Geschichte der United States Navy
Die Geschichte der United States Navy, der Marine der Vereinigten Staaten, lässt sich in zwei Kontinuitäten fassen. Die Old Navy (dt.: „alte Marine“) konstituierte sich in der Gründungsphase der Vereinigten Staaten zu einer kleinen, effizienten Marine aus Segelschiffen, während das Land ab den 1880er Jahren dazu überging, aus dieser eine schlagkräftige Hochseemarine, die New Navy, zu formen.
Inhaltsverzeichnis
Anfänge im Unabhängigkeitskrieg
Im Jahre 1775 erließ der Kontinentalkongress, ein provisorischer Vorläufer des Kongresses der Vereinigten Staaten, eine Resolution, in der er die in ihm vertretenen einzelnen Kolonien dazu aufforderte, Schiffe zu bauen und zu betreiben. Dieser folgte ein von Vertretern der Kolonie Rhode Island am 26. August eingebrachter und ab Dezember 1775 durchgeführter Gesetzesentwurf, der die Schaffung einer einzigen sogenannten „Kontinentalmarine“ (Continental Navy) vorsah.<ref>„The Rhode Island delegates to the Continental Congress next moved to create a Federal navy. The Colony's General Assembly instructed its delegates to the Continental Congress to introduce a resolution in favor of a continental navy. The Congress adopted this resolution, and authorized the fitting out of two vessels to interdict British trade.“. Naval History in Rhode Island, 27. Dezember 2004. Zugriff am 28. Dezember 2008.</ref> In der Zwischenzeit hatte George Washington, zu jenem Zeitpunkt Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee damit begonnen, Schiffe für die nahende Konfrontation mit den Streitkräften des Vereinigten Königreiches zu beschaffen, indem er sie aus seinem eigenen Vermögen bezahlte. Das erste Schiff der Kontinentalmarine war der Schoner Hannah, der am 5. September 1775 in Dienst gestellt wurde. Wegen ihres provisorischen Charakters und der mangelhaften Ausbildung stellte der Kontinentalkongress dieses Schiff bald außer Dienst, auch wenn es seine Kaperung oder Versenkung stets vermieden hatte.<ref>Hannah, in: Dictionary of American Naval Fighting Ships, Naval Historical Center, Stand: 6. Juli 2009. Zugriff am 16. Februar 2010.Aboard his flagship, the Bonhomme Richard, Jones led his small squadron in the capture of seven merchantmen off of the Scottish coast. On September 23, 1779, Jones fought one of the bloodiest engagements in naval history. Jones struggled with the 44-gun Royal Navy frigate Serapis, and although his own vessel was burning and sinking, Jones would not accept the British demand for surrender, replying, “I have not yet begun to fight.” More than three hours later, Serapis surrendered and Jones took command.“, in: "I have not yet begun to fight": The Story of John Paul Jones, FAQ der US Navy, Stand: 18. Mai 2001. Zugriff am 28. Mai 2008.</ref>
Trotz einzelner Momente herausragender Kampfmoral erwies sich der Betrieb der Continental Navy als extrem kostspielig und zu ineffizient im Vergleich mit der Kaperstrategie. Noch während der Kampfhandlungen sah sie sich einem Bedeutungsverlust ausgesetzt, der zu ihrer faktischen Auflösung im Jahre 1785 nach dem Sieg der Vereinigten Staaten führte. Dies lag sowohl an der finanziellen Schwäche der Bundesregierung als auch die zunächst nicht zu legitimierende Existenzberechtigung einer Seestreitmacht.<ref>„With the end of the Revolutionary War, followed by the establishment of a new federal government, the infant U.S. Navy went into decline. By war's end, in 1783, the Navy was down to five ships the most memorable of which was that by Captain Isaac Hull in USS Constitution ("Old Ironsides") over HMS Guerriere. Global Security: The War of 1812. Zugriff am 31. Juli 2008.</ref> Als sich der Krieg zunehmend in Oberkanada abspielte, gelangen den Commodores Oliver Hazard Perry auf dem Eriesee und Thomas Macdonough auf Lake Champlain überraschende Siege gegen die britischen Gegner, die die Kriegsmoral in den Vereinigten Staaten stärkte und eine Invasion der nördlichen USA abwendete.<ref>Commodore Oliver Hazard Perry's brilliant success in the Battle of Lake Erie placed the Northwest Territory hrmly under American control and sent the Nation's morale soaring. Another fleet victory by Commodore Thomas Macdonough on Lake Champlain turned back a British invasion from Canada. Global Security: The War of 1812. Zugriff am 31. Juli 2008.</ref>
Der letzte Versuch der Briten, in die Vereinigten Staaten flächendeckend einzufallen, führte zur Schlacht von New Orleans im Süden des Landes. Commodore Daniel Patterson gelang es, den britischen Ansturm zu Wasser so weit abzuschwächen und zu verzögern, dass dies den Landstreitkräften einen entscheidenden Schlag gegen die verbleibenden britischen Kräfte ermöglichte. Nach aktuellem Kenntnisstand kostete der Krieg zwischen dem 18. Juni 1812 und dem 17. Februar 1815 265 Angehörigen der Navy das Leben, während sich 439 Seemänner Verletzungen zuzogen.<ref name="Casualties" />
Unter anderem verdanken es die USA ihren vielen staatlich sanktionierten Freibeutern, dass sie zur See von den Briten nicht besiegt werden konnten. Der Kongress stellte an dutzende Kaufleute Kaperbriefe aus, die aus der Erfahrung mit den Briten heraus ungehemmter als im Unabhängigkeitskrieg zu Werke gingen.<ref>Patterson's small naval squadron so delayed and harassed the advancing British with ship gunfire that General Andrew Jackson was enabled to prepare his defenses and gain the historic New Orleans victory. Global Security: The War of 1812. Zugriff am 31. Juli 2008.</ref> Die Erfahrungswerte, die dieser Krieg der Politik der Vereinigten Staaten brachte, ließ die staatstheoretisch geprägten Bedenken der Gründerväter vor einer Tyrannei des Militärs in den Hintergrund treten, sodass die Navy bedeutend vergrößert wurde.<ref>„The U.S. Navy, greatly increased in size after the War of 1812, was able send an entire squadron, led by Commodore Stephen Decatur, to the Mediterranean.“, in: Barbary Wars, 1801-1805 and 1815-1816. Übersicht des US-Außenministeriums zur Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. Zugriff am 2. August 2008.</ref>
Zweiter Barbareskenkrieg
Bereits ab 1807, zwei Jahre nach dem ersten Friedensschluss, waren die Barbaresken zur Entführung und Nötigung amerikanischer Handelsschiffe zurückgekehrt. Auf die Lösegeld- und Schutzzollforderungen der nordafrikanischen Staaten gingen die Vereinigten Staaten zunächst ein. Von der amerikanisch-britischen Auseinandersetzung ermutigt, erklärten jene ihnen daraufhin im Jahre 1812 den Krieg. Mangels amerikanischer Präsenz vor der nordafrikanischen Küste blieb diese Kriegserklärung jedoch wirkungslos. Nach dem Ende der Auseinandersetzung mit dem Vereinigten Königreich bewilligte der Kongress eine Flotte von zehn Schiffen. Stephen Decatur und William Bainbridge, beide in der Zwischenzeit zu Commodores befördert, führten diese an.<ref>„However, Jefferson’s earlier statement that paying Barbary demands would only lead to more piracy was prophetic. By 1807, Algiers had returned to the practice of taking American ships and sailors hostage, and the United States returned to the practice of paying ransom. It was not until after the War of 1812 that the United States ceased forevermore paying tribute and ransom to the Barbary pirates, sparking the Second Barbary War.“, in: Jodie Gilmore: To the Shores of Tripoli, The New American, 17. April 2008. Zugriff am 2. August 2008.</ref> Algier und Tripolis erfuhren eine massive Machtdemonstration durch die Navy, sodass die Piraterie im Mittelmeer bis zu ihrem endgültigen Ende ab 1830 einen stetigen Niedergang erfuhr.
Einsätze bis zum Bürgerkrieg
Das Ende des Zweiten Barbareskenkrieges markierte den Anbeginn einer Phase relativer Ruhe und kontinuierlicher Expansion für die Navy. Zwischen dem Zweiten Barbareskenkrieg verlagerten sich ihre Aktivitäten von Routineeinsätzen abgesehen auf die Karibik, da sich die Vereinigten Staaten zu Lande der Expansion nach Süden und Westen widmeten. Dies barg Konfliktpotenzial mit der Kolonialmacht Spanien sowie diversen indigenen Bevölkerungen. Von der gewaltsamen Lösung dieser Spannungen war auch die Navy betroffen. Gleichzeitig professionalisierte sie sich wie das amerikanische Militär allgemein. Dies zeigt sich an der Gründung der United States Naval Academy im Jahre 1845, deren Prestige seit dieser Zeit auch international stetig zugenommen hat
Schiffbau und Patrouillen gegen Sklavenhändler und Piraten
Der Kongress gab nach dem Ende des Zweiten Barbareskenkrieges zum Zweck der Abschreckung acht neue Linienschiffe in Auftrag, die laut Beschluss nicht weniger als 74 Kanonen tragen können und stets auslaufbereit sein sollten. Die Beschaffung der sich bereits im Bau befindlichen Columbus wurde juristisch in diesem Gesetz erneut legitimiert. Die Namen der neuen Schiffen wurden per Los bestimmt, da diese Bundesstaaten entsprechen sollten, und lauteten am Ende des Losverfahrens Alabama, Delaware, New York, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Vermont und Virginia. Die Oberaufsicht über den Bau der Schiffe, bis auf die Columbus und die Pennsylvania, die im übrigen zum größten Segelschiff der Navy überhaupt wurde, hatte William Doughty.<ref>„The resolution of Congress 3 March 1819 required that the 74-gun class ships building be named for States of the Union. Columbus, missed this privilege, having launched only 2 days previously. As the eight other ships-of-the-line neared completion, their names were determined by lot. The names drawn were Alabama, Delaware, New York, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Vermont, and Virginia. All except Pennsylvania were largely complete by 1825.
The policy was to have the 74s in readiness to launch and fit out as national interests might require. As a result, New York and Virginia never launched. Alabama (renamed New Hampshire in 1863) and Vermont were not commissioned until the Civil War when they served as huge floating naval depots for the Federal Blockading Squadron at Port Royal, SC.“, American Military Strategy During The Second Seminole War, John C. White, Jr., 1995</ref> Insgesamt forderte der Einsatz im Südosten der Vereinigten Staaten das Leben von acht Seeleuten, während zwölf Verletzungen erlitten.<ref name="Casualties" />
Mexikanisch-Amerikanischer Krieg
Die texanische Unabhängigkeit und die Eingliederung Texas' als Bundesstaat in die Union verstärkten die schwelenden, seit langem vorhandenen latenten Spannungen zwischen den USA und Mexiko, die letztendlich zum Mexikanisch-Amerikanischen Krieg führten. Das Einsatzgebiet der Marine der Vereinigten Staaten vergrößerte sich schlagartig, da nun auch die Pazifikküste der Vereinigten Staaten zum ersten Mal seit deren Inkorporation in das Land für einen Krieg von Bedeutung war. Die Home und Pacific Squadron der Navy liefen aus, um die Küsten Mexikos abzuriegeln, während sie weiterhin überwiegend störungsfrei in ihren heimischen Gewässern operieren konnte. Neben dieser Dauerverwendung stachen zwei Einsätze der Navy in dieser Zeit besonders hervor. Ähnlich wie gegen die Seminolen drangen kleinere Segelschiffe und Raddampfer unter der Oberaufsicht von Commodore Matthew Perry vom Golf von Mexiko aus auf mexikanische Flussläufe vor und eroberten auf diese Weise wichtige Stützpunkte und Nachschublager der Mexikaner. Die bedeutendste Einzeloperation des Krieges von 1846−1848 kommandierte der Commodore David Conner, als er auf Anfrage des Generals Winfield Scott am 9. März 1847 bei Veracruz 12.000 Mann anlandete und danach wichtiges Unterstützungsfeuer beitrug.<ref>US Navy FAQ: Mexican War 1846-1848 Campaign Streamer, 15. Juli 1996. Zugriff am 11. August 2008.</ref> Der Krieg forderte das Leben von 13 Seeleuten, während drei weitere verwundet wurden.
Sezessionskrieg
Nach jahrelangen Spannungen und Auseinandersetzungen um die Rechte der einzelnen Staaten der Union begann mit dem Angriff auf Fort Sumter am 12. April 1861 der Sezessionskrieg zwischen den Vereinigten und den Konföderierten Staaten von Amerika. Dem Seekrieg kam aufgrund der strategischen Voraussetzungen eine zentrale Bedeutung zu: Während der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, am 19. April eine Blockade gegen die Küste der Konföderation verhängte, spekulierte diese darauf, dass der Ausfall des Baumwollexports die davon betroffenen europäischen Staaten, allen voran Großbritannien und Frankreich, auf ihrer Seite in den Krieg einbeziehen würde. Die Blockade war Teil eines größeren Plans von Winfield Scott, des sogenannten Anakonda-Plans.
Während es noch Monate dauern sollte, bis die Konföderation ein einsatzfähiges Gegenstück schaffen konnte, traf der Kriegsausbruch die United States Navy völlig unvorbereitet, auch wenn im Seekrieg die Ressourcenverteilung eindeutig für die Union sprach. Viele ihrer 42 Schiffe<ref name="OhioState">vgl. The Blockade, Ohio State University. Zugriff am 20. August 2008.</ref> befanden sich in Europa oder in Japan, und der von Lincoln öffentlich proklamierte Einsatz überforderte ihre Kapazitäten. Während Marineminister Gideon Welles den Bau vieler Schiffe in Auftrag gab, entschied sich die Führung der Navy für die Konzentration der Blockade auf diejenigen Küstenteile des Südens, von denen aus der Transport potenziellen Nachschubs landeinwärts möglich wäre. Dies legte die Absperrung von Flussläufen und Häfen in der Nähe von Eisenbahnstrecken nahe.<ref name="OhioState" /> Durch die Orientierung der Südstaaten gen Norden gelang der US Navy immer wieder die Eroberung von konföderierten Marinestützpunkten auf vorgeschobenen Inseln.
Der Krieg trieb das Ende des Segelschiffzeitalters endgültig voran. Während die Südstaaten ihre Marine von Grund auf neu konzipierten, versenkten die Nordstaaten viele ihrer Segelschiffe zu Beginn des Krieges im Zuge der Evakuierung südlicher Häfen.
1861
Ihre erste vorgeschobene Basis eroberten Kanonenbootkräfte unter Ben Butler und Silas Stringham im August 1861 auf Hatteras Island in den Outer Banks von North Carolina, indem sie die dortige Artilleriebatterie zerstörten und durch ihre Präsenz Nachschub und Präsenz des Südens unterbanden.
Die Konföderation beschränkte sich bis zur Fertigstellung eigener Marinekapazitäten auf Freibeuterstrategien, wie die jungen Vereinigten Staaten sie gegen die Briten eingesetzt hatten. Darüber hinaus waren sie von der Sicherung ihrer Häfen und Flussläufe gegen Flotten durch Forts überzeugt. Diese Annahme erwies sich im September 1861 als irrig, als neuenglische Truppen auf der USS Massachusetts zur Landung auf Ship Island, Mississippi ansetzten. Trotz niedrigen Materialeinsatzes und geringer Schäden an den dortigen Befestigungen verschaffte diese Insel der US Navy Manöverraum und Zugang zu den beiden größten baumwollexportierenden Häfen der Welt, New Orleans, Louisiana und Mobile, Alabama.
Aus diesem Grund gab die Konföderation ihren Anspruch auf, ihre gesamte Küste zu verteidigen, und entsandte den späteren Kriegshelden Robert E. Lee nach South Carolina, um dort den Festungsbau an strategisch wichtigen Punkten der Küste zu inspizieren. In diesem Bundesstaat hatte am 7. Oktober Marinestreitkräfte der Union unter Samuel du Pont die Forts vor dem wichtigen Atlantikhafen von Port Royal, South Carolina.
Trotz dieser und ähnlicher Leistungen und nomineller Überlegenheit reichten die Schiffe der US Navy nicht aus, um 3.500 Meilen Küste und die zehn großen Seehäfen der Konföderation zu blockieren. Im ersten Jahr erreichten deswegen noch neun von zehn Blockadebrechern ihr Ziel.<ref name="ReferenceA">James M. McPherson: Für die Freiheit sterben, S.370</ref> Im Laufe des Jahres nahm die Effektivität der Blockade zu. Dazu trug nicht allein die wachsende Zahl an Schiffen, sondern auch die Erfahrung der Schiffskommandanten vor Ort bei, die ihre Taktiken in der direkten Konfrontation mit Blockadebrechern und Freibeutern verfeinerten, beispielsweise in der Bucht von Apalachicola, Florida.<ref>„The blockade gradually tightened, however, as the United States steadily added more ships to the effort. Union forces also replaced the original blockaders on the outskirts of Apalachicola with ships easier to maneuver and equipped with more firepower. Union navy officers also learned how to deploy smaller boats capable of moving around in the shallow bay while the large blockade ships remained on the perimeter.“, aus: Sharyn Kane und Richard Keeton: Fort Benning: The Land and The People, Kapitel 16. Fort Benning, 1998. Zugriff: 20. August 2008.</ref>
1862
Bereits im ersten Kriegswinter gelang es der US-Marine, die Effektivität der Blockade deutlich zu steigern, indem sie zahlreiche Häfen des Südens besetzte oder durch die Eroberung von wichtigen Forts blockierte. So eroberte die Navy Jacksonville und St. Augustine in Florida, Pensacola wurde von den Konföderierten geräumt. Die Zufahrt nach Savannah, Georgia, wurde den Blockadebrechern durch die Eroberung von Fort Pulaski verwehrt. Ein über Land vorgetragener Vorstoß gegen Charleston, South Carolina, scheiterte jedoch. Mehr Erfolg hatte dagegen ein Angriff auf New Orleans, Louisiana. Die bevölkerungsreichste Stadt des Südens kapitulierte am 28. April 1862 vor einer US-Flotte unter dem Befehl von David Glasgow Farragut, der hierfür zum ersten Konteradmiral der Marine ernannt wurde. Ein weiterer Hafen der Südstaaten fiel im Oktober mit Galveston, Texas, wurde jedoch bereits am Neujahrstag 1863 von einer gemischten Streitmacht der Konföderierten unter Generalmajor John Bankhead Magruder zurückerobert. Galveston blieb daraufhin bis Kriegsende in konföderierter Hand.
Um die Blockade zu durchbrechen, setzte der Süden auf neuartige Waffen und baute das Panzerschiff Virginia (gepanzerte Kanonenboote waren bereits zuvor von beiden Seiten eingesetzt worden, allerdings nur auf den Flüssen im Westen). Der Norden reagierte jedoch schnell und baute seinerseits nach dem Entwurf von John Ericsson das Panzerschiff Monitor. Am 8. März versenkte oder zerstörte die Virginia, die unter dem Befehl von Franklin Buchanan stand, am ersten Tag der Schlacht von Hampton Roads zwei hölzerne US-Schiffe und zeigte damit die Überlegenheit der neuen Panzerschiffe. Am folgenden Tag traf sie jedoch auf die Monitor. Das erste Gefecht zwischen gepanzerten Kriegsschiffen endete unentschieden, die Virginia zog sich schließlich zurück. Die von ihr ausgehende Gefahr war durch die Monitor neutralisiert worden. Die Virginia wurde im Mai von den Konföderierten zerstört, als sie aufgrund General McClellans Halbinsel-Feldzug ihren Heimathafen Norfolk verlor.
Auf dem offenen Meer wurde der Kaperkrieg der Südstaaten zunehmend erfolgreicher. Die Alabama mit britischer Besatzung unter Kapitän Raphael Semmes unter Südstaatenflagge brachte während ihrer gesamten Dienstzeit 64 US-Handelsschiffe auf <ref>James M. McPherson: Für die Freiheit sterben, S.538</ref> und wurde zum Schrecken der US-Handelsschifffahrt.
1863
1863 war Charleston, South Carolina der am meisten umkämpfte Hafen im Süden. Im Januar unternahmen die Südstaaten einen Angriff auf die Blockadeflotte, im April schlugen sie einen Angriff durch Panzerschiffe der Union zurück. Im Juli nahm die US-Marine auch an den Gefechten um Fort Wagner und Morris Island teil. Dabei bewiesen afroamerikanische Verbände ihre hohe Moral und Kampfkraft.
Die Unionsflotte suchte im Frühjahr nach Möglichkeiten, ihre Panzerschiffe zu testen. Dazu boten sich kleine Stützpunkte der Konföderierten an, die wenig Gegenwehr und minimale eigene Schäden erwarten ließen.
Die Konföderierten experimentierten weiter mit neuen Waffen. Ein Versuchs-Unterseeboot, die H. L. Hunley, sank jedoch zweimal im Hafen von Charleston. Eine weitere neu entwickelte Waffe der Konföderierten war die David. Das mit einem Spierentorpedo ausgerüstete Boot attackierte im Oktober das US-Panzerschiff New Ironsides in den Gewässern vor Charleston und beschädigte es schwer.
In Texas wehrten die Konföderierten eine Expedition der US-Marine auf Sabine Pass ab. Der Union gelang in Florida die Zerstörung einiger Frachtschiffe der Konföderation.
Auf dem offenen Meer verbreiteten unterdessen die Kaperkreuzer der CS-Marine, vor allem die Alabama und die Florida, Angst und Schrecken unter den Schiffen der US-Handelsmarine. Die Tatsache, dass die Alabama und die Florida, gemeinsam mit anderen CS-Kaperkreuzern, in Großbritannien gebaut worden waren, führte nach dem Krieg zu diplomatischen Verwicklungen zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich (siehe Alabamafrage).
1864
Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen mit dem Versuchsunterseeboot Hunley gelang den Konföderierten im Februar 1864 der erste erfolgreiche U-Boot-Angriff der Geschichte. Die Hunley attackierte die USS Housatonic mit einem Spierentorpedo und versenkte sie. Das Unterseeboot wurde durch die Explosion jedoch auch beschädigt und sank ebenfalls. Im April stellten die Konföderierten das Panzerschiff Albemarle in Dienst, das wesentlich an der Rückeroberung von Plymouth, North Carolina, beteiligt war. Die Albemarle sicherte in der Folgezeit den Roanoke effektiv ab. Im Oktober führte Leutnant William B. Cushing einen Angriff mit Spierentorpedos auf die Albemarle und versenkte diese. Dadurch wurde es den US-Truppen möglich, Plymouth zurückzuerobern. In der Zwischenzeit war die Blockade immer effektiver geworden, und durch die fortschreitende Besetzung südstaatlicher Häfen gingen den Blockadebrechern die Anlaufmöglichkeiten aus.
Einer der wenigen verbliebenen Häfen der Südstaaten war Mobile, Alabama. Die Stadt wurde von Seeseite her durch torpedoes genannte Seeminen, mehrere Forts und eine kleine Flottille verteidigt. Im August 1864 attackierte eine US-Flotte unter Admiral Farragut die konföderierten Schiffe und Befestigungen; gleichzeitig ging eine Landstreitmacht unter General Gordon Granger gegen die konföderierten Forts vor. Die Schlacht in der Mobile Bay wurde zu einem großen Sieg der Nordstaaten: Die Forts Morgan und Gaines am Eingang der Bucht wurden von Landtruppen besetzt, und die Schiffe der konföderierten Flottille in der Bucht, darunter das Panzerschiff Tennessee, wurden allesamt versenkt, erbeutet oder zur Flucht gezwungen. Der Kommandeur der konföderierten Schiffe, Admiral Franklin Buchanan, wurde verwundet und gefangengenommen. Mobile selbst blieb zwar bis April 1865 in konföderierter Hand, war aber von nun an blockiert. Farragut wurde für seine Verdienste zum neu geschaffenen Rang des Vizeadmirals befördert.
Der einzige verbliebene Hafen an der Ostküste der Konföderation war Wilmington, North Carolina. Geschützt wurden Stadt und Hafen durch Fort Fisher. Dieses wurde im Dezember durch See- und Landstreitkräfte der Nordstaaten angegriffen, konnte sich aber verteidigen.
Auf offener See gelangen der US-Marine mehrere Erfolge gegen konföderierte Kaperfahrer: Am 19. Juni versenkte die Fregatte USS Kearsarge die gefürchtete CSS Alabama vor Cherbourg, und die CSS Florida wurde am 7. Oktober in den Gewässern von Bahia, Brasilien, von der USS Wachusett erobert. Die Angriffe konföderierter Kreuzer gingen dennoch weiter: Im August 1864 griff die CSS Tallahassee nordstaatliche Handelsschiffe an, und am 19. Oktober stellten die Konföderierten die in Großbritannien gebauten CSS Shenandoah in Dienst.
1865
Gegen Kriegsende war die Blockade so effektiv, dass nur noch eins von zwei Schiffen sein Ziel erreichte.<ref name="ReferenceA"/> Anfang Januar 1865 ging außerdem ein amphibisches Expeditionskorps erneut gegen Fort Fisher vor, das dieses Mal erobert wurde. Wilmington, der letzte Hafen an der Ostküste der Südstaaten, war damit ebenfalls blockiert und wurde einen Monat später auch von den Nordstaaten besetzt. Vier Tage vor Wilmington, am 18. Februar 1865, war auch das lang umkämpfte Charleston im Zuge von Shermans Carolina-Feldzug geräumt worden. Die letzte amphibische Operation des Krieges führten die Unionsstreitkräfte im Panhandle Floridas am St. Marks am 6. März durch. Galveston in Texas fiel mit der Kapitulation von E. Kirby Smith am 2. Juni.
Auf dem offenen Meer machte die CSS Shenandoah jedoch noch weiter Jagd auf Handelsschiffe der Union. Das Schiff unter dem Kommando von James I. Waddell attackierte im Sommer die US-Walfangflotte im Pazifik und feuerte dabei die letzten Schüsse des Krieges ab. Von einem britischen Schiff erfuhr Waddell im August von der Kapitulation der Konföderierten. Er entschied, nach England zu fahren. In Liverpool senkte die Shenandoah als letztes Schiff der Konföderierten am 6. November 1865 ihre Flagge und gab auf.
Auf dem Mississippi kam es kurz nach dem Ende der Feindseligkeiten zur bis heute schwersten Schiffskatastrophe in der Geschichte der US-Seefahrt: Der mit ausgetauschten US-Gefangenen überladene Raddampfer Sultana ging am 27. April infolge einer Explosion seiner Kessel unter. Schätzungsweise 1.700 Menschen kamen dabei um. Es konnte nie geklärt werden, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelte.
Durch den vier Jahre langen Krieg und ihre anspruchsvolle Blockaderolle war die US-Marine enorm angewachsen, sodass sie gegen Ende des Krieges rund 670 Kriegsschiffe umfasste. Die US Navy galt damit als stärkste Seemacht der Welt.<ref>Bernd G. Längin: Der amerikanische Bürgerkrieg,S: 253</ref>
Literatur
- Bernd G. Längin: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Eine Chronik in Bildern – Tag für Tag. Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-900-8, auch Weltbild Verlag, Augsburg 1998.
- Edward J. Marolda: By Sea, Air and Land. United States Government Printing Office: Washington 1994, ISBN 0-16-061331-0
- James M. McPherson: Für die Freiheit sterben. Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges, List Verlag Berlin, ISBN 3-471-78178-1, auch Weltbild Verlag, Augsburg 2000, englisches Original Battle Cry of Freedom. The Civil War Era, New York: Oxford University Press, 1988, ISBN 0-19-503863-0.
Weblinks
- Kriege und Konflikte in der Marinegeschichte der Vereinigten Staaten (englisch)
- Dates in American Naval History (englisch)
- Christopher Hitchens: To The Shores Of Tripoli, TIME, 5. Juli 2004 (englisch)
- Chronologie der United States Navy bis 1812 (englisch)
- Naval History and Heritage Command: Officers of the Navy of the United States and of the Marine Corps, 1775 to 1900, (englisch)
Einzelnachweise
<references />