Schutzsignal
Schutzsignale sind eine Gruppe von Signalbegriffen für Eisenbahnsignale. Sie dienen dazu, ein Gleis abzuriegeln, den Auftrag zum Halten zu erteilen oder die Aufhebung eines Fahrverbots anzuzeigen. Schutzsignale können auch an Hauptsignalen, Gleissperren oder in Form einer Tafel gezeigt werden. Sie gelten für Zug- und Rangierfahrten.
Sperrsignale sind ortsfeste Einrichtungen, die anzeigen, ob in einen Gleisabschnitt eingefahren werden darf.
Inhaltsverzeichnis
Deutschland
Bis 1959 bildeten die heutigen Schutzsignale Sh 0, 1 und 2 zusammen mit dem Vorrück- und Ersatzsignal sowie der Deckungsvorscheibe die besondere Gruppe der Fahrverbot- und Fahrerlaubnissignale (Ve). Bei der Deutschen Reichsbahn trugen die Formsignale der heutigen Begriffe Sh 0 und 1 sowie Wn 7 danach die Bezeichnung Gleissperrsignal (Gsp). Die Abkürzung »Sh« stand bis Mitte der 1990er Jahre für Schutzhaltsignal.
Deutsche Sperrsignale zeigen die Signalbilder der Gruppe der Schutzsignale oder Hp 0. Eine Verwendung für Sperrsignale sind Beifahranlagen.
Schutzsignale gibt es als Formsignal und als Lichtsignal. Sperrsignale können je nach Verwendungszweck und verfügbarem Platz niedrigstehend auf Gleisniveau – dann als Zwergsignal (scherzhaft gelegentlich auch Schotterzwerg) bezeichnet – oder hochstehend aufgestellt sein. Insbesondere bei Platzmangel, z. B. bei engem Abstand der Gleise zwischen denen ein Signal aufgestellt werden soll, werden Zwergsignale aufgestellt.
Formsignal | Beschreibung | Lichtsignal |
---|---|---|
|
||
|
||
|
||
|
||
|
Nur im Netz der Deutschen Reichsbahn gibt es seit 1959 das Signal Gsp 2, welches bedeutet, dass eine Gleissperre abgelegt ist. Der schwarze Balken des Gleissperrsignals steht dabei senkrecht. Das Signalbild wird heute als Wn 7 bezeichnet und bundesweit angewandt. Es soll zur Vermeidung von Fehlinterpretationen das Signalbild Sh 1 an Gleissperren ablösen. Wn 7 stellt dabei nie einen Fahrauftrag dar, sondern zeigt lediglich die Stellung der Gleissperre an.
Bis zum 1. März 1992, bei der ehemaligen Deutschen Bundesbahn nur bis zum 6. Juli 1986, existierte noch das Knallsignal Sh 4 („Sofort halten!“, nacheinander ertönen drei Knalle).<ref>www.bahnstatistik.de Die Signale der Deutschen Bundesbahn, Signalbuch (SB) DS 301 - gültig vom 15. Dezember 1959, Kapitel „Schutzsignale (Sh)“, Unterkapitel „Signal Sh 4 - Knallsignal“ (PDF)</ref> Es wurde durch auf das Gleis gelegte Knallkapseln gebildet, wobei schon ein Knall als Halteauftrag galt. Wegen der Gefährlichkeit der Knallkapseln für in der Nähe befindliche Personen und weil mit dem Zugfunk inzwischen bessere Verständigungsmöglichkeiten bestehen, wurde dieses Signal abgeschafft.
Österreich
Auch in Österreich werden Schutzsignale verwendet. Österreichische Schutzsignale sind ausschließlich Lichtsignale. Sie werden
- zur Unterteilung der Hauptgleise in Fahrwegabschnitte,
- zur Ergänzung von Gruppenhauptsignalen und
- zur Kennzeichnung des Endes eines Einfahrtgleises verwendet.
Die Schutzsignale befinden sich grundsätzlich rechts neben oder über dem Gleis.
Bei Zugfahrten bedeutet das Signal, dass in den nachfolgenden Fahrwegabschnitt mit der Geschwindigkeit eingefahren werden darf, die zuvor am Hauptsignal oder Geschwindigkeitsanzeiger angezeigt wurde. Sollte ein Geschwindigkeitsanzeiger beim Schutzsignal stehen, gilt dessen angezeigte Geschwindigkeit.
Bei Verschubfahrten bedeutet das Signal ohne den mittig lotrechten weißen Streifen, dass die Zustimmung für die Verschubfahrt gegeben wurde. Mit dem Streifen wird die Zustimmung der Verschubfahrt mit dem Verschubsignal „Verschubverbot aufgehoben“ gegeben.
Wie Hauptsignale haben auch Schutzsignale ein weiß-rot-weißes Mastschild. Fällt das Rotlicht aus, gebietet das Mastschild, wie beim Hauptsignal, „Halt!“.
Das Schutzsignal zeigt | Signalbild | Lichtsignal |
---|---|---|
Fahrverbot | ein rotes Licht | |
Fahrverbot aufgehoben | zwei weiße Lichter übereinander |
Der Begriff „Fahrverbot“ kann auch durch ein rotes Schild mit weißen Rand dargestellt werden. Es sieht wie das deutsche Schutzsignal Sh 2 aus.
Schweiz
Der Begriff „Schutzsignal“ wird in der Schweiz nicht verwendet.
Als Analogie existieren dort zum einen die sogenannten Zwergsignale, die hauptsächlich für die Zustimmung zu Rangierfahrten gelten, aber auch von Lokführern bei Zugfahrten beachtet werden müssen.
Zum anderen existiert das Haltsignal, welches zum Schützen eines gesperrten Gleises aufgestellt wird, aber auch zur Kennzeichnung von Gleisabschlüssen (Prellböcken) eingesetzt wird. Anstelle des Ausdrucks „Schützen“ wird in den Fahrdienstvorschriften jedoch der Ausdruck „Decken“ verwendet.
Weblinks
- Schutzsignale auf stellwerke.de
Literatur
- Eine Abhandlung über die beiden beweglichen Schutzhaltesignale im Bahnhof Goldbeck, Der Modelleisenbahner Heft 2/1984
Einzelnachweise
<references />
Signalsysteme: H/V-Signale (Hp, Vr) · Hl-Signale (Hl) · Ks-Signale (Ks) · Sv-Signale (Sv) · Sk-Signale (Sk)
Signaltypen: Bahnübergangssignal (Bü) · Fahrleitungssignal (El) · Fahrzeugsignal (Fz) · Hauptsignal (Hp) · Langsamfahrsignal (Lf) · Nebensignal (Ne) · Rangiersignal (Ra) · Rottenwarnsignal (Ro) · Schutzsignal (Sh) · Signale für Schiebelokomotiven und Sperrfahrten (Ts) · Vorsignal (Vr) · Weichensignal (Wn) · Zugpersonalsignal (Zp) · Zugsignal (Zg) · Zusatzsignal (Zs)
Hauptsignale: Einfahrsignal · Zwischensignal · Ausfahrsignal · Blocksignal · Deckungssignal