Sender Königs Wusterhausen
Sender Königs Wusterhausen | ||||||||
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Der einzige noch erhaltene 210-m-Sendemast („Mast 17“) auf dem Funkerberg
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Basisdaten | ||||||||
Ort: | Königs Wusterhausen | |||||||
Land: | Brandenburg | |||||||
Staat: | Deutschland | |||||||
Höhenlage: | 68 m ü. NHN | |||||||
Verwendung: |
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Zugänglichkeit: | Sendeanlage öffentlich nicht zugänglich | |||||||
Besitzer: | Stadt Königs Wusterhausen | |||||||
Daten der Sendeanlage | ||||||||
Höhe der Türme/Masten: | 210 m, 67 m | |||||||
Bauzeiten der Türme/Masten: | (1.) 1922−1923 (2.) 1994 | |||||||
Betriebszeiten der Türme/Masten: | (1.) 1923−1995 (2.) seit 1994 | |||||||
Wellenbereich: | LW-Sender | |||||||
Sendetypen: | Mobilfunk, LW | |||||||
Positionskarte | ||||||||
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Der Sender Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg im Norden Königs Wusterhausens in Brandenburg war eine der ersten Sendeeinrichtungen in Deutschland. Der Sendebetrieb begann 1915 und dauerte bis Sommer 1995. Die noch vorhandenen technischen Anlagen sind neben weiteren Ausstellungsstücken in einem dort seit den 1990er Jahren eingerichteten Museum zu besichtigen.
Inhaltsverzeichnis
Vom Funkbeginn im Jahr 1915 bis 1925
1915 ging der Sender Königs Wusterhausen als militärische Funkstelle mit dem Rufzeichen LP in Betrieb und gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges dem Heer. Am 27. September 1919 wurde die Deutsche Reichspost Eigentümer der Sendeanlage, die das Haupttelegraphenamt Berlin in den Folgejahren ausbaute und als Hauptfunkstelle des drahtlosen Telegramm-Dienstes mit vier Sendern, sowohl im Inlands- wie auch Auslandsverkehr, nutzte. Letzterer umfasste neben Italien und Österreich, die Staaten Nordost-, Ost- und Südosteuropas. Die Rufzeichen der Sender lauteten nun AFL bis AFT sowie AFV, AFW und AFY. Außerdem sendete die Hauptfunkstelle mehrmals täglich Wetterberichte an alle Flughäfen und Funkstellen des Flugsicherungsdienstes in Deutschland.
Die Reichspost unternahm von Königs Wusterhausen aus, erstmals ab Anfang 1920 Sendeversuche zur Übertragung von Sprache und Musik (Drahtlos-Telephonie auf der Wellenlänge von 1300 m, und Rundfunk über die Wellenlängen 2525, 2900 und 4000 m.) Die ersten Tonaussendungen waren die Konzerte an Weihnachten 1920 (22. Dezember) und Ostern 1921. Regelmäßige Ausstrahlungen begannen mit den Sonntagskonzerten, die in Eigeninitiative der Postbeamten stattfanden, die dazu auf ihren privaten Instrumenten Musikstücke spielten.
Die Übertragung der Telephonie- und Rundfunksendungen Anfang 1920 geschahen noch, mittels der Reichspost von der damaligen C. Lorenz AG, zur Verfügung gestellten Lichtbogen-Sendetechnik, weil der Post anfänglich kein eigener Tonsender zur Verfügung stand. Da die Firma Lorenz bereits in ihrer Versuchsfunkstelle Eberswalde einen solchen poulsenschen Lichtbogensender zur Übertragung von Sprache und Musik in Betrieb hatte, konnten die Technik betreuenden Lorenz-Ingenieure (u. a. Felix Gerth und Leo Pungs) hier ihre Erfahrungen aus Eberswalde weitergeben. Nachdem der private Empfang noch bis 1923 in Deutschland offiziell verboten war, öffneten sich 1923 die Wellen für den Rundfunk für Unterhaltung und Belehrung bzw. wie er später bezeichnet wurde: Unterhaltungsrundfunk.
Außerdem verbreiteten ab 1920 die Antennen neben dem Wetterdienst weitere Funksonderdienste: den Presserundfunk an Abonnenten im Deutschen Reich und im Jahr 1922 startete der Wirtschaftsrundfunk, auch „Eildienst“ genannt, mit Börsennachrichten an Bankhäuser und Großbetriebe.
Die Hauptfunkempfangsstelle für Königs Wusterhausen befand sich in Berlin-Zehlendorf (nicht identisch mit dem späteren Sender Zehlendorf-Oranienburg). Beide waren über Telegraphie- bzw. Telephonieleitungen mit dem Hauptelegraphenamt in Berlin verbunden. Ebenso die Großfunkstellen Eilvese und Nauen (einschließlich der Nauener Empfangsstelle in Geltow), die zusammen mit Königs Wusterhausen den Auslands-Telegrammverkehr bedienten.<ref>Knut Berger: Hallo! Hallo! Hier Eberswalde! Die Versuchsstation für drahtlose Telegraphie in Eberswalde. In: Heimatkundliche Beiträge, Heft 4. Hrsg.: Stadt Eberswalde. Eberswalde, 1998. S. 55–56.</ref><ref>F. Banneitz (Hrsg.): Taschenbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie. Julius Springer Verlag. Berlin, 1927. S 1045 ff.. </ref><ref>Joachim Beckh: Blitz & Anker. Informationstechnik – Geschichte & Hintergründe. Band 1. Books on Demand. Norderstedt, 2005. S. 353. ISBN 3.833.42996-8.</ref>
Erweiterung der Sendeanlagen ab 1925
1925 waren bereits 20 Sender verschiedener System teilweise gleichzeitig im Einsatz. Sowohl was die eigentliche Sendequelle (entweder Maschinen-, Lichtbogen- oder mit Elektronenröhren bestückte Röhrensender) betrifft als auch die Reichweite mit der entsprechenden Sendeleistung (von 0,2 bis 50 kW) war alles dabei. Zum Ende des Jahres begann aus Königs Wusterhausen der erste Deutschlandsender (später zur Unterscheidung Deutschlandsender I genannt) über einen 5 kW-Sender, mit der Ausstrahlung eines Programmes.<ref>Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte: Post- und Telekommunikationsgeschichte In: Band 4. Bonn, 1998. S. 77.</ref>
Zur Verstärkung der Gesamtsendeleistung, die bisher von Funkmasten in Höhen zwischen 100 und 200 m abgestrahlt wurden, war für 1925 ein neuer wesentlich größerer Funkmast im Bau.<ref name="RdT">Das Reich der Technik. Der neue Funkturm in Königswusterhausen. In: Die Post aus Deutschland, Nr. 27/28 vom 11. Juli 1925, S. 4.</ref> Der 243 Meter hohe Mittelturm – ein freistehender Stahlfachwerkturm – und zwölf abgespannte Masten mit 100 bis 210 Metern Höhe entstanden zur Verstärkung des Sendebetriebs nun auf dem Funkerberg. Bald reichte der Platz auf dem Berg nicht mehr aus und die Reichspost ließ weitere Anlagen im etwa 5 km weiter südöstlich gelegenen Zeesen (heute Ortsteil von Königs Wusterhausen) für den Deutschlandsender II mit 60 kW und den ersten Kurzwellensender errichten.<ref name="RdT">Das Reich der Technik. Der neue Funkturm in Königswusterhausen. In: Die Post aus Deutschland, Nr. 27/28 vom 11. Juli 1925, S. 4.</ref>
Der Sender nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten alle Einrichtungen in Zeesen und zahlreiche Anlagen auf dem Funkerberg demontiert werden. Allerdings wurden auf dem Funkerberg auch einige neue Sender installiert, unter anderem ein 100-kW-Langwellensender, der im August 1946 in Betrieb ging und bis 1992 noch als Reserve für den Sender Zehlendorf diente.
Die französischen Besatzungstruppen hatten am 16. Dezember 1948 den Mast des Senders Tegel wegen Gefährdung des Flugverkehrs am neuen Flughafen Tegel sprengen lassen. Der unversehrte Mittelwellensender wurde von den sowjetischen Technikern nach Königs Wusterhausen geschafft und dort am 20. März 1949 in Betrieb genommen.
Am 13. November 1972 stürzte der Mittelturm, der zusammen mit den weiterhin vorhandenen 210-Meter-Sendemasten eine T-Antenne trug, während des Orkantiefs Quimburga ein.
Seit 1995 statt Sendebetrieb technisches Museum
Nach der Wiedervereinigung wurde der Sendebetrieb nach und nach zurückgefahren. Seit den späten 1990er Jahren erfolgt nur noch Sendebetrieb von einem 67 Meter hohen Mobilfunkturm aus, der 1994 errichtet wurde. Ein 210 Meter hoher, mit zwei Langdrahtantennen ausgestatteter Sendemast ist inzwischen technisches Denkmal. Der reguläre Sendebetrieb von der Sendestation Königs Wusterhausen abseits des Mobilfunks endete im Sommer 1995. Die verbliebenen technischen Einrichtungen auf dem Funkerberg dienen als Sendermuseum Königs Wusterhausen. Der 210 Meter hohe Mast 17 auf dem Funkerberg wurde 2009 generalüberholt.
Literatur
- Gerd Klawitter: 100 Jahre Funktechnik in Deutschland – Funksendestellen rund um Berlin. ISBN 3-89685-500-X, S. 61–78.
Weblinks
Einzelnachweise
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