Von der Leyen (Seidenweberfamilie)
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Die Familie von der Leyen begründete mit der Seidenweberei die Textilindustrie in Krefeld, welche in ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert zu Weltruhm kam.
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Von-der-Leyen-Platz in Krefeld
Inhaltsverzeichnis
Familiengeschichte der „von der Leyen“ in Krefeld
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Peter von der Leyen (1697–1742)
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Friedrich von der Leyen (1701–1778)
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Heinrich von der Leyen (1708–1782)
- 1656 Vertreibung aus Radevormwald, wo es noch heute einen Ortsteil Leye gibt, wegen des mennonitischen Glaubens und Flucht in das „freie“ Krefeld. Dort führt Adolf von der Leyen den Handel mit Seidenwaren weiter, der in Radevormwald abgebrochen werden musste.
- 1720 gründet Peter von der Leyen die erste Nähseidenfabrik.
- 1724 folgt die Gründung der ersten Seidenfärberei mit den Brüdern Johann, Friedrich und Heinrich.
- 1731 gründen die Brüder Friedrich und Heinrich eine neue Firma.
- 1760 wird die von der Leyensche Stiftung zur Unterstützung notdürftiger Mitglieder der Krefelder Mennonitengemeinde gegründet.<ref>400 Jahre Mennoniten in Krefeld (pdf)</ref>
- 1763 ist die Hälfte der Krefelder Bevölkerung (6082 Einwohner) bei den von der Leyens beschäftigt. Dabei beutete der Familienbetrieb nicht nur den Großteil der Krefelder aus, sondern auch die Bevölkerung der kleineren umliegenden Ortschaften, was eine Verschärfung der Klassenauseinandersetzungen zur Folge hatte. Im Jahre 1768 sollen mehr als 3.000 Arbeitskräfte für sie tätig gewesen sein. Die Weltfirma Friedrich und Heinrich von der Leyen genießt zahlreiche Privilegien, so das preußische Seidenmonopol und sonstige Protektion durch die preußischen Könige, die ausgeprägt merkantil denken und gute Steuerzahler und eine florierende Wirtschaft schätzen. Der Bau zahlreicher Häuser und Fabrikgebäude in Krefeld, an der Friedrichstraße oder auch Haus Leyental folgen, einige Häuser überstehen die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Friedrich der Große und sein Stab logieren bei den von der Leyens nach dem Sieg über die Franzosen an der Hückelsmay.
- 1768 erhält die Krefelder Mennonitenkirche durch eine Schenkung der Familie von der Leyen eine erste Orgel.
- 1768 wurden für das Unternehmen von der Leyen über 700 Webstühle betrieben, wobei ein Arbeitstag von 12 bis 18 Stunden die Regel war.<ref>Krefeld - Der König der Webstühle, rp-online.de vom 13. Mai 2011</ref>
- 1769 wird Friedrich Heinrich von Friedrich (Name des Vaters) von der Leyen geboren.
- 1772 wird Haus Kiekhorst bei Neukirchen-Vluyn als Landsitz erworben. Nach der Errichtung eines neuen Herrenhauses wird dieses fortan Schloss Leyenburg genannt.
- 1792 wird Konrad Isaak von der Leyen während der ersten französischen Besetzung von General La Marliére mit mehreren weiteren prominenten Krefelder Bürgern als Geisel genommen um der Stadt die Zahlung einer Kriegsauflage von insgesamt 300.000 Gulden abzupressen. Der Überlieferung nach konnte ein Großteil des Geldes dem General bei einem Kartenspiel von seinen Geiseln wieder abgenommen werden.
- 1794 lässt sich Conrad von der Leyen vom Baumeister Martin Leydel einen „kostbaren“ Wohnsitz am westlichen Stadtgraben bauen. Schon bald wird das Haus allgemein das Stadtschloss genannt und ist heute Rathaus der Stadt Krefeld am Von-der-Leyen-Platz.
- 1794 im Oktober besetzen französische Revolutionstruppen Krefeld. Damit beginnt für die Krefelder Wirtschaft eine außerordentlich schwere Zeit wegen hoher Kriegslasten und Steuern und der Unterbrechung der Handelswege.
- 1795 wird das linksrheinische Preußen französisches Interessengebiet.
- 1800 wird Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen Bürgermeister von Krefeld.
- 1801 das Département de la Roer wird französisches Staatsgebiet, Krefeld wird zum Hauptort des gleichnamigen Arrondissements.
- 1802 wird die Gewerbefreiheit nach französischem Recht in Krefeld eingeführt.
- 1803 kauft Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen das kriegsgeschädigte Gut und Schloss Bloemersheim bei Neukirchen-Vluyn auf. Das Schloss ist bis heute im Besitz der Familie.
- 1804 kauft Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen das säkularisierte und zerstörte Klostergut Haus Meer in Meerbusch. Napoléon Bonaparte besucht Krefeld und wohnt beim „Seidenbaron“ von der Leyen. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen wird die Chambre consultative de manufactures, fabriques, arts et métiers, die heutige Industrie- und Handelskammer (IHK) in Krefeld gegründet.
- 1805 wird Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen Deputierter der gesetzgebenden Versammlung in Paris.
- 1813 wird Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen mit dem Titel eines Baron de l'Empire geadelt und 1816 auch in den preußischen Freiherrenstand mit dem Namen von der Leyen zu Bloemersheim erhoben.
- 1815 nach der Franzosenzeit und der Kontinentalsperre können die Firmen nun wieder unter preußischer Herrschaft nicht mehr zu ihrer alten Blüte heranwachsen.
- 1825 stirbt Friedrich Heinrich von Friedrich Freiherr von der Leyen, der Mann, der die Firma zu höchster Blüte führte und in seinem bewegten Leben Bürgermeister von Krefeld, Deputierter in Paris, Baron de l'Empire, preußischer Freiherr und Träger hoher französischer und preußischer Auszeichnungen war.
- 1828 rebellierten Seidenweber des Unternehmens von der Leyen gegen Lohnkürzungen. Das 2. Westfälisches Husaren-Regiment Nr. 11 schlug die Aufständischen nieder. Karl Marx bezeichnete den Krefelder Seidenweberaufstand als den „ersten Arbeiteraufstand der deutschen Geschichte“.<ref>Krefeld - Der Aufstand der Seidenweber, rp-online.de vom 13. Mai 2011</ref>
- 1837 gehört die Familie zu den Gründungsmitgliedern der Rheinischen Ritterschaft.
- 1857 stirbt Gustav Heinrich Freiherr von der Leyen, der letzte Seidenproduzent und Seidenkaufmann der Familie, dem eine Wiederbelebung der Firma nicht mehr gelingt.
- 1903 stirbt seine Witwe Mathilde von der Leyen, die sich ganz auf das Land zurückzieht und das Industrievermögen veräußert.
- 1935 stirbt ihr Sohn Friedrich Ludwig von der Leyen, der sich als außerordentlich tätiger Mann in politischen, karitativen und anderen öffentlichen Bereichen einen bleibenden Namen in der Region erwirbt.
- 1945 stirbt sein Sohn Joachim Freiherr von der Leyen im Zweiten Weltkrieg, der nur sehr kurze Zeit die Geschicke der land- und forstwirtschaftlichen Verwaltung lenken kann. Seine Witwe Huberta von der Leyen leitet mit Umsicht die Geschicke des Besitzes.
- 1970 übernimmt sein Sohn Friedrich Heinrich Freiherr von der Leyen die Bewirtschaftung der Betriebe in Bloemersheim und Haus Meer und intensiviert den Betrieb mit den Sparten Obstbau, Landwirtschaft und Forst.
- 1992 wird der Landwirtschafts– und Obstbaubetrieb Schloss Dyck/Nikolauskloster hinzugepachtet.
- Heute werden die Besitztümer und Ländereien von der Freiherr-von-der-Leyen'sche Verwaltung durch Friedrich Freiherr von der Leyen zu Bloemersheim in Neukirchen-Vluyn verwaltet. Neben Schloss Bloemersheim gehören dazu auch die Landwirtschaft von Haus Meer und der landwirtschaftliche Pachtbetrieb von Schloss Dyck.
Bekannte Familienmitglieder
- Adolf von der Leyen (1624/25–1698)
- Friedrich Heinrich von Friedrich Freiherr von der Leyen (1769–1825), der „Seidenbaron“
- Joachim Freiherr von der Leyen (1897–1945), Ziviler Kommandant (Kreishauptmann) in Lemberg während des Holocaust
- SchlossLeyenburg1.JPG
Schloss Leyenburg, 1772 erworben
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Das Krefelder Rathaus am Von-der-Leyen-Platz, erbaut 1794 als Wohnsitz für Conrad von der Leyen
- Weihnachtsmarkt Bloemersheim, Frontseite Schloss, 2010-12-04.jpg
Schloss Bloemersheim, 1803 erworben
- 6 Wirtschaftshof, Haus Meer (Büderich).jpg
Haus Meer, 1804 erworben
Weitere von der Leyens
- siehe von der Leyen (Begriffsklärung)
- Es besteht keine Verwandtschaft zwischen der 1813 geadelten Krefelder Seidenweberfamilie (den Freiherren von der Leyen zu Bloemersheim) und dem von der Mosel stammenden Uradelsgeschlecht der Freiherren, ab 1711 Reichsgrafen und ab 1806 Fürsten von der Leyen, die von 1806 bis 1815 das souveräne Fürstentum von der Leyen regierte. In der Umgebung der Mosel traten außerdem mehrere weitere Adelsfamilien auf, die sich „von Leyen“ oder „von der Leyen“ nannten, sich jedoch alle durch ihre Wappen unterscheiden (von der Leyen aus Ürzig, von Leyen von Ockenfels, von Leyen von Burg Layen in Rümmelsheim).
Weblinks
Commons Commons: Von der Leyen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
- Friedrich und Heinrich von der Leyen im Portal Rheinische Geschichte
Einzelnachweise
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