Wish You Were Here (Album)
Wish You Were Here | ||||
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Studioalbum von Pink Floyd | ||||
Veröffentlichung | 15. September 1975 | |||
Label | ursprünglich:</br>
Neuauflagen:</br>
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Format | LP, MC CD, SACD | |||
Genre | Progressive Rock, Artrock | |||
Anzahl der Titel | 5 | |||
Laufzeit | 44 Min 28 Sek | |||
Besetzung |
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Produktion | Pink Floyd | |||
Studio | Abbey Road Studios | |||
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Wish You Were Here ist ein Musikalbum der englischen Rockband Pink Floyd. Das Album wurde von Januar bis Juli 1975 in den Abbey Road Studios aufgenommen und erschien am 15. September 1975.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Das Originalalbum Wish You Were Here umfasst fünf Titel, die nahtlos ineinander übergehen. Der erste und letzte mit dem Titel Shine On You Crazy Diamond stellt eine Hommage an das frühere Bandmitglied Syd Barrett dar.<ref>A song concerning Barrett’s plight. In: ingsoc.com (englisch).</ref> Barrett war bis 1968 federführend als Komponist, Sänger und Gitarrist beteiligt, aber aufgrund einer durch hohen Drogenkonsum begünstigten psychischen Störung für die Band nicht weiter tragbar. 1968 wurde er durch David Gilmour ersetzt.
Am bekanntesten wurde der Titel Wish You Were Here, welcher – entgegen einer oftmals geäußerten Ansicht – weniger als Liebeslied gedacht als vielmehr ebenfalls dem Genius, aber auch dem Wahnsinn Syd Barretts gewidmet ist.
Die Titel Welcome to the Machine und Have a Cigar handeln von der Plattenindustrie, der Fixierung auf das Geld und ihrem Desinteresse an der Musik und den Musikern. In Have a Cigar wird ein fiktiver Monolog eines Plattenbosses gegenüber einem Vertreter der Band wiedergegeben. Darin kommt der Satz vor: „The band is just fantastic, that is really what I think. Oh by the way, which one’s Pink?“ („Die Band ist einfach fantastisch, das meine ich wirklich so. Ach, übrigens: Wer von Ihnen ist eigentlich Pink?“). Have a Cigar wurde von Gastmusiker Roy Harper gesungen.
Wish You Were Here folgte auf das Album The Dark Side of the Moon (1973) und ist der Vorgänger des 1977 erschienenen Albums Animals.
Aufnahmen
Alan Parsons, der Toningenieur bei dem Vorgänger-Album The Dark Side of the Moon, hatte das Angebot abgelehnt, die Aufnahmen von Wish You Were Here zu übernehmen, weil er mit The Alan Parsons Project, Steve Harley und Pilot beschäftigt war und sich eine erfolgreiche Zukunft als Tonmeister von Pink Floyd nicht vorstellen konnte.<ref>Ryan Meehan: Foh Exclusive: 5 Questions with Alan Parsons. In: firstorderhistorians.com. 6. August 2012, abgerufen am 10. September 2015 (english, Interview mit Alan Parsons): „I never would have got rich or got any real recognition with the Floyd as their engineer.“ </ref>
Daher wurde Brian Humphries als Toningenieur eingesetzt, wie bereits 1969 beim Album More. Bei einer Aufnahme der Hintergrund-Spuren von „Shine On“ löschte er versehentlich die Aufzeichnung, an der Waters und Mason viele Stunden gearbeitet hatten. Die Spuren mussten neu aufgenommen werden.<ref>Nick Mason, Philip Dodd: Inside Out — A Personal History of Pink Floyd, S. 202 f, Phoenix 2005, ISBN 0-7538-1906-6.</ref>
Die Arbeiten fanden im Studio 3 der Abbey Road Studios statt.<ref>Nick Mason, Philip Dodd: Inside Out — A Personal History of Pink Floyd, S. 208 f, Phoenix 2005, ISBN 0-7538-1906-6</ref> Der Gruppe fiel es zu Beginn sehr schwer, neues Material für das Album zu entwickeln, zumal der Erfolg von The Dark Side of the Moon auf allen Bandmitgliedern lastete. Richard Wright beschrieb die Aufnahmen als eine Erfahrung, die „in eine schwierige Zeit fiel“, und Roger Waters sprach von einem „quälenden“ Prozess.<ref>Schaffner, Nicholas (1991), Saucerful of Secrets (1 ed.),S. 184-185, London: Sidgwick & Jackson, ISBN 0-283-06127-8.</ref> Schlagzeuger Nick Mason erinnerte den Prozess der Mehrspuraufnahme als langwierig,<ref> Nick Mason, Philip Dodd: Inside Out — A Personal History of Pink Floyd, S. 202 f, Phoenix 2005, ISBN 0-7538-1906-6.</ref> und David Gilmour war mehr daran interessiert, das bestehende Material der Band zu verbessern.
Nach einigen Wochen im Studio entwickelte Waters langsam ein Konzept für das Album. Drei neue Stücke, die man schon auf der Tour im Jahre 1974 gespielt hatte, waren wie ein Ausgangspunkt für das neue Album und Shine On You Crazy Diamond schien eine gute Wahl für das zentrale Stück der Platte zu sein. Das mehr als 20-minütige Stück, das im Aufbau Echoes ähnelte, erinnerte Waters an das frühere Band Mitglied Syd Barrett. David Gilmour hatte die Notenabfolge für den Beginn des Stückes durch bloßen Zufall komponiert. Waters war der Ansicht, dass man Shine On You Crazy Diamond in zwei Teile aufsplitten und zwischen die Teile zwei weitere, neue Songs platzieren sollte. Gilmour war anderer Ansicht, wurde aber durch die anderen Bandmitglieder überstimmt. Die zwei anderen Stücke, Welcome to the Machine und Have a Cigar waren ein kaum verschleierter Angriff auf die Plattenindustrie und die Texte passten gut zu Shine On und bildeten so eine geeignete Zusammenfassung des Aufstiegs und Falls von Syd Barrett.
Instrumentierung
Besonders prominent im Klangbild sind Richard Wrights Keyboards. In dem Song Shine On You Crazy Diamond wird sowohl ein Minimoog Synthesizer als auch ein ARP Solina String Ensemble eingesetzt. Das Solina ist ein Keyboard, das besonders für Streicherklänge konzipiert wurde. Der Mini Moog imitiert bei diesem Song den Klang einer Trompete. Dieser charakteristische Sound durchzieht alle neun Teile des Stücks. In der zweiten Hälfte beherrscht Richard Wright das Klangbild in Teil 8 (nach der letzten Gesangs-Strophe). Das Songthema wird von Wright und Gilmour hier musikalisch in Jazzrock-Variationen weitergeführt. Wright bedient hier ein Hohner D6 Clavinet und ein Fender Rhodes, ferner auch einen Mini Moog mit einem anderen Klang. Auf Welcome to the Machine wird ein VCS 3 von der Firma EMS eingesetzt. Er erzeugt die Geräuschanteile in dem Lied. Zwei Bässe wurden zu Beginn von Shine On You Crazy Diamond Part 6 eingesetzt.
Der Anfang von Shine On enthält Ausschnitte aus einer unvollendeten Aufnahme mit dem Titel Household Objects. Dabei wurden Weingläser unterschiedlich mit einer Flüssigkeit gefüllt und dann wurden die Ränder der Gläser mit nassen Fingern umfahren. Diese Klänge wurden auf mehrere Track des Mischpultes verteilt, um sie als Chores am Anfang des Stückes zu verwenden.<ref>Mason, Nick (2005), Philip Dodd, ed., Inside Out — A Personal History of Pink Floyd, Seite 205.</ref>
Berühmt geworden ist weiter die Anfangssequenz des Songs Wish You Were Here. Das Lied beginnt mit einem Radio, aus welchem leise die Anfangsakkorde von Wish You Were Here klingen. Zu diesen Anfangsakkorden improvisiert plötzlich ein fiktiver Radiohörer auf seiner Akustikgitarre. Langsam verschmelzen Radio und Gitarre, und die ganze Band steigt ein. Um den Eindruck eines Radios in einem Wohnzimmer zu verstärken, sind anfangs verschiedene Geräusche des fiktiven Radiohörers (Rascheln, Atmen, Räuspern) zu hören. Der Räusperer, der im linken Tonkanal (Sekunde 26) zu hören ist, stammt von David Gilmour. Wenig beachtet ist das kaum hörbare Geigen-Solo von Stéphane Grappelli am Ende des Stücks. Grappelli spielte es nebenbei für eine Gage von 300 britischen Pfund ein, als er in einem anderen Studio im selben Gebäude Aufnahmen mit Yehudi Menuhin machte.<ref>Geigen-Solo von Grappelli</ref> In der 2011 erschienenen Remastered-Version ist das Solo deutlich verstärkt worden.
Albumversionen
Wish You Were Here ist, wie auch Atom Heart Mother und The Dark Side of the Moon, eines der wenigen Alben, die auch in einer Quadrofonie-LP-Version, in etwa vergleichbar mit 4.0-Raumklang, existieren. Es erschien auch in einer so genannten „Quadrophonic 8-Track“-Kassetten-Version, die wie die Quadrophonie-LP in den frühen 1970ern ein wenig, vor allem aber in den Vereinigten Staaten verbreitet war. Die 4-Spur- und 8-Spur-Kassetten dürfen jedoch nicht verwechselt werden mit der Compact Cassette, einem völlig anderen Format.
Jahrelang wurde offiziell keine Quadrophonie-Version auf CD oder DVD veröffentlicht, obwohl einige Stücke sehr von den Raumklangeffekten der originalen Quadrophonie-Aufnahme leben. Schon vor der offiziellen Veröffentlichung kursierte eine nicht offizielle DVD-Audio im Internet, die mit einer MLP-96/24-, einer DTS- und einer Dolby-Digital-Spur ausgestattet ist. Der Urheber gibt an, für diese Version eine Mint-Quadrofonie-Vinylplatte benutzt zu haben. Die Tonqualität dieser Aufnahme ist jedoch nicht mit etwa der hochwertigen SACD von The Dark Side of the Moon vergleichbar. Auch auf zwei inoffiziellen CDs – jeweils für die beiden vorderen und die beiden hinteren Lautsprecherkanäle gedacht – wurde diese Version schon entdeckt. Zudem enthält die Quadrofonie-Version von Wish You Were Here ein zusätzliches Lied, ein etwa 50 Sekunden langes Instrumentalstück; die Längen und die Abmischungen unterscheiden sich stark vom Original. Seit November 2011 ist als Teil der „Immersion Box“ sowohl die originale Quadrophonie-Version von 1975 als auch ein 5.1-Mix von 2009 offiziell erhältlich. Der 5.1-Mix wurde auch einzeln als SACD veröffentlicht.
Titelliste
- Shine On You Crazy Diamond, Pt. 1–5 (Gilmour/Waters/Wright), 13:31 min
- Pt. 1 (Wright/Waters/Gilmour), 2:09 min
- Pt. 2 (Gilmour/Waters/Wright), 1:45 min
- Pt. 3 (Waters/Gilmour/Wright), 2:33 min
- Pt. 4 (Gilmour/Wright/Waters), 2:15 min
- Pt. 5 (Waters/Gilmour/Wright), 4:49 min
- Welcome to the Machine (Waters), 7:31 min
- Have a Cigar (Waters), 5:08 min
- Wish You Were Here (Gilmour/Waters), 5:34 min
- Shine on You Crazy Diamond, Pt. 6–9, (Gilmour/Waters/Wright), 12:23 min
- Pt. 6 (Wright/Waters/Gilmour), 4:55 min
- Pt. 7 (Waters/Gilmour/Wright), 1:29 min
- Pt. 8 (Gilmour/Wright/Waters), 2:39 min
- Pt. 9 (Wright), 3:20 min
Rezeption
Das Album Wish You Were Here wurde bei der WDR 2-Aktion WDR 200 als bestes Album aller Zeiten im September 2007 von über einer Million Hörern zum Sieger gewählt.
Im Juni 2015 wählte das renommierte Fachblatt Rolling Stone das Album auf Platz 4 der 50 besten Progressive-Rock-Alben aller Zeiten.<ref>Richard Gehr: 50 Greatest Prog Rock Albums of All Time – Pink Floyd, 'Wish You Were Here' (1975). In: Rolling Stone. Wenner Media, 17. Juni 2015, abgerufen am 10. September 2015 (english). </ref>
Trivia
Das Cover des Albums wird durch Fotos von Storm Thorgerson auf weißem Untergrund geprägt. Auf der Vorderseite sind zwei Stuntmen (Ronnie Rondell und Danny Rogers) abgebildet, wobei bei einem die Kleidung in Flammen steht. Auf der Rückseite ist ein Mann im Anzug, mit Melone, Koffer und einer transparenten LP des Albums in einer Wüste abgebildet. Sowohl die Hände als auch die Füße sind nicht mit dem Körper verbunden.
Auf der inneren Plattenhülle, die wie das Cover aus Pappe bestand, ist ein Foto des Mono Lake mit bizarren Kalktuff-Türmen und einem ohne Wasserspritzer in den See eintauchenden Schwimmer abgebildet. Ein weiteres Bild zeigt eine Wiese und schnurgerade gepflanzte Bäume, die sich im Wind bewegen, mit einem roten Seidentuch im Vordergrund. Alle Bilder wirken surreal. Sie entstanden überwiegend ohne fotografische Bildmanipulationen.<ref>Mark Blake: Floyd Extra! How Wish You Were Here Went Up In Flames. Interview mit Storm Thorgerson. MOJO magazine, 23. August 2011, archiviert vom Original am 13. Oktober 2011, abgerufen am 23. September 2014 (english). </ref>
Beigelegt war eine Postkarte, die ebenfalls den eintauchenden Schwimmer darstellt. Sie ist in dem in Deutschland vertriebenen Album auf der Rückseite mit dem Albumtitel in Englisch, Spanisch und Deutsch betitelt ergänzt durch Photographie von Hipgnosis am Monosee California 1975.
Während der Aufnahmen von Wish You Were Here erhielten Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright und Nick Mason unverhofften Besuch ihres ehemaligen Bandkollegen Syd Barrett. Nach Aussagen der Bandmitglieder erkannten sie Barrett nicht auf Anhieb, da dieser sich äußerlich stark verändert habe und sehr aufgedunsen erschien.<ref>Biographie – Syd Barrett. In: Laut.de.</ref>
Verwendung
Musik aus dem Album Wish You Were Here fanden in Filmen der Reihe Wunder der Erde mit Ernst Waldemar Bauer Verwendung.
DVD
Im Juni 2012 erschien eine offizielle DVD-Dokumentation unter dem Titel Pink Floyd – The Story of Wish You Were Here, die die Entstehungsgeschichte des Albums in 85 Minuten mit diversen Interviews und Originalaufnahmen beschreibt.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Syd Barrett • David Gilmour • Nick Mason • Roger Waters • Richard Wright