Pierre Eyquem de Montaigne
Pierre Eyquem, segneur de Montaigne Heinrich Graetz: Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1890, Band 8, S. 472-482.</ref><ref>So wird ein Moses und Meir Paçagon aus Villanueva de Sigena in Aragon den mütterlichen Vorfahren zugesprochen. Er ließ sich taufen oder wurde zwangsgetauft und nahm den Namen „Lopez de Villanueva“ an. Aus dem aragonesischen Namen wurde dann die französische Form „Louppes de Villeneuve“.</ref> Auch die Familienmitglieder der de Louppes de Villeneuve kamen ähnlich wie die der Eyquem zu lokalem Reichtum und Wohlstand. So brachte Antoinette de Louppes de Villeneuve 4000 Livres als Mitgift mit in die Ehe.<ref>Richard Friedenthal: Entdecker des Ich. Montaigne, Pascal, Diderot. P. Piper, München 1969, S. 24</ref>
Das Paar hatte folgende Kinder:
- Michel Eyquem de Montaigne (1533–1592)
- Jeanne Eyquem de Montaigne (* 1536)
- Thomas Eyquem de Montaigne (1537–1597)
- Léonor Eyquem de Montaigne (* 1552)
- Marie Eyquem de Montaigne (* 1554)
- Bertrand Charles Eyquem de Montaigne (1560–1620).
Für seine Kinder ersann er unkonventionelle Erziehungsmethoden. Besonders sein ältester Sohn Michel de Montaigne wurde damit bedacht. So überlassen die Eltern ihre Kinder, wie bei wohlhabenden Familien üblich, einer Amme, aber anders als gewohnt gab man ihn gänzlich außer Haus, zur Abhärtung wurde er einfachen Landleuten in einem nahe gelegenen Weiler, hameau in Richtung Montpeyroux namens Papessus gegeben.<ref>Collectif: Montaigne. Éditions Slatkine, Paris / Genéve 2002, S. 39 in books.google</ref><ref>Yves Louagie: Montaigne de lettres et de pierres. S. 16, online (PDF; 10,28 MB)</ref>. So waren seine ersten gesprochenen Worte das Gaskognische, eine Unterart des Okzitanischen.
Später dann im Château de Montaigne wurde Michel de Montaigne zuerst von einem Précepteur, dem deutschen Arzt Horstanus, unterrichtet, der mit ihm ausschließlich auf Latein sprach. Der Pierre Eyquem hielt aber auch die Hausangestellten dazu an, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, ausschließlich Lateinisch mit den Kindern zu sprechen. Erst mit etwa sechs Jahren, von 1539 bis 1546 besuchte Michel de Montaigne in Bordeaux das Collège de Guyenne. Michel de Montaigne hatte, wie aus Schilderungen in seinen Essais zu entnehmen ist, zu seinem Vater eine innige Bindung.
Sein Vater wurde von Michel de Montaigne in den Essais als ein vom Wuchs eher kleiner, aber drahtig-muskulöser Mensch beschrieben, der ein gewisses Maß an Bildung besaß, Bücher las und auf ausdrücklichem Wunsch von Pierre Eyquem um das Jahr 1565 herum, den lateinischen Text des katalanischen Philosophen und Theologen Raimundus Sabundus Liber creaturarum sive de homine (1436) (deutsch Das Buch der Geschöpfe) ins Französische übersetzte.
Pierre Eyquem war etwa seit dem Jahr 1518 bei Militär damit konnte er letztlich die Anerkennung erlangen, die ihn in den Amtsadelstand, noblesse de robe erhob.<ref>Biographische Daten des Pierre Eyquem de Montaigne</ref> Er nahm am Ersten Krieg, Guerre de la Ligue de Cambrai Karl V. gegen den französischen König Franz I. in der Zeit von 1521 bis 1525 und auf dessen Italienfeldzug teil. Dort kam Pierre Eyquem auch mit den Ideen der Renaissance und des Humanismus in Berührung. Michel de Montaigne schildert in seinen Essais seinen Vater als ein körperlich bis ins Alter hinein vitalen und beweglichen Menschen.
Pierre Eyquem bekleidete mehrfach hohe Ämter in der Stadt Bordeaux. Zunächst war er ein Beigeordneter des Bürgermeisters, jurat um dann im Jahre 1530 zum Profos, prévôt des dortigen Ordnungswesens eingesetzt zu werden. Ab dem Jahr 1537 wurde er zum stellvertretenden Bürgermeister und ab dem Jahre 1554 zum Bürgermeister von Bordeaux bestimmt.
Erst Pierre Eyquem gelang es im Jahr 1554 als Bürgermeister von Bordeaux mit einer diplomatischen Aktion in Paris bei Heinrich II. und durch die Unterstützung von circa zwanzig großen Fässern, tonneau<ref>1 Tonneau = 912 Litern</ref> Bordeauxweins wichtige verlorene Stadtrechte zurückzugewinnen. Die Stadtrechte, so etwa die Berechtigung zur eigenen Gerichtsbarkeit, waren Bordeaux wegen der Revolte am 17. bis zum 22. August 1548 gegen die Salzsteuer, gabelle entzogen worden.
Ähnlich seinem Sohn litt Pierre Eyquem wahrscheinlich an einem Nierensteinleiden und starb möglicherweise an einer Urosepsis.
Literatur
- Histoire des maires de Bordeaux. Les Dossiers d'Aquitaine, 2008, ISBN 2-84622-171-5, S. 144
Weblinks
- Familiensitz der Familie Eyquem de Montaigne in Bordeaux; Lithographie (1813) von Charles de Vèze
- Yves Louagie: Montaigne de lettres et de pierres. amisdemontaigne.fr, S. 28–36 (PDF; 10,2MB)
Einzelnachweise
<references />
Personendaten | |
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NAME | Montaigne, Pierre Eyquem de |
ALTERNATIVNAMEN | Montaigne, Pierre Eyquem sieur de (vollständiger Name); Eiquèm, Pèir |
KURZBESCHREIBUNG | Bürgermeister von Bordeaux, Vater von Michel de Montaigne |
GEBURTSDATUM | 29. September 1495 |
GEBURTSORT | Schloss Montaigne |
STERBEDATUM | 18. Juni 1568 |
STERBEORT | Bordeaux |