Camille Jordan
Marie Ennemond Camille Jordan, genannt Camille Jordan, (* 5. Januar 1838 in Lyon; † 21. Januar 1922 in Paris) war ein französischer Mathematiker.
Jordans Vater war Ingenieur und seine Mutter eine Schwester des Malers Pierre Puvis de Chavannes. Er studierte ab 1855 an der École polytechnique in Paris und arbeitete dann als Ingenieur, zuerst in Privas, dann in Chalon-sur-Saône und schließlich in Paris. Nebenbei fand er ausreichend Zeit, mathematische Forschung zu betreiben. 1860 wurde er bei Victor Puiseux an der Faculté des Sciences (Sorbonne) in Paris promoviert.<ref>Mathematics Genealogy Project</ref> 1876 wurde er Professor für Analysis an der École Polytechnique, an der er schon ab 1873 Examinator war, und außerdem ab 1883 Professor am Collège de France. 1912 ging er in den Ruhestand.
1916 wurde er Präsident an der Académie des sciences, deren Mitglied er seit 1881 war.
Er hat fundamentale Beiträge zur Analysis, Gruppentheorie und Topologie geleistet. Noch heute erinnert der Begriff Jordan-Kurve an seinen Namen. Sein Beweis des jordanschen Kurvensatzes<ref>Cours d’Analyse, Band 3, 1887, S. 587–594</ref> ist 1905 von Oswald Veblen kritisiert worden und später war man allgemein der Ansicht, dass Young den ersten strengen Beweis gab. Das ist von Thomas C. Hales 2007 in Frage gestellt worden.<ref>Hales The Jordan curve theorem, formally and informally, The American Mathematical Monthly, Band 114, 2007, S. 882–894, Jordan’s proof of the Jordan Curve theorem, Studies in Logic, Grammar and Rhetoric, Band 10, 2007, pdf</ref> Insbesondere sieht Hales einen der Hauptkritikpunkte, das Fehlen des Beweises für Polygone, als nicht stichhaltig an, da dieser Teil des Beweises relativ einfach zu erbringen ist.
Sein Lehrbuch der Gruppentheorie war im 19. Jahrhundert sehr einflussreich (es war das erste Buch über Gruppentheorie) ebenso wie sein Analysis-Lehrbuch (Cours d´Analyse). Die jordansche Normalform in der Linearen Algebra und der Satz von Jordan-Hölder in der Gruppentheorie sind nach ihm benannt.
Felix Klein pflegte bei seiner Vorlesung über Gruppentheorie folgende Geschichte seinen Zuhörern zum Besten zu geben:
„Auf dem denkwürdigen Pariser Mathematikerkongress im Jahre 1900 wurde in einer schlichten Feierstunde aller bedeutenden Mathematiker gedacht, die in den letzten zehn Jahren das Zeitliche gesegnet hatten. Unter anderem wurde der Gruppentheoretiker Camille Jordan, geboren 1838, gestorben am 7. November 1898, genannt. Da erhob sich in den letzten Reihen eine hagere Gestalt, um der Versammlung zu verkünden, dass an der Angabe seines Todesdatums wenigstens die Jahreszahl nicht stimmen könne, da er noch am Leben sei.“
Klein und Sophus Lie besuchten 1870 Paris nicht zuletzt, um bei Jordan dessen gruppentheoretische Konzepte zu studieren.
Für sein Buch über Gruppentheorie erhielt er den Poncelet-Preis der Academie des Sciences. 1890 wurde er Offizier der Ehrenlegion. 1920 war er Ehrenpräsident des Internationalen Mathematikerkongresses in Straßburg. 1880 war er Präsident der Société Mathématique de France.
Er war seit 1862 mit Marie-Isabelle Munet verheiratet, Tochter des Bürgermeisters von Lyon. Mit ihr hatte er acht Kinder. Drei seiner sechs Söhne fielen im Ersten Weltkrieg. Sein Sohn Camille war Minister, sein Sohn Edouard Geschichtsprofessor an der Sorbonne.
Schriften
- Oeuvres de Camille Jordan, Paris, 4 Bände, 1961 bis 1964 (Herausgeber Jean Dieudonné)
- Traité des substitutions et des équations algébriques, Gauthier-Villars 1870
- Cours d’analyse de l’École polytechnique, 3 Bände, Gauthier-Villars 1893–1896 (erste Auflage 1882 bis 1887)
Weblinks
- John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: Camille Jordan. In: MacTutor History of Mathematics archive (englisch)
- Bibliothèque nationale de France Zugriff auf mehrere digitalisierte Werke von Jordan.
Einzelnachweise
<references />
Personendaten | |
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NAME | Jordan, Camille |
ALTERNATIVNAMEN | Jordan, Marie Ennemond Camille (vollständiger Name) |
KURZBESCHREIBUNG | französischer Mathematiker |
GEBURTSDATUM | 5. Januar 1838 |
GEBURTSORT | Lyon |
STERBEDATUM | 21. Januar 1922 |
STERBEORT | Paris |