Christianeum
Das Christianeum, gegründet 1738 in Altona, ist ein staatliches altsprachliches Gymnasium in Hamburg-Othmarschen. Es ist seit 1744 nach dem dänischen König Christian VI. (1699–1746) benannt, der in Personalunion auch Herzog von Holstein und damit Landesherr der Stadt Altona war.
Das Gymnasium hat sein altsprachliches Profil bewahrt, das seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch die gleichwertigen Naturwissenschaften ergänzt ist. Darüber hinaus ist die Schule heute durch künstlerische Schwerpunkte, insbesondere in der Chorarbeit, geprägt.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
1683 wurde in der hoheitlich dänischen holsteinischen Stadt Altona, heute ein Bezirk von Hamburg, seitens der städtischen Obrigkeit eine erste Schule gegründet, „zu äußerst von der Stadt an einem so abgelegenen kothigen Ort“, wie ihr Rektor, Daniel Hartnac (oder: Harnack), laut Überlieferung befunden habe<ref>Zit. nach: Andersen, 250 Jahre Christianeum, S. 13; über Hartnacs schlechte Aufführungen, zu denen offenbar unter anderem auch Zechprellerei gehörte, berichtet W. C. Praetorius in seinen Merkwürdigkeiten der Stadt Altona nach chronologischer Ordnung (Altona 1780, S. 182) mit Verweis auf Molleri Cimbr. Litterat. Tom. 2 p. 298.seqq.</ref>; sie wurde 1689 wieder geschlossen. Ideen zu einer neuen Schule im Jahre 1708 wurden zunächst nicht weiter verfolgt. Nach der Einäscherung Altonas durch die Schweden (1713) und einer Pestepidemie hatte die Stadt andere Sorgen als die Bildung. Durch Spenden – vor allem aus Dänemark – ermutigt, begann man 1721 unter Christian Detlev von Reventlow, dem Oberpräsidenten der Stadt, mit dem Bau für eine neue Schule an der Schulstraße (heute: nicht mehr existente Verlängerung der Hoheschulstraße nach Norden) oberhalb des Altonaer Fischmarktes. Federführend war der Altonaer Stadtbaumeister Claus Stallknecht, in seinem Bau nahm die Friedrichschule, benannt nach König Frederik IV., im Jahre 1725 ihren Betrieb auf.<ref>Andersen (1988) S. 13 f.</ref>
Gymnasium Academicum im 18. Jahrhundert
Der Ausbau der Schule zu einer höheren Bildungsanstalt wurde von dem Nachfolger von Reventlows, dem Oberpräsidenten Bernhard Leopold Volkmar von Schomburg, entscheidend vorangetrieben. 1738 wurde durch Reskript des Königs Christian VI. von Dänemark die Friedrichschule zu einem Gymnasium Academicum aufgewertet, das mit Fundationsbrief vom 11. Mai 1744 den Namen Christianeum erhielt und am 26. Mai 1744 offiziell eingeweiht wurde. Der dänische König verlieh der Schule ein eigenes Siegel, das Pflänzchen auf einem Hügel unter einer strahlenden Sonne zeigte, eingerahmt von dem Motto SUPERNIS ALIMUR VIRIBUS (Von oben kommt die Kraft, die uns erhält) und der Umschrift SIGILLUM GYMNASII ACADEMICI ALTONENSIS.
Der Aufbau der Schule sah nach dem 1740 veröffentlichten Plan eine Verbindung von drei Anstalten vor: einer Vorbereitungsschule für studierwillige Knaben unter der Aufsicht des Direktors, in der neben Schreiben, Rechnen und dem Katechismus auch das Lateinische gelehrt wurde<ref>Vgl. dazu z. B. den Entwurf der ordentlichen Frühlings-Visitation im Königl. academischen Christianeo Vol.1: 1738–1742; Vol.2: Decennii I 1742–1745; Vol.3: Dec.I 1746–1750; Vol.4: Dec.II 1751–1757; Vol.5: Dec.II 1758–1760; Vol. 6: Dec.III 1761–1765; Vol.7: Dec.III 1766–1771; Vol.8: Varia 1741–1758; Vol.9: Varia 1759–1766; Vol.10–12: Opuscula Collecta Professorum, 1761–1791, 1787–1801, 1767–1801; Vol.13: Indices lectorem 1774–1816.
Darstellungen
Zusammenfassungen der Dokumente zur Schulgeschichte erschienen unregelmäßig seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert, in ausführlicher Form insbesondere anlässlich der Schuljubiläen. Die bisher letzte umfangreichere Darstellung wurde in der Festschrift zum 250jährigen Schuljubiläum 1988 veröffentlicht, einschließlich der bislang einzigen Aufbereitung der Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Die dort im Umriss erfassten folgenden vier Jahrzehnte wurden in derselben Publikation im Rahmen eines die Gegenwart betreffenden 90-seitigen Lexikons in vereinzelten Stichworten teilweise aufbereitet; eine die vorhandenen Quellen zusammenfassende Gesamtdarstellung der bundesrepublikanischen Geschichte der Anstalt existiert bislang nicht.
in chronologischer Ordnung:
- Geschichte des Altonaischen Gymnasiums und des damit verbundenen Pädagogiums. Erste und zweite Abtheilung von J. H. C. Eggers. Altona 1834.
- Übersicht über die Geschichte des Königlichen Christianeums zu Altona. Festschrift zur Feier des 150jährigen Bestehens der Anstalt, von Direktor Georg Heß. Altona 1888.
- Paul Th. Hoffmann: Neues Altona 1919–1929. Zehn Jahre Aufbau einer deutschen Großstadt. 2 Bde., Jena 1929 (E.Diederichs) Darin insbesondere das Kapitel Das Christianeum (Gymnasium), Band 2, S. 119–134 (Der Altonaer Stadtarchivar hatte noch Zugriff auf später zerstörte Akten im Altonaer Rathaus.)
- Hermann Lau: 200 Jahre Christianeum. In: 200 Jahre Christianeum zu Altona. 1738–1938. Hrsg. von Studienrat Heinz Schröder. Hamburg 1938; S. 13–66.
- 225 Jahre Christianeum. Mitteilungsblatt des Vereins der Freunde des Christianeums in Verbindung mit der Vereinigung ehemaliger Christianeer. 19. Jg., Heft 2, Sept. 1963. Hamburg, 1963. (Darin neben einer Chronik von Hans Haupt und einem Artikel zur Begründung des Christianeums von Hermann Lau auch die beiden einzigen offiziellen Erinnerungen eines Lehrers an Das Christianeum während des Krieges 1939/45 von Walther Gabe und an die Nachkriegszeit: Erinnerungen an die ersten Jahre nach dem letzten Kriege von demselben)
- Ulf Andersen: 250 Jahre Christianeum. In: 250 Jahre Christianeum 1738–1988. Festschrift. Hrsg. von Ulf Andersen im Namen des Vereins der Freunde des Christianeums. Hamburg 1988; S. 13–25. (Darin auch vom selben Verfasser und Herausgeber die Darstellung über Das Christianeum während des Dritten Reiches, S. 126–159)
- Bernd Elsner: Die Geschichte des Christianeums in Altona. In: Gudrun Wolfschmidt (Hrsg.): Hamburgs Geschichte einmal anders. Entwicklung der Naturwissenschaften, Medizin und Technik, Teil 2. (Nuncius Hamburgensis. Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften) Universität Hamburg 2009; S. 29–52 (books.google)
- Britta Scholz: Das Christianeum in Altona 1730–1773. Universitätskonzept des König Christian VI. Norderstedt 2008. (online bei Google books)
Weblinks
- Literatur zum Schlagwort Christianeum im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Homepage des Christianeums, mit Lehrerbibliothek und Archiv
- Lehrerbibliothek des Gymnasium Christianeum. In: Bernhard Fabian (Hrsg): Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa (abgerufen am 28. August 2012)
- Bibliotheca Altonensis (Bibliotheksblog)
- Ulf Andersen (Schulleiter 1978–2005) über „Walter und Ludwig Lichtheim. Das Schicksal zweier jüdischer Schüler des Christianeums in der NS-Zeit“
Anmerkungen
<references />
Koordinaten: 53° 33′ 28″ N, 9° 52′ 24″ O{{#coordinates:53,55772|9,87328|primary
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