Henschel Hs 132
Henschel Hs 132 | ||
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Typ: | Sturzkampfbomber, Schlachtflugzeug | |
Entwurfsland: | Deutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich | |
Hersteller: | Henschel Flugzeug-Werke AG | |
Erstflug: | – | |
Indienststellung: | – | |
Produktionszeit: | – | |
Stückzahl: | – |
Die Henschel Hs 132 war ein einsitziger strahlgetriebener Sturzkampfbomber des Herstellers Henschel Flugzeug-Werke AG von 1945. Bei Kriegsende war eine Maschine fertiggestellt und fünf Versuchsmuster befanden sich im Bau.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Schon im Anfangsstadium der deutschen Stukaentwicklung machten sich Techniker und Mediziner Gedanken über die Möglichkeiten den Piloten beim Abfangen der Maschine aus dem Sturzflug vor zu hohen g-Kräften und einem möglichen Black-out zu schützen. Dieser tritt beim Piloten in sitzender Position bereits bei einer über vier Sekunden andauernden Beschleunigung von 4–5 g ein. In der Liegeposition (Bauchlage) sind jedoch bis zu 12 g ertragbar. Dadurch werden auch kleinere Abfangradien möglich.
Zur wissenschaftlichen Untersuchung dieser Phänomene erteilte die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) Aufträge an die Flugtechnischen Fachgruppen der TH Stuttgart und der TH Berlin. In Stuttgart wurde daraufhin 1937 das Versuchsflugzeug fs 17 konstruiert und 1938 erfolgreich erprobt. In der Berliner Gruppe wurde 1943 die kleine zweimotorige Akaflieg Berlin B9 gebaut und geflogen. Das Bruchlastvielfache der Maschine sollte rechnerisch bei 25 g liegen, erflogen werden konnte jedoch nur ein maximaler Wert von 8,5 g
Nachdem sich das Sturzkampfflugzeug Ju 87 mit zunehmender Dauer des Krieges als zu langsam und damit verwundbar gegenüber Jagdflugzeugeabwehr und Flak erwies, wurden im Reichsluftfahrtministerium (RLM) Überlegungen für ein Nachfolgemodell angestellt. Ausschlaggebend für die Wiederaufnahme des Konzepts waren die guten vormaligen Bekämpfungserfolge der Ju 87 bei Punktzielen. Mit den damals modernsten Mitteln sollte ein neues Muster entwickelt werden. Dafür sollten auch die gerade in der Entwicklung befindlichen Strahltriebwerke zum Einsatz gelangen. Die Entwurfsabteilung von Henschel stellte sich die folgenden Aufgaben:
- hohe Horizontalgeschwindigkeit
- höchste Sturzgeschwindigkeit bis dicht über das Ziel
- kleinste Abmessungen
- möglichst großer Schutz für den Piloten
Nach diesen Vorgaben begannen ab Anfang 1944 die ersten Entwurfsarbeiten für ein kleines Sturzkampfflugzeug mit Strahlantrieb. Zusätzlich sollten auch Tiefangriffe im Bahnneigungsflug möglich sein. Nach Windkanalversuchen und wegen der guten Wartungsmöglichkeiten wählte man eine Auslegung, ähnlich der Heinkel He 162, bei der das Triebwerk auf dem Rumpfrücken angeordnet ist. Bei der Wahl der liegenden Position des Piloten griff man auf die Erfahrungen mit der B9 zurück, wobei das sichere Lastvielfache bei 12 g und die Sturzgeschwindigkeit bei 950 km/h liegen sollte. Dem Technischen Amt wurde das Projekt im Mai 1944 vorgestellt, worauf Henschel einen Auftrag über sechs Musterflugzeuge (Zwei Hs 132A und vier Hs 132B) erhielt. Als Prototypen V1 und V2 sollten die beiden ersten Maschinen dienen. Die HS 132B war als Schlachtflugzeug oder Jagdbomber ausgelegt und erhielt entsprechend noch zwei Maschinenkanonen MG 151. Die zwei V-Muster sollten mit dem Strahltriebwerk BMW 003 ausgerüstet werden, während die B-Serie das Jumo 004 erhalten sollte. Für eine bereits angedachte C-Serie wurde das Heinkel HeS 011 vorgesehen. In einem frühen Entwurfsstadium befand sich auch die Hs 132D mit einem neuen schlankeren Flügel.
Trotz wiederholter Verzögerungen durch Verlegung des Konstruktionsbüros und durch Bombenschäden bei den Unterlieferanten, konnte die Hs 132 V1(A) noch im Frühjahr 1945 fertiggestellt werden. Der Erstflug war für Juni 1945 vorgesehen. Bevor jedoch der Prototyp die Flugerprobung aufnehmen konnte, fiel die Maschine unbeschädigt in die Hände der Roten Armee. In einem fortgeschrittenen Bauzustand befanden sich die Hs 132 V2(A) und V3(B), die restlichen drei Mustermaschinen standen kurz vor der Endmontage.
Konstruktion
Die Hs 132 war ein freitragender Mitteldecker, dessen in Ganzmetall-Schalenbauweise ausgeführten Rumpf besaß einen fast kreisrunden Querschnitt. In der verglasten Rumpfspitze war der Pilot liegend in einer aus 8 mm dickem Stahlblech gepressten Liegewanne untergebracht. Diese diente auch als Zugangsklappe und als Schutz bei Bauchlandungen. Der zweiteilige Flügel mit einer Streckung von 4,11 besaß einen durchgehenden Holm, Querwände und Rippen bestanden, je nach Beanspruchung, aus Stahl oder Leichtmetall. Wegen der verlangten hohen Oberflächengüte waren die Tragflächen mit Sperrholz beplankt. Landeklappen und Querruder waren in einer neuartigen Wellholz-Bauweise ausgeführt, die als Vorläufer der heute üblichen Honeycomb-Bauweise angesehen werden kann.
Das in Holz ausgeführte Höhenleitwerk besaß eine V-Stellung, an seinen Enden waren Endscheiben als Seitenleitwerk angebracht. Die Ruder waren ebenfalls in der Wellholz-Bauweise konstruiert. Das Bugradfahrwerk wies ein nach hinten einziehbares Bugrad und ein nach innen in die Tragflächen eingefahrendes Hauptfahrwerk auf. Die Bombenlast betrug 500 kg.
Technische Daten
Kenngröße | Daten |
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Besatzung | 1 |
Länge | 8,90 m |
Spannweite | 7,19 m |
Höhe | 2,95 m |
Flügelfläche | 14,80 m² |
Flügelstreckung | 4,11 |
Startmasse | 3400 kg |
Höchstgeschwindigkeit | 780 km/h in 6000 m ohne Bombe 650 km/h in 6000 m mit Bombe |
Dienstgipfelhöhe | 10.500 m |
Reichweite | 776 km in 4000 m, 1114 km in 10.050 m |
Triebwerke | ein BMW 003A-1 |
Literatur
- Hans Redemann: Henschel Hs 132, in Flug Revue März 1970, S. 59 ff.
- Luftfahrt History Heft 3 – Henschel Hs 132 & DFS 228 link
- ohne Verfasser: Kuriose Kisten in Aero Heft 43/1988