Deutsch-Indonesisches Tsunami Frühwarnsystem
Das Deutsch-Indonesische Tsunami Frühwarnsystem (German Indonesian Tsunami Early Warning System, GITEWS) soll eine mögliche Tsunami-Gefahr erkennen, um die Bevölkerung an der indonesischen Küste zu warnen, es wurde in Folge des Erdbeben im Indischen Ozean 2004 entwickelt. Es wurde unter der Führung des Geoforschungszentrums Potsdam zusammen mit 20 nationalen und internationalen Partnerorganisationen errichtet.
Inhaltsverzeichnis
Systemaufbau
Das Messsystem als Basis des Frühwarnsystems besteht ausschließlich aus
- Seismometern "SeisCOMP",
- GPS-Stationen "GPS-Shield" und
- Küstenpegeln "GPS-Küstenpegel".
Ein Bojensystem gehört schon seit 2010 nicht mehr dazu.<ref>Konzept, auf Website www.gitews.de, abgerufen am 13. Oktober 2015</ref>
Das Problem der Bojen das zur Aufgabe des Bojenkonzeptes führte, war bedingt durch die Küstennähe, ein doppeltes:
- Bojen wurden von Booten als Festmacherplätze missbraucht und beschädigt.
- Der gemessene Meeresspiegelanstieg war aufgrund der kurzen Entfernung zum Land und der großen Tsunami-Wellengeschwindigkeit zeitlich zu kurz vor dem Eintreffen des Tsunamis an Land.
Bojen und Sensoren
Das inzwischen aufgegebene komplexe System aus Bojen und Ozeanbodenseismometern am Meeresboden, Erdbeben- und Wasserpegel-Messgeräten an Land sowie GPS- und Nachrichtensatelliten, deren Daten nach einem Erdbeben mit simulierten Tsunamis verglichen werden. So können mögliche Tsunamis deutlich früher, zuverlässiger und exakter erkannt und die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt werden. Alle Komponenten kommunizieren miteinander, wobei die Daten online in einem eigens geschaffenen Rechenzentrum verfügbar sind.
Erste Schritte hat die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren mit dem Aussetzen der ersten Boje zu Testzwecken vor Sumatra geschaffen. Mit zahlreichen Messfahrten mit dem deutschen Forschungsschiff Sonne vor den Inseln Simeuluë und Nias vor Sumatra wurde der Meeresboden in über 5000 Meter Tiefe vermessen und digital kartiert.
Messsonden werden derzeit vor Indonesien auf den Meeresgrund verbracht, um seismographische Veränderungen wie Erdbeben oder Hang-Abrutsche zu erkennen. Deren Sensoren korrespondieren mit den Bojen und geben akustisch die Messwerte vom Meeresboden über die Bojen weiter. Dazu wird eine Weiterentwicklung von „OBS Lobster“ genutzt, ein Ozeanbodenseismometer, der vom IFM-GEOMAR gebaut wird.
Letzte Meile
Die Übermittlung der Warnungen an die Bevölkerung liegt in der Verantwortung der lokalen Entscheidungsträger in der Politik, bei den Medien, bei der Polizei und beim Militär. Wird eine Gefahr für die indonesische Bevölkerung erkannt, so werden diese vom GITEWS informiert. Das Letzte-Meile-Projekt des GITEWS-Projekts soll Lokalpolitiker informieren, wie die Warnung schnellstmöglich an die Bevölkerung weitergeleitet werden kann.
Projektverlauf
Im Frühjahr 2005 erfolge die Konzeption eines Tsunami-Frühwarnsystems durch die Helmholtz-Gemeinschaft und das BMBF.<ref>Konzeption der Bundesrepublik Deutschland zur Einrichtungeines Tsunami-Frühwarnsystems in der Katastrophenregion des Indischen Ozeans Informationen des BMBF.</ref>
Am 11. November 2008 wurde das Tsunami-Warnsystem feierlich vom indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono eingeweiht und der offizielle Testbetrieb aufgenommen.<ref>Norbert Lossau: Deutsche Technik warnt präzise vor Tsunamis. In: Die Welt. 9. November 2008 (abgerufen 11. November 2008)</ref>
Am 29. März 2011 wurde das System bei einer Zeremonie in Jakarta an Indonesien übergeben und damit das GITEWS-Projekt planungsgemäß beendet. <ref>Pressemitteilung GFZ Potsdam: Übergabe des Tsunami-Frühwarnsystems GITEWS an Indonesien (abgerufen am 29. März 2011)</ref>
Bereits am 14. Oktober 2011 wurde gemeldet, dass sämtliche acht Bojen des Systems außer Betrieb sind, weil sie entweder durch festgemachte Fischerboote oder durch Vandalismus zerstört wurden.<ref>Anfälliges Warnsystem: Deutsche Tsunami-Messbojen vor Indonesien defekt. In: Focus. 14. Oktober 2011</ref>
Angebliches Systemversagen
Bei einem Tsunami nach einem Erdbeben am 26. Oktober 2010 vor den Mentawai-Inseln westlich von Sumatra wurde gemeldet, dass das Warnsystem nicht funktioniere. Zwei Bojen in der Warnkette seien defekt gewesen, vermutlich dadurch, dass diese Bojen auch als Anlegeplätze für Fischerboote dienten.<ref>Tagesschau.de: Warnbojen defekt? (abgerufen am 26. Dezember 2009)</ref> Der eigentliche Grund lag allerdings in der Nähe der Inseln zum Bebenort; die Warnung durch GITEWS wurde bereits 4 Minuten 46 Sekunden nach dem Beben ausgesandt, etwa zeitgleich traf der Tsunami bereits die Insel Pangai.
Weblinks
- Seebeben – und das Tsunami-Frühwarnsystem, Informationen des BMBF
- Deutsch-indonesisches Frühwarnsystem, Informationen zum Frühwarnsystem
- Informationen des DLR zum Frühwarnsystem, 11. November 2008
- Wer hat die Boje geklaut? Deutsche Forscher helfen beim Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems. In: Die Zeit, Nr. 24/2006
- Erdbeben bei Java: Ortung in weniger als fünf Minuten. In: Innovations Report, 8. August 2007
- Philip Bethge, Gerald Traufetter: Warten auf den T-Day. In: Der Spiegel. Nr. 45, 2008, S. 148ff (online).
Einzelnachweise
<references />