Trooping the Colour


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Datei:Trooping the Colour Queen carriage 16th June 2007.jpg
Königin Elisabeth II. beim Abnehmen der Paradeaufstellung (2007)

Trooping the Colour bezeichnet die alljährliche Militärparade im Juni (i. d. R. am zweiten Samstag im Juni) zu Ehren des Geburtstages des jeweiligen britischen Monarchen. Der Ursprung der Zeremonie liegt im Brauch des täglichen Vorbeitragens (Trooping) und Zeigen der Regimentsfahnen (Colours) für die Soldaten, damit sie sie sehen und später im Kampf wiedererkennen konnten.

Die Parade findet auf dem Horse Guards Parade, dem größten offenen Platz in London, statt und wird von ausgebildeten Soldaten im Dienst der Household Division (Infanterie und Kavallerie, seit 1998 auch Artillerie) durchgeführt und von Mitgliedern der Königlichen Familie und Ehrengästen verfolgt. Die Königin wird während der Zeremonie mit dem Royal Salute begrüßt.

Geschichte

Trooping the Colour wurde erstmals unter Karl II. von England durchgeführt. Seit 1805 wurde die Zeremonie öffentlich vollzogen und findet seither - bis auf einige Ausnahmen wie in den Jahren des Zweiten Weltkriegs, 1948 wegen schlechten Wetters und 1955 wegen eines Eisenbahnerstreiks - jährlich statt. Eigentlich nimmt der Monarch die Parade zu Pferde ab, Königin Elisabeth II. hat dieses auch bis zu ihrem 60. Lebensjahr getan. Aufgrund ihres Alters nimmt die Königin inzwischen die Parade jedoch in der Kutsche und auf einer Tribüne ab.

Ablauf

Datei:Soldiers Trooping the Colour, 16th June 2007.jpg
Paradeaufstellung der Welsh Guards bei Trooping the Colour (2007)

Über 1.400 Soldaten mit zweihundert Pferden nehmen an der Parade teil. Es marschieren die vereinigten Musikkapellen der Garde-Regimenter mit über vierhundert Musikern und Trommlern auf. Der kommandierende Offizier spricht 113 Befehlsworte.

Pünktlich mit dem Elf-Uhr-Glockenschlag des Horse-Guards-Gebäudes trifft die Königin mit ihrer Kutsche vom Buckingham Palace kommend mit ihrer Kavallerie-Eskorte auf dem Platz ein. Anschließend nimmt die Königin den Royal Salute entgegen. Die Parade beginnt mit der „Inspection of the Line“, bei der die Königin in ihrer Kutsche langsam alle Ränge der sechs Gardeformationen der Infanterie, der beiden Formationen der Household Cavalry und der Royal Horse Artillery entlangfährt.

Nach der Inspektion marschieren die vereinigten Musikkapellen der Fußgarden in langsamem, danach in schnellem Tempo an der Königin vorbei, wobei traditionell der langsame Marsch aus Meyerbeers Oper Die Hugenotten gespielt wird.

Danach marschiert die „No. 1 Guard“, die sogenannte „Escort for the Colour“, traditionell unter den Klängen des schnellen Marsches The British Grenadiers nach vorn, um die Fahne zu übernehmen. Ist das erfolgt, wird die „Escort for the Colour“ zur „Escort to the Colour“. Die „No. 2“ bis „No. 6 Guards“ präsentieren daraufhin das Gewehr, da der „Ensign“ (Fähnrich; ein 2nd Lieutenant) der „Escort to the Colour“ nun die Fahne den angetretenen Truppen zeigt. Die „Escort to the Colour“ marschiert zu den Klängen des „Grenadiers Slow March“ durch die angetretenen Reihen zurück auf ihre Position.

Nach dem Einnehmen der ursprünglichen Position formiert sich die Infanterie zum Vorbeimarsch an der Königin. Er erfolgt erst im langsamen, dann im schnellem Tempo. Als langsame bzw. schnelle Parademärsche werden je nach Zusammensetzung der „Guards“ gespielt: Scipio und The British Grenadiers (Grenadier Guards), Figaro und Milanollo (Coldstream Guards), The Garb of Old Gaul und Hielan Laddie (Scots Guards), Let Erin remember und St. Patrick's Day (Irish Guards), Men of Harlech und Rising of the Lark (Welsh Guards). Beim schnellen Vorbeimarsch werden allerdings regelmäßig auch andere Werke der militärischen Marschmusik aus aller Welt gespielt (siehe unten: Besonderes). Beim Vorbeimarsch in langsamem Tempo senkt der „Ensign“ die Fahne vor der Königin, die sich vor ihr verbeugt, Zivilpersonen haben sich von ihren Plätzen zu erheben und Angehörige des Militärs den militärischen Gruß zu erweisen, um die Fahne zu ehren. Beim Vorbeimarsch in schnellem Tempo marschiert der „Ensign“ hinter der No. 1 Guard, die Fahne wird dann nicht mehr gesenkt.

Datei:Massed Mounted Band, Trooping the Colour, 16 June 2007.jpg
Vorbeiritt der Massed Mounted Band (vereinigte Trompeterkorps) vor Elisabeth II. (2007)

Nach Abschluss des Vorbeimarsches formiert sich die Infanterie wieder in L-Formation und überlässt das Paradefeld den reitenden Truppen, dem „King’s Troop, Royal Horse Artillery“ und der „Household Cavalry“ („Life Guards“ und „Blues and Royals“). Auch dieser Vorbeiritt findet in langsamem und schnellem Tempo statt. Bei ersterem spielen die vereinigten Kapellen der Kavallerie die Märsche The Royal Horse Artillery's Slow Marsch, The Life Guards, The Blues and Royals und The Royals. Genau wie bei der Infanterie wird die Standarte der Kavallerie nur beim langsamen Vorbeiritt (im Schritt) gesenkt. Im Übrigen salutieren alle vor den ersten Geschützen der „King's Troop RHA“, da diese keine Standarte führt. Der schnelle Vorbeiritt (im Trab) erfolgt für alle Einheiten unter den Klängen von The Keel Row. Ist dieser abgeschlossen, reitet die „Household Cavalry“ sofort zum Buckingham Palast weiter, während der „King's Troop, Royal Horse Artillery“ im Green Park 41 Salutschüsse abfeuert. Nach einem weiteren „Royal Salute“ formiert sich die Infanterie zum Abmarsch und kehrt mit der Königin an der Spitze zum Palast zurück, wo die Königin noch einmal einen Vorbeimarsch der Truppen abnimmt.

Im Anschluss an das Ereignis versammelt sich die Königliche Familie auf dem Balkon des Buckingham Palastes, um den Überflug von Flugzeugen der Royal Air Force zu beobachten.

Rezeption

Die Parade ist auch im Ausland beliebt und wird seit Jahrzehnten auch vom deutschen Fernsehen übertragen und in den Hauptnachrichtensendungen heute und Tagesschau mindestens mit einer Meldung gewürdigt sowie meist mit einem Bericht in heute-journal und Tagesthemen. Die Liveübertragung im Ersten kommentiert alljährlich Rolf Seelmann-Eggebert.

Besonderes

Seit einigen Jahren werden zum schnellen Vorbeimarsch der Fußtruppen häufig deutsche bzw. österreichische Militärmärsche gespielt. Beispiele dafür sind In Treue fest von Carl Teike, Die Regimentskinder von Julius Fučík, Gottfried Piefkes Margaretenmarsch, der Kaiser Friedrich-Marsch von Carl Friedemann, der Parademarsch Nr. 1 von Julius Möllendorf und der Coburger Josias von Michael Haydn. Zur Formierung der Fußgarden zum Abmarsch Richtung Buckingham Palace schlagen die Spielleute (Trommler und Pfeifer) mittlerweile bereits traditionell Preußens Gloria von Gottfried Piefke.

Weblinks