Ikonostase
Die Ikonostase (auch Ikonostasis oder (der) Ikonostas<ref>Duden online</ref>; von griechisch εἰκώνα, ἡ, ikóna, „das Bild, welches einem Gegenstande gleicht, Ebenbild“<ref>Dr. W. Pape’s Griechisch-Deutsches Handwörterbuch. Braunschweig, 2. Ausgabe 1888</ref> und στάση „Stand“ oder „Ständer“) ist eine mit Ikonen geschmückte Wand mit drei Türen, die in orthodoxen Kirchenbauten zwischen dem inneren Kirchenschiff und dem Altarraum (Bema) steht.
Inhaltsverzeichnis
Position
Das Kirchenschiff (griechisch Naos) ist der Hauptteil der Kirche; dort sitzen oder stehen die Gläubigen. Der Altarraum (auch einfach Altar genannt) ist der Ort östlich des Kirchenschiffes. Der Altarraum ist gewöhnlicherweise ein bis drei Stufen höher als das Naos. Im Altarraum befindet sich ein normalerweise runder Tisch, an dem der Diakon die Liturgie liest. Die Ikonostase ist die Wand, die zwischen dem Altar und dem Naos steht. Obwohl die Ikonostase oft ziemlich hoch ist, berührt sie die Decke nur selten. Das ermöglicht es den Gläubigen, die Worte oder den Gesang des Priesters gut zu hören.
In großen Kirchen ist die Ikonostase Bestandteil der architektonischen Gesamtkomposition, sie gehört aber nicht zwingend zur Grundausstattung. So gibt es viele Beispiele wo ein Stifter später eine Ikonostase spendete. Mitunter wird diese auch Reihe für Reihe über Jahrzehnte aufgebaut. In kleineren Kirchen, vor allem in Kapellen ohne regelmäßige Liturgiefeiern, kann aus Platzgründen die Ikonostase entfallen, ebenso in nichtorthodoxen Kirchengebäuden, die temporär genutzt werden; teilweise werden dort auch tragbare und zusammenklappbare Ikonostasen genutzt, die nur während des Gottesdienstes aufgestellt werden. In der westlichen Diaspora wird teilweise die Ikonostase stilisiert und reduziert, mit dem Zweck den Gläubigen einen größeren Einblick in den Altarbereich zu bieten.
Allgemeine Konstruktion der Ikonostase
Sie besteht zumindest aus
- der königlichen Tür und den Ikonen darüber
- dem Paar Ikonen neben der königlichen Tür
- der südlichen Tür
- der nördlichen Tür
In größeren Kirchen können sich nach oben und nach außen weitere Ikonen anschließen.
In der Mitte hängt (vom Betrachter aus) rechts eine Ikone Jesu Christi in Gestalt nach seiner Aufstehung, links eine Ikone der Gottesgebärerin, dazwischen ist die königliche Tür beziehungsweise das heilige Tor, durch die der Priester im Evangelienbuch und in der Eucharistie Christus zur Gemeinde bringt. Die beiden nächstäußeren Ikonen zeigen links den Schutzpatron der Kirche, rechts in den nordslawischen Kirchen den hl. Nikolaus von Myra, in den anderen Kirchen Johannes den Täufer. Kleine Christus- und Marienikonen hängen auch an der Säule der königlichen Tür, die der Priester in der Liturgie küsst.
Königliche Tür
Die königliche Tür in der Mitte der Ikonostase besteht aus zwei Türflügeln mit Darstellungen der vier Evangelisten, des Erzengels Gabriel und der Gottesmutter. Ober- und unterhalb der hll. Gabriel und Maria sind die Ikonen zweier Evangelisten, gewöhnlich mit ihrem ikonographischen Attribut (Matthäus: geflügelte Gestalt, Markus: Löwe, Lukas: Stier, Johannes: Adler). Über der königlichen Tür hängt eine Ikone des letzten Abendmahls. Darüber befindet sich die große Ikone, normalerweise die Ikone des oder der Heiligen oder des Festes, dem die Kirche geweiht ist.
Nördliche und südliche Tür
An jeder Tür befindet sich das Bildnis eines Engels, entweder die Erzengel Gabriel und Michael oder zwei Seraphim mit sechs Flügeln. Südlich wird der Gabriel, nördlich Michael dargestellt.
Die Ikonostase in der Liturgie
Der nach dem byzantinischen Ritus gefeierte orthodoxe Gottesdienst besteht aus drei Teilen, der Gabenbereitung hinter der geschlossenen Ikonostase, dem Katechumenen-Gottesdienst und der Eucharistie.
Während der Katechumenliturgie betritt der Diakon das Kirchenschiff durch die kleinen Türen, die königliche Tür wird nur vom Priester durchschritten und zwar zweimal während des Gottesdienstes, das erste Mal beim sogenannten kleinen Einzug mit dem Evangeliar zur Verlesung des Evangeliums vor der Gemeinde. Nach der Entlassung der Katechumenen bleibt die Tür während der Eucharistie geöffnet, und der Altar ist somit während der Darbringung der Gaben sichtbar. Nach den Vorbereitungsgebeten findet der große Einzug mit Brot und Kelch statt, und die Gemeinde feiert die Kommunion.
Literatur
- Gabriele von Horn: Artikel Ikonostase. In: Neues Wörterbuch zur Ikonenkunst. novum publishing gmbh, 2010, ISBN 9783990032121, S. 85–87, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
- Johann Hinrich Claussen: Gottes Häuser oder die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen vom frühen Christentum bis heute. C.H.Beck, 2010, ISBN 9783406607189, S. 82f., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
Weblinks
Fußnoten
<references />