Deutscher Schäferhund
Deutscher Schäferhund | ||
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FCI-Standard Nr. 166 | ||
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Ursprung: |
Deutschland | |
Widerristhöhe: |
Rüde: 60–65 cm | |
Gewicht: |
Rüde: 30–40 kg | |
Varietäten: |
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Liste der Haushunde |
Der Deutsche Schäferhund ist eine von der FCI anerkannte deutsche Hunderasse (FCI-Gruppe 1, Sektion 1, Standard Nr. 166).
Inhaltsverzeichnis
Herkunft und Geschichtliches
Die Vorfahren des Deutschen Schäferhundes gehen auf kurz- und stockhaarige Schläge von Hütehunden aus Deutschland zurück, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts auch in vielen Gegenden Europas vorkamen und sich auch dort zu eigenen Rassen entwickelt haben. Sie alle waren keine reinen Hütehunde, hatten zwar die Aufgabe, die Herden zu treiben, sollten aber auch das Hab und Gut der Hirten bewachen und beschützen. Der Deutsche Schäferhund geht vor allem auf die süddeutschen Schläge aus Thüringen und Württemberg zurück.<ref>Ursula Zabel: Der Deutsche Schäferhund. 1. Auflage. Müller Rüschlikon, 2001, ISBN 3-275-01407-2, S. 10–12.</ref> Weitere Schläge aus dem deutschen Gebiet sind als Altdeutsche Hütehunde erhalten.
Als Begründer dieser Rasse gilt Max von Stephanitz, der von diesem Hundetyp schlichtweg begeistert war. So kaufte er am 15. Januar 1898 von einem Züchter aus Frankfurt den dreijährigen „Hektor von Linksrhein“, den er in „Horand von Grafrath“ umbenannte, der erste im Zuchtbuch des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV) eingetragene Deutsche Schäferhund. Dieser und sein Bruder „Luchs von Sparwasser“ sind die Stammväter der Rasse, von denen die meisten Deutschen Schäferhunde abstammen. Als Stammmutter gilt die Hündin „Mari von Grafrath“.
Im Jahre 1891 entstand ein erster Rassestandard für den Deutschen Schäferhund. Stephanitz gliederte die Rasse in drei Klassen: in rauhaarige, glatthaarige und langhaarige Hunde. Vorausgesetzt wurden spitze Stehohren, eine gestreckte Schnauze und eine abwärts getragene, buschige Rute. Als durchschnittliche Größe wurden 50–55 Zentimeter angegeben, das Fell durfte schwarz, weiß, grau oder rotgelb sein – sowohl einfarbig als auch mit zahlreichen Abzeichen.
1894 erregte die Rasse erstmals öffentliches Aufsehen, als fünf Exemplare auf einer Ausstellung in Dortmund auftraten. Am 22. April 1899 wurde in Karlsruhe der Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) gegründet, dessen erster Präsident Max von Stephanitz war. Von Stephanitz und sein Freund Arthur Meyer suchten und schufen mit dem Deutschen Schäferhund einen Arbeitshund. Der erste Rassestandard wurde in der ersten Mitgliederversammlung des SV am 20. September 1899 in Frankfurt (Main) nach ihren Vorschlägen aufgestellt.<ref name="Standard">Rassestandard Nr. 166 der FCI: Deutscher Schäferhund (PDF-Dokument)</ref> Stephanitz verfasste außerdem das in seiner letzten Ausgabe über tausend Seiten umfassende kynologische Werk Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild.<ref>Max v. Stephanitz: Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild. 6 Auflage. Verlag des „Verein für Deutsche Schäferhunde (SV)“, Jena 1921 (online).</ref>
Die Angst vor einer Vermischung von Deutschen Schäferhunden und Australischen Dingos führte im Jahr 1929 dazu, dass die Regierung des Commonwealth den Import von Deutschen Schäferhunden nach Australien verbot. Dabei befürchtete man, dass die Hunde (teilweise wegen des alten Namens „Elsässer Wolfshund“) eine Gefahr für Schafe wären, sich den Dingos zu sehr nähern würden und es so zur Vermischung kommen könnte. Dieses Gesetz (ursprünglich auf fünf Jahre angesetzt) wurde erst 1972 gelockert und 1974 aufgehoben.<ref>The History of the German Shepherd Dog in Australia. auf der Webseite des German Shepherd Dog Club of Queensland.</ref>
„Von Stephanitz und seine Jünger in der deutschen Hundezuchtbewegung lieferten nicht nur die gewünschten ‚Hunde deutscher Abstammung mit ausgeprägtem Kampftrieb‘, sondern wurden auch zu geistigen Wegbereitern einer nationalsozialistischen Gesinnung, die gleich zweimal in der Katastrophe endete.“, urteilte der Haustierkundler Erik Zimen.<ref name="DerHund197">Erik Zimen: Der Hund – Abstammung, Verhalten, Mensch und Hund. Goldmann 1992 (Taschenbuchausgabe), ISBN 3-442-12397-6, S. 197.</ref> Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg hielten die obersten deutschen Heeresführer (Hindenburg und Ludendorff bzw. Hitler und Himmler) Deutsche Schäferhunde.<ref name="DerHund197" /> Im Zweiten Weltkrieg waren 30.000 Deutsche Schäferhunde zum Kriegsdienst eingezogen, von denen die wenigsten überlebten.<ref name="DerHund197" /> Der Deutsche Schäferhund wurde im Dritten Reich zu einem nationalistischen Symbol vermeintlich typisch deutscher Tugenden, wie etwa Mut und Treue. Die NS-Propaganda setzte Adolf Hitler mit seiner Hündin Blondi in zahlreichen Fotos in Szene. Die Instrumentalisierung der Rasse durch die Nazis reicht aber über Propaganda weit hinaus, wie beispielsweise ihr Einsatz in Konzentrationslagern zeigt.
Doch nicht nur bei den Deutschen war der Deutsche Schäferhund beliebt im Kriegseinsatz, auch die Entente bzw. die Alliierten griffen auf ihn zurück.<ref>WUFF online: "Auf dem Feld der Ehre" - Der Hund im Kriegsdienst</ref>
Im Vereinigten Königreich wird die Rasse auch Alsatian (Elsässer) genannt.<ref>Eva-Maria Krämer: Der neue Kosmos-Hundeführer. 4. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2002, S. 216.</ref> Ursprünglich war dies aus politischen Gründen (antideutsche Strömungen aufgrund des Ersten Weltkrieges) geschehen.<ref>German Shepherd — The Ultimate Service Dog. German Culture.</ref>
Die Farbe Weiß wurde 1933 durch den deutschen Rasseclub aus dem Standard gestrichen, wodurch weiße deutsche Schäferhunde innerhalb der FCI als nicht mehr standardkonform angesehen wurden. 1968 strich der „Shepherd Dog Club of America“ weiß ebenfalls aus dem Standard, und der American Kennel Club verweigerte danach die Aufnahme Weißer Welpen in das Zuchtbuch. Eine Ausnahme bildete der Canadian Kennel Club, der die weiße Farbe weiterhin als zulässig für den Deutschen Schäferhund anerkannte. Züchter der weißen Variante in den USA bildeten in der Folge unterschiedliche Zuchtclubs.<ref>Hans Räber: Enzyklopädie der Rassehunde. Bd.1, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 1993/2001, ISBN 3-440-06555-3, Weißer Schäferhund, Der Streit um die Weißen begann, S. 221.</ref> Die FCI erkannte den Weißen Schäferhund auf Antrag der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft 2003 vorläufig und 2011 endgültig als eigene Rasse an und führt ihn seither unter dem Namen Berger Blanc Suisse (Weisser Schweizer Schäferhund).
Beschreibung
Körperform
Der Deutsche Schäferhund ist mittelgroß, kräftig und stark bemuskelt, sollte jedoch niemals schwerfällig dabei wirken. Er ist eher länger als hoch, wobei der Widerrist den höchsten Punkt des Rückens bildet. Beim ausgewachsenen Rüden sollte die Schulterhöhe zwischen 60 und 65 Zentimeter betragen, Hündinnen sollten zwischen 55 und 60 Zentimeter hoch sein.
Der Körperbau sollte trocken sein, ohne Fett oder loses Bindegewebe, mit sich klar abzeichnenden Muskeln. Der Brustkorb ist tief und gut gewölbt. Die Winkelung der Gliedmaßen bietet den größtmöglichen Schritt. Die Hinterhand greift dabei bis über die Körpermitte vor und gibt so größtmöglichen Schub von hinten. Der Deutsche Schäferhund ist ein ausdauernder Traber.
Die Kopfform ist keilförmig, die Kopfgröße steht in gutem Verhältnis zum restlichen Körper. Die Stirn ist nur wenig gewölbt, der Nasenrücken gerade. Zugelassen ist ausschließlich eine schwarze Nase. Die Lippen sind straff, trocken, dunkel gefärbt und schließen gut. Der Deutsche Schäferhund verfügt über ein Scherengebiss, ein Auf-, Über- oder Unterbiss ist nicht zulässig, dabei hat der Welpe 28 und der erwachsene Hund 42 Zähne.
Der Deutsche Schäferhund hat Stehohren, deren Größe im guten Verhältnis zum Kopf stehen sollte. Sie werden aufrecht und nach vorne gerichtet getragen. Die Augen sind in jedem Falle dunkel und etwas schrägliegend. Es sollte stets der Eindruck von Aufmerksamkeit erweckt werden.
Die Rute wird sichelförmig und herabhängend getragen. Die Pfoten sind rundlich und kurz, auch die Krallen sind kurz und kräftig. Sowohl Krallen als auch Ballen sind von dunkler Farbe.
Fellvarianten
Das Fell des Deutschen Schäferhundes ist in erster Linie zweckmäßig. Es ist leicht zu pflegen und wetterbeständig gegen Schnee, Regen, Kälte und Hitze. Unter dem anliegenden Deckhaar befindet sich eine dichte Unterwolle. Er neigt zum Haaren.
Der Rassestandard schreibt den Stockhaartyp mit dichter Unterwolle und geradem, fest anliegendem Deckhaar vor. An Hals (Kragen), Rute und den Hinterläufen (Hosen) ist das Deckhaar etwas länger.
Bei den Fellfarben ist der gelbe oder braune Schäferhund mit schwarzem Sattel und weiteren schwarzen Abzeichen der bekannteste Vertreter. Vor allem schwarze Abzeichen am Kopf sind typisch. Doch auch fast ganz schwarze Hunde mit gelben, braunen oder sogar weißen Abzeichen sind zugelassen. Es gibt ihn auch einfarbig in schwarz. Vermehrter Beliebtheit erfreuen sich in letzter Zeit die grauen Schäferhunde, wobei diese keineswegs einfarbig grau sind. Es handelt sich eher um eine grau-schwarze Musterung.
Auf der Bundesversammlung des Vereins Deutscher Schäferhunde, der innerhalb der FCI für den Rassestandard zuständig ist, wurde 2008 beschlossen, dass auch der Langstockhaar wieder in den Standard aufgenommen wird.<ref>Die wichtigsten Beschlüsse der Bundesversammlung vom 6.-7. Juni in Kassel. (PDF; 142 kB) In: SV-Zeitung. Juli 2009, S. 437–438.</ref> Der Standard legt dazu fest:
„Langstockhaar: Das Deckhaar soll lang, weich und nicht fest anliegend sein, mit Fahnen an Ohren und Läufen, buschige Hosen und buschige Rute mit Fahnenbildung nach unten. Am Kopf einschließlich des Ohrinnern, an der Vorderseite der Läufe, an Pfoten und Zehen kurz, am Hals länger und stärker behaart, nahezu eine Mähne bildend. An der Rückseite der Läufe verlängert sich das Haar bis zum Vorderfußwurzelgelenk bzw. bis zum Sprunggelenk und bildet an der Rückseite der Keulen deutliche Hosen.“<ref name="Standard" />
Neben dem Deutschen Schäferhund gibt es eine eigene Rasse von Schäferhunden, die durch weißes Fell gekennzeichnet sind: die Weissen Schweizer Schäferhunde. Sie sind eine eigene, von der FCI anerkannte, Rasse. Die französische Bezeichnung ist Berger Blanc Suisse.
Wesen
Laut FCI-Rassestandard muss der Deutsche Schäferhund „[…] vom Wesensbild her ausgeglichen, nervenfest, selbstsicher, absolut unbefangen und (außerhalb einer Reizlage) völlig gutartig sein, dazu aufmerksam und führig. Er muss Triebverhalten, Belastbarkeit und Selbstsicherheit besitzen, um als Begleit-, Wach-, Schutz-, Dienst- und Hütehund geeignet zu sein.“<ref name="Standard" /> Nervöse oder ängstliche Tiere entsprechen nicht dem Wesen des Schäferhundes und lassen auf eine schlechte Zucht und mangelnde Sozialisierung schließen.
Der Schäferhund ist lernwillig, aber auch selbstbewusst und braucht eine fortdauernde konsequente Erziehung mit viel Geduld, positiver Verstärkung und Verständnis.<ref>Information des SV zur Erziehung</ref> Er zeigt ein stark ausgeprägtes Schutzverhalten. Viel Auslauf und Beschäftigung sind für diese Hunde wichtig, Hundesport ist angebracht; eine geistige Beschäftigung, die über reine körperliche Auslastung hinausgeht, ist unabdingbar.
„Wächst ein Deutscher Schäferhund speziell mit anderen seiner Rasse auf (die entsprechend gut sozialisiert sind), so gehört er zu den Rassen, welche untereinander schnell eine soziale Rangordnung aufbauen und nur relativ wenig Aggressionen (ernsthaft als auch ritualisiert) zeigen und gut miteinander auskommen.“
Listenhund
Der Deutsche Schäferhund wird im Schweizer Kanton Tessin als eine potentiell gefährliche Rasse auf der Rasseliste geführt.<ref>Rasseliste des Kanton Tessin (PDF; 566 kB)</ref> Zu seiner Haltung ist dort eine kantonale Bewilligung erforderlich, für die unter anderem ein Wesenstest für Hunde verlangt wird. Der potentielle Halter muss außerdem einen Strafregisterauszug vorweisen.<ref>Bestimmungen zur Erteilung der Haltebewilligung auf der Webseite des Kt. Tessin (italienisch)</ref> Im Kanton Glarus ist seine Haltung ebenfalls bewilligungspflichtig.<ref>Bewilligungspflichtige Hunderassen auf der Webseite des Kt. Glarus, abgerufen am 18. April 2014</ref>
In Österreich kam eine Studie zur Analyse von Hundebissen an Kindern zum Schluss, dass der Deutsche Schäferhund ein im Vergleich zu Labrador Retriever oder Mischlingen etwa 5-fach erhöhtes Angriffsrisiko darstellt. Dabei wurde die Zahl der Beißvorfälle in Relation zur Anzahl der Hunde gesetzt. Der Großteil (82 %) der gebissenen Kinder war dem Hund bekannt, besonders oft wurden Kleinkinder Opfer von Angriffen.<ref>http://pediatrics.aappublications.org/content/117/3/e374.full</ref> Auch in der Schweiz verursachen Deutsche Schäferhunde signifikant mehr Bissverletzungen, als anhand ihres Anteils an der Hundepopulation zu erwarten wäre.<ref>Ursula Horisberger: Medizinisch versorgte Hundebissverletzungen in der Schweiz: Opfer – Hunde – Unfallsituationen. Diss. Universität Bern 2002. Als PDF Im Internet</ref> Eine Studie der Freien Universität Berlin kommt für die deutschen Bundesländer Berlin und Brandenburg zum selben Schluss.<ref>R. Struwe; F. Kuhne: Auffällig gewordene Hunde in Berlin und Brandenburg - ihre Repräsentanz in offiziellen Statistiken und in der Hundepopulation. (bibliographische Informationen online)</ref>
Zucht
Zucht im VDH
Innerhalb des VDH wird der Deutsche Schäferhund im Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) und, seit März 2009 im VDH, im RSV 2000 gezüchtet. Das Zuchtbuch des SV umfasst seit Horand von Grafrath mit Zuchtbuchnummer eins mehr als zwei Millionen eingetragene Schäferhunde.<ref>Verein für Deutsche Schäferhunde: Ahnentafeln sind kein Stammbaum. 2010.</ref>
Der Leitsatz, dem folgend nach Darstellung des SV bereits zu Stephanitz’ Zeit gezüchtet wurde, steht noch heute im Vordergrund: „Schäferhundzucht ist Gebrauchshundezucht“.<ref>Verein für Deutsche Schäferhunde (SV): Eine Idee findet ihre Organisation. Darstellung der Vereinsgründung durch den SV.</ref> Ein Ziel des SV ist es, unter anderem „[…] einen Gebrauchshund zu züchten, der als Helfer und Freund des Menschen national und international hohe Anerkennung und Akzeptanz besitzt. Der Deutsche Schäferhund ist insbesondere als Diensthund bei Behörden, als Rettungshund, Hütehund, Wachhund, Assistenzhund, Begleithund und Familienhund geeignet. Schäferhundsport als Freizeit- und Leistungssport gibt es in den Bereichen: Schutzhundausbildung, Leistungshüten, Agility und Rettungshundwesen.“<ref>Heiko Christian Grube (SV-Pressereferent): Die Bundespressestelle des SV</ref>
Zur Zuchtzulassung muss der Deutsche Schäferhund im Jahr der Körung mindestens zwei Jahre alt werden, die VPG-1-Prüfung oder die RH-2-Prüfung<ref>Körordnung des SV Punk 3.1 - Stand 2012 (PDF)</ref> sowie eine Ausdauerprüfung bestanden haben. Das Ergebnis der Röntgenuntersuchung auf Hüftdysplasie (HD) muss ein a ergeben haben. Das heißt, die Beurteilung der Röntgenaufnahmen ergab den Befund normal, fast normal oder noch zugelassen. Gleiches gilt analog für die Untersuchung der Ellenbogen auf Ellbogendysplasie (ED). Hunde mit mittlerer oder schwerer Form der HD oder ED werden mit Nachzuchteintragungssperre belegt, was bedeutet, dass diese Hunde innerhalb des Vereins nicht zur Zucht verwendet werden dürfen. Eventuelle Nachkommen dieser Hunde finden keine Aufnahme in das Zuchtbuch.<ref name="Zuchtordnung">Zuchtordnung. (PDF; 213 kB) des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV) Fassung 2011</ref> Erst nach Vorliegen dieser Voraussetzungen kann eine Körung erfolgen, bei der die Anatomie, das Wesen und die Gebrauchshundeeigenschaften beurteilt werden.<ref>SV: Erst die Körung macht planmäßige Zucht möglich.</ref> Die erste Körung ("Neuankörung") gilt im SV für zwei Jahre. Nach deren Ablauf muss der Hund erneut angekört werden, um seine Zuchtzulassung zu behalten. Diese "Wiederankörung" gilt auf Lebenszeit. Bis zum Jahr 2012 wurden die Hunde in 2 verschiedene Körklassen eingeteilt.
Unterschieden wird im Allgemeinen zwischen typischen Hochzucht- und Leistungslinien.
Im Jahr 2011 wurden im VDH 13.339 Welpen geworfen. Die Welpenzahlen sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. 1998 waren es noch 27.834 Welpen.<ref>Welpenstatistik des VDH</ref>
Zucht in der DDR
Mit der Teilung Deutschlands ging auch eine Teilung der Hundezucht vonstatten. Es entwickelten sich getrennte und voneinander unabhängige Zuchtlinien.
In der Deutschen Demokratischen Republik wurde bei der Zucht von Deutschen Schäferhunden großer Wert auf das Zurückdrängen der HD gelegt. Während 1968 noch mit Hunden mit mittlerer HD gezüchtet wurde, wurden ab 1972 nur Hunde mit im ungünstigsten Fall leichter HD zur Zucht eingesetzt. Ab 1979 wurde nur noch mit HD-freien Tieren gezüchtet. Diese Zuchtrestriktionen führten zu einem deutlichen Rückgang der HD. Statistiken der DDR-Zucht weisen für 1985, das Jahr mit der niedrigsten HD in der DDR-Zuchtgeschichte, 94,4 Prozent HD-freie Tiere aus.<ref>Werner Dalm: Die Zucht des Deutschen Schäferhundes in der ehemaligen DDR. Verlag Verein für Deutsche Schäferhunde, Augsburg 1998. Zitiert nach Hundezucht zu DDR-Zeiten. In: Hundezeitung. 12/2004.</ref>
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Zuchtlinien vereint, so dass heute kaum noch reine DDR-Linien vorhanden sind.<ref>Hundezucht zu DDR-Zeiten. In: Hundezeitung. 12/2004.</ref>
Wolfseinkreuzungen
Zu Beginn der Reinzucht, als der stockhaarige Typ sich allmählich durchzusetzen begann, sollen einige Züchter versucht haben, dieses Ziel schneller zu erreichen, indem sie echte Wölfe mit Schäferhunden verpaarten,<ref name="Räber">Hans Räber: Enzyklopädie der Rassehunde, Band 1. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1993, ISBN 3-440-06555-3.</ref> schreibt Hans Räber in seiner Enzyklopädie der Rassehunde. Von Stephanitz soll demnach angegeben haben, dass die Urgroßmutter des Zuchtrüden „Hektor von Wohlen“, die Hündin „Mores Plieningen“, einer Kreuzung von Wolf und Schäferhund entstamme. Er soll diese Aussage später dahingehend korrigiert haben, dass diese Einkreuzung auf den Rüden Hektor bezogen bereits sechs Generationen zurückliege.
Räber berichtet, dass Albert Heim fest davon überzeugt war, dass zwischen 1870 und 1900 in Deutschland immer wieder Wölfe mit Schäferhunden gekreuzt worden sind. Angeblich soll damals das Gerücht, dass dies vor Staupe schütze, mit ein Grund dafür gewesen sein. Heim führte gegen 1920 die seiner Ansicht nach auffallende Wesensverschlechterung der Schäferhunde auf solche Kreuzungen zurück und empfahl Züchtern, alle Hunde mit Wolfseigenschaften von der Zucht fernzuhalten. Heims Aussagen gelten aber nicht als vollkommen verlässlich.
Räbers Meinung nach wurde vor allem deswegen vielen Hunden ein Wolfsanteil angedichtet, weil solche Hunde bei Liebhabern sehr begehrt waren. Von Hunderten solcher Mischlinge habe aber nie die Rede sein können. Zudem haben sowohl Berufsschäfer (laut Aussage von R. Wolfsburger, Präsident des SC von 1933 bis 1936) als auch von Stephanitz (1902) selbst von einer gezielten Einkreuzung abgeraten, da die Hunde aus derartigen Verpaarungen ihrer Ansicht nach nicht zuverlässig seien.
Es wird als unwahrscheinlich angesehen, dass diese Experimente einen Einfluss auf den heutigen Deutschen Schäferhund gehabt haben könnten. Da die Nachkommen als ungeeignet angesehen wurden, ist es am wahrscheinlichsten, dass es keine Auswirkungen gegeben hat.<ref>Eva-Maria Krämer, Werner Lenz: Das Buch vom Deutschen Schäferhund. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1988, ISBN 3-440-05890-5. (Kosmos Hundebibliothek)</ref> Selbst im Falle einer Auswirkung auf die Zucht wird angenommen, dass diese nicht über die Angleichung an den Wolf im Aussehen hinausgegangen wäre.<ref name="Räber" />
Die Rasse als Zuchtgrundlage für weitere Hunderassen
Der Deutsche Schäferhund bildet die Zuchtgrundlage für mehrere weitere auch FCI zugelassene Hunderassen. Aus Verpaarungen mit Wölfen entstanden der Tschechoslowakischer Wolfhund sowie der Saarlooswolfhund. Ziel beider Züchtungen war es, den deutschen Schäferhund zu verbessern, was allgemein als gescheitert gilt, da diese Hunde nur sehr begrenzt für den Einsatz als Gebrauchshunde geeignet sind.
Auch für die drei weiteren Wolfshybridrassen, den Lupo Italiano, den Kunming Wolfhund und den Timber Wolf-dog Shepherd, war der Deutsche Schäferhund Zuchtgrundlage. Sie sind jedoch noch nicht von der FCI anerkannt.
Weiter wurde der Deutsche Schäferhund in nicht von der FCI anerkannte Rassen wie den Tamaskan eingekreuzt.
Abgrenzung zum Weissen Schweizer Schäferhund
Gelegentlich kommen bei Würfen von Deutschen Schäferhunden auch weiße Tiere vor. Die Haarfarbe Weiß ist für den Deutschen Schäferhund laut Rassestandard ein ausschließender Fehler, solche Hunde können also weder bei Ausstellungen prämiert noch zur Zucht eingesetzt werden. Phänotypisch kaum zu unterscheiden von diesen Tieren sind Hunde der Rasse Weisser Schweizer Schäferhund. Da diese als eigene Rasse anerkannt wurden, dürfen Hunde dieser beiden Rassen weder miteinander verpaart werden noch dürfen weiße Deutsche Schäferhunde als Weisse Schweizer Schäferhunde registriert werden.<ref>Zirkular der FCI 77/2007 vom 21. Juni 2007 (PDF; 42 kB),
- erneuter Hinweis der FCI darauf in Zirkular 32/2013 vom 21. Juni 2013 (PDF; 80 kB)</ref>
Verwendung
Der ursprüngliche Verwendungszweck des Deutschen Schäferhundes war der eines Herdengebrauchshunds. Er hütete und bewachte mit dem Schäfer die Herde.
In seiner ursprünglichen Funktion wird der Deutsche Schäferhund kaum noch eingesetzt. Stattdessen wird er als Diensthund bei Militär, Zoll und Polizei verwendet, aber auch als Rettungshund. Nach Angaben des SV waren 80 Prozent der Diensthunde in Deutschland Deutsche Schäferhunde und die Rasse war „weltweit die Nummer Eins“ im Diensthunde- und Rettungswesen.<ref>Verein für Deutsche Schäferhunde: Helfer und Retter in der Not. Stand 2010. (online)</ref> Der SV unterhält ein eigenes Rettungshundewesen, welches der Internationalen Rettungshunde Organisation (IRO) angeschlossen ist. Als Lawinensuchhund ist der Schäferhund vor allem in den bayrischen Alpen tätig und hat den Bernhardiner dank seiner Leichtigkeit beim Durchstöbern der Schneemassen schon vor langer Zeit verdrängt. Er wird ebenso erfolgreich als Blindenführhund eingesetzt. Weltweit bleibt er bis heute die verbreitetste Gebrauchshunderasse.
Im privaten Bereich kann der Schäferhund in jeder Sportart eingesetzt werden und ist nicht auf den Schutzhundesport begrenzt. Er eignet sich gleichermaßen für Obedience und Agility. Aufgrund seiner hervorragenden Riechleistungen kann er erfolgreich bei Fährtenarbeit oder Mantrailing geführt werden.
Neben all diesen Einsatzbereichen kann er natürlich auch als reiner Familienhund verwendet werden. Eine dem Hund angemessene Aufgabe oder eine gemeinsame sportliche Betätigung sind dabei wichtig.
Gesundheitliches
Die bekannteste Erkrankung des Deutschen Schäferhundes, die auch immer wieder mit ihm in Verbindung gebracht wird, ist die Hüftdysplasie (HD). Diese Erkrankung ist erstmals bei einem deutschen Schäferhund festgestellt worden. Die OFA-Datenbank listet 19 Prozent aller untersuchten Deutschen Schäferhunde als dysplastisch, wohingegen lediglich 3,8 Prozent mit hervorragend bewertet werden.<ref>Hip Dysplasia Statistics. auf der Webseite der Orthopedic Foundation for Animals.</ref> Im Jahr 2008 meldete die Tierärztliche Hochschule Hannover, dass unter anderem in Zusammenarbeit mit dem SV genetische Marker gefunden wurden, die es erlauben, schon wenige Wochen alte Welpen auf Hüftgelenksdysplasie zu untersuchen und Hüftgelenksdysplasie bei Schäferhunden künftig molekulargenetisch untersucht werden kann.<ref>TiHo-Anzeiger Heft 3/2008, S. 2. (PDF; 2,8 MB)</ref> Die wissenschaftliche Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte im Dezember 2007.<ref>Yvonne Marschall, Ottmar Distl: Mapping quantitative trait loci for canine hip dysplasia in German Shepherd dogs. In: Mammalian genome: official journal of the International Mammalian Genome Society. Band 18, Nummer 12, Dezember 2007, S. 861–870, ISSN 0938-8990. doi:10.1007/s00335-007-9071-z. PMID 18027024.</ref>
Um die Hüftdysplasie, die genetisch prädisponiert ist, zu verhindern, wurde im SV der Hüftdysplasie-Zuchtwert eingeführt. Dieser Zuchtwert eines Hundes gibt Aufschluss darüber, inwieweit er die Neigung zur Hüftdysplasie vererbt. In diesen Wert mit einbezogen werden die Werte der Großeltern, Eltern, Geschwister und Nachkommen des Zuchthundes. 100 ist hierbei der Durchschnittswert der Rasse. Die Werte der Hunde, die verpaart werden, dürfen zusammen nicht die 200 überschreiten. Meist werden niedrigere Werte angestrebt, um den Gesamtdurchschnitt der Rasse zu senken.<ref>Reiner Beuing: Das Verfahren der Zuchtwertschätzung am Beispiel der Hüftgelenksdysplasie im Verein für Deutsche Schäferhunde. (PDF; 42 kB)</ref> Die Methode wird allerdings dadurch unzuverlässig, dass vor der Auswertung der Röntgenbefunde bereits eine Auswahl der befundeten Tiere stattfindet.<ref>Bernd Tellhelm, Ottmar Distl, Antje Wigger: Hüftgelenksdysplasie (HD) – Entstehung, Erkennung, Bekämpfung. In: Kleintierpraxis. 53, Nr. 4, 2008, S. 246–260. Abstract online (PDF; 81 kB)</ref>
Eine weitere beim Deutschen Schäferhund auftretende Gelenkerkrankung ist die Ellbogendysplasie (ED). Hier zeigt die Statistik ein besseres Ergebnis mit 80,6 % ED-freien Hunden.<ref>Elbow Dysplasia Statistics.</ref> Darüber hinaus kann auch das Kongenitale Vestibularsyndrom, eine Erbkrankheit des Innenohrs mit Gleichgewichtsstörungen und unter Umständen Taubheit, auftreten, sowie Pankreasinsuffizienz, degenerative Myelopathie, Schäferhundpyodermie und Schäferhundkeratitis.<ref>Ursula Zabel: Der Deutsche Schäferhund. 1. Auflage. Müller Rüschlikon, 2001, ISBN 3-275-01407-2, S. 68–72.</ref>
Neben der HD ist beim Deutschen Schäferhund die degenerative lumbosakrale Stenose (DLSS) ein wichtiger möglicher Grund für Lahmheitssymptome.<ref>Johann Lang: Diagnostic Imaging in Lumbosacral Stenosis in Dogs. The 30th Congress of the World Small Animal Veterinary Association. Mai 2005 (online)</ref>
Insgesamt hat der Deutsche Schäferhund eine unter dem Durchschnitt aller Rassehunde liegende Lebenserwartung. In einer schwedischen Studie an 350.000 Hunden starben 20 Prozent aller Deutschen Schäferhunde vor dem Alter von fünf Jahren, 35 Prozent vor dem Alter von 8 Jahren, und 51 Prozent wurden keine 10 Jahre alt. Vergleichszahlen für den Durchschnitt aller Rassehunde liegen bei 22 % (bis 5 Jahre), 23 % (bis 8 Jahre) und 35 % (bis 10 Jahre); für Mischlinge wurden 16 %, 26 % bzw. 35 % gefunden.<ref>A. Egenvall, B. N. Bonnett, Å. Hedhammar, P. Olson: Mortality in over 350,000 insured Swedish dogs from 1995-2000: II. Breed-specific age and survival patterns and relative risk for causes of death. In: Acta Veterinaria Scandinavica. Bd. 46, Nr. 3, 2005, ISSN 1751-0147, S. 121–136, PMID 16261925, doi:10.1186/1751-0147-46-121</ref>
Kritik an der Entwicklung der Rasse
blau: ca. 1900, gelb: heute
Horand von Grafrath (ursprünglicher Name: Hector Linksrhein), der erste von von Stephanitz 1895 ins Zuchtbuch eingetragene Deutsche Schäferhund, unterscheidet sich von Vertretern der heutigen Schaulinie. Er war leichter und weniger muskulös.
Das Bild rechts zeigt etwas überzeichnet die Entwicklung der Rasse von circa 1900 bis heute. Der ursprüngliche Deutsche Schäferhund glich vom Körperbau mehr dem heutigen Malinois. Heute ist er größer und massiger, was zur Folge hat, dass er ein gutes Maß seiner Agilität und Wendigkeit einbüßen muss. Immer wieder für Diskussionen sorgt außerdem der abfallende Rücken, der aus Gründen eines umstrittenen Schönheitsideals züchterisch bevorzugt wurde.<ref>H. Raiser: Der Deutsche Schäferhund: Alles okay? In: Wuff. November 1996.</ref>
Weitere Bilder
- German Shepherds WKC dogshow.jpg
Ausstellung Deutscher Schäferhunde bei der „Westminster Kennel Club Show“
- Schäferhündin mit 2 Tage alten Welpen.jpg
Deutsche Schäferhündin mit ihren zwei Tage alten Welpen
- 060414 Puppy.jpg
Schäferhundwelpe
- Schäferhünding-12Jahre.jpg
Eine schwarz-gelbe Deutsche Schäferhündin, zwölf Jahre alt
- Schwarzer DSH.jpg
Ein komplett schwarzer Schäferhundwelpe
- SchaeferhundZoll1984.jpg
Deutscher Schäferhund des Zolls an der innerdeutschen Grenze 1984
- Blindenhund.jpg
Deutscher Schäferhund als Blindenführhund
Quellen und Einzelnachweise
<references />
Literatur
- Hans Räber: Enzyklopädie der Rassehunde, Band 1. 2. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-06555-3, S. 204–214.
- Eva-Maria Krämer: Der neue Kosmos-Hundeführer. 4. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-07772-1, S. 216.
- Heiko Christian Grube: Deutscher Schäferhund. Das große Rassehandbuch. Müller Rüschlikon, Cham 2004, ISBN 3-275-01497-8.
- Ursula Zabel: Der Deutsche Schäferhund. Müller Rüschlikon, Cham 2001, ISBN 3-275-01407-2.
- Peter Brehm: Der Deutsche Schäferhund. 7. Auflage. Parey, Hamburg 1993, ISBN 3-490-02619-5.