Marlygarten
Der Marlygarten ist ein Gartenbereich im Potsdamer Park Sanssouci. Er wurde 1715 für Friedrich Wilhelm I. als Küchengarten angelegt und vom König „Marly“ genannt. Bei Aufenthalten der königlichen Familie soll Kronprinz Friedrich, der spätere Friedrich der Große, den damals gerodeten, nördlich des Gartens liegenden Bornstedter Höhenzug als Standort für sein Sommerschloss Sanssouci ausgewählt haben.
Nach Friedrich Wilhelms I. Tod wurde der Marlygarten weiter als Küchengarten genutzt. Erst durch den Bau der Friedenskirche unter Friedrich Wilhelm IV. erhielt er eine andere Funktion und wurde in den 1840er-Jahren durch Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer in einen Landschaftsgarten umgestaltet.
Da der Marlygarten in die Parkanlage mit einbezogen wurde, kann der ehemalige Küchengarten, wenn auch indirekt, noch in sein Lieblingsplätzchen, den s. g. Marly- oder Friedensgarten bei der Friedenskirche (neu erbaut). Eine der neuesten Schöpfungen Lenné’s, ein wahres Meisterwerk Landschaftlicher Gartenkunst, das Vollkommenste, was ich in dieser Art auf meiner Reise gesehen habe. Das Terrain in diesem Garten, welches früher ganz eben gewesen seyn soll, ist so anmuthig bewegt und die Pflanzungen sind so geschmackvoll ausgeführt, dass man sich im höchsten Grade zur Bewunderung hingezogen fühlt. In diesem Garten herrscht eine sanfte Harmonie, eine idillische Ruhe und ein stiller Friede, so dass die Bezeichnung »Friedensgarten« ganz entsprechend erscheint.“
Hermann Jäger sah in ihm das Ideal eines kleinen Landschaftsgartens oder Parkgartens, der mit begrenzten Mitteln und Aufwand umsetzbar ist.<ref>Herrmann Jäger: Die deutschen Gärten der Neuzeit. In: Gartenkunst und Gärten sonst und jetzt: Handbuch für Gärtner, Architekten und Liebhaber. Verlag P. Parey, 1888, S. 371.</ref>
Der Schriftsteller Theodor Fontane, der sich 1881 in Potsdam aufhielt, unternahm mehrere Spaziergänge durch den Marlygarten<ref>Regina Dieterle (Hrsg.): Theodor Fontane und Martha Fontane. Walter de Gruyter, Berlin 2002, S. 671.</ref> und war von diesem so beeindruckt, dass er ihn später in der ersten Zeile eines Gedichts erwähnte:
<poem style="margin-left:3em;"> „Von Marly kommend und der Friedenskirche, Hin am Bassin (es plätscherte kein Springstrahl) Stieg ich treppan; die Sterne blinkten, blitzten Und auf den Stufen-Aufbau der Terrasse Warf Baum und Strauchwerk seine dünnen Schatten, Durchsichtige, wie Schatten nur von Schatten. [...]“ – Theodor Fontane: Auf der Treppe von Sanssouci, 1885 </poem>
Literatur
- Karl Ludwig Haeberlin: Sanssouci, Potsdam und Umgegend: mit besonderer Rücksicht auf die Regierungszeit Seiner Majestät, Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen. Mit allerhöchster Genehmigung unter amtlicher Mitwirkung der Herren Lenné, General-Director der königlichen Gärten und Hesse, königlicher Hof-Baurath. Verlag von Ferdinand Riegel, Berlin und Potsdam 1855.
- Louis Schneider: XVIII. Die Territorien von Sanssouci. Der Hopfengarten – die Meierei – der Küchengarten. – III. Der Küchengarten Marly. In: Mittheilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams. Band 1, Gropius’sche Buch- und Kunsthandlung, Potsdam 1864.
- Peter Mottner, Martin Mach (Hrsg.): Zinkguß. Die Konservierung von Denkmälern aus Zink. Gemeinschaftsprojekt des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Band 98, 1999.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 52° 24′ 3″ N, 13° 2′ 28″ O{{#coordinates:52,400834|13,041054|primary
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