Badehaus


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25px Dieser Artikel befasst sich mit dem öffentlichen Bad. Zu anderen Bedeutungen siehe Badhaus.
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Szene in einem Badehaus: Bader behandelt Badegäste. Stich von Jost Amman, 1568

Ein Badehaus (auch Badhaus, Badestube, Stube oder Stoben) war ein öffentliches Bad. Es diente nicht nur zur Körperpflege und der Behandlung von Krankheiten, sondern war auch ein beliebter gesellschaftlicher Treffpunkt.

Europa ab dem Mittelalter

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Badehausbetrieb 1671 in Paris
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Szene aus einem Badehaus. (Abbildung aus dem Factorum Dictorumque Memorabilium des Valerius Maximus, 15. Jahrhundert)

Ein Badehaus im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde im Auftrag der Gemeinde von einem Bader betrieben. Es spielte etwa vom 13. bis zum 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Alltagskultur. Gebadet wurde – meist mit Geschlechtertrennung – vor allem am Samstag oder am Vorabend hoher Feiertage. In den Badehäusern, die heutigen Hygienevorstellungen bei weitem nicht entsprachen, wurden auch Tätigkeiten wie Zähneziehen, Haarschneiden, Rasur sowie kleinere chirurgische Eingriffe (Aderlass, Schröpfen) ausgeführt. Teilweise wurden in Badehäusern auch Bordelle betrieben.

Die Blütezeit der Badehäuser in Mitteleuropa war das Spätmittelalter. Im 15. Jahrhundert wurde das Holz allmählich knapp, was zu einer Preissteigerung führte und das Baden verteuerte, so dass die Bäder weniger besucht waren. Der Niedergang der Badekultur wurde aber entscheidend durch das Auftreten von Seuchen wie Pest und Syphilis eingeleitet. In Wien wurden die Badehäuser in den Jahren 1521, 1554, 1562 und 1691 zeitweise wegen Seuchengefahr geschlossen. Die ersten Syphilisfälle in Deutschland wurden 1495 gemeldet, eingeschleppt von Landsknechten. Tatsächlich wurde die Krankheit in den Badestuben verbreitet, aber nicht durch das Baden selbst, sondern durch die fehlende Hygiene beim Aderlassen und Schröpfen. Das war damals jedoch nicht bekannt. Auch der Dreißigjährige Krieg führte zur Schließung von Badehäusern, vor allem in den protestantischen Gegenden Südwestdeutschlands.

Im Mittelalter gab es in Wien 21 Badestuben, im Jahr 1534 noch elf, zu Anfang des 18. Jahrhunderts nur noch sieben. In Frankfurt am Main werden im Mittelalter rund 15 Badehäuser betrieben, das Bürgerverzeichnis aus dem Jahr 1387 nennt 29 Bader (inklusive Gesellen). 1555 waren dort nur noch zwei Badestuben in Betrieb, und das auch nur noch zweimal pro Woche. 1809 wurde hier das letzte Bad dieser Art geschlossen.

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Das Innere eines Badehauses (Kupferstich von Virgil Solis, 16. Jahrhundert)
In Zedlers Universallexikon von 1733 wird eine öffentliche Badestube beschrieben:

„Es siehet aber eine Badstube also aus: Es ist nemlich ein niedriges Gemach, an dessen einem Ende ein Ofen, neben diesem Ofen aber ein Kessel mit heißen, und ein Kübel mit kalten Wasser ist, daraus man schöpffen, und wie man es brauchen will, die Wärme mäßigen kann. An denen Wänden sind Bäncke vor und über einander, darauf man sich höher oder niedriger setzen kann, nachdem man starck oder gelinde zu schwitzen verlanget, und diese werden die Schwitz-Bäncke genennet. Diejenigen, welche naß baden wollen, setzen sich in eine Bade-Wanne, die mit Wasser angefüllt ist.“<ref>Badstube. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 3, Leipzig 1733, Spalte 98.</ref>

Laut Zedlers Lexikon waren zu dieser Zeit die Badehäuser in Polen, Russland, Litauen und Skandinavien nach wie vor sehr verbreitet, in Mitteleuropa dagegen kaum noch.

Für die öffentlichen Badstuben, in denen nach Geschlechtern getrennt gebadet wurden, erließen die Herrschaften oder die Gemeinden als Betreiber Badeordnungen. Darin waren die Pflichten des Baders und seines Personals sowie das Verhalten der Badegäste geregelt. Da in den meisten Badstuben nach Geschlechtern getrennt gebadet wurde – Badebordelle gab es nur in den einschlägigen Vierteln größerer Städte – enthielten die Badeordnungen auch Vorschriften über „züchtiges“ Verhalten.

Im 19. Jahrhundert und auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Badehäuser eingerichtet als Maßnahme der öffentlichen Hygiene in Großstädten, die sogenannten Volksbäder. Die meisten Arbeiterfamilien hatten in dieser Zeit kein eigenes Badezimmer. Badehäuser entstanden auch in vielen Kurorten. Heute sind nur wenige Badehäuser im ursprünglichen Zustand erhalten.

Ein Brunnen in der Nähe eines Badehauses wird auch als Badbrunnen bezeichnet.

Historische Badestuben

An frühere Badestuben erinnert gelegentlich eine Badgasse oder Badstraße als Strassenname, siehe dazu beispielsweise Badgasse in Garmisch-Partenkirchen, Badgasse in Ochsenfurt, Bad- und Waschanstalt Winterthur. Auch in Flurnamen kommt der Begriff „Bad“ oder „Badstube“ vor; dabei handelt es sich vielfach um Grundstücke, die zusammen mit der Badstube als Lehen verliehen wurden.

Deutschland

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Das aus dem Mittelalter stammende Badhaus in Dieburg

Weitere

Andere Kulturen

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Eingang zu einem Hammam in der Medina von Hammamet

Literatur

  • Susanne Grötz, Ursula Quecke (Hrsg.): Balnea. Architekturgeschichte des Bades. Jonas Verlag, Marburg 2006, ISBN 3-89445-363-X.
  • Alfred Martin: Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen. Diederichs, München 1989 (Reprint der Ausgabe von 1906).
  • Hans Peter Duerr: Nacktheit und Scham. Der Mythos vom Zivilisationsprozess. (= Suhrkamp Taschenbuch Nr. 2285). Frankfurt am Main 1994 (Kapitel 3: Die mittelalterlichen Badstuben).
  • Birgit Tuchen: Öffentliche Badhäuser in Deutschland und der Schweiz im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Imhof, Petersberg 2003, ISBN 3-935590-72-5.
  • Eberhard Fritz: Badstuben im Konstitutionsprozess der ländlichen Gemeinde in Südwestdeutschland an der Wende der Frühen Neuzeit. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte. 65, 2006, S. 11–35.
  • Albrecht Cordes: Stuben und Stubengesellschaften. Zur dörflichen und kleinstädtischen Verfassungsgeschichte am Oberrhein und in der Nordschweiz. Stuttgart, Jena, New York 1993.
  • Clemens Zerling: Geselliges Miteinander in mittelalterlichen und bäuerlichen Badestuben. Nackt wie Gott sie schuf. In: Wolfgang Bauer, Sergius Golowin, Clemens Zerling: Heilige Quellen, Heilende Brunnen. Neue Erde, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-89060-275-2, S. 92–102.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

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