Tuskegee-Syphilis-Studie


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Untersuchung im Rahmen der Tuskegee-Syphilis-Studie

Die Tuskegee-Syphilis-Studie wurde von 1932 bis 1972 in der Gegend von Tuskegee, Alabama vom United States Public Health Service, einer Behörde des Gesundheitsministeriums der Vereinigten Staaten, unter Leitung des Mediziners John Charles Cutler durchgeführt. In dieser Studie wurden die Folgen unbehandelter Syphilis-Infektionen, einer häufig chronisch verlaufenden Geschlechtskrankheit, beim Menschen untersucht. 399 mit Syphilis infizierte afroamerikanische Sharecropper – eine Art von Landpächtern – wurden im Rahmen der Studie untersucht. 200 weitere Personen, die als nicht-Syphilis-infiziert galten, wurden als Kontrollgruppe in die Studien einbezogen.<ref>Donald H. Rockwell, Ann R. Yobs, M. Brittain Moore: Die Untersuchung unbehandelter Syphilis von Tuskegee – nach 30 Jahren Beobachtung. In: Nicolas Perthes et al. (Hg.): Menschenversuche. Eine Anthologie 1750–2000. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008.</ref> Die Versuchspersonen waren zum großen Teil arm und konnten weder lesen noch schreiben.

Diese Studie ist bekannt für ihre menschenverachtende Durchführung: Der Zweck der Studie war, den natürlichen Verlauf der Syphilis-Erkrankung zu beobachten. Die Studie wurde nicht abgebrochen, als wirksame Syphilis-Medikamente erhältlich waren. Die Versuchsteilnehmer hatten keine Gelegenheit zu einer informierten Einwilligung. Sie wurden auch nicht über eine Syphilis-Diagnose unterrichtet. Man sagte ihnen stattdessen, dass sie „schlechtes Blut“ hätten (engl. bad blood) und dass sie eine kostenlose Behandlung bekämen. Ebenso würden sie kostenlose Fahrten zur Klinik, eine warme Mahlzeit täglich und im Todesfall 50 Dollar für die Beerdigung erhalten.<ref>Rassismus – Schlechtes Blut, Bericht zum Tuskegee-Experiment in Der Spiegel, Ausgabe 40/1981</ref><ref>Christine Knust: Medizinskandal: Tödliche Lüge. In: Tagesspiegel vom 22. Juli 2007</ref>

Von der Studie erfuhr im Herbst 1965 zufällig der ebenfalls beim PHS arbeitetende Epidemiologe Peter Buxtun. Buxtun versuchte, beim PHS die Einstellung des Experiments zu erreichen, konnte dort aber ebenso wie 1966 bei der US-Seuchenschutzbehörde nichts erreichen. Überall wurde ihm versichert, dass das Projekt bis zum Tod des letzten Patienten fortgesetzt würde. Noch drei Jahre später wurde ihm von der US-Seuchenschutzbehörde gesagt, dass man keine moralischen Bedenken habe. Er weihte 1972 die Journalistin Jean Heller ein, die am 25. Juli 1972 im „Washington Evening Star“ einen Bericht veröffentlichte, in dem sie auf die Studie aufmerksam machte. Zu dem Zeitpunkt lebten noch 74 der Menschen, die den Beginn der Studie mitgemacht hatten. Öffentlich unter Druck geraten, rief der PHS einen Untersuchungsausschuss ein, der nach drei Monaten den Abbruch der Studie beschloss. Der Anwalt Fred Gray, der bereits Martin Luther King vor Gericht vertreten hatte, erreichte vor Gericht schließlich eine Entschädigung von neun Millionen US-Dollar für die Überlebenden der Studie.<ref>Johanna Lutteroth: Medizin-Skandal – Todesstudie von Tuskegee. In: einestages vom 7. Juni 2012</ref>

Bei einer weiteren Studie in Guatemala von 1946 bis 1948 wurden Gefangene, Soldaten und Geisteskranke mit Syphilis infiziert. Es sollte dabei untersucht werden, ob Penicillin Syphilis heilen kann. Erst 2010 entschuldigte sich die US-Regierung für diese Versuche.<ref name=spiegel>Obama entschuldigt sich für Syphilis-Versuche. Spiegel online, 2. Oktober 2010</ref>

Einzelnachweise

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