Mathieu Cordang


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Joannes Matheus „Mathieu“ Cordang (* 6. Dezember 1869 in Blerick; † 24. März 1942 in Swalmen) war ein niederländischer Radrennfahrer.

Mathieu Cordang gehörte gemeinsam mit Jaap Eden zu den niederländischen Radsport-Pionieren. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen und es heißt, er habe 14 Geschwister gehabt. Deshalb ging er früh zur See. 1893 besuchte er bei einem Hafenaufenthalt ein Rennen in Vlissingen. Kurzerhand lieh er sich ein Rad, nahm teil, gewann und entschied sich daraufhin für den Beruf des Rennfahrers. Zudem eröffnete er ein Fahrradgeschäft. Seinen ersten großen Sieg feierte er ein Jahr später bei dem heimischen Klassiker Amsterdam-Arnhem-Amsterdam.

Cordang war Spezialist für Steherrennen und lange Distanzen. 1895 wurde er in Köln Weltmeister der Steher bei den Amateuren. 1897 belegte er jeweils den zweiten Platz bei den Rennen Paris–Roubaix (hinter dem späteren Gewinner der ersten Tour de France, Maurice Garin) und Bordeaux–Paris hinter Gaston Rivierre. 1900 siegte er beim Bol d'Or des Monédières Chaumeil vor Garin und dem Deutschen Thaddäus Robl. Diesen Sieg nahm Cordang, ein Kettenraucher mit Vorliebe für Zigarren, Alkohol und Essen, zum Anlass zurückzutreten.

Bei den Olympischen Spielen 1900 in Paris gewann Cordang eine Goldmedaille im 24-Stunden-Rennen hinter (unmotorisierten, mehrsitzigen) Schrittmachermaschinen.<ref>Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik I, Berlin 1997, S. 73.</ref> Dieser Wettbewerb wurde jedoch nicht offiziell anerkannt.

Cordang war auch bekannt für spektakuläre Aktionen: So fuhr er ein Rennen gegen eine Eisenbahn, das er gewann, obwohl die Bahn eine um zwei Kilometer kürzere Strecke befuhr. Am 18. September 1897 stellte er im Londoner Crystal Palace einen neuen 24-Stunden-Weltrekord über 991,651 Kilometer auf, den er später selbst brach. Deshalb wurde er auch Recordang genannt.

Wenige Monate nach seinem Rücktritt ging Cordangs Wohnhaus in Blerick mit seiner gesamten Trophäensammlung in Flammen auf. Daraufhin zog er nach Swalmen, dem Heimatort seiner Frau, wo er zunächst einen Fahrradladen und später eine Autowerkstatt eröffnete. Auch nahm er an Autorennen teil. Er wurde Vater von acht Kindern, denen er verbot, Radsportler zu werden. 1942 beschlagnahmten die Deutschen sämtliche Autos und Motoren Cordangs, und er musste sein Geschäft schließen. Wenig später starb Mathieu Cordang an Lungenentzündung.

In Almere wurde der Cordangpad nach ihm benannt.

Literatur

  • Wim van Eyl: Een eeuw Nederlandse wielersport. Van Jaap Eden tot Joop Zoetemelk, Utrecht 1980.
  • Theo Stevens: „The Short and Remarkable Career of Mathieu Cordang (1869–1942).“ In: Cycle History 10. Proceedings, 10th International Cycling History Conference Nijmegen 1999. Hrsg. v. Prof. Dr. Hans-Erhard Lessing und Andrew Ritchie. S. 90-97.

Weblinks

Commons Commons: Mathieu Cordang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />