Velarium
Ein Velarium (Plural: Velaria) war eine große Segeltuch-Plane. Auf dem Obergeschoss des Kolosseums in Rom, dessen Bau Vespasian veranlasst hatte, wurden Mastbäume befestigt, an denen ein riesiges schattenspendendes Sonnensegel aufgezogen werden konnte. Bei schlechtem Wetter und bei starker Hitze waren die Zuschauer so durch ein Zeltdach geschützt.
Inhaltsverzeichnis
Aufbau
Das Velarium war in jener Zeit eine grandiose technische Meisterleistung, es wurde aus vielen gleich großen Planen zusammengeknüpft. Die äußerst komplizierte Konstruktion konnte nur von sehr erfahrenen Matrosen der kaiserlichen Flotte ausgeführt werden. Diese Flotteneinheit war bei Misenum am Golf von Neapel stationiert und wurde extra für diesen Auftrag nach Rom berufen.
Das Kolosseum verfügte ursprünglich über insgesamt 240 Masthalterungen, die am oberen Gebäuderand situiert waren. Die Konstruktion der Masthalterungen war dergestalt, dass sich die Masten, einmal hineingesteckt, nicht in ihren Fassungen bewegen konnten. Dies sollte zusätzliche Stabilität des aufgespannten Sonnensegels garantieren. Der Abstand zwischen den einzelnen Halterungen ist, im direkten Vergleich mit anderen Amphitheatern der Antike, außergewöhnlich klein. Dies lässt Rückschlüsse auf den Versuch der Konstrukteure zu, den Innenraum des gigantischen Bauwerks mit so viel Schatten wie möglich zu versorgen.
Für das eigentliche Sonnensegel wurden viele große Stoffplanen zusammengeknüpft. Der Mittelpunkt der Konstruktion war ein Ring, der auf dem Boden des Amphitheaters platziert wurde. Durch diesen Ring liefen Seile über die 240 Sonnensegel-Masten in den Außenbereich der Arena. Dort wurden Winden eingesetzt, um das Velarium aufzuspannen. Der komplette Prozess des Aufspannens war überaus mühselig und zog sich über mehrere Tage hin. Bis zu 1000 Männer waren nötig, um das Velarium zu montieren.
Verbreitung
Außer im römischen Kolosseum gab es solche Vela oder Velaria in vielen Theatern und Amphitheatern des Römischen Reiches. Bei Ankündigungen von Spielen wurde mitunter ausdrücklich erwähnt, dass die Sonnensegel aufgezogen würden.
In der Kunst
In der Kunst bezeichnete Velarium bis ins beginnende 20. Jahrhundert eine horizontal ausgespannte Leinwand entweder in einem Raum mit Oberlicht, wie ein Ausstellungs- oder Gemäldesaal, oder über eine Straße oder einen Platz.
Erfolgte seine Herstellung aus einem festlichen Anlass, wurde das Velarium oft mit Ornamenten oder figürlichen Malereien aus der Hand bedeutender Künstler versehen. Es war nicht üblich, das Velarium über das tagesaktuelle Ereignis hinaus öffentlich auszustellen.
Literatur
- Rainer Graefe: Vela erunt: Die Zeltdächer der römischen Theater und ähnlicher Anlagen. Zabern, Mainz 1979. ISBN 3-8053-0361-0
- Siegfried Bühner: Textiler Sonnenschutz in Frühzeit und Antike. Pina-Design.de, Veröffentlicht am 3. November 2012, Zugriff am 16. April 2013
Einzelnachweise
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