McDonald: The parking garage. Design and evolution of a modern urban form, Washington 2007
  • Anton Pech u. a.: Parkhäuser - Garagen: Grundlagen, Planung, Betrieb. 2., überarb. Aufl. Springer, Wien/New York 2009, ISBN 978-3-211-89238-1.
  • Andreas K. Vetter: Haus & Auto, Callwey Verlag München, 2011
  • Kathryn A. Morrison, John Minnis: Carscapes. The Motor Car, Architecture and Landscape in England, New Haven/London 2012
  • John A. Jakle, Keith A. Sculle: The Garage. Automobility and building innovation in America's early Auto Age, Knoxville (Tennessee) 2013
  • René Hartmann: Architektur für Automobile – Hochgaragen und Parkhäuser in Deutschland. Eine Auto[mobil]-Vision im 20. Jahrhundert (Dissertation, Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik), Technische Universität Berlin 2015

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Garage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons Commons: Garage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons Commons: Garagen in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />