Martin Lüttge
Martin Lüttge (* 7. Juli 1943 in Hamburg) ist ein deutscher Schauspieler und Regisseur.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Lüttge, Sohn der Krankenschwester Erika Lüttge und des Garten- und Landschaftsarchitekten Gustav Lüttge, war Waldorf-Schüler und ging Ende der 1950er Jahre nach England, um Landwirt zu werden. Er machte eine Ausbildung auf einem Kälbermasthof in Devon. Schon bald übte er sich dort auch in der Schauspielerei. Er brach seinen Aufenthalt in England ab, besuchte zunächst die Schauspielschule Zerboni in Gauting und dann die Neue Münchner Schauspielschule. Seit dieser Zeit ist die Schauspielerei neben der Landwirtschaft Lüttges zweites Standbein.
Der Regisseur Fritz Umgelter erkannte das Talent des jungen Lüttge und besetzte ihn für einige Hauptrollen im Fernsehen, so in Bratkartoffeln inbegriffen, Rebellion der Verlorenen und in der Serie Wie eine Träne im Ozean nach der Romantrilogie von Manès Sperber. In dieser Zeit hatte Lüttge von 1966 bis 1970 auch ein Bühnenengagement an den Münchner Kammerspielen und machte sich dort als Allroundbegabung im Charakterfach und als Komödiendarsteller einen Namen. Danach stand er bis 1974 am Düsseldorfer Schauspielhaus auf der Bühne und war anschließend bis 1977 am Schauspielhaus des Staatstheater Stuttgart bei Claus Peymann engagiert, wo er unter anderem als Faust große Erfolge feierte.
Martin Lüttge war von 1966 bis 1972 mit der Schauspielerin Gila von Weitershausen verheiratet.
Im Jahr 1978 gründete er mit anderen Künstlern ein eigenes Zelttheater, das seit 1980 als Theaterhof Priessenthal firmiert. Die freie Theatertruppe verfügt über einen 400 Jahre alten, fünf Hektar großen Bauernhof in Mehring bei Burghausen, auf dem sie lebt und im Winter ihre Proben abhält. Der Theaterhof will, so die Eigendarstellung, „selbstbestimmt und verantwortlich politisches Volkstheater machen, Kulturproduzent sein mit einer breiten Palette“. Dieser Anspruch aus den Gründertagen gilt bis heute, auch wenn das alte Zelt, das 600 Zuschauer fasste, inzwischen nicht mehr bespielt wird. Stattdessen gehen die Schauspieler auf Tourneen und treten in Kultur- und Theatersälen auf. Heute arbeiten zehn Menschen auf dem Theaterhof, der auch Übernachtungen, einen Streichelzoo und Kinderbackkurse anbietet.
Einem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde Martin Lüttge von 1992 bis 1997 als Kommissar Bernd Flemming in der Reihe Tatort des WDR. Als Bernd Flemming trat er 1992 die Nachfolge des von Götz George dargestellten Schimanski an. Nach fünfzehn Einsätzen stieg Lüttge 1997 aus der Reihe aus.
Lüttge war im ZDF als Vater des von Hardy Krüger jr. verkörperten Försters Stefan Leitner in der Familienserie Forsthaus Falkenau zu sehen.
Ende 2006 bis Anfang 2007 gastierte er in Berlin mit der Theaterproduktion Brüder Grimm in der Rolle des Jacob Grimm, den er bereits sechs Jahre zuvor auf Gastspielen in Finnland, Bulgarien, Polen und Estland mit großem Erfolg verkörpert hatte.
Seit Februar 2010 ist Martin Lüttge offizieller Pate des Kinderhospizes Bethel für sterbende Kinder.<ref>Pate des Kinderhospiz Bethel</ref>
Filmografie (Auswahl)
- 1964: Bratkartoffeln inbegriffen
- 1965: Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger (TV-Serie, eine Folge)
- 1966: Hafenpolizei (TV-Serie, eine Folge)
- 1967: Eine Handvoll Helden
- 1967: Das Kriminalmuseum (TV-Serie, eine Folge)
- 1967: Der Tod läuft hinterher
- 1968: Zur Sache, Schätzchen
- 1969–1974: Der Kommissar (TV-Serie, drei Folgen)
- 1970: Wie eine Träne im Ozean (TV-Serie, drei Folgen)
- 1970: Tod nach Mitternacht
- 1973: Der Lord von Barmbeck
- 1975: Berlinger
- 1976: Hans und Heinz Kirch
- 1977: Derrick (TV-Serie, eine Folge)
- 1981: Jede Menge Kohle
- 1984: Die Wannseekonferenz
- 1985, 1988: Der Fahnder (TV-Serie, zwei Folgen)
- 1988: Tatort: Programmiert auf Mord
- 1992–1997: Tatort (als Ermittler)
- 1992: Der Mörder und der Prinz
- 1992: Unversöhnlich
- 1992: Tod eines Wachmanns
- 1993: Flucht nach Miami
- 1993: Gefährliche Freundschaft
- 1993: Deserteure
- 1994: Mord in der Akademie
- 1994: Die Frau an der Straße
- 1995: Die schwarzen Bilder
- 1995: Tod eines Auktionators
- 1995: Herz As
- 1996: Der Spezialist
- 1996: Heilig Blut
- 1996: Das Mädchen mit der Puppe
- 1997: Brüder
- 1997: Koerbers Akte: Kleines Mädchen – großes Geld
- 1997: Koerbers Akte: Tödliches Ultimatum
- 1997: Schweinesand – Eine Insel voller Geheimnisse
- 1997: Mayday – Flug in den Tod
- 1998: Koerbers Akte: Rollenspiel
- 1998: Der letzte Zeuge 5. Episode (Fernsehserie)
- 2000: Tatort: Direkt ins Herz
- 2000: Polizeiruf 110: Bruderliebe
- 2002: Mein Weg zu Dir
- 2003: Im Schatten der Macht
- 2003: Polizeiruf 110: Verloren
- 2006: Die Pferdeinsel
- 2007–2013: Forsthaus Falkenau (TV-Serie, 94 Folgen)
Theaterrollen (Auswahl)
- 1968 Rosenkranz in Stoppards Rosenkranz und Güldenstern sind tot (Regie: Dieter Giesing, Münchner Kammerspiele unter Intendant August Everding)
- 1969 Priester Kiro in Edward Bonds Schmaler Weg in den tiefen Norden (Regie: Peter Zadek, Münchner Kammerspiele)
- 1977 Faust in Faust I und II (Regie: Claus Peymann, Staatstheater Stuttgart)
- 1978 Florindo in Der Diener zweier Herren (Regie: Niels-Peter Rudolph, Staatstheater Stuttgart)
- Seit 1980 Tourneetheater Klassiker, Theaterhof Priessenthal
Auszeichnungen
- 1968: Förderpreis für Nachwuchsdarsteller der Stadt München
- 1975: Bambi
- 1982: Förderungspreis Darstellende Kunst, Akademie der Künste Berlin
- 1993: Bayerischer Heimatpreis in der Sparte Kultur und Gemeinschaft
- 2000: Kulturpreis des Landkreises Altötting
- 2001: Oberbayerischer Kulturpreis
Literaturnachweis
- Christian Schröder, Kühe sind sensible Zuschauer. In: Der Tagesspiegel, Nr. 19402, 15. Dezember 2006, S. 29 mit einem aktuellen Foto des Schauspielers, aufgenommen von Birgit Kleber.
Weblinks
- Literatur von und über Martin Lüttge im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Theaterhof Priessenthal
- Martin Lüttge in der Internet Movie Database (englisch)
Einzelnachweise
<references />
Personendaten | |
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NAME | Lüttge, Martin |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler und Regisseur |
GEBURTSDATUM | 7. Juli 1943 |
GEBURTSORT | Hamburg |