Soziale Gerechtigkeit
Der Begriff der sozialen Gerechtigkeit bezieht sich auf gesellschaftliche Zustände, die hinsichtlich ihrer relativen Verteilung von Rechten, Möglichkeiten und Ressourcen als fair oder gerecht bezeichnet werden können.<ref>Olaf Cramme, Patrick Diamond: Social Justice in the Global Age. Polity, 2009, ISBN 978-0-7456-4419-6, S. 3.</ref> Was genau Inhalt und Maßstab dieser Form von Gerechtigkeit sei, ist aber seit jeher umstritten und vielschichtig.<ref>Olaf Cramme, Patrick Diamond: Social Justice in the Global Age. Polity, 2009, ISBN 978-0-7456-4419-6, S. 3. Radikal kritisch als ein inhaltsleeres Schlagwort wertete Friedrich August von Hayek „soziale Gerechtigkeit“ in seinem Buch Die Illusion der sozialen Gerechtigkeit von 1976.</ref>
Als eigenständiger Ausdruck entstand „soziale Gerechtigkeit“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Sozialen Frage. Der Terminus geht auf das Werk Saggio teoretico di diritto naturale appoggiato sul fatto (1840–43) von Luigi Taparelli d’Azeglio zurück.<ref>Harald Jung: Soziale Marktwirtschaft und weltliche Ordnung. Lit Verlag, 2009, ISBN 978-3-643-10549-3, S. 286.</ref><ref>Arno Anzenbacher: Christliche Sozialethik: Einführung und Prinzipien. UTB, 1998, ISBN 3-8252-8155-8, S. 221.</ref> 1931 wurde er mit der Veröffentlichung der Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. erstmals formell und offiziell in den Lehrmeinungen des Papstes verwendet. Soziale Gerechtigkeit wurde als regulatives Prinzip zur Lösung der Sozialen Frage herangezogen. Innerhalb der Enzyklika wurde der Begriff noch nicht mit völliger wissenschaftlicher Schärfe verwendet, so dass noch Raum für unterschiedliche Akzentsetzungen blieb.<ref>Laut Bormann: Soziale Gerechtigkeit zwischen Fairness und Partizipation: John Rawls und die katholische Soziallehre. 2006, S. 290 hat „Nell-Breuning der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“<ref>Karl Marx, Friedrich Engels: Werke Band 19. Dietz, Berlin 1969, S. 31.</ref> In den Frühschriften von Marx findet sich als „kategorischer Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“.<ref>Karl Marx, Friedrich Engels: Werke Band 1. Dietz, Berlin 1961, S. 385.</ref> Unter den späteren Marxisten hat vornehmlich Ernst Bloch mit seinem Werk Naturrecht und menschliche Würde (1961) „eine eigene, genuin marxistische Gerechtigkeitstheorie“ formuliert.<ref>Grechtigkeit. In: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Band 5. Argument-Verlag, Hamburg 2001, Sp. 391.</ref> Der patriarchalischen und gönnerischen „Gerechtigkeit von oben“ setzte er eine aus den Forderungen sozialer Bewegungen hervorgehende „Gerechtigkeit von unten“ entgegen, die sich beispielsweise in Menschenrechte und Sozialstaatlichkeit niedergeschlagen habe.<ref>Vgl. Ernst Bloch: Naturrecht und menschliche Würde. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1961, S. 50ff., 227ff. sowie Eva Kreisky: Gerechtigkeitsdiskurse (PDF)</ref>
Friedrich Nietzsche
Friedrich Nietzsche sieht den Ursprung der Gerechtigkeit im Charakter des Tausches unter ungefähr gleich Mächtigen: „Jeder stellt den anderen zufrieden, indem er bekommt, was er mehr schätzt als der andere. Man gibt jedem, was er haben will, als das nunmehr Seinige, und empfängt dafür das Gewünschte.“ Auch Rache ist ein Austausch und „gehört ursprünglich – Bonn, 2003–16 S. = 161 KB, Text. – (Globalisierung und Gerechtigkeit) ISBN 3-89892-229-4, Electronic ed.: Bonn: FES Library, 2003
Einzelnachweise
<references />
ru:Справедливость#Социальная справедливость