Jamaat-e-Islami


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Datei:Jamaat-e-Islami Pakistan flag.PNG
Parteiflagge der Jamaat-e-Islami

Die Jamaat-e-Islami (Urdu: جماعتِ اسلامی, „Islamische Gemeinschaft“, JI) ist eine islamistische Organisation, die 1941 von Sayyid Abul Ala Maududi in Britisch-Indien gegründet wurde und heute mit Zweigen in Pakistan, Indien und Bangladesch politisch aktiv ist, daneben aber dort und in anderen Ländern auch Daʿwa und islamische Erziehungsarbeit betreibt.<ref>GlobalSecurity.org: Jamaat-e-Islami</ref>

Organisation

In Pakistan

Datei:Siraj ul Haq 2014-04-01 01-08.jpeg
Siraj ul Haq, der derzeitig Ameer der JI Pakistan

Die pakistanische JI wird von einem Ameer geleitet. Seit dem 30. März 2014 wird dieses Amt von Siraj ul Haq bekleidet. Die Organisation hat eine starke Basis in jeder Provinz und ist weiter strukturiert in Distrikt, Städte, Dörfer und Stadtteile. Sie hat spezielle Vereinigungen für Ärzte, Lehrer und Arbeiter und im weiblichen Flügel die Halqa Khawateen (Frauenkreis). Die Studentenorganisation der JI (Anjuman-i Talaba-i Islam) liefert sich oft handgreifliche Auseinandersetzungen mit den entsprechenden Organisationen anderer Parteien. Das Institute for Policy Studies gilt als Denkfabrik der JI.

In Pakistan bildet die JI heute eine der größeren Bestandteile einer Koalition religiöser Parteien, der Muttahida Majlis-e-Amal. Ihre Mitglieder werden oft, gewöhnlich von anderen, als „Jamaatis“ bezeichnet. Neuerdings wird der Begriff auch als Adjektiv zur Bezeichnung einer gewissen politischen Sichtweise oder Haltung verwendet. Als wohl die einflussreichste religiöse Partei Pakistans, ist die JI eine lautstarke Opposition gegen den säkularen Staat. Sie ist eine elitäre Partei der Mittel- und Oberschicht Pakistans und hat zahlreiche Anhänger in Armee, Polizei und Geheimdienst. <ref>Jungle World: Der Countdown beginnt. Islamisten und andere Oppositionsgruppen wollen den pakistanischen Militärherrscher Musharraf stürzen.</ref>

Die Partei vertritt ein die islamische Frühzeit glorifizierendes, auf staatlich-autoritäre Durchsetzung fixiertes Bild eines alle Lebensbereiche umfassenden, von Elementen der südasiatischen Alltagskultur gereinigten, Islam. Obwohl ihr parlamentarischer Einfluss immer begrenzt blieb, setzte die Kaderpartei durch ihre Massenkampagnen viele der „islamischen“ Verfassungszusätze und die Verfolgung der Ahmadiyya als unislamisch durch.

In Bangladesch

Der in Bangladesch bestehende Flügel der JI ist ebenfalls als Partei organisiert und war zwischen 2001 und 2007 an der Seite von Khaleda Zias Bangladesh Nationalist Party (BNP) an der Regierung beteiligt. Es besteht eine Studentenorganisation mit dem Namen Chatra Sibir. Berüchtigt sind die oft blutigen Auseinandersetzungen dieser Organisation mit den entsprechenden Studentenorganisationen säkularer und linksgerichteter Parteien sowie ihre Ausschreitungen gegen Hindus.<ref>Vgl. Hans Harder: "Bangladesch" in Werner Ende und Udo Steinbach: Der Islam in der Gegenwart. 5. Aufl., S. 363-371, hier 369</ref> Im Jahr 2009 wurde von der Awami League geführten Regierung ein Kriegsverbrechertribunal eingerichtet, das mehrere prominente Politiker der JI im Zusammenhang mit der Gründung von pro-Pakistanischen Milizen und der Begehung von Kriegsverbrechen während des Unabhängigkeitskrieges Bangladeschs 1971 anklagte und teils zu Todesstrafen oder lebenslangen Haftstrafen verurteilte. Die Verurteilung von Muhammad Kamaruzzaman, dem Vize-Generalsekretär der JI, zum Tode am 9. Mai 2013 führte zu schweren Straßenkämpfen in Dhaka, bei denen mehrere dutzend Menschen getötet wurden.

Andere Länder

Der indische Zweig der Partei betreibt hauptsächlich Bildungs- und Missionsaktivitäten, da eine indische Partei, die nur die Minderheit der Muslime repräsentierte, völlig chancenlos wäre. Durch die Auswanderung südasiatischer Muslime sind Ableger auch in westlichen Ländern entstanden. Der Ableger der JI in Großbritannien heißt UK Islamic Mission mit der Denkfabrik Islamic Foundation, beide in Leicester ansässig, und der Islamic Circle of North America.

Geschichte

Historischer Hintergrund für die Gründung der Jamaat-e Islami waren die Auseinandersetzungen unter indischen Muslimen über die Teilung Britisch-Indiens in den 1930er Jahren. 1930 hatte der indoislamische Denker Muhammad Iqbal in einer öffentlichen Rede die Forderung nach der Schaffung eines eigenen Staates für die indischen Muslime erhoben. Die von Muhammad Ali Jinnah geführte Muslim-Liga machte sich 1940 seine Forderung zu eigen und brachte sie im indischen Kongress als Resolution ein. Sayyid Abul Ala Maududi, der gegen die Teilung war und für die Schaffung eines islamischen Staates eintrat, der ganz Indien einschließen sollte, gründete am 26. August 1941 die Jamaat-e-Islami als Organisation zur Verwirklichung dieses Ziels.<ref>Vgl. Reinhard Schulze: Geschichte der islamischen Welt im 20. Jahrhundert. Erw. Aufl. München 2002. S. 151f</ref>

Nachdem im Frühjahr die britische Regierung die Zwei-Nationen-Theorie übernommen hatte, arbeitete sie einen Teilungsplan aus, der sowohl von der Muslim-Liga als auch vom Indischen Kongress akzeptiert wurde. Im August 1947 erfolgte mit der Entlassung in die Unabhängigkeit die Teilung des Landes in das überwiegend hinduistische Indien und das neu gegründete, überwiegend muslimische Pakistan mit einem ethnisch gemischten West-Teil und einem bengalisch geprägten Ost-Teil. Im Zuge des umfassendes Bevölkerungsaustauschs wanderte Maududi mit vielen seiner Anhänger aus Indien nach Pakistan aus und gründete dort die JI neu. Sie setzte sich als neues Ziel die Errichtung eines islamischen Staates in Pakistan. Die Teile der Bewegung, die in Indien verblieben waren, gründeten eine separate Bewegung mit dem Namen Jamaat-e-Islami Hind, die sich im Wesentlichen auf Bildungs- und Missionsaktivitäten verlegte.

Bei den pakistanischen Parlamentswahlen Ende 1970, den ersten landesweiten demokratischen Wahlen überhaupt, gewann die JI zusammen mit zwei anderen islamischen Parteien insgesamt nur 18 von 300 Sitzen, davon alle in Westpakistan.<ref>Vgl. Andreas Rieck: "Afghanistan und Pakistan - Sieg über islamischen Extremismus?" in Hans Zehetmair: Der Islam - Im Spannungsfeld von Konflikt und Dialog. Wiesbaden 2005, S. 236-248. Hier S. 240</ref> Als 1971 im bengalischen Ostteil Pakistans eine säkulare Bewegung für die Loslösung vom Westteil eintrat, stellte sich Ghulām Aʿẓam, der Chef des ost-bengalischen Flügels der Organisation, auf die Seite der Zentralregierung und half bei der Organisation paramilitärischer Verbände, der sogenannten Badr-Brigaden. Sie nahmen, nachdem Ost-Pakistan im Dezember 1971 unter dem Namen Bangladesch die Unabhängigkeit erlangt hatte, beim Völkermord an den Bengalen an der gezielten Ermordung bengalischer Intellektueller teil.<ref>Vgl. Harder 368f</ref>

In Pakistan verbündete sich die JI bei den Wahlen im Frühjahr 1977 mit anderen Gegnern des Premierministers Bhutto und organisierte nach Bhuttos vermutlich durch Wahlfälschung erzielten Wahlsieg anhaltende Straßenproteste, die den Weg für den Militärputsch von General Zia ul-Haq im Jahre 1979 ebneten.<ref>Vgl. Rieck 240</ref> Nach dem Putsch unterstützte sie zunächst dessen Islamisierungspolitik. Um 1985 begann sie sich jedoch von der Regierung abzusetzen, weil diese zusehends unpopulär wurde. Besonders in Karatschi wandten sich zahlreiche Anhänger von der Partei ab, weil sie als von Panjabern dominiert erschien.

1997 boykottierte die Partei die Wahlen. Bei den Wahlen 2002 schloss sie ein Bündnis mit anderen religiösen Parteien, dass jeweils ein Viertel der Stimmen und Sitze gewinnen konnte. Sie selbst gewann ihre Mandate in den Großstädten des Punjab, Islamabad und Karatschi. Bei den Parlamentswahlen in Pakistan vom 20. Oktober 2002 errang die Muttahida Majlis-e-Amal, deren Bestandteil die Jamaat-e-Islami ist, 11,3 Prozent der Stimmen und 53 von 272 Parlamentssitzen. Die Jugendorganisation der Jamaat-e-Islami setzte 2006 ein Kopfgeld von 7000 Euro auf die dänischen Karikaturisten aus. <ref>Die Zeit: Allah und der Humor</ref>

Terroristische Verbindungen

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Der US-Kongressreport von 1993 stellt fest, dass Hizbul Mujahideen unterstützt wurde von der Jamaat-e-Islami und mit ihr auch eng verbunden ist, „from which they receive funding, weapons and training assistance beyond the ISIs contribution. Following the organizational principles recommended by Tehran and Khartoum, the movement has transformed into the Kashmiri Jamaat-e-Islami, under Abdul-Majid Dar, with a quasi-legal character emphasizing educational and social activism, with the Hizbul Mujahideen as the clandestine terrorist arm.“ Bezüglich des Trainings von islamischen Terroristen in Kaschmir stellt der Bericht fest, „Islamist indoctrination and other assistance is provided the Jamaat-i-Islami of Pakistan.“<ref>The New Islamist International: Task Force on Terrorism & Unconventional Warfare Report February 1, 1993</ref>

GlobalSecurity.org berichtet, dass Hizbul Mujahideen 1989 in den Tälern Kaschmirs gegründet wurde „as the militant wing of the Jamaat-e-Islami at the behest of the Inter-Services Intelligence (ISI), Pakistan´s external intelligence agency, to counter the Jammu and Kashmir Liberation Front (JKLF), which had advocated complete independence of the State.“<ref>GlobalSecurity.org: Hizb-ul-Mujahideen (HM)</ref>

Khurshid Ahmed schreibt auf Jamaat.org, „The reason of war is Islamic forces´ meddling in Kashmir where religious parties´ role, and particularly of Jamaat-e-Islami, is highlighted. Collaboration and cooperation between the military and the Islamic forces is held responsible for the situation.“<ref>Jamaat-e-Islami Pakistan: [Pakistan: Crises and the Way Out]</ref>

Literatur

  • Mumtaz Ahmad: "Islamic Fundamentalism in South Asia. The Jamaat-e-Islami and the Tablighi Jamaat" in Fundamentalisms observed, hg. von Martin E. Marty und R. Scott Appleby, Chicago, (1991). S. 457-530.
  • Kalim Bahadur: The Jamaat-e-Islami of Pakistan. Political Thought and Political Action, New Delhi 1977.
  • Sayyid Abul A´la Maudoodi: The Islamic Law and Constitution 4. Aufl. Lahore 1969. (Sammlung von Aufsätzen und Reden Maudoodis, hg. und eingeleitet von Kurshid Ahmad, seinem Nachfolger im Parteivorsitz)
  • Maidul Islam: Limits of Islamism: Jamaat-e-Islami in Contemporary India and Bangladesh. Cambridge University Press, 2015. ISBN 978-1-107-08026-3. [Inhaltsverzeichnis: http://assets.cambridge.org/97811070/80263/toc/9781107080263_toc.pdf]
  • Thomas J. Moser: Politik auf dem Pfad Gottes, Zur Genese und Transformation des militanten sunnitischen Islamismus. Innsbruck 2012. S. 61–79, ISBN 978-3902811677
  • Seyyed Vali Reza Nasr (1994): The Vanguard of the Islamic Revolution. The Jamaat-e-Islami of Pakistan, Berkeley/Los Angeles 1994.

Weblinks

Belege

<references />

Siehe auch