Gilles Kepel


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Gilles Kepel - Chatham House 2012

Gilles Kepel (* 30. Juni 1955 in Paris) ist französischer Sozialwissenschaftler.

Leben

Gilles Kepel studierte Soziologie, Anglistik und Arabistik und erwarb zwei Doktorgrade in Sozial- und Politikwissenschaft. 1994 war er Gastprofessor an der New York University, 1995–1996 an der Columbia University.

Er ist Professor am Institut d’études politiques de Paris und hat dort den Lehrstuhl für den Vorderen Orient und den Mittelmeerraum (Chaire Moyen-Orient Méditerranée) inne. Er ist Autor soziologischer und politikwissenschaftlicher Werke und gilt als einer der besten Kenner des politischen Islam und des radikalen Islamismus. Er beschäftigt sich aber auch mit fundamentalistischen und antilaizistischen Strömungen im Juden- und Christentum (Die Rache Gottes, 1991).

Derzeit ist er Philippe-Roman-Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen am LSE IDEAS Centre for Diplomacy & Strategy an der London School of Economics and Political Science.

Vom 11. bis 14. Juni 2015 nahm er an der 63. Bilderberg-Konferenz in Telfs-Buchen in Österreich teil.

Banlieue de la République

Kepel hat sich 1987 mit der Studie Les banlieues de l'islam erstmals mit den Einwanderern in Frankreich beschäftigt. Mit Banlieue de la République (2012) veröffentlichte er zwei Berichte, für die er 2011 mit einem Team in Clichy-sous-Bois und Montfermeil, den Vororten (Banlieues), in denen die Massenkrawalle 2005 ihren Ausgangspunkt hatten, Feldstudien durchgeführt hatte:

  • Mehr als die Hälfte der Schüler schaffe nicht den Übergang in die Oberstufe, die Jugendarbeitslosigkeit liege bei 43 %. Die Eintragungen in den Wählerverzeichnissen liege bei 33 % und erreiche damit nur die Hälfte des Landesdurchschnitts.
  • Zwischen 1987 habe sich ein Übergang von dem importierten zu einem heimischen Islam vollzogen („Islam en France“ zu „Islam de France“). Die heutige Generation der Kinder verdanke demnach ihre Identitätsfindung einem Islam, der den Ideen der Republik ablehnend gegenüberstehe. Die Religion stelle eine Kompensation für die als schlecht, ungerecht und entwürdigend empfundenen Lebensumstände her. Im Alltag der Menschen spiele die Laizität keine Rolle.<ref>Lena Bopp: Wie sich Frankreich selbst belog, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Januar 2015, S. 13</ref><ref>Frankreich muss sich neu erfinden, Gespräch mit Gilles Kepel, FAZ, 18. April 2013, abgerufen am 16. Februar 2015</ref>

Werke

Auf Deutsch erschienen

Französische Originalausgaben

  • Les banlieues de l'islam. Naissance d'une religion en France. Le Seuil, Paris 1987.
  • La Revanche de Dieu. Chrétiens, juifs et musulmans à la reconquête du monde. Le Seuil, Paris 1991.
  • Le Prophète et le Pharaon. Aux sources des mouvements islamistes. Le Seuil, Paris 1984, édition révisée 1993.
  • A l'ouest d'Allah. Le Seuil, Paris, 1994.
  • Jihad. Expansion et déclin de l'islamisme. Gallimard, Paris 2000, édition révisée 2003.
  • Chronique d'une guerre d'Orient, automne 2001. Brève chronique d'Israël et de Palestine, avril-mai 2001. Gallimard, Paris 2002.
  • Fitna. Guerre au cœur de l'islam. Essai. Gallimard, Paris 2004.
  • Du jihad à la fitna. Bayard / BNF, Paris 2005.
  • Terreur et martyre. Relever le défi de civilisation. Flammarion, Paris 2008.
  • Banlieue de la République. Gallimard, Paris 2012.
  • Quatre-vingt-treize. Essai. Gallimard, Paris 2012.
  • Passion arabe. Gallimard, Paris, 2013.
  • Passion française. La voix des cités. Gallimard, Paris 2014.

Weblinks

französischsprachige Links

englischsprachige Links

Einzelnachweise

<references/>