Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft (RMEL) war von 1919 bis 1945 eine oberste Reichsbehörde während der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Dem Ministerium oblagen die landwirtschaftspolitischen Angelegenheiten des Deutschen Reiches. Es wurde von einem Reichsminister geleitet, dem wiederum ein Staatssekretär unterstand. Am 1. Januar 1935<ref>Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preussischen Geschichte. Bd. 2. Berlin / New York 1992, S. 603, ISBN 3-11-008322-1.</ref> wurde das Ministerium mit dem 1879 gegründeten Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten („Preußisches Landwirtschaftsministerium“) zusammengelegt und erhielt bis 1938 die Bezeichnung „Reichs- und preußisches Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft“.<ref name="Tauber284">Joachim Tauber u. a. (Hrsg.): Archivführer zur Geschichte des Memelgebiets und der deutsch-litauischen Beziehungen. Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57902-9, S. 284.</ref> Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde 1949 für die Bundesrepublik das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der Nachfolger.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Im März 1919 entstand aus dem Reichsernährungsamt zunächst das „Reichsministerium für Ernährung“. Dieses wurde im September 1919 mit dem Reichswirtschaftsministerium vereinigt und während des Kapp-Putsches im März 1920 unter der Bezeichnung „Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft“ neugegründet. Noch im selben Jahr bezog das Ministerium das Palais der Prinzen Alexander und Georg an der Wilhelmstraße 72 in Berlin.<ref name="KalbeZuckermann22">Riki Kalbe, Moshe Zuckermann: Ein Grundstück in Mitte. Das Gelände des künftigen Holocaust-Mahnmals in Wort und Bild. Göttingen 2000, S. 22, ISBN 3-89244-400-5.</ref>
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 stand das Ministerium zunächst unter der Leitung von Alfred Hugenberg. Nach seinem erzwungenen Rücktritt im Juni 1933 wurden Kurt Schmitt (Reichswirtschaftsminister) und Walther Darré (Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft) seine Nachfolger.<ref>Hans Kehrl: Krisenmanager im Dritten Reich. Mit kritischen Anmerkungen und einem Nachwort von Erwin Viefhaus. Düsseldorf 1973, S. 49 ff.</ref> Letzterer übernahm am 30. Juni 1933 als „Reichsbauernführer“ die Leitung des Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft,<ref>Horst Gies: NSDAP und landwirtschaftliche Organisationen in der Endphase der Weimarer Republik. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 15. Jg., 1967, Heft 4, S. 375.</ref> wobei ihm in dieser Funktion ebenso der zur Gleichschaltung der Landwirtschaft geschaffene Reichsnährstand unterstand. In Personalunion leitete Darré gleichsam das zum Behördenapparat der Partei gehörende Amt für Agrarpolitik (ab 1936 „Reichsamt für Agrarpolitik“; ab 1942 „Reichsamt für das Landvolk“), dem die Führung und die Betreuung des Reichsnährstandes oblag.<ref>Rudolf Kluge, Heinrich Krüger: Verfassung und Verwaltung im Großdeutschen Reich. Reichsbürgerkunde. 2., neubearb. Aufl., Berlin 1939, S. 196.</ref> Das RMEL übernahm gleichsam die Staatsaufsicht über die Organisation des Reichsnährstandes.<ref>Horst Gies: Die Rolle des Reichsnährstandes im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. In: Gerhard Hirschfeld, Lothar Kettenacker (Hrsg.): Der „Führerstaat“. Studien zur Struktur und Politik des Dritten Reiches (= Veröffentlichung des Deutschen Historischen Instituts London. Band 8). Stuttgart 1981, ISBN 3-12-915350-0, S. 274.</ref> In der Folge wurden nach und nach einzelne Aufgabengebiete an andere NS-Behörden übertragen. So entstand 1934 durch Ausgründung aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft das unter die Führung von Hermann Göring gestellte Reichsforstamt als oberste Reichsbehörde für Forst- und Jagdwesen, Holzwirtschaft, Naturschutz und Naturdenkmalpflege.<ref name="Tauber 286f">Joachim Tauber u. a. (Hrsg.): Archivführer zur Geschichte des Memelgebiets und der deutsch-litauischen Beziehungen. Oldenbourg, München 2006, S. 286 f. Görings Reichsforstamt wurde wiederum am 1. Januar 1935 mit dem preußischen Reichsforstamt vereinigt, vgl. Joachim Radkau u. a. (Hrsg.): Naturschutz und Nationalsozialismus. Frankfurt a.M. / New York 2003, ISBN 3-593-37354-8, S. 88 f., Anm. 52.</ref> Ferner wurden in den Jahren 1934 und 1935 das landwirtschaftliche Berufs- und Fachschulwesen in das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und die Veterinärmedizin in das Reichsministerium des Innern ausgegliedert.<ref name="Tauber284" /> Am 22. September 1938 folgte zudem per Erlass des Reichsministers eine Zusammenfassung aller Forschungsinstitute aus dem Fischereibereich durch die Gründung der Reichsanstalt für Fischerei.<ref name="Tauber 286f" />
Reichsminister
Name | Amtsantritt | Ende der Amtszeit | Partei | Kabinett |
---|---|---|---|---|
Robert Schmidt | 13. Februar 1919 | 26. März 1920 | SPD | Scheidemann, Bauer |
Andreas Hermes | 27. März 1920 | 10. März 1922 | Zentrum | Müller I, Fehrenbach, Wirth I, Wirth II |
Anton Fehr | 31. März 1922 | 21. November 1922 | BBB | Wirth II |
Karl Müller | 22. November 1922 | 25. November 1922 | Zentrum | Cuno |
Hans Luther | 1. Dezember 1922 | 4. Oktober 1923 | Parteilos | Cuno, Stresemann I |
Gerhard Graf von Kanitz | 6. Oktober 1923 | 5. Dezember 1925 | Parteilos | Stresemann II, Marx I, Marx II, Luther I |
Heinrich Haslinde | 20. Januar 1926 | 17. Dezember 1926 | Zentrum | Luther II, Marx III |
Martin Schiele | 28. Januar 1927 | 12. Juni 1928 | DNVP | Marx IV |
Hermann Dietrich | 28. Juni 1928 | 27. März 1930 | DDP | Müller II |
Martin Schiele | 30. März 1930 | 30. Mai 1932 | DNVP/CNBL1 | Brüning I, Brüning II |
Magnus Freiherr von Braun | 1. Juni 1932 | 28. Januar 1933 | DNVP | Papen, Schleicher |
Alfred Hugenberg | 30. Januar 1933 | 29. Juni 1933 | DNVP | Hitler |
Richard Walther Darré | 30. Juni 1933 | 23. Mai 1942 | NSDAP | Hitler |
Herbert Backe | 23. Mai 19422 | 23. Mai 1945 | NSDAP | Hitler, Goebbels, Schwerin von Kosigk |
Staatssekretäre
Name | Amtsantritt | Ende der Amtszeit | Partei |
---|---|---|---|
Ludwig Huber1 | 1920 | 1922 | Parteilos |
Carl Heinrici | 1922 | 1923 | Parteilos |
Fred Hagedorn | 1923 | 1926 | Parteilos |
Erich Hoffmann | 1926 | 1929 | Parteilos |
Hermann Heukamp | 1929 | 1932 | Parteilos |
Fritz Mussehl | 1932 | 1933 | Parteilos |
Hansjoachim von Rohr | 1933 | 1933 | DNVP |
Herbert Backe | 1933 | 1944 | NSDAP |
Werner Willikens | 1934 | 1945 | NSDAP |
Hans-Joachim Riecke | 1943 | 1945 | NSDAP |
Literatur
- Götz Aly: Das Reichsministerium für Ernährung. In: Berliner Zeitung, 21. November 1997 (Fortsetzung S. 12)
Weblinks
- Andreas Dornheim: Rasse, Raum und Autarkie. Sachverständigengutachten zur Rolle des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in der NS-Zeit. (PDF) Erarbeitet für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Bamberg 2011.
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 52° 30′ 54,9″ N, 13° 22′ 52″ O{{#coordinates:52,51525|13,38111|primary
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Weimarer Republik: Robert Schmidt | Andreas Hermes | Anton Fehr | Karl Müller | Hans Luther | Gerhard Graf von Kanitz | Heinrich Haslinde | Martin Schiele | Hermann Dietrich | Martin Schiele | Magnus Freiherr von Braun
Zeit des Nationalsozialismus: Alfred Hugenberg | Richard Walther Darré | Herbert Backe