Seilbahnstütze
Eine Seilbahnstütze ist eine turmartige Konstruktion zur Spurführung und Stützung der Seile einer Luftseilbahn, um einen definierten Abstand der an den Seilen verkehrenden Fahrzeuge über dem Gelände zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
Bauweise
Seilbahnstützen können als Stahlfachwerkkonstruktion, aber auch als Stahlrohr- oder Blechkastenkonstruktion, seltener als Stahlbetonkonstruktion<ref group="Bsp.">so bei der Predigtstuhlbahn und der Seilbahn Jenesien</ref> ausgeführt werden. Manchmal wird aus gestalterischen Gründen anstelle des eigentlich wirtschaftlicheren Stahlgittermastes ein geschlossener Stahlkörper gewählt.<ref group="Bsp.">so bei der Portland Aerial Tram</ref> Holzstützen kommen nur noch bei kleinen Materialseilbahnen vor. Im Zweiten Weltkrieg wurde in der Nähe von Mittersill mit dem Bau einer Seilbahn begonnen, die eine 80 Meter hohe Holzstütze hatte. Allerdings ging diese Anlage nie in Betrieb und wurde 1955 zerstört.<ref> Darstellung auf skyscraperpage</ref>
Seilbahnstützen bestehen aus Fundament, Stützenfuß, dem eigentlichen Mast (oder Mittelteil) und dem sogenannten Querhaupt, dies sind Kragarme, an dessen äußeren Enden die seiltragenden und -führenden Bauteile (siehe Abschnitt Funktion) angebracht sind. Sie können aber auch, insbesondere bei kleineren Seilbahnanlagen und Schleppliften, als Portalstützen ausgeführt werden, bei denen die seiltragenden und -führenden Bauteile innerhalb der Konstruktion an einer Quertraverse angebracht sind, die beidseitig von Portalträgern getragen wird.
Insbesondere bei Großkabinenbahnen müssen Seilbahnstützen hohen dynamischen Belastungen standhalten. Mitunter werden Seilbahnstützen nicht als vertikale, sondern als diagonale Konstruktion aufgeführt, um die auftretenden Kräfte besser in den Untergrund übertragen zu können. Begegnen sich die Kabinen einer Pendelbahn direkt an der Stütze, muss diese wegen der dadurch erhöhten Windlasten verstärkt ausgeführt werden.
Die Höhe der Stütze hängt vom Geländeprofil und den Anforderungen an die zulässigen Mindest- und Maximalhöhen der jeweiligen Seilbahnbauart über dem Gelände ab. Es kann im Gebirge vorkommen, dass anstelle einer kleinen Stütze, die aber auf schlechtem Untergrund stehen würde oder an einer schwer zugänglichen Stelle gebaut werden müsste, an anderer Stelle eine wesentlich höhere Stütze gebaut wird.<ref group="Bsp." >Beispiel: Seilbahn Gant–Hohtälli, vergl. Größte Stütze, seilbahnen.org</ref> Seilbahnstützen haben regelmäßig Steigleitern für das Wartungspersonal, manche sehr hohe Konstruktionen verfügen auch über einen Wartungsaufzug. Oft besteht die Möglichkeit, dass das Wartungspersonal von den Gondeln oder von speziellen, am Seil fahrenden Wartungsfahrzeugen aus Zugang zu den wartungsbedürftigen Bauteilen der Stützen hat.
Mitunter können Seilbahnstützen sehr aufwendige Konstruktionen darstellen, insbesondere dann, wenn sie gleichzeitig auch einen Zwischenhalt zum Ein- und Ausstieg beherbergen. Dies kann zum Beispiel für den Wintersport von Bedeutung sein. Die bekannte Seilbahnstütze Torre Jaume I der Hafenseilbahn Barcelona besitzt auf ihrer Spitze eine Zwischenstation, die mit Hilfe eines Aufzugs zugänglich ist.
Beispiele: <references group="Bsp." />
Sonderbauformen
Für leichte Gondelbahnen, Sesselbahnen und Schlepplifte auf Gletschern gibt es besondere Gletscherstützen.
Eine Seilbahnstütze ungewöhnlicher Bauart in Form einer „Hängenden“ oder „Schwebenden Stütze“ (Pylône suspendu) besitzt die Kleinkabinenbahn Vallée Blanche im Mont-Blanc-Massiv. Zwischen zwei Felsen, dem Großen und dem Kleinen Flambeau, sind schräg zur Fahrtrichtung drei 315 Meter lange Seile gespannt, welche die Funktion der Tragkonstruktion übernehmen, da der Bau einer konventionellen Stütze auf dem Gletscher nicht möglich war. An den drei Querseilen befinden sich zwei Stahlgerüste, an denen jeweils wiederum die Seiltragschuhe und Rollenbatterien einer jeden Fahrspur befestigt sind.
Funktionsweise
Führung von laufenden Seilen
Zur vertikalen und horizontalen Führung von laufenden Seilen (Zug- und Förderseile) werden Hohlkehl-Seilrollen verwendet, deren Lauffläche im Regelfall mit einer Gummi- oder Kunststoffeinlage versehen ist, dem Rollenfutter. In dieses ist die eigentliche Seilrille eingearbeitet, in der das Seil läuft. Erhöhte Rollenborde sollen ein seitliches Abspringen (Entgleisen) des Seils verhindern.
Werden mehrere Rollen hintereinander eingesetzt, um die Ablenkungs- und Biegewinkel des Seiles an den Einzelrollen zu vermindern, so werden diese Rollen jeweils paarweise hintereinander stehend in Rollenwiegen oder Rollenwippen gelagert, um nach dem Prinzip des Waagebalkens eine gleichmäßige Rollenlastverteilung sicherzustellen. Mehrere in einem Stahlrahmen hintereinander angeordnet Rollenwiegen sind eine Rollenbatterie, diese Rollenbatterien sind wiederum drehbar gelagert an den Enden der Querhäupter der Stütze in der Spurbreite der Anlage angebracht.
Je stärker die erforderliche Ablenkung des Seiles ist, beispielsweise um einen sanften Übergang von einem Steigungsteil zu einer horizontalen Stationseinfahrt einer Gondelbahn oder Sesselbahn zu erreichen, desto länger und aufwändiger müssen die Rollenbatterien an den Stationsstützen ausgeführt werden. Werden solche umfangreichen Rollenbatterien mit großer Neigungsänderung in einem einzigen, verbundenen Bauwerk zusammengefasst, spricht man von einem Kuppengerüst.
Zwei- und mehrseilige Bahnen
Bei mehrseiligen Bahnen mit getrenntem Zug- und Tragseil, z. B. bei Pendelbahnen, müssen nicht nur die laufenden Zugseile, sondern auch die statischen Tragseile in einer Weise gestützt werden, die ein Überfahren durch die Laufwerke der Fahrzeuge erlaubt. Die Tragseile liegen dazu auf metallenen Seiltragschuhen, dies sind schienenartige Bauteile mit einer rillenförmigen Nut auf der Oberseite, in der die Tragseile liegen und zum Ausgleich des wandernden Gewichts der Fahrzeuge und der unterschiedlichen Spannlast in Fahrtrichtung hin- und hergleiten können. Bei älteren Konstruktionen, insbesondere bei Lorenseilbahnen, sind diese Tragschuhe um einen Zapfen drehbar angeordnet, um sich den verschiedenen auftretenden Seilablenkwinkeln im Betrieb anzupassen. Bei modernen, größeren und schneller fahrenden Anlagen sind die Tragschuhe länger und in der Form eines stehenden, nach oben gewölbten Bogensegmentes fest an die Querhäupter montiert. Die Länge des Tragseilschuhs und sein Bogenradius sind so bemessen, dass unter allen im Betrieb auftretenden Seilablenkwinkeln der zu- und wegführenden Seilstrecken keine übermässige Seilbiegung auftritt und eine sanfte Überfahrt der Fahrzeuge möglich ist. Bei Seilbahnen mit Fangbremsen (dazu zählen die meisten Pendelbahnen) sind die Tragseilschuhe im Schnittprofil so geformt, dass auch während der Stützenüberfahrt die Bremsbacken der Fangbremse auf das Tragseil wirken können, dazu liegt das Seil im Regelfall nur im unteren Drittel seines Umfanges in der Rille auf.<ref>Videoclip Überfahrt einer Seilbahnstütze mit typischem Nachpendeln der Gondel (Weisshornbahn Arosa um 1988)</ref>
Die Zugseile laufen über Rollenbatterien meist unmittelbar unterhalb der Tragseilschuhe, bei Bahnen mit zwei Tragseilen zwischen den Seilschuhen. Bei älteren Anlagen und Materialseilbahnen gibt es noch die tiefe Zugseilablage, bei denen das Zugseil auf Seilrollen gelegt wird, die an zusätzlichen Kragarmen unter dem Niveau der Fahrzeuge gelagert sind. Diese Rollen sind mit Seileinweisern, einer Bügelkonstruktion versehen, die das Seil, das beim Passieren eines jeden Fahrzeuges abgehoben wird, wieder in die Laufrolle ablegen.(Beispiele Materialseilbahn Leimen–Nußloch, Brauneck-Bergbahn).
Hoch- und Niederhalter
Während Seilbahnstützen bei mehrseiligen Seilbahnsystemen die Seile immer tragen und dazu auf der Oberseite überfahren werden, gibt es bei Einseilbahnen und Skiliften zur Einhaltung des Bodenabstandes je nach Geländeerfordernissen, insbesondere aber vor den Talstationen auch Stützen, die von den Seilen auf der Unterseite durchlaufen werden. Diese Stützen werden als Niederhalter oder Niederhaltestützen bezeichnet.
Stützen, bei denen das Seil gleichzeitig zwischen einer oben- und untenliegenden Rollenbatterie durchgeführt wird, nennt man Wechsellaststützen. Diese Bauweise kann erforderlich werden, wenn bei wenig Seilablenkung und damit wenig Auflagekraft auf den Rollen positive oder negative Lastfälle an der Stütze auftreten können. Vor der Einführung von Wechsellaststützen wurde an solchen Stellen eine Kombination aus einer etwas niedrigeren Niederhaltestütze und einer höheren Hochhaltestütze in kurzem Abstand zueinander aufgestellt, womit eine ausreichende Seilablenkung erzielt wurde. Eine solche Kombination wird als Rösselsprung bezeichnet.<ref>Artur Doppelmayr: Denkanstösse zur Funktionserfüllung von Einseilumlaufbahnen, ISBN 3-9500815-1-8, Kapitel 2.3.3.2 Rollenbatterien (abrufbar als MS Word-Datei, 3,7 MB), abgerufen am 27. August 2013</ref>
Galerie von Bautypen
- Cableway Bregenz.jpg
Seilbahn auf den Pfänder in Bregenz
- Haute-Nendaz Telecabine 080.JPG
Haute-Nendaz, Kanton Wallis
- Funitel Fond.JPG
Funitel in Val Thorens, Frankreich
- TSDChalmazel 00021.jpg
Sesselbahn Chalmazel, Frankreich
- Stuetze Gondelbahn Duerkheim.JPG
Die letzte nicht abgerissene Stütze der einstigen Gondelbahn Bad Dürkheim
- Georgia Tschiatura Seilbahn Seilbahnstuetze.jpg
Stütze der einspurigen Pendelbahn in Tschiatura, Georgien
- Hanging cabins to Vinpearland.jpg
Stützen des Vinpearl Cable Car im Meer
- Téléphérique Pic du Midi.jpg
Stütze der Pendelbahn Pic du Midi in den Pyrenäen
- Materialseilbahn Nussloch.JPG
Stütze der Materialseilbahn in Nußloch
- Pilone aereo funivia monte Bianco.JPG
Hängende Stütze der Kleinkabinenbahn Vallée Blanche
- EAL tower.jpg
Stütze der Emirates Air Line in London
- Titlis1.jpg
Tragseilschuhe an der Stütze einer Pendelbahn mit zwei Tragseilen
Hohe Seilbahnstützen weltweit
Die höchste Seilbahnstütze der Welt (113,7 Meter) besitzt die 3. Sektion der Gletscherbahn Kaprun 1 (Kitzsteinhornseilbahn). In der Schweiz findet man die höchste Seilbahnstütze mit 94 Metern Höhe bei der Seilbahn Gant–Hohtälli in der Nähe von Zermatt, in Deutschland bei der Eibseeseilbahn in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen (Höhe: 85 Meter). Nach der Fertigstellung der neuen Eibseeseilbahn 2017 wird diese die höchste Seilbahnstütze der Welt mit 127 Metern Höhe haben.
Name | Baujahr | Land | Ort | Höhe | Bemerkungen |
---|---|---|---|---|---|
Gletscherbahn Kaprun 1/3 I | 1966 | Österreich | Kaprun | 113,6 m | Höchste Seilbahnstütze der Welt, Kitzsteinhorn |
Skyway Monte Bianco 2. Trakt | 2015 | Italien | Courmayeur | 110 m | |
Mississippi Aerial River Transit Warehouse District, Algiers | 1984 | USA | New Orleans | 109 m | Höchste Seilbahnstütze einer Gondelbahn; Pfahlgründung 87 m tief; 1994 abgebaut |
Torre Jaume I | 1931 | Spanien | Barcelona | 107 m | Seilbahnstütze mit Zwischenhaltestelle der Hafenseilbahn Barcelona |
Seilbahn Gant–Hohtälli II | 1998 | Schweiz | Zermatt | 94 m | |
Singapore Cable Car II | 1972 | Singapur | Singapur | 88 m | vom Mount Faber nach Sentosa |
Eibseeseilbahn II | 1962 | Deutschland | Garmisch-Partenkirchen | 85 m | |
Wolga-Seilbahn Nischni Nowgorod, Stütze 4 und 5 | 2012 | Russland | Nischni Nowgorod | 82 m | |
3S-Bahn Saukasergraben I | 2004 | Österreich | Kitzbühel | 80 m | |
Materialseilbahn Mittersill I, II | 194? | Österreich | Mittersill | 80 m | Zwei je 80 Meter hohe Seilbahnstützen einer Materialseilbahn, die nie in Betrieb ging. Eine dieser Seilbahnstützen war eine Holz-, die andere eine Stahlkonstruktion. In den 50er Jahren demontiert |
Singapore Cable Car I | 1972 | Singapur | Singapur | 80 m | |
Torre Sant Sebastia | 1931 | Spanien | Barcelona | 78 m | Endhaltepunkt der Hafenseilbahn Barcelona |
Wendelstein-Seilbahn I | 1970 | Deutschland | Bischofsmais | 75 m | |
Sandia Peak Tramway 1 | 1965 | USA | Albuquerque | 70,7 m | schiefe, um 18 Grad geneigte Konstruktion |
Alpspitzbahn III | 1972 | Deutschland | Garmisch-Partenkirchen | 67 m | |
Eibseeseilbahn I | 1962 | Deutschland | Garmisch-Partenkirchen | 65 m | |
Vinpearl Cable Car 2–8 | 2007 | Vietnam | Nha Trang | 65 m | Stahlstützen stehen auf 50 m hohem Betongerüst im Meer, Höhe insgesamt 115 m |
Literatur
- Peter Sedivy: Vorlesungsunterlagen „Seilbahnbau“. Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich intelligente Verkehrssysteme der Universität Innsbruck, 2012, archiviert vom Original am 24. Dezember 2013, abgerufen am 28. November 2015 (PDF; 6,5 MB).
- Stephan Liedl: Vorlesungsskript Seilbahntechnik. Lehrstuhl Fördertechnik Materialfluss Logistik der TU München; 1999, PDF-Datei; 8,23 MB PDF
Siehe auch
Weblinks
- Seilbahnstützen auf structurae
- Darstellung verschiedener Seilbahnstützen auf Skyscraperpage (englisch)
Einzelnachweise
<references />