Objekt (Grammatik)


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Ein Objekt (Satzergänzung) bezeichnet in der Grammatik eine Ergänzung, die vom Prädikat gefordert wird und diesem näher steht als das Subjekt. Neben den Kategorien Substantiv bzw. Pronomen können auch durch Präpositionen eingeführte Einheiten (Präpositionalphrasen) als Objekt dienen, oder auch satzwertige Einheiten wie Infinitive mit zu oder Gliedsätze.

Genitivobjekt

Das Genitivobjekt antwortet auf die Frage „wessen?“ Es ist im Deutschen eher selten und meist nur in gehobener Sprache anzutreffen. In den deutschen Dialekten gibt es mit der Ausnahme des Walserdeutschen keine Genitivobjekte mehr. In Österreich, Süddeutschland und der Schweiz (mit Ausnahme des Wallis) fehlen Genitivobjekte auch in der Umgangssprache komplett:

Beispiele

* Ich gedenke [ihrer].
* Er beschuldigt mich [des Diebstahls].
* Wir bedürfen [deiner Hilfe].
* Du erbarmst dich [meiner].
* Er erinnert sich [dessen].

Weitere Verben, nach denen Genitivobjekte stehen bzw. stehen können, sind besinnen, harren und bezichtigen sowie das veraltete Verb zeihen (= bezichtigen, beschuldigen). Der allgemeine Rückgang des Genitivs in der deutschen Sprache betrifft insbesondere die Genitivobjekte. Früher standen auch die Objekte der Verben warten und vergessen (noch im Blumennamen Vergissmeinnicht) im Genitiv, ebenso die Objekte der Verben steuern, pflegen und warnen.

Dagegen ist im Satz „Ich gehe durch die Straßen [der Stadt]“ der Satzteil [der Stadt] ein Attribut, da es sich auf das Adverbiale „durch die Straßen“ bezieht und das Substantiv „Straßen“ näher erklärt. In ähnlicher Weise werden auch andere Formen, wie z. B. genitivus subjectivus und genitivus objectivus voneinander unterschieden, sind jedoch manchmal nicht klar voneinander abgrenzbar. Beispiel: Der Ausdruck „Das Lob des Freundes“ kann sowohl a) subjektivisch verstanden werden (der Freund lobt) als auch b) objektivisch auf die Frage nach der Zielperson eines von außen kommenden Lobes (Man lobt den Freund.).<ref>Fritz Hinze: Deutsche Schulgrammatik. 5. Auflage. Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1956, § 121, S. 124.</ref>

Dativobjekt (indirektes Objekt)

Das Dativobjekt antwortet auf die Frage „wem?“. Bestimmte Verben erfordern das Dativobjekt. Das Dativobjekt bezeichnet im Unterschied zum Akkusativobjekt das sogenannte indirekte Objekt der Handlung (siehe unten). Häufig steht es in einem erklärenden Bezug zur Handlung, macht also deutlich, warum das Subjekt die Handlung (am Akkusativobjekt) vollzieht. Auch wenn es ohne Akkusativobjekt steht, wird ausgedrückt, dass es nicht unmittelbar unter der Einwirkung des Subjektes steht.

Beispiele

* Ich schreibe [dir] einen Brief. Frage: „Wem“ schreibe ich einen Brief?
* Ich glaube [dir], dass es so war. Frage: „Wem“ glaube ich?

Akkusativobjekt (direktes Objekt)

Das Akkusativobjekt antwortet auf die Frage „wen oder was?“ Bestimmte (transitive) Verben erfordern das Akkusativobjekt. Das Akkusativobjekt bezeichnet im Allgemeinen den Gegenstand oder die Person (Institution, Personengruppe), der die Handlung, die durch das Verb zum Ausdruck kommt, unmittelbar erleidet bzw. echter Handlungsgegenstand ist.

Beispiele

* Ich liebe [dich].
* Ich glaube dir [das] nicht.
* Er gibt mir [das Buch].
* Ich gebe dem Haus [einen neuen Anstrich].

Man unterscheidet zwischen innerem und äußerem Akkusativobjekt: Das innere ist dabei dasjenige, welches durch die Handlung erst entsteht, das äußere existiert unabhängig von der Handlung.

Beispiele

* Ich schreibe [einen Brief].
* Ich streiche [eine Wand] (mit Farbe) an.

Wenn es die Aussageabsicht erfordert, können Dativobjekt und Akkusativobjekt dabei, wie in den Beispielen gezeigt, nebeneinander stehen.

Präpositionalobjekt

Das Präpositionalobjekt ist ein Objekt, das durch eine spezielle, vom Verb verlangte Präposition eingeführt wird, statt durch einen Kasus bezeichnet zu werden. Ein Beispiel ist die Verbindung „auf etwas warten“. Zur Abgrenzung zwischen Präpositionalobjekt und Adverbialen mit Präposition siehe unter Adverbial und Objekt.

Direktes und indirektes Objekt

Der Begriff „indirektes Objekt“ ist in der deutschen Grammatik im wesentlichen deckungsgleich mit dem Begriff „Dativobjekt“.<ref>Duden. Die Grammatik. 8. Aufl., 2009, S. 817.</ref> Mit dem Begriff „direktes Objekt“ werden Objekte zusammengefasst, die entweder den Akkusativ tragen oder als Objekt-Gliedsätze gar keine Kasusmarkierung haben.<ref>Duden. Die Grammatik. 8. Aufl., 2009, S. 814.</ref>

Grundsätzlich kann dem Objekt die semantische Rolle als „Patiens“ zugeordnet werden. Treten zwei Objekte auf, so ist das direkte Objekt dasjenige, das die Handlung, die durch das Verb bezeichnet wird, direkt trifft (Patiens), das indirekte Objekt dasjenige, auf das die Handlung nur mittelbar gerichtet ist („Rezipient“).<ref>Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorie. 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2077, ISBN 3-525-26546-8, S. 36.</ref>

Objekte im Englischen

Im Englischen wird bei der Klassifizierung von Objekten grundsätzlich anders vorgegangen als im Deutschen. Als Ursache hierfür ist vor allem das Fehlen typischer Kasusendungen zu sehen. Daher kennt das Englische nur drei Typen von Objekten: das direkte (direct), das indirekte (indirect) und das präpositionale (prepositional) Objekt. Ist nur ein einziges Objekt in einem Satz vorhanden, so ist dieses Objekt automatisch ein direktes Objekt. Bei zwei Objekten ist immer der „Empfänger“ (recipient) einer Handlung das indirekte Objekt, das andere Objekt (patient) wird zum direkten Objekt erklärt. Beispiele:

* (1) I gave her (recipient, indirektes Objekt) the apple (patient, direktes Objekt).
* (2) I asked my mother (recipient) a question (patient).

Ein Objekt, welches mit Hilfe einer Präposition eingeführt wird, wird insgesamt als Präpositionalobjekt (prepositional object) bezeichnet. Die Präposition wird hierbei durch das Verb bedingt.

Beispiele:

* (1) They robbed him (direktes Objekt) of his ring (präpositionales Objekt).
* (2) I protected him (direktes Objekt) from falling (präpositionales Objekt).

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Objekt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />