Luftseilbahn


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Datei:Wallbergseilbahn.jpg
Gondelbahn am Wallberg mit Tegernsee im Hintergrund

Eine Luftseilbahn, auch Seilschwebebahn, ist eine Seilbahn, deren Fahrbetriebsmittel (Kabinen, Gondeln, Sessel, Materialkörbe, Kübel, Loren, Hunte, Seilrutschen) ohne feste Führungen von einem oder mehreren Seilen – in der Regel Drahtseilen – getragen in der Luft hängend bewegt werden. Sie kann zur Beförderung von Personen, Tieren oder Gütern dienen.

Typenbezeichnungen

Datei:Kulltaubane.jpg
Materialseilbahn mit Loren
Datei:Skyway over Dolphin Nursery.jpg
Die Gondeln einer Gruppenbahn begegnen einander auf halber Strecke

Zu den Luftseilbahnen werden zum Beispiel im Österreichischen Seilbahngesetz<ref>Österreichisches Bundesgesetz über Seilbahnen (Seilbahngesetz 2003 – SeilbG 2003)</ref> folgende Typen gezählt:

  • Pendelseilbahnen, dabei werden deren Fahrbetriebsmittel ohne Wechsel der Fahrbahnseite zwischen den Stationen bewegt;
  • Umlaufseilbahnen, deren Fahrbetriebsmittel auf beiden Fahrbahnseiten umlaufend bewegt werden. Dazu gehören
    • Kabinenseilbahnen, auch Gondelbahnen genannt, deren allseits geschlossene Fahrbetriebsmittel mit dem Seil betrieblich lösbar oder nicht lösbar verbunden sind;
    • Kombibahnen, bei diesen werden in abwechselnder Reihenfolge geschlossene Kabinen/Gondeln und offene Liftsessel als Fahrbetriebsmittel eingereiht;
    • Sesselbahnen, das sind Seilschwebebahnen, deren nicht allseits geschlossene Fahrbetriebsmittel mit dem Seil betrieblich lösbar verbunden sind;
    • Sessellifte, deren nicht allseits geschlossene Fahrbetriebsmittel mit dem Förderseil betrieblich nicht lösbar verbunden sind.

Eine eigene Kategorie bilden die

  • Kombilifte, Anlagen, die im Winter als Schlepplift betrieben werden und im Sommer als Sesselbahn.

Zwar vom SeilbG erfasst, aber keine Luftseilbahnen sind naturgemäß die auf dem Boden fahrenden

  • Schlepplifte, kuppelbar und fixgeklemmte Anlagen zum Transport für Wintersportler mit angeschnalltem Wintersportgerät, für 2 oder 1 Person, selten auch für mehr;
  • Schlepplifte mit niedriger Seilführung zum Anhalten am Seil oder an Bügeln.

Gesondert behandelt werden

Vom österreichischen Seilbahngesetz nicht erwähnt werden

  • Korblifte, die am Förderseil fixgeklemmte Stehkörbe zur Beförderung von Passagieren haben – in Italien früher weit verbreitet

Das Österreichische Seilbahngesetz definiert die im allgemeinen Sprachgebrauch als 'Umlaufbahn' bezeichneten Anlagen 'Umlaufseilbahn' und die als Pendelbahn bezeichneten Anlagen 'Pendelseilbahn'.<ref>* vgl. § 2 im Österreichischen Bundesgesetz über Seilbahnen (Seilbahngesetz 2003 – SeilbG 2003)</ref>

Folgende Typenbezeichnungen sind ebenfalls in Gebrauch

  • 2S-Bahn, die moderne Form einer Zweiseil-Gondelbahn (ein Tragseil, ein Zugseil);
  • 3S-Bahn, eine Dreiseil-Gondelbahn; (zwei Tragseile, ein Zugseil)
  • Gruppenbahnen (Gruppenumlaufbahnen und Gruppenpendelbahnen), dabei werden zwei bis fünf Kabinen in knappem Abstand voneinander an das Zugseil oder Förderseil geklemmt.
  • Funitel, eine Gondelbahn mit einem als Doppelschleife verlegten Förderseil, bei dem in jeder Richtung zwei Stränge in die gleiche Richtung laufen, so dass die Kabinen mit sehr kurzen Gehängen an zwei weit auseinanderliegenden Förderseilen kuppelbar geklemmt sind;
  • Funifor, eine einspurige Pendelbahn mit zwei weit auseinanderliegenden Tragseilen und einem in einer Doppelschleife verlegten, endlos gespleißten Zugseil.

Für die Anzahl der Seile, die zur Bezeichnung einer Seilbahn führt, sind unterschiedliche Zählsysteme in Gebrauch. Während sich der Sprachgebrauch weitgehend durchgesetzt hat, die Zahl der Förder-, Zug- und Tragseile pro „Fahrbahn“ (also pro Fahrtrichtung) zu addieren (eine Dreiseilbahn beispielsweise weist zwei Tragseile und ein Zugseil auf, das Funitel mit einer parallel geführten Seilschleife ist demgemäß eine Zweiseilbahn) werden mitunter nur die „systembestimmenden Funktionen der Seile“ beispielsweise „tragen und ziehen“ gezählt.<ref>Artur Doppelmayr: Denkanstösse zur Funktionserfüllung von Einseilumlaufbahnen – Projektierung, Konstruktion und Betrieb im Sicherheitsregelkreissystem, basierend auf der Analyse von Vorfällen, ISBN 3-9500815-1-8, Kapitel 2.2.2 Einteilung der Seilbahnen nach Seilarten (online einsehbar als MS Word-Datei, 3,7 MB), zuletzt abgerufen August 2013.</ref> Ein Funitel wird dann „Doppeleinseilumlaufbahn“ genannt, eine Zweiseilbahn als „Seilschwebebahn bei dem </ref> Nach einem Notstopp einer Seilbahn wird vorsorglich gewartet, bis sich eventuelle Schwingungen beruhigt haben, bevor die Anlage wieder in Bewegung gesetzt wird.

Auftreten können dabei:

  • Pendelungen der Fahrzeuge oder Schwingungen der Seile quer zu Fahrtrichtung (meist infolge von Seitenwind),
  • Pendelungen in Fahrtrichtung (durch Beschleunigung oder Verzögerung der Seilgeschwindigkeit oder bei Stützenüberfahrten)
  • senkrechte Schwingungen (die Trag- oder Förderseile schwingen samt den angehängten Fahrzeugen auf und ab)
  • und infolgedessen Mischungen und Überlagerungen von Pendelungen und Schwingungen in alle Richtungen,
  • sowie longitudinal weitergeleitete Schwingungen der Trag-, Zug- oder Förderseile.
Datei:Sheeve cable catcher and brittle bar P1402 annotated.png
Bruchstabschalter („Brittle Bar“) und Seilfangschuhe („Cable Catchers“) sowie Hohlkehlrollen („Sheaves“) an einer Rollenbatterie
Seilentgleisungen

Während senkrechte Schwingungen zu einem Abheben der Seile von den Stützen führen können und auch Insassen aus den Liftsesseln geschleudert werden können,<ref name="Das Buch" /> führen Pendelbewegungen ans Seil gekuppelter Fahrzeuge quer zur Fahrtrichtung zum Verdrehen des Seils (Torsion), wodurch das laufende Seil aus den Stützenrollen herausgedreht werden kann. Zur Vermeidung solcher Unfälle werden Messeinrichtungen (Seillagenüberwachung) installiert, die das Herausdrehen und auch aussermittigen Seillauf signalisieren und die Fahrgeschwindigkeit verlangsamen oder die Anlage stoppen;<ref name="Seillage" /> ebenso schaltet bei einer Seilentgleisung ein Bruchstabschalter den Antrieb ab.

Wegen der damit verbundenen Gefahren ist deshalb absichtliches Wippen und Schaukeln in Sesseln von Sesselbahnen und -liften verboten, um ein Entgleisen des Seils oder das Anschlagen der Sessel an Stützen hintanzuhalten.

Seilfangschuhe an den Stützen sollen verhindern, dass das Seil bei einer Seilentgleisung mitsamt den Fahrbetriebsmitteln auf den Boden fällt. Bei Starkwind werden Seilbahnen außer Betrieb gesetzt, Einseilbahnen können bis zu einer Seitenwind-Geschwindigkeit von ca. 60 km/h, Mehrseilbahnen mit parallel nebeneinander liegenden Trag- oder Förderseilen bis zu einer Seitenwind-Geschwindigkeit von ca. 100 km/h betrieben werden.

Zugseilüberschlag

Bei Zweiseil-Pendelbahnen kann es durch starke Seilschwingungen zu einem Zugseilüberschlag kommen, dabei übersteigt das Zugseil durch dynamische Einflüsse das Tragseil und legt sich über dieses. Da dieser Zustand bei laufender Anlage zur Zerstörung der Seile führt, muss ein solcher Überschlag zuverlässig erkannt und die Bahn umgehend zum Stillstand gebracht werden.

Seilrisse

Seilrisse infolge von Materialermüdung traten vor allem in den Anfangstagen des Seilbahnwesens (vor dem ersten Weltkrieg) auf. Durch Untersuchung der Schadensursachen wurden nach und nach die zugrunde liegenden Fehler erkannt, neue Konstruktionen gefunden und vorsorgliche Sicherheitsvorschriften erlassen. Beispielsweise waren damals die Seile zu wenig gespannt. Die sich ergebenden großen Seildurchhänge bewirkten kleine Seilradien bei den Tragseilschuhen der Stützen und starke Seilbiegungen und Biegebeanspruchungen unter einem Laufwerk beim Darüberfahren. Dies führte zu vermehrten Drahtbrüchen und Seilrissen. Der Südtiroler Seilbahnkonstrukteur Luis Zuegg steuerte dem mit erhöhten Seilgrundspannungen entgegen. Anfangs wurde auch nicht erkannt, dass fixe Klemmen zu einer Biegebeanspruchung führen, wenn das Seil umgelenkt wird. Dies ist der Grund für die Betriebsvorschrift, dass fixe Klemmen in regelmäßigen Abständen entlang des Seils zu versetzen sind.<ref>Peter Sedivy (Lektor): Vorlesungsunterlagen "Seilbahnbau" am Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich intelligente Verkehrssysteme der Universität Innsbruck, Sommersemester 2012, S. 25 (pdf-Datei; 6,8 MB), zuletzt abgerufen August 2013.</ref>

Mittels Zug- und Tragseilen verkehrende Pendelbahnkabinen sind meist mit Fangbremsen ausgestattet, die bei einem Zugseilriss durch Schlaffseilerkennung die Bremsung vollautomatisch einleiten. Dabei wirken vorgespannte Bremszangen direkt auf die Tragseile und verhindern ein unkontrolliertes zu Tale rasen der Kabinen.

Blitzeinschläge

Problematisch können Blitzeinschläge sein, die Seile oder andere Bauteile von Seilbahnen beschädigen können (siehe dazu Blitzschutz bei Seilbahnen). Vor Gewittern werden die meisten Seilbahnanlagen außer Betrieb gesetzt und zur Verhinderung von Schäden die Seile zusätzlich geerdet. Die Drahtseile werden regelmäßig visuell überprüft. Bei Tragseilen findet diese Kontrolle von einem Fahrzeug aus statt, Zug- und Förderseile werden beim Stationseinlauf geprüft. Zudem werden mit Verfahren der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung wie die magnetinduktive Methode die Seile regelmäßig überprüft.

Datei:Tyrolean.crossing.evacuation3.jpg
Das Seilbahnprinzip kann auch zur Bergung von Personen eingesetzt werden (Seilrutsche)
Bergung

Bei Störungen mit länger dauernder oder nicht absehbarer Betriebsunterbrechung werden die in den Fahrzeugen auf der Strecke gefangenen Passagiere von Luftseilbahnen von dahingehend geschulten Rettungskräften bisher vor allem

  • mithilfe von Bergegerätschaften (Drehleiter, Hubsteiger, Teleskopmast) vom Boden aus
  • mit Bergegondeln (mit gesondertem Antrieb auf den Trag- oder Förderseilen fahrende Fahrzeuge, zu denen über einen Notsteg umgestiegen werden kann)
  • durch Abseilen ins Gelände
  • oder Seilbergung mittels Hubschrauber

geborgen.

Ausgearbeitete Bergungskonzepte oder bei manchen Anlagetypen zusätzliche Räumungskonzepte (Fahrt aller Fahrzeuge in die nächste Station auch bei Ausfall des Hauptantriebs) sind die Voraussetzungen zur Erlangung einer Seilbahn-Betriebsbewilligung.<ref>Internationale Seilbahnrundschau - Nejez, Josef und Luger, Peter Räumungskonzept statt Bergungskonzept</ref>

Geschwindigkeit

Kuppelbare Gondelbahnen werden aktuell mit einer Maximalgeschwindigkeit von bis zu 6 m/s (rund 25 km/h) betrieben, Sesselbahnen mit 5 m/s (rund 18 km/h).<ref>Technische Universität Graz: Vorlesungsunterlagen Seilbahnbau des Institutes für Eisenbahnwesen u. Verkehrswirtschaft, 2011 (PDF), S. 132.</ref> Abkuppelbare Fahrbetriebsmittel wie Gondeln oder Sessel werden innerhalb der Stationen meist mithilfe von Reifenförderern beschleunigt und abgebremst, dazu müssen die Stationen die entsprechende Länge aufweisen. Das sichere Einkuppeln auf schneller laufende Seile ist derzeit noch nicht technisch möglich.

Pendelbahnen können mit einer Maximalgeschwindigkeit von 12,5 m/s (rund 45 km/h) fahren.<ref>Technische Universität Graz: Vorlesungsunterlagen Seilbahnbau des Institutes für Eisenbahnwesen u. Verkehrswirtschaft, 2011 (PDF), S. 115.</ref> Sie beschleunigen und bremsen außerhalb der Stationen, dadurch sind kurze kompakte Stationen möglich und die Fahrzeuge können höhere Geschwindigkeiten erreichen, allerdings muss maßvoll beschleunigt und verzögert werden, um ein Pendeln der Gondeln in Fahrtrichtung zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund muss fallweise die Geschwindigkeit bei Stützenüberfahrten vermindert werden.

Gruppenbahnen fahren mit einer Maximalgeschwindigkeit von 7 m/s (rund 25 km/h).<ref>Technische Universität Graz: Vorlesungsunterlagen Seilbahnbau des Institutes für Eisenbahnwesen u. Verkehrswirtschaft, 2011 (PDF), S. 143.</ref>

Technisch beschränkende Faktoren der Fahrgeschwindigkeit sind unter anderem

  • allgemein das Schwingungsverhalten der Seilfelder und Fahrzeuge bei Wind, Notbremsungen und bei Stützenüberfahrten.
  • bei kuppelbaren Seilbahnen die Gewährleistung eines sicheren An- und Abkuppelvorganges an das umlaufende Seil und die dazu nötige Länge der Beschleunigungs- und Verzögerungstrecken sowie die Verhinderung von Entgleisungen bei Stützrollen,
  • bei fix gekuppelten Umlaufseilbahnen die Ermöglichung eines geordneten, komfortablen und sicheren Ein- und Ausstiegs, da in den Stationen die Fahrzeuge nicht verlangsamt werden, sondern sich diese mit unverminderter Umlaufgeschwindigkeit des Förderseiles (Ausnahme: Gruppenumlaufbahnen) weiterbewegen; ferner das seitliche Ausschwingen der Fahrzeuge oder Schleppgehänge durch den Fliehkrafteinfluß beim Umfahren der Stations-Seilscheiben.

Lärmquellen

Die schraubenförmig strukturierte Oberfläche eines Stahlseils, die aufgrund der Verseilung aus einzelnen Litzen entsteht, ergibt beim Lauf auf den Seilrollen Schwingungen im Hörbereich (litzeninduzierte Schwingungen), die sich entlang der Seile fortsetzen und von als Hohlkasten ausgebildeten Stützenschäften als Resonanzkörper verstärkt werden können.<ref>Georg A. Kopanakis: Schwingungen bei Seilbahnen (4. Teil), Internationale Seilbahnrundschau, Ausgabe 5/2010, S. 24, PDF-Datei</ref>

Bei Bahnen mit Seilklemmen entstehen entlang der Strecke Geräusche, wenn diese Seilklemmen Rollenbatterien der Stützen – insbesondere bei Niederhalter- oder Wechsellaststützen – passieren. Durch den Stoß, wenn die Klemmbacken bei der Durchfahrt mit den Rollen in Kontakt kommen, kann die Struktur der Stütze in Schwingungen versetzt werden.<ref>Georg A. Kopanakis: Schwingungen bei Seilbahnen (1. Teil), Internationale Seilbahnrundschau, Ausgabe 3/2010, S. 10 f., PDF-Datei</ref>

Geschichte

Alte japanische Darstellungen und ein 1411 erschienenes Werk von Johannes Hartlieb zeigen verschiedene Arten, an Seilen hängende Körbe oder Personen über eine Schlucht zu ziehen.<ref name="Erfind">G. Dieterich: Die Erfindung der Drahtseilbahnen. Verlag Hermann Zieger, Leipzig 1908 (auf archive)</ref><ref name="Draht">P. Stephan, Die Drahtseilbahnen, 2. Auflage. Verlag von Julius Springer, Berlin, 1914 (auf archive)</ref>

Aus Südamerika wurde von einer seit etwa 1563 existierenden Seilbahn über eine Schlucht auf dem Weg von Mérida nach Bogotá berichtet, die aus einem mit einer Rolle an einem Tragseil hängenden Korb und einem Zugseil bestand, an dem sich die Korbinsassen selbst auf die andere Seite ziehen konnten. Sie soll noch Ende des 19. Jahrhunderts betrieben worden sein.<ref name="Erfind" />

Der Universalgelehrte Faustus Verantius stellte 1615 in seinem Werk Machinae novae eine Anlage dar, bei der ein mit zwei Rollen an einem festen Tragseil hängender und an einem Zugseil befestigter Kasten über einen Fluss bewegt wird, indem die in dem Kasten sitzenden Personen selbst an dem umlaufenden Zugseil ziehen.<ref name="Draht" />

1644 baute Adam Wybe (Wiebe) in Danzig die erste nachweisbare Materialseilbahn zum Transport von Baumaterial vom Bischofsberg über den Fluss Radaune hinweg zur Baustelle der Bastion Berg, bei der rund hundert Eimer an einer langen, umlaufenden Schiffsleine befestigt waren, die von sieben Stangenkonstruktionen gestützt und von Pferden in einem Göpelwerk angetrieben wurde.<ref>Adam Wijbe (Wiebe) Artikel mit Darstellung der Seilbahn</ref> Diese Seilbahn erregte zwar große Aufmerksamkeit weit über Danzig hinaus und wurde von Jacob Leupold in seiner Theatrum machinarum hydrotechnicarum erwähnt, geriet aber dennoch in Vergessenheit.<ref name="Erfind" />

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Materialseilbahn beim Bau des Leuchtturms bei Beachy Head, England

Das Drahtseil wurde zwar 1834 durch den Bergrat Julius Albert in Clausthal erfunden, fand jahrelang aber nur im Bergbau Anwendung. Die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gebauten Drahtriesen, mit denen man Holzstämme an einem Draht aus unzugänglichen Berghängen ungebremst ins Tal gleiten ließ, können kaum als Seilbahn angesehen werden.<ref name="Draht" /> Eine 1861 von Freiherr von Dücker erstellte Seilbahn war nicht erfolgreich.<ref name="Erfind" /> 1868 baute G.W. Cypher im Minengebiet von Colorado eine durch Schwerkraft bewegte Pendelbahn. Der Engländer Hodgson nahm 1868 die erste Einseil-Umlaufbahn als Materialseilbahn in Betrieb, die er als englisches System weiterentwickelte und mehrfach einsetzte. Etwa zur gleichen Zeit wurde in Schaffhausen eine einfache, 100 m lange Seilbahn für zwei Personen mit vier Tragseilen und einem handkurbelgetriebenen Zugseil zu dem kaum zugänglichen Turbinenhaus am linken Rheinufer gebaut, aber bald durch einen eisernen Fußsteg ersetzt.<ref name="Erfind" /><ref>Diese Seilbahn wird fälschlicherweise häufig als Seilbahn über den Rheinfall bezeichnet.</ref> 1872 baute Adolf Bleichert seine erste, von einem gesonderten Zugseil bewegte Bahn in Teutschenthal. Die stetige, methodische Weiterentwicklung dieses deutschen Systems brachte den Drahtseilbahnen der Adolf Bleichert & Co. weltweite Erfolge. Sie waren für den Transport von Rohstoffen wie z.B. Erzen und Kohle oder Baumstämmen bestimmt, aber bald wurden auch Personen befördert. So hatte die 1905 in Betrieb genommene Materialseilbahn Chilecito-La Mejicana bereits eine viersitzige geschlossene Personengondel mit Fenstern und einer von Hand zu öffnenden Tür.

1894 wurde nur zur „Industrie- und Handwerksausstellung Mailand“ eine 160 m lange Personenseilbahn zwischen zwei 25 m hohen (mit elektrischen Aufzügen befahrbaren) Türmen gezeigt,<ref>Geschichte Mailands,(italienisch) abgerufen am 3. Dezember 2011.</ref> sie wurde von den Ingenieuren Giulio Ceretti und Vincenzo Tanfani errichtet.<ref>Seilbahngeschichte (Memento vom 5. November 2010 im Internet Archive), abgerufen am 3. Dezember 2011.</ref> Die gleichnamige Fabrik Ceretti Tanfani baute 1937 die mit rund 75 km damals längste Materialseilbahn, die Massaua-Asmara-Seilbahn und baut noch heute Seilbahnen in Italien.<ref>Ceretti Tanfani Website (englisch), abgerufen am 3. Dezember 2011.</ref>

Nachdem Leonardo Torres Quevedo (1852–1936) schon 1885 eine Luftseilbahn mit Göpelantrieb zur Erschließung seines Hauses gebaut hatte, eröffnete er 1907 in San Sebastián (Monte Ulia) die erste Seilbahn allein für den Personentransport, eine Breitspur-Winden-Luftseilbahn mit einer 14-plätzigen Kabine, sechs Tragseilen und einer pneumatischen Fangbremse, die jedoch nur eine kurze Lebensdauer hatte und im August 1912 eingestellt wurde.<ref>Bild des Transbordador de Ulia (Memento vom 22. August 2014 im Internet Archive), abgerufen am 28. November 2015</ref><ref>Geschichte der Luftseilbahn vom Monte Ulía laut diariovasco.com</ref> 1916 wurde sein ähnlich konstruierter Whirlpool Aero Car eröffnet, der die Whirlpool Rapids im Niagara River überquert und nach wie vor existiert.

1908 wurde in Zwölfmalgreien bei Bozen die erste öffentliche Personen-Luftseilbahn Mitteleuropas eröffnet, die Kohlerer Bahn. Die heutige Bahn auf den Kohlern ist allerdings ein Neubau, von der Originalbahn existiert ein Nachbau der Kabine, die in der Nähe der Bergstation ausgestellt ist. Im gleichen Jahr ging auch der Wetterhorn-Aufzug bei Grindelwald, Schweiz, in Betrieb. Diese Anlage wurde nach dem Ersten Weltkrieg wieder abgebrochen.

Datei:Nordströms linbanor plattform Göteborg 1923.jpg
Seilbahn bei der Jubiläumsausstellung in Göteborg 1923

Nach dem Ersten Weltkrieg verlagerte sich der Schwerpunkt auf Luftseilbahnen zur Personenbeförderung, insbesondere seit Adolf Bleichert & Co. 1924 ein Lizenzvertrag mit dem Südtiroler Ingenieur und Unternehmer Luis Zuegg abgeschlossen und zum System „Bleichert-Zuegg“ für Seilschwebebahnen entwickelt hatte, das weltweite Beachtung fand. Die ältesten Personen-Luftseilbahnen in Deutschland sind die Fichtelberg-Schwebebahn von Oberwiesenthal auf den Fichtelberg, die am 28. Dezember 1924 ihren Betrieb aufnahm, gefolgt 1926 von der Kreuzeckbahn in Garmisch-Partenkirchen. In den folgenden Jahren wurden mit den Personenseilbahnen markante Aussichtspunkte in den Alpen erschlossen. Die erste Personenseilbahn der Welt nach dem Umlaufprinzip war die Schauinslandbahn, die am 17. Juli 1930 in Betrieb genommen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Verbreitung des Skisports wurde eine möglichst hohe Beförderungsleistung immer bedeutender, was zur Ausbreitung großer Gondelbahnen und Sesselbahnen mit inzwischen bis zu 8 Sitzen führte. Im Zuge des globalen Tourismus gewannen reine Besichtigungsbahnen wie z.B. die Skyrail Rainforest Cableway in Australien oder die Ngong Ping 360 in Hongkong immer größere Bedeutung. Auch im Öffentlichen Personennahverkehr hielten Luftseilbahnen Einzug.

In den 1990er Jahren kam es zu einer starken Konzentration unter den Seilbahnbauern. Heute wird der Weltmarkt von den Unternehmen Doppelmayr/Garaventa, Leitner AG und Poma beherrscht. Details siehe Seilbahn#Hersteller (Auswahl).

Verwendung und Einsatz von Luftseilbahnen

Seilbahn Transportkapazität
Personen pro Stunde [ P/h ]
Quelle
Dreiseilumlaufbahn 3.000 bis 5.000 <ref name="Seeber2">Anton Seeber: The Renaissance of the Cableway – Innovative Urban Solutions from Leitner Technologies / Innovative städtische Personentransportsysteme von Leitner Technologies / Innovativi sistemi di trasporto urbano di Leitner Technologies. ISBN 978-88-6069-006-7. (englisch / deutsch / italienisch) (Textauszug ca. 2 MB)</ref>
Zweiseilumlaufbahn 3.000 bis 5.000 <ref name="Seeber2" />
Einseilumlaufbahn 3.000 bis 4.000 <ref name="Seeber2" />
Pendelbahnen 1 2.800 <ref name="Seeber2" />
Gruppenpendelbahn 1 600 <ref name="Seeber2" />
Gruppenumlaufbahn 1 400 <ref name="Seeber2" />
1 Bei allen Anlagen im Pendelbetrieb, seien es Standseilbahnen, Pendelbahnen, Gruppenbahnen, Schrägaufzüge oder Aufzüge, ist die Beförderungsleistung von der Streckenlänge abhängig.

Seilbahnen zur Personenbeförderung werden als Sportbahn, Zubringerbahn, Nahverkehrsmittel oder Besichtigungsbahn, zur Güterbeförderung etwa als Materialbahn oder Versorgungsbahn verwendet.<ref>Günthner, Willibald A.: Seilbahntechnik (Vorlesungsskript) (Memento vom 20. März 2013 im Internet Archive) S. 1–1.</ref>

Datei:Köln-Blick-zur-Riehler-Aue-nach-Norden.JPG
Die Seilbahn über den Rhein in Köln ist ein Beispiel für eine flußüberquerende Seilbahn

Luftseilbahnen finden dort Verwendung, wo Orte mit Lage in schwieriger Topographie (Gebirge, Schluchten, Geländeeinschnitte, unwegsames Gelände oder auch an Gewässern) auf kürzestem Weg – auch mit größeren Höhenunterschieden – verkehrsmäßig erschlossen werden sollen oder wenn ein größeres Aufkommen an Personen oder Lasten zwischen zwei festen Punkten – in flachem Gelände oder auch über Steigungen bergauf oder bergab – befördert werden soll. Beispielsweise dient die Autoseilbahn Bratislava dazu, neu gebaute VW-Automobile von der Montagehalle zur Teststrecke zu transportieren, wobei unter anderem eine Eisenbahnlinie überquert wird.

Beispiele für Luftseilbahnen als Ersatz für Brücken: Fuldaseilbahn Beiseförth, Roosevelt Island Tramway in New York, Mississippi Aerial River Transit, Seilbahn über die Themse (London).

Viele Seilbahnen dienen primär dazu, Touristen, Sportausübende (Wintersportler, Gleitschirmflieger, etc.), Wanderer oder Erholungsuchende in ein Sportgebiet, Erholungsgebiet oder zu einer touristischen Attraktion (Bergspitze, Bergrestaurant, Höhle, Aussichtspunkt, Museum u.a.m.) zu transportieren. Die Art der einzusetzenden Luftseilbahn wird dabei unter anderem von der erforderlichen Beförderungsleistung, den Besonderheiten der Trasse und den örtlichen Windverhältnissen bestimmt.

Beispiele für Seilbahnen zu vorwiegend touristischen Anziehungspunkten sind die Seilbahn auf den Tafelberg, auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro, die Masadabahn in Israel, die Palm Springs Aerial Tramway, die Sandia Peak Tramway, die Mount Roberts Tramway, die Elka Seilbahn oder die TelefériQo in Quito oder die Seilbahn zur Bastille von Grenoble. Große Gondelbahnen überspannen weite Strecken wie z.B. die Skyrail Rainforest Cableway, der Genting Skyway oder die Ngong Ping 360.

Luftseilbahnen werden auch errichtet, um Besuchern eines Vergnügungsparks, eines Zoos, einer Gartenbauausstellung oder Weltausstellung einen Überblick über das Gelände zu verschaffen oder dem Besucher das oft weitläufige Veranstaltungsareal bequemer zu erschließen; in manchen Fällen auch, um geteilte Ausstellungsgelände miteinander zu verbinden. Beispiele: Die Hafenseilbahn Barcelona, die Rheinseilbahnen in Köln oder Koblenz oder die Seilbahn im Zoo von San Diego. Für den Einsatz als transportables Fahrgeschäft auf Volksfesten hingegen sind Luftseilbahnen ungeeignet.

Datei:Materialseilbahn.jpg
Typische Materialseilbahn älterer Bauart im alpinen Gelände (Zillergrund, Tirol)

Eine Materialseilbahn ist eine Seilbahn, die Güter (Versorgungsgüter, Gepäck, Schüttgut, abgebaute Bodenschätze, forst- und landwirtschaftliche Erzeugnisse) befördert oder den Materialfluss in großen Betrieben bewerkstelligt. Sofern es die Betriebsbewilligung erlaubt, können auch Personen transportiert werden.

(Lawinen-) Sprengseilbahnen, Kameraseilbahnen und sonstige auf Seilzügen basierende Geräte transportieren keine Fahrzeuge und werden ebenso wie Aufzugsanlagen, Hebezüge und Schiffshebewerke nicht zu den (Material-)Seilbahnen gezählt.

Datei:Palm Springs Tram Car Interior 05.05.2007.jpg
Fahrgastraum einer Gondel mit sich drehendem Kabinenboden

Seilbahnen, die Personen transportieren, sind – sofern es sich nicht um militärische oder private Anlagen handelt – Teil des Öffentlichen Verkehrs.

Seilbahnen werden vermehrt zur Grundversorgung im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (als innerörtliches Massenverkehrsmittel) eingesetzt oder im Linienverkehr mit der Peripherie. Beispielsweise um Orte in Höhenlagen ans Tal anzubinden. Beispiele die Seilbahn Riddes–Isérables in der Schweiz, die Seilbahn Jenesien von Bozen nach Jenesien, die Rittner Seilbahn von Bozen nach Oberbozen, die Seilbahn Albino–Selvino in Italien, das Vinpearl Cable Car in Nha Trang, Vietnam, die den Küstenort mit einer 3,1 Kilometer entfernten Insel im Meer verbindet.

Hauptartikel: Seilbahnen im ÖPNV

Es werden auch Trassierungen mit nur geringen Höhenunterschieden zur Überquerung von Gewässern, Schluchten oder sonstiger Hindernisse (wie etwa bei der Seilbahn über eine Schlucht in Constantine, Algerien)<ref>Seilbahnen: Der Erde entschweben. auf: sueddeutsche.de Seilbahn über eine Schlucht</ref> oder zur Vermeidung langer Fahrten mit anderen Verkehrsmitteln ausgeführt.

Beispiele für innerstädtische Seilbahnen: die Seilbahnen von Algier, die Portland Aerial Tram, die Linien J und K der Metrocable im Rahmen der Metro de Medellín oder die Metrocable von Caracas, der (1994 wieder abgebaute) Mississippi Aerial River Transit in New Orleans, die beiden Pendelbahnen in Chongqing, China über den Jangtsekiang und den Jialing oder die Wolga-Seilbahn Nischni Nowgorod.

Rekorde

Datei:Buga 2011 Koblenz - Rheinseilbahn 07-2010.jpg
Die Rheinseilbahn in Koblenz (bezüglich Förderkapazität die leistungsfähigste Seilbahn), Stand 2011

Siehe dazu auch Vergleich herausragender Luftseilbahnen.

Fremdsprachige Bezeichnungen und Abkürzungen

Der Begriff 'cable car' bezeichnet im britischen Englisch generell Luftseilbahnen aber im amerikanischen Englisch Kabelstraßenbahnen. Berühmt sind die Cable Cars von San Francisco. Amerikanisch werden Luftseilbahnen 'gondola' (für Gondelbahn) oder 'aerial tram' (für Pendelbahn) differenziert bezeichnet, eine Standseilbahn ist im gesamten englischen Sprachraum 'funicular railway' oder gekürzt 'funicular'.

Folgende Abkürzungen für Luftseilbahnen werden von den Herstellern und in den Medien häufig verwendet:

de Deutsch en Englisch fr Französisch
PB (P) Pendelbahn ATW (AT) Aerial Tramway TPH Téléphérique
EUB Gondelbahn, Einseilumlaufbahn MGD Monocable gondola detachable TCD Télécabine débrayable
ZUB Gondelbahn, Zweiseilumlaufbahn BGD Bicable gondola detachable 2S Téléphérique débrayable
3S 3S-Bahn TGD Tricable gondola detachable 3S Téléphérique 3S
GUB Einseil-Gruppenumlaufbahn MGFP Monocable gondola fixed grip pulsed TCP Télécabine pulsée
GPB Einseil-Gruppenpendelbahn MGFJ Monocable gondola fixed grip jigback ?  ?
Zweiseil-Gruppenumlaufbahn BGFP Bicable gondola fixed grip pulsed TBP Téléphérique bicâble pulsé
SB Sesselbahn fix geklemmt CLF Chairlift fixed grip TSF Télésiège à pince fixe
KSB kuppelbare Sesselbahn CLD Chairlift detachable TSD Télésiège débrayable
Kombibahn (Sessel + Gondel) CGD Chairlift gondola detachable TMX Télé(cabine) mixte
FU Funitel FT Funitel Funitel
Funifor FUF Funifor Funifor
Materialseilbahn RPC Ropeway conveyor
SL Schlepplift (auch: Skilift) Surface lift TS Téléski

Zahlen vor der Abkürzung geben die Anzahl der Personen an, die in einer Gondel oder einem Sessel transportiert werden können.

Häufig wird durch ein nachgestelltes B (englisch für bubble) angegeben, dass die Sessel Wetterschutzhauben besitzen oder die Sessel in klappbare Gondeln (Eier) integriert sind. Ein nachgestelltes SV steht für automatisch schließende Bügel, welche häufig in Liften verbaut sind, die stark von Kindern und Skischulen frequentiert werden.

Folglich bedeutet 6-CLD/B-SV, dass es sich um einen kuppelbaren Sessellift für sechs Personen pro Betriebsmittel handelt, der über Wetterschutzhauben und automatische Schließbügel verfügt.

Modellbau

Luftseilbahnen (sowohl Pendelbahnen als auch kuppelbare Gondelbahnen, Sesselbahnen, Kabinen und Stationsbastelbögen) werden auch im Modellbau angeboten.

Trivia

Der französische Seilbahnkonstrukteur Denis Creissels (Konstrukteur) baute eine Seilbahn, deren Kabinen unter Wasser fuhren. Mit dem 1967 in Marseille realisierten Téléscaphe de Callelongue konnten Touristen auf einer 500 m langen Strecke zehn Minuten lang 10 m tief untertauchen und die Unterwasserwelt betrachten. Die Anlage war nur ein Jahr in Betrieb.<ref>Underwater cable car – Télßescaphe de Callelongue – Marseille, France</ref>

In Äkäslompolo (Finnland) fährt eine Gondelbahn, bei der eine der 54 Kabinen als Sauna­kabine eingerichtet ist.<ref>Heiße gondel bei zeit.de</ref>

Seilbahnhersteller (Auswahl)

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons Commons: Luftseilbahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Fachbegriffe Seilbahnen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />