Schachtansatzpunkt
Der Schachtansatzpunkt ist ein Begriff aus dem Bergbau. Er bezeichnet den Punkt zum Abteufen des Schachts an der Tagesoberfläche.<ref name= "Quelle 2" /> Für die richtige Auswahl des Schachtansatzpunktes werden unterschiedliche Aspekte gegeneinander abgewogen, die Lage des Schachtansatzpunktes wird erst nach einer genauen Planung bestimmt.<ref name= "Quelle 4" />
Inhaltsverzeichnis
Auswahlaspekte
Für die Auswahl des Schachtansatzpunktes sind im Prinzip mehrere Hauptaspekte ausschlaggebend, allerdings bestimmen in der Regel die bergtechnischen Aspekte den Schachtansatzpunkt.<ref name= "Quelle 1" /> Unter anderem müssen bei der Planung die Verhältnisse Untertage, die Verhältnisse Übertage und das Deckgebirge berücksichtigt werden.<ref name= "Quelle 5" /> Ein weiterer Aspekte für die Wahl des Schachtansatzpunktes ist die Größe des Grubenfeldes.<ref name= "Quelle 6" />
Verhältnisse Untertage
Bei den Verhältnissen Untertage werden zunächst die Menge, der Wert und die Verteilung der Lagerstätte berücksichtigt, außerdem das Streichen und Einfallen der Lagerstätte.<ref name= "Quelle 2" /> Dabei werden reichhaltige Lagerstättenteile des Grubenfeldes mehr berücksichtigt als ärmere.<ref name= "Quelle 5" /> Bei steiler Lagerung ist die Lage des Schachtes mehr an den Verlauf der Lagerstätte gebunden als bei flacher Lagerung.<ref name= "Quelle 4" /> Der Zuschnitt der Lagerstätte spielt eine wichtige Rolle, insbesondere die Länge der Fahrungs- und Förderwege.<ref name= "Quelle 7" /> Die Lage des Schachtansatzpunktes wird nach Möglichkeit so gewählt, dass die Förderwege zum Schacht möglichst kurz sind.<ref name= "Quelle 6" /> Die Lage eventuell vorhandener tektonischer Störungen wird ebenso berücksichtigt wie die Wahl der Wetterführung. Letztendlich spielt auch die Größe des Schachtsicherheitspfeilers eine wichtige Rolle: Schächte, die im Liegenden der Lagerstätte stehen, benötigen geringere Sicherheitspfeiler als Schächte im Hangenden.<ref name= "Quelle 5" /> Dies liegt daran, dass die Lagerstätten den Schacht in geringeren Teufen schneiden.<ref name= "Quelle 4" /> Außerdem sind bei Schächten, die im Hangenden der Lagerstätte stehen, an den Abbaugrenzen steilere Bruchwinkel vorhanden.<ref name= "Quelle 7" />
Verhältnisse Übertage
Für die Verhältnisse Übertage ist die Lage der Verkehrswege von besonderer Bedeutung.<ref name= "Quelle 2" /> Das Vorhandensein von Kanälen, Eisenbahnen oder Fahrstraßen bietet die Möglichkeit eines kostengünstigen und unproblematischen Abtransports des Produktes.<ref name= "Quelle 6" /> Dies gilt insbesondere dann, wenn der geförderte Rohstoff in großen Mengen abtransportiert werden muss oder wenn er keine hohen Erlöse bringt (Kohle bringt z.B. weniger ein als Diamanten).<ref name= "Quelle 5" /> Außerdem ist bei der Planung die Lage der nächsten Wohnbebauung zu berücksichtigen.<ref name= "Quelle 2" /> Nach Möglichkeit wird ein größeres Grundstück käuflich erworben, sodass ein großer Abstand zur nächsten Wohnbebauung entsteht.<ref name= "Quelle 4" /> Aus Kostengründen wird nach Möglichkeit ein Grundstück erworben, das verhältnismäßig niedrig im Quadratmeterpreis ist.<ref name= "Quelle 6" /> Dies ist bei Grundstücken der Fall, die weiter von einer vorhandenen oder geplanten Bebauung entfernt liegen.<ref name= "Quelle 4" /> Ein nicht außer Acht zu lassender Aspekt ist die Gefahr von Wasserzufluss.<ref name= "Quelle 2" /> Schon bei der Planung des Schachtansatzpunktes wird der Schutz gegen Wassereinbrüche von Oberflächengewässer mit berücksichtigt, falls erforderlich wird bei der späteren Umsetzung der Schacht auf einer geringen Bodenerhebung angesetzt.<ref name= "Quelle 5" /> Aus diesem Grund wird der Schachtansatzpunkt auch nicht in einer Talsohle geplant, auch wenn dort keine Oberflächengewässer vorhanden sind.<ref name= "Quelle 3" /> Ebenfalls zu berücksichtigen bei der Wahl des Schachtansatzpunktes ist der Schutz der Umwelt gegen Einwirkungen des Bergbaubetriebs.<ref name= "Quelle 4" />
Deckgebirge
Die Mächtigkeit und Beschaffenheit eines über der Lagerstätte vorhandenen Deckgebirges ist für die Wahl des Schachtansatzpunktes ebenfalls von Bedeutung.<ref name= "Quelle 7" /> So kann ein brächiges oder weiches und stark wasserführendes Deckgebirge das Abteufen des Schachtes deutlich erschweren.<ref name= "Quelle 1" /> Auch wird hierbei der erforderliche Schachtausbau unter Umständen teurer werden als bei besserem Deckgebirge.<ref name= "Quelle 5" /> Bei der Planung wird dieser Aspekt besonders berücksichtigt und der Schacht nach Möglichkeit dorthin gesetzt, wo das ungünstige Deckgebirge nur in geringerer Mächtigkeit vorhanden ist.<ref name= "Quelle 1" /> Um hier eine genaue Auswahl für den Schachtansatzpunkt zu treffen, werden oftmals mehrere Tiefbohrungen im Vorfeld getätigt.<ref name= "Quelle 4" />
Auswahl
Unter Berücksichtigung der einzelnen Auswahlaspekte wird der Schachtansatzpunkt unter Beachtung der jeweiligen Betriebsaufgaben festgelegt.<ref name= "Quelle 2" /> Unter Berücksichtigung der Lagerstättenverhältnisse wird der Schachtansatzpunkt für den ersten Schacht möglichst in die Mitte des jeweiligen Grubenfeldes gelegt.<ref name= "Quelle 3" /> Die Anzahl und Lage der weiteren Schächte ist von der Größe des Grubenfeldes abhängig.<ref name= "Quelle 5" /> Kleinere Grubenfelder werden in bis zu drei Schachtfelder unterteilt und können somit durch drei Förderschächte gelöst werden.<ref name= "Quelle 6" /> Da diese Art Schächte mit eigenen Tagesanlagen zu versehen und jeweils als Förderschächte auszubauen sehr kostspielig ist, geht man häufig einen anderen Weg und baut die Standorte gleich zu Doppelschachtanlagen aus. An den Rand des Grubenfeldes werden dann zusätzliche Wetterschächte angesetzt.<ref name= "Quelle 5" /> Bei einem Anschlussbergwerk wird ein Schacht für die Seilfahrt, die Förderung und die Bewetterung, meist am Rand des Anschlussfeldes angesetzt.<ref name= "Quelle 4" />
Einzelnachweise
<references>
<ref name= "Quelle 1">Horst Roschlau, Wolfram Heinze, SDAG Wismut (Hrsg.): Wissensspeicher Bergbautechnologie. 1. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1974.</ref> <ref name= "Quelle 2">Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7.</ref> <ref name= "Quelle 3">Albert Serlo: Leitfaden der Bergbaukunde. Erster Band, Vierte verbesserte und bis auf die neueste Zeit ergänzte Auflage, Verlag von Julius Springer, Berlin 1884.</ref> <ref name= "Quelle 4">Ernst-Ulrich Reuther: Lehrbuch der Bergbaukunde. Erster Band, 12. Auflage, VGE Verlag GmbH, Essen 2010, ISBN 978-3-86797-076-1.</ref> <ref name= "Quelle 5">Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Zweiter Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962.</ref> <ref name= "Quelle 6">Heinrich Otto Buja: Ingenieurhandbuch Bergbautechnik, Lagerstätten und Gewinnungstechnik. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH Berlin-Wien-Zürich, Berlin 2013, ISBN 978-3-410-22618-5.</ref> <ref name= "Quelle 7">B. W. Boki, Gregor Panschin: Bergbaukunde. Kulturfonds der DDR (Hrsg), Verlag Technik Berlin, Berlin 1952.</ref>
</references>
Weblinks
- BERGBAUBETRIEB DROSEN: Schachtansatzpunkte des Bergwerks (zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2014)
- Schachtansatzpunkt des Schachtes Friedrich Franz (zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2014)