J. P. Morgan


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25px Dieser Artikel behandelt den Bankier John Pierpont Morgan senior. Zu seinem Sohn siehe J. P. Morgan, Jr.; zum Bankhaus siehe JPMorgan Chase
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John Pierpont Morgan

John Pierpont Morgan, besser bekannt als J. P. Morgan (* 17. April 1837 in Hartford, Connecticut; † 31. März 1913 in Rom, Italien) war ein US-amerikanischer Unternehmer und der einflussreichste Privatbankier seiner Zeit.

Leben

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J. P. Morgan, 1903
Foto: Edward Steichen

Morgan war der Sohn des Bankiers und Finanziers Junius Spencer Morgan (1813–1890) und dessen Frau Juliet Pierpont (1816–1884), Tochter eines Anwalts und Lehrers. Er studierte unter anderem in Bellerive im französischsprachigen Kanton Waadt und 1856/57 an der Georg-August-Universität in Göttingen.

J. P. Morgan litt unter einer von Rosazea entstellten Nase und war daher ein recht scheuer Mensch. Er lebte in New York in einer Villa an der Madison Avenue 219 im Stadtviertel Murray Hill. In der mit schwarzem Mahagoni ausgekleideten Black Library des Hauses wurden einige der wichtigsten Entscheidungen des frühen 20. Jahrhunderts für New York wie die USA getroffen.

John Pierpont Morgan ist der Neffe von James Lord Pierpont, dem Komponisten des Weihnachtslieds Jingle Bells. Sein Sohn John Pierpont Morgan junior führte das Firmenimperium weiter.

Beruf

Ab 1857 war er zunächst in London in der Niederlassung der väterlichen Firma im Bankgewerbe tätig. 1858 ging er nach New York City. Für den Sezessionskrieg (1861–1865) wurde er nach der Zahlung einer 300-Dollar-Gebühr nicht eingezogen.<ref name="z1">Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 255-257</ref> 1871 gründete er zusammen mit Anthony Joseph Drexel das Bankhaus Drexel, Morgan & Co., das ab 1895 als J. P. Morgan & Co. firmierte. Die Eisenbahnkrise von 1893 nutzte er, um bei den folgenden Reorganisationen diverser Eisenbahngesellschaften die Finanzierung sicherzustellen. 1901 war Morgan bei der Schaffung des Stahltrusts United States Steel Corp., der damals größten Aktiengesellschaft der Welt, durch mehrere Fusionen federführend.<ref>John Pierpont Morgan and the American Corporation, Biography of America</ref> Neben den Einnahmen aus dem Wertpapierverkauf mehrte Morgan sein Vermögen auch, indem er für die Fusionen 150 Millionen Dollar als Verhandlungsgebühr für sich beanspruchte.<ref name="z1"/> Um den Trust zu stützen, wurde 1902 noch ein auch englische Linien akquirierender Schifffahrtstrust, die International Mercantile Marine Company (IMMC), unter Beteiligung deutscher Reedereien begründet. Zur IMMC gehörte ferner die White Star Line, für die z. B. die Schiffe der Olympic-Klasse, darunter auch die Titanic, fuhren. Als Vorstandschef der IMMC sollte Morgan wahrscheinlich auf der Jungfernfahrt der Titanic im April 1912 an Bord sein. Eine Erkrankung verhinderte dies jedoch wohl.<ref>Was JP Morgan Chase mit der Titanic verbindet, Handelsblatt.com, 13. April 2012</ref>

1903 investierte er in die junge Automobilindustrie, als er zwei Drittel des Aktienkapitals der Maxwell-Briscoe Motor Company beisteuerte. Die Firma wurde drittgrößter Hersteller in den USA und später die Basis für die Chrysler Corporation.<ref>B.R. Kimes & H.A. Clark: Standard Catalog of American Cars, 1805-1942 (2. Aufl., 1985). Krause Publications, Inc. ISBN 0-87341-111-0, S. 900-901</ref> Morgan legte nach eigenen Aussagen und Angabe von Zeitzeugen bei seinen Geschäften großen Wert auf Stabilität und Vorhersagbarkeit der Bedingungen.<ref>Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, S. 256, 323</ref> Mehrmals griff er dazu auch in die Staatsfinanzen ein. 1895 und 1907 (Börsenkrise) kaufte er als Anführer von Investorengruppen größere Mengen an Staatsanleihen und rettete die USA dadurch vor dem Staatsbankrott. Zugleich konnte er die Staatsanleihen gewinnbringend weiterverkaufen.<ref name="z1"/> 1912 wurde ein Prozess gegen ihn wegen fragwürdiger Finanzgeschäfte geführt. Zwar wurde er freigesprochen, doch gelangte im Zuge der Verhandlungen der gesamte Umfang seines inzwischen gigantischen Firmenimperiums an die Öffentlichkeit. Bis zu seinem Tod weitete Morgan seine Geschäftsaktivitäten über die Branchen Eisenbahn, Bankenwesen, Schifffahrt hinaus auch auf die Telekommunikations- und Elektroindustrie aus. So kontrollierte Morgans Unternehmen 1901 z. B. die Hälfte des Streckennetzes der Eisenbahn und zwei Drittel der Stahlproduktion in den USA.

Die J. P. Morgan & Co. war immer im Investmentbanking tätig und finanzierte diverse Zusammenschlüsse von Unternehmen, unter anderem der General Electric Comp., und beteiligte sich an diversen Eisenbahnlinien in den USA. 1899 wurden die ersten europäischen Anleihen am US-Markt eingeführt. Das Bankhaus selbst fusionierte 2000 mit der Chase Manhattan Bank zur JPMorgan Chase & Co.

Familie

1861 heiratete er Amelia Sturges (1835–1862), die schon kurze Zeit später an Tuberkulose verstarb. Am 3. Mai 1863 heiratete er Frances Louisa Tracy (1842–1924), mit der er vier Kinder hatte:

  • J. P. Morgan, Jr. (1867–1943)
  • Louisa Pierpont Morgan (1866–1946); heiratete Herbert Livingston Satterlee
  • Juliet Morgan (1870–1952) und
  • Anne Tracy Morgan (1873–1952)

Kritik

Der Autor F. William Engdahl schreibt, dass Morgan seine Laufbahn damit begonnen habe, im Alter von 24 Jahren den Rückkauf von ausgemusterten Gewehren der US-Armee für den amerikanischen Bürgerkrieg zu organisieren. Auf sein Geheiß kauften Strohmänner 5000 Gewehre klammheimlich zum Preis von 3,50 Dollar das Stück beim Waffenarsenal in New York City und verkauften die defekten, aber als neu und in perfektem Zustand deklarierten Gewehre anschließend zum Preis von 22 Dollar das Stück an das Hauptquartier der Armee in St. Louis. So habe Morgans spektakuläre Karriere von Betrug, Täuschung und Korruption begonnen.

Es wird weiter behauptet, er habe Gerüchte über den Bankrott einer großen New Yorker Bank verbreitet und somit die Panik von 1907 ausgelöst, die dann auch andere Banken betraf. Nelson W. Aldrich, der enge Verbindungen zur Bankenwirtschaft hatte, leitete eine Kommission, die nach dieser Panik einberufen wurde. Er schlug in dieser Kommission die Einführung einer Zentralbank vor, um eine solche Panik künftig vermeiden zu können. Laut G. Edward Griffin wurde der Gesetzentwurf für die Einführung der Zentralbank (Federal Reserve System) 1910 auf Jekyll Island, im Ferienanwesen von Morgan, von Vertretern mehrerer Banken unter strenger Geheimhaltung erstellt und anschließend an Nelson W. Aldrich übergeben, einen Geschäftspartner von Morgan. Aldrich, der Schwiegersohn von John D. Rockefeller Jr., war der eigentliche Gastgeber.

Sammlungen

Von 1904 bis 1913 war Morgan Präsident des Metropolitan Museum of Art in New York.<ref>J. P. Morgan, metmuseum.org, abgerufen am 13. März 2013</ref> Die umfangreiche Kunst- und Büchersammlung, die zu Morgans Liebhabereien zählte, wurde 1924 in die Pierpont-Morgan-Library-Stiftung in New York City eingebracht. Er kaufte auf Bitten des Koptologen Henri Hyvernat einige Manuskripte der Koptischen Bibliothek des Klosters St. Michael in Ägypten.<ref>Henri Hyvernat: A check list of Coptic manuscripts in the Pierpont Morgan library. Privately printed 1919</ref> Ihm zu Ehren wurde deshalb das von Hyvernat herausgegebene Faksimile Bybliothecae Pierpont Morgan Codice photographice expressi benannt. J. P. Morgan verhandelte kurz nach der Gründung der Chinesischen Republik im Jahre 1911 mit der chinesischen Regierung über den Erwerb von Objekten aus dem Kaiserpalast, darunter ein Ming-zeitlicher Palastteppich.<ref>„Ausstellung: Kaiserliche Teppiche aus China von 1400 bis 1750, Köln“</ref>

Morgan stellte die benötigten Mittel zur Verfügung für eine Expedition der Princeton University nach Patagonien, um die dortige Tier- und Pflanzenwelt zu erfoschen.<ref>Reports of the Princeton University expeditions to Patagonia, 1896-1899: J. B. Hatcher in charge. Volume I. Edited by William B. Scott. Published 1901</ref>

Der größte jemals geschliffene Saphir ist der „Stern von Indien“ mit einem Gewicht von 563,35 Karat. Der in Sri Lanka gefundene Stein wurde 1901 durch John Pierpont Morgan dem American Museum of Natural History übereignet und kann dort besichtigt werden.<ref>„Star of India“ im American Museum of Natural History</ref> In dem nach Morgan benannten Saal „Morgan Memorial Hall of Gems“ werden neben dem „Stern von Indien“ eine Reihe von Edel- und Schmucksteinen – roh und geschliffen – ausgestellt, z. B. Diamanten, Smaragde und Saphire, sowie Schmuck aus organischen Materialien wie Korallen und Bernstein.<ref>Morgan Memorial Hall of Gems</ref>

Als Mäzen förderte er beispielsweise den Fotografen Edward Curtis und ermöglichte ihm das Erscheinen seiner zwanzig Bildbände The North American Indian in einer Auflage von 500 Exemplaren. Die ihm zustehenden 25 nummerierten Exemplare verschenkte er an ihm nahestehende Universitäten, so auch an „seine“ Universität Göttingen, der er auch 1912 ein Stiftungsvermögen von 50.000 US-Dollar für die Beschaffung angelsächsischer Literatur zuwandte. Die Göttinger John Pierpont Morgan Foundation wurde aufgrund der Geldentwertungen des 20. Jahrhunderts im Jahr 1967 aufgelöst.<ref>Göttinger Mäzene</ref> Die SUB Göttingen erinnert mit einer Gedenktafel in der Paulinerkirche an diese Stiftung.

Zitat

The condition that has developed in Wall Street in the past fifteen years is to a considerable extent a personal one, and the authority which centers in the hands of Mr. Morgan, a man seventy-five years of age, is by no means something which can be passed down to his successors. Such men have no successors; and their work is either left undone after they are dead or the world devises other means and other works to take its place.

„Die Beschaffenheit, zu der sich die Wall Street in den letzten fünfzehn Jahren hin entwickelt hat, ist zu einem beträchtlichen Ausmaß eine persönliche, und die Machtvollkommenheit, die sich in den Händen von Herrn Morgan konzentriert, einem Manne von 75 Jahren, ist etwas, das auf keinen Fall an seine Nachfolger weitergegeben werden kann. Solche Menschen haben keine Nachfolger; und ihr Werk wird nach ihrem Tode entweder unerledigt hinterlassen oder die Welt entwickelt andere Mittel und Wege, um deren Platz einzunehmen.“

Einzelnachweise

<references/>

Literatur

  • Ron Chernow: The House of Morgan. An American Banking Dynasty and the Rise of Modern Finance. Simon & Schuster, London 1990, XVII, 812 S., Ill., ISBN 0-671-71031-1
  • Lewis Corey: The house of Morgan. A social biography of the masters of money. Watt, New York 1930, 479 S., Ill.
  • Henry Justin Smith: John Pierpont Morgan, der Weltbankier. Die Geschichte seines Hauses. Vom Werden der grössten Wirtschaftsmacht Amerikas. Reissner, Dresden 1928.
  • John K. Winkler: Morgan, the magnificent. The life of J. Pierpont Morgan. Vanguard Press, New York 1930, ISBN 0-7661-4332-5

Weblinks

Commons Commons: J. P. Morgan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien