Jeseník
Jeseník | ||||||
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Basisdaten | ||||||
Staat: | Tschechien | |||||
Region: | Olomoucký kraj | |||||
Bezirk: | Jeseník | |||||
Fläche: | 3822 ha | |||||
Geographische Lage: | 17,204722222222|primary | dim=10000 | globe= | name= | region=CZ-OL | type=city
}} |
Höhe: | 432 m n.m. | |||||
Einwohner: | 11.579 (1. Jan. 2014) <ref>Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB) </ref> | |||||
Postleitzahl: | 790 01 | |||||
Verkehr | ||||||
Bahnanschluss: | Hanušovice–Głuchołazy | |||||
Struktur | ||||||
Status: | Stadt | |||||
Ortsteile: | 3 | |||||
Verwaltung | ||||||
Bürgermeister: | Marie Fomiczewová (Stand: 2011) | |||||
Adresse: | Masarykovo nám. 1 790 27 Jeseník | |||||
Gemeindenummer: | 536385 | |||||
Website: | www.mujes.cz |
Jeseník (bis 1947 Frývaldov, deutsch Freiwaldau) ist eine Bezirksstadt im tschechischen Olomoucký kraj mit 38,22 km² Fläche und 11.500 Einwohnern (Stand 1. Jan. 2014).
Inhaltsverzeichnis
Geographie
Lage
Jeseník liegt im Altvatergebirge an der Einmündung des Staritz (Staříč) in die Biela (Bělá) auf 423 m ü. NN. Nordöstlich erhebt sich die Goldkoppe (Zlatý Chlum) mit 875 m, südöstlich der Orlík mit 1204 m und südlich der Altvater (Praděd) mit 1491 m. Südwestlich befindet sich das Kepernik-Bergland mit dem 1423 m hohen Kepernik. Westlich liegt das Reichensteiner Gebirge.
Ortsteile
- Bukovice (Buchelsdorf)
- Dětřichov (Dittershof)
- Jeseník (Freiwaldau) - Stadt
- Lázně Jeseník (Bad Gräfenberg)
mit Rathaus
zum Hrubý Jeseník
Geschichte
Mittelalter
Freiwaldau entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts bei der Kolonisation des Altvatergebirges und wurde 1267 erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit besaß der zum Neisser Bistumsland gehörende Ort bereits Stadtrechte und seit 1290 ist auch das Weichbildrecht, das zehn Dörfer einschloss überliefert. Freiwaldau war eine unbefestigte Stadt mit einer Wasserburg, die Sitz des Stadtvogtes war. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich eine florierende Eisenmetallurgie mit Eisenhütten und Hammerwerken, die das in der Umgebung gewonnene Erz verarbeiteten. Daneben wurde Gold und Silber abgebaut. Wegen der ergiebigen Erzlagerstätten erwarben die Fugger die Stadt. 1506 wurde Freiwaldau durch Johannes V. Thurzo zur Bergstadt erhoben und erhielt ihr Stadtwappen verliehen.
Nach dem der Bergbau vor der Mitte des 16. Jahrhunderts seine Blüte überschritten hatte, verkauften die Fugger 1547 ihren Besitz im Altvatergebirge an den Breslauer Bischof Balthasar von Promnitz, der das Gebiet wiederum dem bischöflichen Fürstentum Neisse eingliederte. Mit dem Rückgang des Bergbaus wurden das Handwerk und die Leinenweberei zur Existenzgrundlage der Bewohner der Stadt.
17. Jahrhundert
Während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Stadt, die an einer wichtigen Verbindung von Schlesien nach Mähren lag, unter dem Durchzug von Kriegsvolk zu leiden. In dieser Zeit begannen auch die Hexenverfolgungen, bei denen zwischen 1622 und 1684 102 Einwohner der Stadt auf den Scheiterhaufen verbrannt wurden.
18. Jahrhundert
Bei der Teilung Schlesiens im Frieden von Breslau verblieb Freiwaldau ab 1742 bei Österreichisch-Schlesien.
19. Jahrhundert
Durch die Grenzziehung verloren die Leineweber viele ihrer schlesischen Märkte und erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. 1822 gründete Adolf Raymann seine Leinwandmanufaktur, die sich später zum größten Unternehmen der Stadt entwickelte und weltweit exportierte. Die Firma Regenhart & Raymann umfasste auch Mechanische Webereien und Spinnereien sowie eine Bleicherei. Zu dieser Zeit begann Vincenz Prießnitz in Gräfenberg (Lázně Jeseník) mit seinen Kaltwasserkuren und in Gräfenberg entstand die erste Wasserheilanstalt.
Nach der Abschaffung der feudalen Strukturen in Österreich wurde Freiwaldau 1850 zum Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, zu der auch die Städte Zuckmantel und Weißwasser gehörten. Mit der 1890 gegründeten Handschuhfabrik Blühdorn entstand ein weiteres bedeutsames Unternehmen. Grundlage für den industriellen Aufschwung war der Bau der Eisenbahn von Hannsdorf nach Ziegenhals, die 1888 den Betrieb aufnahm.
Durch den Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsverein (MSSGV) begann die touristische Erschließung des umliegenden Gebirges. 1899 entstand auf der Goldkoppe (Zlatý Chlum) mit der Freiwaldauer Warte (Frývaldovská stráž) ein 26 m hoher massiver Aussichtsturm.
20. Jahrhundert
Nach dem Zusammenbruch der k.k. Monarchie kam Freiwaldau 1918 zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Ab 1919 wurde die Stadt zu einer Hochburg der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. In dieser Zeit erfolgte ein verstärkter Zuzug von tschechischer Bevölkerung in das zuvor rein deutschsprachige Gebiet. 1931 kam es durch einen Polizeieinsatz während einer Demonstration arbeitsloser Arbeiter zu zehn Toten, darunter eine 60-jährige Frau und ein 14-jähriges Mädchen. Durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise gewann die Sudetendeutsche Partei ab 1933 immer mehr an Einfluss. Nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt in das Deutsche Reich eingegliedert.
Von 1938 bis 1945 war Freiwaldau Sitz des deutschen Landkreises Freiwaldau. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen aufgrund der Beneš-Dekrete 1945 enteignet und vertrieben.
1947 wurde der Name der Stadt von Frývaldov in Jeseník geändert. In dieser Zeit siedelten sich hier viele Tschechen aus dem Landesinneren, Slowaken, Repatrianten und Roma an.
Während der sich anschließenden kommunistischen Herrschaft wurde das Stadtbild durch die Errichtung von Neubauten an Stelle der historischen Bausubstanz beeinträchtigt. Am 1. Juli 1960 verlor Jeseník den Status als Bezirksstadt und wurde in den Okres Šumperk eingegliedert. Nach der samtenen Revolution wurde am 1. Januar 1996 der Okres Jeseník wiedererrichtet und die Stadt Bezirkssitz.
Stadtname
Der Name Freiwaldau (ursprünglich Vriwald) stammt aus der Gründungszeit des Ortes, der in einem unbewaldeten Talkessel an der Einmündung des Staritz in die Biele angelegt wurde. Der heutige Name ist derjenige der umgebenden Landschaft Jeseníky, bestehend aus Hrubý Jeseník (Altvatergebirge) und Nízký Jeseník (Niedere Gesenke).
Bürgermeister
- 1921 bis 1933 Alois Bulla
- 1933 bis 1936 Adolf Hanig
- 1936 bis 1936 Hans Schlögl
- 1936 bis 1938 Max Groß
- 1939 bis 1945 Karl Bittmann
- 2006 bis 2010 Petr Procházka
- seit 2010 Marie Fomiczewová<ref>Jesenik rada mesta</ref>
Einwohnerentwicklung
1. Dezember | 1930 | 8.251 |
17. Mai | 1939 | 7.433 |
22. Mai | 1947 | 5.873 |
2. Oktober | 2006 | 12.510 |
Sehenswürdigkeiten
Historische Bauten
- Rathaus
- Schloss des Fürstbischofs von Breslau
- katholische Kirche
- protestantische Kirche
Quellen und Denkmäler
- Polnische Quelle
- Preußenquelle
Wirtschaft
Bereits um 1900 gab es im Ort Fabriken für Leinen- und Damastwaren, Bleich- und Appreturanstalten, Handschuhfabrikation und eine Bierbrauerei.
Verkehr
Der Bahnhof befindet sich an der ehemaligen Staatsbahnlinie Hannsdorf-Ziegenhals (Bahnstrecke Hanušovice–Głuchołazy). Es verkehren Züge der CD nach Olmütz und Mährisch Ostrau.
Durch den Ort führen die Straßen I/44 (von Mohelnice nach Mikulovice) und I/60 (nach Javorník).
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Edmund Weiss (1837–1917), Astronom
- Paul Stadler (1875–1955), Bildhauer
- Walter Reder (1915–1991), SS-Sturmbannführer und Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes sowie verurteilter Kriegsverbrecher
- Diether Kunerth (* 1940), deutscher Maler
- Johannes Stüttgen (* 1945), deutscher Künstler und Autor
- Jirko Malchárek (* 1966), slowakischer Autorennfahrer und Politiker
- Loukas Mavrokefalidis (* 15. Juli 1984), griechischer Basketballnationalspieler
- Hana Nitsche (* 13. Dezember 1985), deutsches Fotomodell und Mannequin
Mit Jeseník verbunden
- Carl Ditters von Dittersdorf, Komponist und Amtshauptmann
- Vincenz Prießnitz, Begründer der Kaltwasserkur und Naturheilkunde
- Adolph Weiss, Botaniker und Direktor des Botanischen Gartens in Lemberg
- Richard Victor Werner, Mediziner
- Engelbert Kaps, Bildhauer
- Rudolf Fochler (* 1914), Volksbildner und Heimatpfleger, Fachpublizist
Kunst und Kultur
- Priessnitz - tschechische Alternative-Band
Städtepartnerschaften
- Slowenien Bojnice, Slowakei
- Polen Głuchołazy, Polen
- Australien Moree, Australien
- Deutschland Neuburg an der Donau, Deutschland
- Polen Nysa, Polen
- Tschechien Prag 1, Tschechien
Literatur
- Gustav Krause: Quellen und Denkmäler in der Kurstadt Freiwaldau-Gräfenberg, Mährisch-Schlesischer Sudetengebirgsverein, Kirchheim unter Teck 1999
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Bernartice (Barzdorf) | Bělá pod Pradědem (Waldenburg) | Bílá Voda (Weißwasser) | Černá Voda (Schwarzwasser) | Česká Ves (Böhmischdorf) | Hradec-Nová Ves (Gröditz-Neudorf) | Javorník (Jauernig) | Jeseník (Freiwaldau) | Kobylá nad Vidnavkou (Jungferndorf) | Lipová-lázně (Bad Lindewiese) | Mikulovice (Niklasdorf) | Ostružná (Spornhau) | Písečná (Sandhübel) | Skorošice (Gurschdorf) | Stará Červená Voda (Alt Rothwasser) | Supíkovice (Saubsdorf) | Uhelná (Sörgsdorf) | Vápenná (Setzdorf) | Velká Kraš (Groß Krosse) | Velké Kunětice (Groß Kunzendorf) | Vidnava (Weidenau) | Vlčice (Wildschütz) | Zlaté Hory (Zuckmantel) | Žulová (Friedeberg)