Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel


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Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Ansicht des GEOMAR am Westufer der Kieler Förde (noch als IFM-Geomar)
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Ministerium für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein
Sitz des Trägers: Berlin, Kiel
Mitgliedschaft: Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
Standort der Einrichtung: Kiel
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Naturwissenschaften
Fachgebiete: Geologie, Ozeanographie, Meteorologie, Biologie, Chemie
Grundfinanzierung: Bund (90 %), Land Schleswig-Holstein (10 %)
Leitung: Peter M. Herzig
Mitarbeiter: etwa 850
Homepage: www.geomar.de

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Eigenschreibweise: GEOMAR) ist eine am 1. Januar 2012 als Rechtsnachfolgerin des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) gegründete wissenschaftliche Forschungseinrichtung. Ihre Mitarbeiter untersuchen chemische, physikalische, biologische und geologische Prozesse im Ozean sowie ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre.

Forschungsschwerpunkte sind:

Hinzu kommen Großprojekte in der Grundlagenforschung wie der ExzellenzclusterOzean der Zukunft“ sowie anwendungsbezogene Fragestellungen.

Das Institut bietet mehrere international ausgerichtete Studiengänge im Bereich der Meereswissenschaften an.

Das GEOMAR ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, des Deutschen Klima-Konsortiums, des Konsortiums Deutsche Meeresforschung sowie des Marine Boards der European Science Foundation und beschäftigt etwa 850 Mitarbeiter (Stand 2014).

IFM-GEOMAR

Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) war wie das heutige GEOMAR eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit Sitz in Kiel. Seine Forschungsaktivitäten waren der anwendungsorientierten Grundlagenforschung der Ozeanografie, der Geologie und der Meteorologie zuzuordnen. Das Institut war eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Schleswig-Holstein, Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) und ein An-Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Der Wechsel zur Helmholtz-Gemeinschaft am 1. Januar 2012 entlastete die Bundesländer, insbesondere Schleswig-Holstein.<ref name="Universität Kiel">Aus IFM-GEOMAR wird GEOMAR. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 9. Mai 2011. Abgerufen am 6. Januar 2014.</ref><ref>Einsparungen des Landes durch Trägerwechsel des IFM-GEOMAR (PDF; 29 KB) Schleswig-Holsteinischer Landtag. 17. Wahlperiode. Abgerufen am 6. Januar 2014.</ref> Ursprünglich sollte die Abkürzung IFM-GEOMAR bleiben.<ref>Wichtiges Etappenziel für Umwandlung des IFM Geomar in ein Helmholtz-Zentrum erreicht (PDF; 137 KB) Bundesministerium für Bildung und Forschung. 11. Januar 2011. Abgerufen am 6. Januar 2014.</ref>

Geschichte

Die Meeresforschung in Kiel hat eine lange Tradition und schuf im späten 19. Jahrhundert international herausragende Grundlagen.<ref name="Mills"> Eric L. Mills: Biological Oceanography – An Early History, 1870–1960. 2. Auflage. University of Toronto Press, 2012, ISBN 978-1-4426-1372-0, S. 3 ff (Auszug online bei Google, abgerufen am 6. Januar 2014).</ref>

Im Jahr 1870 wurde auf Bitte des Deutschen Fischerei-Vereins mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums von Preußen die Preußische Kommission zur wissenschaftlichen Erforschung der deutschen Meere in Kiel gegründet.<ref name="Mills" /> Sie errichtete zunächst eine Vielzahl von Beobachtungsstationen. Im Jahr 1883 begann ihr Mitglied Victor Hensen mit Forschungsfahrten durch die Kieler Bucht, die zum Verständnis des Planktons führten und die Biologische Ozeanographie schufen.<ref name="Mills" /> Sie wurde ein Studiengang, getragen vom Institut für Meereskunde (IfM) und dem Forschungszentrum für marine Geowissenschaften (GEOMAR).<ref>Neues Studienprogramm "Biologische Ozeanographie". Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 5. Mai 2003. Abgerufen am 6. Januar 2014.</ref> Später wurde daraus eine Kooperation der Universität Kiel mit IFM-GEOMAR.

Im Jahr 1902 gründet die Kommission das „Laboratorium für die internationale Meeresforschung“, in dem physikalische, chemische und biologische Untersuchungen betrieben wurden. Ihre hydrographische Abteilung wurde von dem Kieler Geographen Otto Krümmel geleitet. Bis 1938 diente der Reichsforschungsdampfer Poseidon der Fischereiforschung in der Nord- und Ostsee.

Im Jahr 1937 wurde das „Institut für Meereskunde“ als Universitätsinstitut von dem Zoologen Adolf Remane gegründet. Nach der Zerstörung des Instituts im Zweiten Weltkrieg wurde es unter Georg Wüst und Günter Dietrich wieder aufgebaut.

Im Juli 1987 gründete das Bundesland Schleswig-Holstein durch ein Gesetz die Stiftung für Marine Geowissenschaften (GEOMAR), eine Stiftung des öffentlichen Rechts zum Betrieb eines Forschungsinstituts.<ref>Gesetz über die Errichtung der „Stiftung für marine Geowissenschaften (GEOMAR)“. juris. 2. Juli 1987. Abgerufen am 6. Januar 2014.</ref> Standort wurde das Kieler Ostufer. Während sich das Institut für Meereskunde mit den physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen im Meer und der Wechselwirkung mit der Atmosphäre beschäftigte, standen bei Forschung des Geomar die geologischen, geophysikalischen und geochemischen Prozesse des Meeresbodens und der Interaktion mit der Wassersäule im Vordergrund.

Im Jahr 2004 und wurde das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (Geomar-IfM) gebildet aus der „Stiftung für Marine Geowissenschaften“ (GEOMAR) und dem „Institut für Meereskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel“ (IfM).<ref>Gesetz über die Errichtung der Stiftung Leibniz-Institut für Meereswissenschaften</ref> 2012 wurde die Forschungseinrichtung in die Helmholtz-Gesellschaft überführt und heißt seitdem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Dadurch ist eine hauptsächliche Finanzierung durch den Bund (Anteil 90 %) gegeben.<ref>http://www.geomar.de/zentrum/ueber-uns/geschichte/</ref>

Aufgaben

Das Institut hatte folgende Forschungsschwerpunkte:

Datei:Alkor in Brunsbüttel.JPG
Alkor in der Kanalschleuse von Brunsbüttel

Es gliederte sich in die vier zentralen Bereiche „Ozeanzirkulation und Klimadynamik“, „Marine Biogeochemie“, „Marine Ökologie“ und „Dynamik des Ozeanbodens“ sowie den Sonderforschungsbereich (SFB) der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den SFB 754 „Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean“ .<ref>GEOMAR auf einen Blick im Webauftritt des Instituts</ref>

Das Institut betreibt die drei Forschungsschiffe Alkor, Poseidon, Littorina sowie das Forschungsboot Polarfuchs und das einzige deutsche bemannte Forschungstauchschiff Jago.<ref>Das Forschungstauchboot Jago im Webauftritt des Instituts</ref> Zum Institut gehört eine eigene Pier für die Forschungsschiffe. Ferner betreibt das GEOMAR drei Tiefseeroboter: das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROV Kiel 6000 mit einer maximalen Tauchtiefe von 6000 Metern, das autonome Unterwasserfahrzeug AUV ABYSS sowie seit Januar 2011 das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROV PHOCA mit einer maximalen Tauchtiefe von 3000 Metern.

An das Institut angegliedert ist außerdem das öffentliche Aquarium mit dem Seehundebecken an der Kiellinie.<ref>Website des Aquariums am Geomar</ref>

Kooperationen

Das GEOMAR bildet in Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) Studenten im Bachelor-Studiengang „Physik des Erdsystems: Meteorologie – Ozeanographie – Geophysik“ sowie in den Masterstudiengängen „Biological Oceanography“ und „Climate Physics: Meteorology and Physical Oceanography“ aus. Ferner werden Beiträge zu verschiedenen Studiengängen (Chemie, Geologie, Mineralogie und Geophysik) geleistet.

Finanzierung

Das GEOMAR erhält seine Grundfinanzierung nach dem in der Helmholtz-Gemeinschaft üblichen Schlüssel zu 90 % vom Bund und zu 10 % vom Sitzland.

Für das Jahr 2014 sind für die Grundfinanzierung des Instituts in den Haushaltsplänen insgesamt 43,5 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen Drittmittel verschiedener Finanzierungsgeber. Insgesamt hat das Institut einen Etat in Höhe von knapp 70 Millionen Euro und rund 750 Mitarbeiter.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

54.3272310.18185Koordinaten: 54° 19′ 38″ N, 10° 10′ 55″ O{{#coordinates:54,32723|10,18185|primary

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