Bhumibol Adulyadej
Bhumibol Adulyadej der Große (Rama IX.); thailändisch: ภูมิพลอดุลยเดช, RTGS-Umschrift: Phumiphon Adunlayadet oder Adunyadet; Aussprache: “).
Regierungszeit
Auch nach der offiziellen Krönung kehrte Bhumibol noch einmal in die Schweiz zurück, um seine Studien fortzusetzen. Sirikit und er wandten sich jedoch vor allem dem europäischen Jetset zu, nahmen an Partys und Bällen teil. Infolge des Unfalls fiel es Bhumibol schwer, sich beim Studium zu konzentrieren, und er blieb letztlich ohne Abschluss aus Lausanne. Trotzdem erhielt er später ehrenhalber zahlreiche Titel von Universitäten im In- und Ausland. Im April 1951 brachte Sirikit die erste Tochter des Paares, Prinzessin Ubol Ratana, zur Welt.
Im Dezember 1951 kehrte Bhumibol nach Thailand zurück und übernahm die Regierungsgeschäfte. Drei Tage vor seiner Rückkehr unternahmen die führenden Militärs des Landes einen „stillen Putsch“, indem sie die Verfassung von 1949, die dem Parlament und dem König weitgehende Rechte einräumte, außer Kraft setzten. Sie befürchteten, dass Bhumibol ihnen kritisch gegenüberstehen und eine von Royalisten geführte Regierung einsetzen könnte. Bhumibol hatte ein angespanntes Verhältnis zum damaligen Ministerpräsidenten Feldmarschall Plaek Phibunsongkhram. Dieser hatte eine antiroyalistische Einstellung, versuchte die Rolle des Monarchen auf ein repräsentatives Mindestmaß zu beschränken und hatte stattdessen seit den 1940er-Jahren einen auf seine Person ausgerichteten Führerkult betrieben. Bhumibol fand, dass Phibunsongkhram sich wie ein „zweiter König“ aufführte und zeigte seine kaum verhohlene Abneigung gegenüber dem Regierungschef.<ref>Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60129-3, S. 171.</ref>
Im Juli 1952 bekamen Bhumibol und Sirikit ihren Sohn, den Thronfolger Prinz Vajiralongkorn. Es folgten noch zwei Töchter, die Prinzessinnen Sirindhorn (1955) und Chulabhorn (1957).
Im Oktober 1956 lebte Bhumibol – wie für sehr viele männliche Thailänder üblich – für 15 Tage (22. Oktober bis 5. November 1956) in einem Kloster als buddhistischer Mönch. Er suchte sich hierzu den Wat Bowonniwet im Bangkoker Stadtteil Banglamphu aus, den Haupttempel des Thammayut-Ordens, in dem sein Urgroßvater, König Mongkut, einst Abt gewesen war. Während jener Zeit übernahm Sirikit als Regentin die Amtsgeschäfte. Ihr wurde daher nachträglich in Anerkennung dieses Amtes der Titel Somdet Phra Borommarachininat („Königin und Regentin“) verliehen.
Wiederkehr des Royalismus
1957 putschte der mit dem Ministerpräsidenten Phibunsongkhram rivalisierende Feldmarschall Sarit Thanarat. Zu dem deutlich royalistischer eingestellten neuen Regierungschef hatte Bhumibol ein ungleich besseres Verhältnis. Während Bhumibol dem Militärherrscher durch seine Gunst Legitimität verlieh, räumte Sarit dem König eine große öffentliche Rolle ein.<ref>Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 172.</ref> Er überließ Bhumibol die Schirmherrnrolle für Projekte zur ländlichen Entwicklung. Sarits Regime propagierte Königstreue als Mittel gegen den drohenden Kommunismus, im Rahmen des inoffiziellen Staatsmottos „Nation, Religion, König“. Der König und der Ministerpräsident teilten ihre Begeisterung für Maßnahmen der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, den Ausbau der Infrastruktur und des Bildungssystems.
1959 wurden die jährliche Kathin-Zeremonie und die königliche Barkenprozession wieder eingeführt. Pin Malakul, ein entferntes Mitglied der Königsfamilie, wurde Bildungsminister. Er ließ Schulbücher überarbeiten, damit sie die Rolle des Königs stärker in den Mittelpunkt rückten.<ref>Chris Baker, Pasuk Phongpaichit: A History of Thailand. 2. Auflage. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-76768-2, S. 177.</ref> 1960 verlegte Sarit den Nationalfeiertag Thailands vom Jahrestag des Endes der absoluten Monarchie 1932 auf Bhumibols Geburtstag.<ref>Handley: The King Never Smiles. 2006, S. 143.</ref> Seit den 1960er-Jahren wird es wieder verlangt, sich vor dem König niederzuwerfen, was Bhumibols Großvater Chulalongkorn 1873 abgeschafft hatte. Für die Beschreibung von Aktivitäten des Königs und seiner Familie sowie Angelegenheiten mit Bezug zu ihnen hat eine besondere Terminologie (ratchasap, „Königssprache“) Wiedereinzug gehalten, die nach dem Ende des Absolutismus 1932 außer Gebrauch gefallen war.<ref>Handley: The King Never Smiles. 2006, S. 151–152.</ref>
Im Sommer 1960 machte das thailändische Königspaar eine ausgedehnte Reise nach Europa und Nordamerika, einschließlich eines Staatsbesuchs in der Bundesrepublik Deutschland. Der weltgewandt auftretende junge König und die gutaussehende und stilbewusste Königin zogen international viel positive Aufmerksamkeit auf sich. Das stärkte wiederum ihre Beliebtheit in der Heimat.<ref>Grossmann, Faulder: A Life's Work. 2012, S. 112–113.</ref><ref>Maurizio Peleggi: Refashioning Civilization. Dress and Bodily Practice in Thai Nation-Building. In: The Politics of Dress in Asia and the Americas. Sussex Academic Press, Eastbourne 2007, S. 77.</ref><ref>Kobkua Suwannathat-Pian: Kings, Country and Constitutions. Thailand’s Political Development, 1932–2000. RoutledgeCurzon, London/New York 2003, ISBN 0-7007-1473-1, S. 193.</ref>
Ab 1961 nahm die Zahl der Audienzen Bhumibols für Privatpersonen und Gruppen stark zu. Er baute dadurch Verbindungen zu der entstehenden und an Einfluss zunehmenden Mittelschicht auf. Der König bereiste das Land regelmäßig und besuchte insbesondere die Universitäten, wo er in Austausch mit den Studenten trat. Auch zum Militär hatte Bhumibol ab dieser Zeit ein immer engeres Verhältnis. War er zuvor nur auf dem Papier Oberbefehlshaber, nahm er ab 1963 regelmäßig an Angelegenheiten der Streitkräfte Anteil. Nach dem Tod Sarits 1963 wurde offenbar, wie sehr er sich bereichert hatte, und die Nachfolgeregierung unter Sarits bisherigem Stellvertreter, Feldmarschall Thanom Kittikachorn, suchte noch stärker die Nähe des Monarchen, um durch seine Unterstützung den Skandal zu überstehen und ihre Herrschaft zu festigen.<ref>Roger Kershaw: Monarchy in South-East Asia. The faces of tradition in transition. Routledge, London/New York 2001, S. 70.</ref>
Entwicklungsprojekte
Der König startete mehr als 1000 größere und kleinere Projekte, mit denen das gesamte Spektrum der ländlichen Probleme Thailands angesprochen wird (von der Einführung neuer Nutzpflanzen über die Wasserhaltung, von der Trockenlegung von Sümpfen bis zur Erhaltung der letzten Regenwälder des Landes).
Landwirtschaft, Bewässerungsprojekte, Rettungsdienst, Gesundheitswesen waren und sind zum Teil noch Problemfelder, für deren Verbesserung er persönlich sorgte und die er weiterhin tatkräftig begleitet. Unter anderem sorgte er für den Rückbau des Opiums im Norden und förderte den Anbau von Pflanzen und Früchten mit hohem Ertrag, die auf gemäßigtes Klima angewiesen sind. Auf dem Palastgelände betreibt er eine Versuchsfarm, die sich mit Viehzucht und experimentellem Fruchtanbau beschäftigt.
Politische Interventionen
1973 kam es zu Studentenprotesten gegen die Militärherrschaft, die sich im Oktober zu einem Volksaufstand erweiterten, an dem bis zu 500.000 Menschen teilnahmen. Die „Drei Tyrannen“, die Feldmarschälle Thanom Kittikachorn, Praphas Charusathien und Thanoms Sohn Narong Kittikachorn, versuchten, die Demonstrationen mit brutaler Gewalt niederzuschlagen, setzten Panzer und Kampfhubschrauber ein, wobei 77 Menschen getötet und hunderte verletzt wurden. Auf dem Höhepunkt des blutigen Vorgehens am 14. Oktober ließ Bhumibol die Tore seines Chitralada-Palasts öffnen, sodass sich Demonstranten auf sein Gelände retten konnten. Bhumibol entzog den Militärmachthabern seine Unterstützung und wandte sich moderateren Militärs wie dem Armeekommandanten General Krit Sivara zu, der sich weigerte, weiter auf das eigene Volk zu schießen. Krit drängte die „Drei Tyrannen“ aus dem Amt. Bhumibol forderte sie auf, das Land zu verlassen.<ref>David K. Wyatt: Thailand. A Short History. 2. Auflage. Yale University Press, 2003, ISBN 0-300-08475-7, S. 288</ref> Er machte von seiner Reservebefugnis Gebrauch und ernannte den Juraprofessor und Rektor der Thammasat-Universität Sanya Dharmasakti zum Übergangs-Ministerpräsidenten. Er beauftragte ihn außerdem, eine neue, demokratische Verfassung auszuarbeiten.<ref>Grossmann, Faulder: A Life's Work. 2012, S. 156.</ref><ref>Handley: The King Never Smiles. 2006, S. 215.</ref> Seither steht er in dem Ruf, eine starke Rolle für die Monarchie und demokratische Rechte für das Volk zu vereinen.<ref>Suwannathat-Pian: Kings, Country and Constitutions. 2003, S. 63.</ref>
Angesichts des Siegs der Kommunisten in den südostasiatischen Nachbarländern Vietnam, Kambodscha und Laos, politischer Radikalisierung und weitergehenden Forderungen und Protesten der Linken im eigenen Land umgab sich Bhumibol in der folgenden Zeit aber wieder mit Militärs und wandte sich antidemokratischen Kräften zu. So unterstützte er aktiv die rechte Bewegung der „Dorfpfadfinder“ (Luksuea Chaoban), die gegen die Studentenbewegung, Gewerkschaften und progressive Bauernverbände kämpfte. Er wohnte ihren Versammlungen bei und segnete ihre Halstücher und Flaggen.<ref>Thanet Aphornsuvan: Bhumibol Adulyadej. In: Southeast Asia. A Historical Encyclopedia, from Angkor Wat to Timor. ABC–CLIO, Santa Monica CA 2004, S. 233–234.</ref> Als der entmachtete Militärdiktator Thanom Kittikachorn im September 1976 aus dem Exil nach Thailand zurückkehrte, um Mönch im vom Königshaus favorisierten Wat Bowonniwet zu werden, besuchten ihn der König und die Königin dort. Die dadurch ausgelösten erneuten Proteste von Studenten und Demokratieaktivisten wurden am 6. Oktober 1976 von Einheiten der Grenzschutzpolizei, „Dorfpfadfindern“ und anderen rechten Milizen im Massaker an der Thammasat-Universität zerschlagen. Das Militär übernahm wieder die Macht, und Bhumibol ernannte seinen Favoriten, den rechten Hardliner Thanin Kraivichien, zum Ministerpräsidenten. Dieser kündigte an, dass Thailand erst nach zwölf Jahren unter einer ernannten Übergangsregierung wieder zur Demokratie zurückkehren könne.<ref>Baker, Phongpaichit: A History of Thailand. 2009, S. 194.</ref> Er wurde jedoch schon nach einem Jahr wieder vom Militär gestürzt.
1980 wurde der General Prem Tinsulanonda Regierungschef, zu dem Bhumibol wieder ein ausgezeichnetes Verhältnis hatte. Als eine Gruppe von Offizieren (die thailändischen „Jungtürken“) 1981 einen Putschversuch unternahmen, begleiteten der König und die Königin Prem auf dessen Flucht nach Nakhon Ratchasima. Sie gaben Erklärungen ab, in denen sie ihre eindeutige Unterstützung für Prem und ihre Ablehnung des Putsches erklärten, der kurz darauf scheiterte. Während der achtjährigen Amtszeit Prems stand der König bedingungslos hinter dem Premier, den er als unbestechlich schätzte und dessen subtiles und zurückhaltendes Auftreten er teilte. Zugleich war Prem geschickt im Bilden von Allianzen und im Ausüben von Patronage. Er gilt als Kopf eines informellen politischen Systems, das in der Terminologie des auf Thailand spezialisierten Politikwissenschaftlers Duncan McCargo „Netzwerk-Monarchie“ genannt wird. Nach seinem Ausscheiden von der Regierungsspitze im Jahr 1988 berief Bhumibol Prem in seinen Kronrat, 1998 sogar als Nachfolger Sanya Dharmasaktis zu dessen Präsidenten. In der Folgezeit galt Prem weiter als politischer Gewährsmann und Sachwalter des Königs. Durch Einflussnahme auf Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen sorgte er dafür, dass stets dem Palast nahestehende Personen Schlüsselpositionen in Politik, Militär, Justiz und Verwaltungen einnahmen.<ref>Duncan McCargo: Network monarchy and legitimacy crises in Thailand. In: The Pacific Review. Band 18, Nr. 4, Dezember 2005, S. 499–519, doi:10.1080/09512740500338937, insb. S. 506.</ref>
Die größte Herausforderung für den König war wohl das Massaker vom 17. Mai 1992, als Hunderte von Demonstranten gegen die Regierung des Premierministers General Suchinda Kraprayoon vom Militär erschossen wurden. Als die Lage eskalierte, bestellte der König den Premier und seinen Kontrahenten, den wichtigsten Oppositionsführer Chamlong Srimuang, am 20. Mai zu einer Audienz ein. Vor laufender Kamera musste der Regierungschef versprechen, die Gewalt gegen die Demonstranten sofort einzustellen, verhaftete Regierungsgegner zu amnestieren und die Verfassung zügig abzuändern. Der Oppositionssprecher musste sich dagegen verpflichten, die Proteste gegen die Regierung zu beenden und stattdessen auf einen Kompromiss zuzuarbeiten.<ref>Jérôme Bony: Thailand Black May 1992. In: YouTube. Ausgestrahlt von Antenne 2 (heute France 2), archiviert vom Institut national de l’audiovisuel (INA). (Die Kontrahenten rutschen auf Knien vor den König; französisch).</ref> Die Ansprache des Königs an die beiden politischen Führer, die gemäß dem geltenden Hofprotokoll vor dem König knien und sich zu Beginn und Ende der Audienz vor ihm niederwerfen mussten, konnte auf Zuschauer wie eine „Standpauke“ für beide Seiten wirken.<ref>Handley: The King Never Smiles. 2006, S. 1–2.</ref> Das Blutvergießen konnte so beendet werden.
Den Versuch der Militärjunta, ihre Herrschaft nach dem Rücktritt Suchindas durch einen ihnen nahestehenden Politiker fortzusetzen, verwarf Bhumibol. Die promilitärischen Parteien, die immer noch über eine Mehrheit im Parlament verfügten, hatten dem König Somboon Rahong zur Ernennung vorgeschlagen. Bhumibol fürchtete, dass der blutige Konflikt gleich wieder aufbrechen und das Land spalten könnte. Er ließ daher Somboons Namen auf der Ernennungsurkunde durch den seines Favoriten, des parteilosen Liberalen Anand Panyarachun, ersetzen. Obwohl die Ernennung Anands, der kein gewählter Politiker und kein Mitglied des Parlaments war, nicht im Sinne der Verfassung war, stieß dieser Schritt auf weitgehende öffentliche Zustimmung. Damit bewies Bhumibol, wie schon nach dem Volksaufstand 1973, erneut, dass er über der Politik und auch über dem Militär stand.<ref>Suwannathat-Pian: Kings, Country and Constitutions. 2003, S. 178–179.</ref>
Netzwerk-Monarchie
Nach dem Mai 1992 intervenierte Bhumibol nicht mehr selbst politisch, bediente sich aber weiterhin der unter seinem Schutz stehenden „Netzwerk-Monarchie“. Bis Ende der 1990er-Jahre hatte diese zwar keine vollständig dominierende Stellung, sie war jedoch mit Abstand die einflussreichste und dauerhafteste unter Thailands politischen Allianzen, sodass das Bilden von Mehrheiten und Regieren gegen dieses Netzwerk unmöglich erschien. Damit ging aber nicht immer eine konservative Politik einher: Bhumibol begrüßte auch liberale Reformen sowie die als sehr fortschrittlich geltende, sogenannte „Verfassung des Volkes“, die unter der Leitung von Anand Panyarachun – einem Vertrauensmann des Königs – ausgearbeitet wurde und 1997 in Kraft trat.
2001 wurde jedoch Thaksin Shinawatra zum Ministerpräsidenten gewählt, der erstmals den Versuch wagte, den Einfluss der „Netzwerk-Monarchie“ zu beschneiden und durch ein von ihm selbst abhängiges Netzwerk zu ersetzen.<ref>McCargo: Network monarchy and legitimacy crises in Thailand. 2005, S. 499.</ref> Bhumibol kritisierte Thaksin zuweilen ungewöhnlich deutlich, etwa für dessen kompromisslose und gewaltsame Vorgehensweise im Konflikt mit den muslimischen Separatisten in Südthailand oder für dessen fehlende Kritikfähigkeit. Ende 2005 begann sich eine Bürgerbewegung gegen Thaksin zu bilden, die sich ausdrücklich auf den König berief und gelbe Hemden trug, eine Farbe, die in der thailändischen Farbensymbolik mit Bhumibol verbunden wird. Als diese Volksallianz für Demokratie im März 2006 den König aufforderte, Thaksin zu entlassen und unter Umgehung des Vorschlagsrechts des Parlaments einen neuen, ungewählten Ministerpräsidenten zu ernennen, lehnte Bhumibol das allerdings klar ab. In Reden vor Richtern der beiden obersten Gerichtshöfe erklärte er am 25. bzw. 26. April 2006:
„Ich bin sehr beunruhigt über dieses Durcheinander. Was auch immer passiert, sie erbitten von mir einen königlich ernannten Premier. Das entspricht aber nicht der demokratischen Regierungsform. Wenn man dafür Artikel 7 der Verfassung anführt, so ist das eine Fehlbehauptung. Man kann das nicht dafür anführen. Artikel 7 hat zwei Zeilen. Dort steht: Wenn etwas nicht in der Verfassung geregelt ist, so ist nach der Tradition oder dem bisherigen Brauch zu verfahren. Da steht nicht: Wenn sie einen ernannten Premier wollen, können sie einen ernannten Premier erbitten. Das wäre keine demokratische, sondern eine, verzeihen Sie den Ausdruck, verkorkste, eine unvernünftige Regierungsform.“
Zugleich rief er die Richter auf, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Eine Wahl, bei der nur eine Partei antritt, sei undemokratisch und anormal (die Oppositionsparteien hatten die vorangegangenen Parlamentswahlen boykottiert, sodass in vielen Wahlkreisen nur ein Kandidat der regierenden Thai-Rak-Thai-Partei antrat). Einige Tage später erklärte das Verfassungsgericht die Wahl für ungültig und setzte einen neuen Termin zur Wiederholung an.<ref>Michael H. Nelson: Political Turmoil in Thailand. Thaksin, Protests, Elections, and the King. In: Eastasia.at, Band 5, Nr. 1, September 2006, S. 13–14.</ref> Dazu kam es allerdings nicht mehr, da bereits im September 2006 das Militär putschte. Der König billigte den Putsch, ernannte den Juntaführer General Sonthi Boonyaratglin zum Vorsitzenden des „Rats für demokratische Reformen“, der vorübergehend die faktische Regierungsgewalt übernahm, und forderte alle Staatsbediensteten auf, General Sonthis Befehlen zu folgen.<ref>Thailands König Bhumibol unterstützt Putschisten. In: Deutsche Welle. 20. September 2006.</ref>
Rückzug im Alter und Krankheit
Im Jahre 2006 fanden in Bangkok anlässlich seines 60-jährigen Thronjubiläums umfangreiche Feiern statt. Er ist somit das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt, vor Elisabeth II. von Großbritannien (seit 1952). In letzter Zeit ist der König von gesundheitlichen Problemen betroffen. Seit einer Lungenentzündung im September 2009 residierte er dauerhaft im Siriraj-Krankenhaus in Bangkok, das einen separaten Flügel für den königlichen Patienten eingerichtet hatte. Er verließ es nur selten und stets im Rollstuhl.<ref>Thanyarat Doksone: Thai king makes 1st trip outside Bangkok in years. In: The Seattle Times. 25. Mai 2012. Archiviert vom Original am 25. Mai 2014, abgerufen am 28. November 2015. </ref> An seinem 84. Geburtstag (2011) wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zum Palast gefahren, wo er eine kurze Ansprache hielt.
Am 1. August 2013 wurde Bhumibol nach vier Jahren aus dem Krankenhaus entlassen. 20.000 bis 30.000 Menschen versammelten sich laut Polizeiangaben, als er die zweistündige Fahrt zu seiner Residenz in Hua Hin antrat.<ref>Thailands König nach vier Jahren aus Krankenhaus entlassen. In: ORF.at. 1. August 2013.</ref> Am 9. Juni 2015 gab er zum 69. Jahrestag seiner Krönung eine Audienz in Bangkok.
König Bhumibol Adulyadej als Privatmann
Bhumibol ist u. a. als Musiker, Komponist, Fotograf (in zahlreichen Abbildungen ist er mit einer Kamera um den Hals hängend zu sehen),<ref>Till Krause: Der Klicksbringer. Die Thailänder lieben ihren König Bhumibol. Und wen liebt er? Seinen Fotoapparat. In: Süddeutsche Zeitung Magazin. Heft 17/2013.</ref> Maler, Schriftsteller, Segler, Ingenieur und Funkamateur aktiv. Insbesondere gilt er als leidenschaftlicher Saxophon-Spieler, der gerne mit anderen Jazzern im Palast von Bangkok spielt (so 1960 mit Benny Goodman).<ref>Alisa Tang: Thailand’s Monarch Is Ruler, Jazz Musician. In: The Washington Post. 13. Juni 2006.</ref><ref>The Jazzy King. In: Bangkok Post (Sonderausgabe zum 60. Thronjubiläum). Archiviert vom Original am 26. Juni 2013, abgerufen am 28. November 2015. </ref> Etwa 40 Kompositionen sind bislang bekannt. Zudem ist er der höchste Pfadfinder Thailands. Auch werden seine Gemälde und Zeichnungen in Ausstellungen gezeigt. Als Segelsportler gewann er 1967 eine Goldmedaille bei den Südostasienspielen.
Mit Königin Sirikit Kitiyakara hat er vier Kinder: Prinzessin Ubol Ratana, Kronprinz Maha Vajiralongkorn, Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn und Prinzessin Chulabhorn Walailak.
Öffentliche Wahrnehmung
Seit 1946 stellt König Bhumibol Adulyadej die Integrationsfigur des Landes dar. In einer Volksabstimmung verlieh ihm die Bevölkerung 1987 den Beinamen Maharat („Der Große“), und etwa drei Millionen Menschen strömten im Juni 2006 in Bangkok auf die große Feier zu seinem 60. Thronjubiläum. Das Motto seiner Regierungszeit lautet: Ich werde das Land einzig zum Vorteil seiner Menschen regieren. Damit will er sich deutlich von den meisten politischen Machthabern Thailands unterscheiden. Aus diesem Grund verbringt er insgesamt mehr Zeit unterwegs im Lande als in seinem Palast, vor allem um landwirtschaftliche Projekte (so bei Staudämmen, Vieh- und Fischzuchten) zu besuchen und zu beraten.
All seine Reiseunternehmungen dokumentiert er mit einer kleinen Kamera. Anlässlich einer Naturkatastrophe im Jahre 1962 startete er eine Spendenaktion im Lande, wobei mehr Geld eingenommen werden konnte, als schließlich benötigt wurde. Mit dem Überschuss wurde der heute noch existierende königliche Hilfsfonds gegründet, dessen Patron der König selbst ist. Sein guter Ruf steht für unbürokratische, korruptionsfreie Verwendung der Mittel, und der Fonds wurde deshalb von vielen Thailändern auch anlässlich des Tsunamis vom 26. Dezember 2004 mit Spenden bedacht.
Von der Bevölkerung wird König Bhumibol verehrt. Dies wird unter anderem daran erkennbar, dass in den meisten Haushalten Thailands ein Bild des Königs hängt, ohne dass dies angeordnet wäre. Vor beinahe jeder kulturellen Veranstaltung (auch im Kino oder Theater) wird die Königshymne abgespielt, zu der sich alle Anwesenden erheben, und nach deren Ende sich viele in Richtung des Königssymbols verneigen. So waren unter anderem anlässlich seines 80. Geburtstags am 5. Dezember 2007 über Monate hinweg im ganzen Lande Bilder von König Bhumibol aufgestellt.
In allen königsbezogenen Hymnen, Filmaufnahmen und Hommagen (bei Kinovorführungen) wird ein „königliches Regenprojekt“ (ฝนหลวง, Fon luang) genannt: Während der Dürre im Isan wurde eine ungiftige Chemikalie entwickelt, welche die Wolken zum Regnen brachte.
In Thailand finden sich auf vielen Autos die Aufkleber เรารักในหลวง (Wir lieben den König), und viele thailändische Bürger tragen gelbe Armbänder oder gelbe Hemden mit der gleichen Aufschrift, die vom Königspalast verkauft werden, um Projekte des Königs zu finanzieren. Gelb gilt als die Farbe von König Bhumibol, da es eine feststehende Zuordnung von Wochentagen und Farben gibt und dem Montag, an dem der Monarch geboren wurde, Gelb zugeordnet ist.
Während der Demonstrationen gegen Premierminister Thaksin Shinawatra im Frühjahr 2006 trugen viele der Demonstranten gelbe Stirn- und Armbänder, um ihre Verbundenheit zum König und ihren Vorwurf gegen Thaksin, nicht königstreu zu sein, Ausdruck zu verleihen.
Dem König zu Ehren wurde der große Staudamm in der Provinz Tak Bhumibol-Staudamm benannt.
Vermögen
2008 bezeichnete das Forbes Magazine Bhumibol als reichsten Monarchen weltweit. Es gab sein Vermögen mit 35 Milliarden US-Dollar an. Dabei kalkulierte es allerdings das vom Crown Property Bureau verwaltete Kronvermögen mit ein, das zwar unter der Kontrolle des Königs steht, aber offiziell nicht als dessen Privatvermögen gilt.<ref>The Top 15 Wealthiest Royals. In: Forbes Magazine. 22. August 2008.</ref>
Majestätsbeleidigung
Der König sowie die königliche Familie genießen in Thailand höchsten Respekt, doch ist er auch durch das Lèse-Majesté-Gesetz (franz., vom lateinischen Laesa maiestas oder Laesae maiestatis, deutsch: Majestätsbeleidigung) geschützt, aufgrund dessen Kritiker zu Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren verurteilt werden können.<ref name="reuters1">Paul Champion: Professor in lese majeste row. In: Reuters. 25. September 2007</ref> Während der Amtszeit des Ministerpräsidenten Tanin Kraivixien wurde das Gesetz dahingehend verschärft, dass nun auch Kritik an der königlichen Familie, an königlichen Projekten, der Chakri-Dynastie oder auch vorherigen Königen unter Strafe gestellt wurde. Der Vorwurf der Majestätsbeleidigung wird dabei nicht vom König selbst oder vom Hofe erhoben, sondern von Politikern, Staatsanwälten und von den Polizeiorganen verfolgt. In der thailändischen Politik wird dies häufig benutzt, um den politischen Gegner anzuschwärzen, ihm Mangel an Loyalität zum König und zum Staat generell zu unterstellen und seine Sympathien bei der Bevölkerung zu schmälern oder ihn ganz auszuschalten.
König Bhumibol selbst hat sich in seiner Geburtstagsrede 2005 dahingehend geäußert:
„Wenn man sagt, der König darf nicht kritisiert werden, würde das bedeuten, dass der König nicht menschlich ist. … Wenn der König keine Fehler machen kann, ist es, als würde man auf ihn herabsehen und ihn nicht als ein menschliches Wesen behandeln. Aber der König kann Fehler machen.“<ref name="wrong">/data/headlines_19334288.html Royal Birthday Address: ‘King Can Do Wrong’. In: The Nation Multimedia. 5. Dezember 2005.</ref>
Verwandtschaft
Vorfahren
Ahnentafel Bhumibol Adulyadej | ||||||||
---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Urgroßeltern |
25px |
25px |
Chum |
? | ||||
Großeltern |
25px |
Chu | ||||||
Eltern |
Prinz Mahidol Adulyadej, Fürst von Songkhla (1892–1929) |
Nachkommen
Name | Geburtsdatum | Heirat Datum | Ehegatte |
Enkel | Urenkel | |
---|---|---|---|---|---|
Prinzessin Ubol Ratana | 5. April 1951 | 1972 (geschieden 1998) |
Peter Ladd Jensen | Khun Ploypailin Jensen (* 1981) | Max Wheeler (* 2010) |
Khun Poom Jensen (1983–2004) | |||||
Khun Sirikitiya Jensen (* 1985) | |||||
Kronprinz Maha Vajiralongkorn | 28. Juli 1952 | 1977 (geschieden 1991) |
Prinzessin Soamsawali | Prinzessin Bajrakitiyabha (* 1978) | |
1994 (geschieden 1996) |
Sujarinee Vivacharawongse (geb. Yuvadhida Polpraserth) | Prinz Juthavachara Mahidol (* 1979) | |||
Prinz Vacharaesorn Mahidol (* 1981) | |||||
Prinz Chakriwat Mahidol (* 1983) | |||||
Prinz Vatcharawee Mahidol (* 1985) | |||||
Prinzessin Sirivannavari Nariratana (* 1987) | |||||
2001 (geschieden 2014) |
Srirasmi Suwadee (ehem. Prinzessin Srirasm) | Prinz Dipangkorn Rasmijoti (* 2005) | |||
Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn | 2. April 1955 | ||||
Prinzessin Chulabhorn | 4. Juli 1957 | 1982 (geschieden 1996) | Virayudh Tishyasarin | Prinzessin Siribhachudabhorn (* 1982) | |
Prinzessin Aditayadornkitikhun (* 1984) |
Siehe auch
Literatur
- Paul M. Handley: The King Never Smiles. A Biography of Thailand’s Bhumibol Adulyadej, Yale University Press, New Haven 2006, ISBN 0-300-10682-3
- Nicholas Grossman, Dominic Faulder (Hrsg.): King Bhumibol Adulyadej – A Life's Work. Thailand’s Monarchy in Perspective. Editions Didier Millet, Singapur 2012, ISBN 978-981-4260-56-5
Weblinks
- Jörg Auf dem Hövel: Der Monarch, das Militär, die Demokratie. In: Telepolis. 20. September 2006.
- Paul Handley: Der Letzte seiner Art. In: Zeit Online. 16. April 2009.
- A Visionary Monarch. Seiten der Bangkok Post über die Errungenschaften von König Bhumibol. In: Bangkok Post. 2000, archiviert vom Original am 17. Januar 2013, abgerufen am 28. November 2015 (english).
- The Making of a Monarch. Seiten der Bangkok Post aus Anlass des 60. Thronjubiläums (2005) mit vielen Fotos aus Kindheit und Jugend (englisch). Archiviert vom Original am 17. Januar 2013, abgerufen am 28. November 2015.
- SupremeArtist.org, Seite mit Werken aus dem Kunstschaffen von König Rama IX., inklusive umfangreicher Galerie und Hörbeispielen seiner Kompositionen (thailändisch)
- Soul of a Nation: The Royal Family of Thailand, Dokumentation von BBC mit Interviews mit Bhumibol und den Mitgliedern seiner Familie (englisch), 1979, verfügbar auf Youtube.
Einzelnachweise
<references />
Ayutthaya (1351–1767) | <div/>
Ramathibodi I. | Ramesuan | Borommaracha I. | Thong Lan | Ramracha | Intharacha | Borommaracha II. | Borommatrailokanat | Borommaracha III. | Ramathibodi II. | Borommaracha IV. | Ratsada | Chairacha | Yot Fa | Khun Worawongsa | Chakkraphat | Mahin | Maha Thammaracha | Naresuan d.Gr. | Ekathotsarot | Si Saowaphak | Songtham | Chetthathirat | Athittayawong | Prasat Thong | Chai | Si Suthammaracha | Narai d.Gr. | Phetracha | Phrachao Suea | Thai Sa | Borommakot | Uthumphon | Ekathat |
Thonburi (1768–1782) | <div/>
Taksin d.Gr. |
Rattanakosin (seit 1782) | <div/>
Rama I. d.Gr. | Rama II. | Rama III. | Mongkut | Chulalongkorn d.Gr. | Vajiravudh | Prajadhipok | Ananda Mahidol | Bhumibol Adulyadej d.Gr. |
Personendaten | |
---|---|
NAME | Bhumibol Adulyadej |
ALTERNATIVNAMEN | Rama IX.; Bhumibol Adulyadej (Name als Prinz); Phra Chaoyuhao Bhumibol Adulyadej (Name als König) |
KURZBESCHREIBUNG | thailändischer Adeliger, König von Thailand (seit 1946) |
GEBURTSDATUM | 5. Dezember 1927 |
GEBURTSORT | Cambridge, Massachusetts, USA |