Wasserträger
Der Ausdruck Wasserträger bezeichnet eine Person, welche Anderen notwendige Routinearbeiten abnimmt, sie damit unter Umständen erheblich entlastet und womöglich entscheidend zu deren Erfolg beiträgt.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
„Wassertragen“ ist ein historischer Dienstleistungsberuf: Vor der Ära von Trinkwassernetzen wurde Wasser gegen Entgelt zu den Verbrauchern ins Haus gebracht, wenn dort kein eigener Brunnen oder eine eigene Quelle vorhanden war.
Ein bekannter Wasserträger ist z. B. das Hamburger Original Hans Hummel. In Venedig wurde Wasser auch auf der Straße verkauft.
- Naya, Carlo (1816-1882) - Portatrice d'acqua a Ve 2.jpg
Fotografie von Carlo Naya: Wasserträgerin im Venedig des 19. Jahrhunderts
- Stadpark-gt-wassertraeger2.jpg
Bronzeguss-Skulptur „Der Wasserträger“ im Stadtpark Gütersloh
- Heinrich Zille Wasserträgerin.jpg
Kohle-/Kreidezeichnung von Heinrich Zille: „Wasserträgerin“
- Wasserträgerin Szymanski Lindenstraße Berlin.jpg
Eisen-Skulptur „Wasserträgerin“ des Bildhauers Rolf Szymanski in Berlin-Kreuzberg
Feuerwehr
In der Geschichte der Feuerwehr übernahmen Wasserträger die Funktion des Löschwasser-Transportierens. In der Regel hatten sie das Wasser in Ledereimern zu Fuß zur Brandstelle zu befördern, unter Umständen mittels einer Eimerkette. Direkte Löschaufgaben hatten sie dabei nicht.
Übertragene Bedeutung
In der modernen Welt werden als Wasserträger solche Mitglieder eines Teams bezeichnet, die notwendige, aber ruhmlose Aufgaben übernehmen, um jenen zuzuarbeiten, die als eigentliche Hauptpersonen in den Genuss des Erfolges kommen. Abgeleitet wird dies oft von der biblischen Geschichte der Hochzeit zu Kana, in der Jesus Christus Knechte Wasser herbeischaffen lässt, das er anschließend in Wein verwandelt (Joh 2,1-12 EU).
Im Radsport unterstützen Wasserträger (veralteter Ausdruck: „Domestiken“) die Favoriten der Mannschaft, wie ihren Teamkapitän, indem sie diesen Windschatten spenden, Ausreißversuche der Konkurrenten verhindern oder in einem solchen Fall die Nachführarbeit leisten. Sie selbst haben hingegen in der Regel keine Aussicht auf den Sieg. Ihren Namen verdanken sie hier auch ganz konkret einer weiteren Tätigkeit: dem Versorgen des Teams mit Nahrung und Getränkeflaschen (die durch sie z. B. vom Begleitfahrzeug weitergeleitet werden).
Bekannte Wasserträger waren im Radsport Rolf Aldag und Udo Bölts beim Team Telekom für Jan Ullrich, sowie José Luis Rubiera im US Postal Service Pro Cycling Team für Lance Armstrong. Den Rekord der getragenen Wasserflaschen stellte der Italiener Fabio Sacchi des Teams Milram mit 18 Wasserflaschen (9 kg) beim Giro d’Italia 2006 auf. Übernehmen die Helfer weniger die Versorgung und verstärkt Aufgaben wie Anfahren für Sprints oder Nachführarbeit, während sie selbst Titelaspiranten sind, werden sie als Edelhelfer bezeichnet (beispielsweise George Hincapie für Lance Armstrong oder De Schoenmacker für Eddy Merckx).
Im Fußballsport werden Spieler – zumeist im defensiven Mittelfeld – als Wasserträger bezeichnet, die den Stars der Mannschaft die Defensivarbeit abnehmen (Beispielsweise Herbert Wimmer für Günter Netzer).
Im Laufsport ist die Rolle des Zugläufers vergleichbar.
Beim Trial (Motorrad) hilft der Wasserträger dem Fahrer beim Herausfinden der besten Passage.
Im Bereich des Show-Business werden Personen, die der Hauptperson Pointen zuspielen bzw. diese vorbereiten, als Wasserträger bezeichnet.
Auch Assistenten der Geschäftsleitung oder von Politikern werden in diesem Sinne als Wasserträger bezeichnet.
Siehe auch
- Wasserträgerin, Skulptur des Bildhauers Rolf Szymanski in Berlin-Kreuzberg