Patrouille Suisse
Patrouille Suisse | ||
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Patrouille Suisse | ||
Land: | Schweiz | |
Derzeit verwendeter Flugzeugtyp: | Northrop F-5E Tiger II | |
Sponsor: | Schweizer Luftwaffe | |
Basis-Flugplatz: | Militärflugplatz Emmen | |
Gründung: | 22. August 1964 | |
Farben: | Rot, Weiss | |
Weblink: | www.patrouille-suisse.ch |
Die Patrouille Suisse ist die Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe.
Inhaltsverzeichnis
Auftrag
Die Aufgabe des 1964 gegründeten Teams ist es, die Leistungsfähigkeit, die Präzision und die Einsatzbereitschaft der Schweizer Luftwaffe im In- und Ausland zu demonstrieren.
Die Piloten der Patrouille Suisse sind Militärpiloten des Berufsfliegerkorps, die Kommentatoren arbeiten als Flugverkehrsleiter von Skyguide (Flugsicherung Schweiz), welche diese Zusatzaufgabe jeweils nur während der jeweils laufenden Saison ausüben. Das Patrouille Suisse Team wird von einer technischen Crew betreut. Die Arbeit dieser Crew bildet den Grundstein für alle Einsätze.
Die Zuschauer werden während dieser Zeit durch einen Kommentator durch das Flugprogramm geleitet.
Standort der Patrouille Suisse
Die Patrouille Suisse (auch «PS» genannt) hat ihren Heimatflughafen in Emmen. Mit dem neuen Stationierungskonzept der Luftwaffe wollte man die PS auf die Saison 2008 auf den Militärflugplatz Payerne verlegen. Es wurde entschieden, dass die PS in Emmen bleibt. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Die zentrale Lage, das Know-How der RUAG, die Nähe zum Trainingsgebiet Wangen-Lachen und zur Entlastung des Militärflugplatzes Payerne. Ursprünglich hatte die PS ihre Heimatbasis auf dem Militärflugplatz Dübendorf. 1994 zog die PS nach Emmen um, weil der Hunter-Flugbetrieb in Dübendorf eingestellt wurde.
Geschichte
Die Idee, ein Vorführteam mit Berufspiloten aufzustellen, stammt aus dem Jahre 1959. Damals erhielt das Überwachungsgeschwader (UeG) den Auftrag, eine aus vier Maschinen bestehende Doppelpatrouille für Demonstrationszwecke zu trainieren. Die Formationen wurden damals mit Flugzeugen des Typs Hawker Hunter Mk.58 geflogen.
Im Hinblick auf die Landesausstellung Expo64 in Lausanne und die Feiern des 50-jährigen Bestehens der Luftwaffe wurde das Formationsflugtraining mit der Hunter-Doppelpatrouille intensiviert. Im ganzen Land fanden Jubiläumsvorstellungen statt, die hunderttausende von Zuschauern begeisterten. Damals entstand in Anlehnung an die französische Patrouille de France spontan der Name Patrouille Suisse.
Im damaligen Eidgenössischen Militärdepartement (EMD) war man von der Publikumswirksamkeit des Formationsfluges überzeugt und beschloss deshalb, die Patrouille Suisse zum offiziellen nationalen Kunstflugteam zu ernennen. Die Patrouille Suisse wurde am 22. August 1964 gegründet.
Im Jahr 1965 bestritt das Team erstmals eine ganze Saison mit vier Vorführungen. In der Folgezeit wurde das Programm ständig verfeinert und die exakte Ausführung der einzelnen Figuren perfektioniert.
1968 sollte die Dassault Mirage IIIS dem Volk gezeigt werden. Jedoch wurden nur zwei Vorführungen mit der „Patrouille De Suisse Mirage“ gemacht und man verblieb bei der Hunter.<ref>Insider (Patrouille Suisse Fanclub Zeitschrift) 2014, S. 9.</ref>
1970 kam eine fünfte Maschine zur Patrouille hinzu und weitere acht Jahre später die sechste Maschine. Der in diesen Zwischenjahren entstandene Film über die Patrouille Suisse hiess "Supercannard", benannt nach der Formation, welche sich mit den fünf Flugzeugen bilden liess. Da die Hunter-Doppelsitzer zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen noch nicht verfügbar waren, wurden die Luft-Luft-Aufnahmen aus einem Vampire-Trainer DH.115 gefilmt.
1977 wurde bei den Hunter der Patrouille Suisse eine Rauchanlage eingeführt. Diese wurde zusammen mit den Hunter 1994 ausgemustert.<ref> Insider (Patrouille Suisse Fanclub Zeitschrift) 2014, S. 10.</ref>
Vorführungen im Ausland waren bis 1978 wegen der strikten Neutralität der Schweiz nicht möglich. Dies änderte sich 1978 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Patrouille de France, zu dem die Patrouille Suisse eingeladen wurde. In Salon-de-Provence konnte nun erstmals eine Vorführung im Ausland geflogen werden – neu mit nunmehr sechs Flugzeugen. Es folgten zahlreiche weitere Vorführungen im In- und Ausland, zum Beispiel in Frankreich und Italien.
1991, anlässlich der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft, erhielten die Hunter ein neues Aussehen. Die Flügelunterseiten leuchtete nun in den Schweizer Farben Rot und Weiss. Das neue Design ging aus einem öffentlichen Wettbewerb hervor und fand beim Publikum grossen Anklang.
Der Flugzeugtyp Hunter wurde 1994 bei der Schweizer Luftwaffe komplett ausgemustert; die Hunter wurden bei der Patrouille Suisse durch die in der Schweiz als "Raumschützer" eingesetzten F-5E Tiger II abgelöst. Diese Maschinen waren nun vollständig rot-weiss lackiert. Diese auffälligen Flugzeuge übernahmen gleichzeitig die Aufgaben der Hunter als Zielschlepp- und Zieldarstellungsflugzeuge für das Luft-Luft wie auch das Boden-Luft Schiessen. Sowie die Rolle als „Aggressoren“ im Luftkampftraining (in dieser Rolle zuvor nur durch farbige Tanks sichtbar).<ref>Schweizer Luftwaffe: Schweizer F-5 Tiger: 250'000 Stunden in der Luft, abgerufen am 28. November 2014</ref> Die F-5E der Patrouille Suisse werden auch für den ordentlichen Flugdienst und den Luftpolizeidienst eingesetzt. Wie die Vorführungen 1995 zeigten, meisterten die Piloten diese Umstellung bestens. Die Vorführungen werden mit sechs F-5E geflogen, bei Auftritten im Ausland wird teils jedoch eine siebte Maschine als Reserve mit verlegt.
Seit 1996 fliegt die Patrouille Suisse ihre Vorführungen im In- und Ausland mit einem in der Maschine integrierten Raucherzeuger. Der Tank der Rauchanlage ist in einem der beiden Bordkanonenmagazine untergebracht; dieser kann mit wenig Aufwand demontiert werden, womit die PS-F-5E die volle Kampfstärke der regulären F-5E behalten. Mit der Rauchanlage konnte einerseits der Showeffekt gesteigert, gleichzeitig aber auch die Sicherheit für die Piloten erhöht werden, da beim Aufeinander-Zu-Fliegen sich die Piloten viel früher sehen, wenn der Rauch eingeschaltet ist.
Die Luftwaffe wird Ende 2018 alle verbliebenen F-5 Tiger altersbedingt ausmustern. Da das Volk die Beschaffung von 22 Gripen E abgelehnt hat, verbleiben nach 2018 nur noch 32 F/A-18 bei der Schweizer Luftwaffe als Jetkampfflugzeuge in Dienst. In einem Entwurf der Botschaft zur Weiterentwicklung der Armee heisst es: „Die Patrouille Suisse wird in der Folge voraussichtlich mit F/A-18 fliegen, allerdings mit wesentlich weniger Flugzeugen und stark eingeschränkten Auftritten, bis ein Ersatz für den F-5 Tiger in Betrieb genommen wird.“<ref>So will Maurer die Armee noch schneller verkleinern Basler Zeitung</ref> Die Details werden aber erst klar sein, wenn der Bundesrat die Botschaft zur Weiterentwicklung der Armee verabschiedet hat.
Besonderheit
Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstflugstaffeln sind die Piloten der Patrouille Suisse ähnlich wie die russischen „Strischi“ oder „Russkije Witjasi“ auch in alltägliche Aufgaben wie die Luftraumüberwachung eingebunden. Auch die Flugzeuge bleiben im Truppeneinsatz.
Die Patrouille Suisse wurde nach der Patrouille de France als zweite Kunstflugstaffel nach dem Flugtagunglück von Ramstein im Jahr 2002 zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung nach Berlin und somit nach Deutschland eingeladen. Auch 2006, 2008 und 2010 waren die Schweizer wieder dort zu Gast – nach wie vor mit Einschränkungen im Ablauf des standardisierten Flugprogramms. Auch war es die Patrouille Suisse, die als erste militärische Verbandskunstflugstaffel ausserhalb der ILA Berlin wieder in Deutschland auftreten durfte; nämlich zum Hafengeburtstag der Hansestadt Hamburg im Mai 2009. Obwohl die Schweizer Luftwaffe ihre Funkkommunikation an den NATO-Standard angepasst hat und den Brevity-Code als Standard benutzt, verwenden die Patrouille Suisse und das PC-7 Team für ihre Flugvorführungen nach wie vor sehr viele Begriffe des Bambini-Codes.
Die Patrouille Suisse ist eine der wenigen Kunstflugstaffeln der Welt, die Überschalljets fliegt, wie zum Beispiel die Blue Angels oder die Turkish Stars, und das seit ihrem Bestehen ohne einen einzigen Zwischenfall. Bei grossen Airshows wie dem RIAT oder der Air14 fliegt die Patrouille Suisse in der Eröffnung der Flugvorführung auch öfters mit dem PC-7 Team, dem Hornet Solo Display Team oder dem Super Puma Display Team in einer gemeinsamen Überflugsformation. Eine einzigartige Flugvorführung bot die Patrouille Suisse am 7. September 2014 an der Air14 in Payerne, als sie gemeinsam mit dem PC-7 Team eine Flugvorführung mit somit insgesamt 15 Flugzeugen präsentierte.<ref>https://www.youtube.com/watch?v=Lz7kfyaMLXs PC-7Team und PS an Air14</ref>
Das Team 2016
Das Patrouille-Suisse-Team setzt sich 2016 aus den folgenden Personen plus der Bodenmannschaft zusammen (es sind jeweils der Rufname und die Funktion aufgeführt):
Rufname | Position | Name |
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Tiger Zero | Commander | Lt Col Niels Hämmerli „Jamie“ |
Tiger Uno | Leader | Capt Simon Billeter „Billy“ |
Tiger Due | Right Wing | Capt Rodolfo Freiburghaus „Roody“ |
Tiger Tre | Left Wing | Capt Michael Duft „Püpi“ |
Tiger Quattro | Slot | Capt Gunnar Jansen „Gandalf“ |
Tiger Cinque | 2nd Solo | Capt Michael Meister „Maestro“ |
Tiger Sexi | 1st Solo | Capt Gael Lachat „Gali“ |
Tiger Sette | Spare Pilot /Filmer | |
Tiger Otto | Speaker | Mario Winiger „Wini“ |
Tiger Nove | Speaker | Alban Wirz „Alban“ |
Flugzeuge
Das Team benutzt in der Regel auch für das Training die F-5E mit der Patrouille-Suisse-Lackierung. Insgesamt sind zwölf F-5E aus der zweiten Beschaffungsserie von 1981 mit dieser Farbgebung bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz. Zehn Flugzeuge sind fähig, einen der acht von der RUAG entwickelten Rauchgeneratoren zu verwenden. Wenn der Rauchgenerator mit seinen zwei Dieselölbehältern zu je 40 Liter montiert ist, kann die rechte Bordkanone nicht verwendet werden.<ref>Insider (Patrouille Suisse) Fanclub Zeitschrift 2014, S. 10.</ref> Die F-5E der Patrouille Suisse werden wegen ihrer auffälligen Farbgebung auch als Zielschleppflugzeuge bei der Zielflugstaffel 12 eingesetzt. Die militärischen Kennzeichen der Maschinen sind J-3080 bis -3091. Anfangs 2015 mussten wegen Ermüdungsrissen bei der zweiten beschafften Serie auch graue Flugzeuge ohne Sonderbemalung eingesetzt werden. Für Verbindungsflüge nutzt der Kommandant der Patrouille Suisse in der Regel die Pilatus PC-6T Turbo-Porter V-622 „Felix“, die ebenfalls in den Farben der Patrouille Suisse lackiert ist.<ref> Bericht Entstehung Patrouille Suisse PC-6T Turboporter Felix</ref>
Siehe auch
Literatur
- Urs Mattle, Katsuhiko Tokunaga: Patrouille Suisse. Backstage. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-76-3. (Leseprobe).
- Karin Münger, Max Ungricht: Swissness: 50 years Patrouille suisse, 25 years PC-7 Team. Verlag Cockpit, Belp 2014, ISBN 978-3-906562-43-8. (Viersprachig dt./frz./engl./ital.).
Weblinks
- Patrouille Suisse – offizielle Seite
- Homepage des FanClubs der Patrouille Suisse
- Bericht über den Auftritt in Hamburg 2009
- Galerie der Patrouille Suisse
- Homepage der Schweizer Luftwaffe Patrouille Suisse an der Air14
- Links zum Thema Patrouille Suisse
- BZ Einblick in die Kunstflugstaffel Patrouille Suisse
Einzelnachweise
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