Vinylacetat
Strukturformel | |||||||||||||||||
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Struktur von Vinylacetat | |||||||||||||||||
Allgemeines | |||||||||||||||||
Name | Vinylacetat | ||||||||||||||||
Andere Namen |
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Summenformel | C4H6O2 | ||||||||||||||||
CAS-Nummer | 108-05-4 | ||||||||||||||||
PubChem | 7904 | ||||||||||||||||
Kurzbeschreibung |
farblose, lichtempfindliche, leichtentzündliche Flüssigkeit mit süßlichem Geruch<ref name="GESTIS" /> | ||||||||||||||||
Eigenschaften | |||||||||||||||||
Molare Masse | 86,09 g·mol−1 | ||||||||||||||||
Aggregatzustand |
flüssig | ||||||||||||||||
Dichte |
0,93 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu CAS-Nr. 1948-33-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 7. Oktober 2015 (JavaScript erforderlich).</ref> | ||||||||||||||||
Schmelzpunkt |
−110,2 °C<ref name="GESTIS" /> | ||||||||||||||||
Siedepunkt |
72 °C<ref name="GESTIS" /> | ||||||||||||||||
Dampfdruck |
120 hPa (20 °C)<ref name="GESTIS" /> | ||||||||||||||||
Löslichkeit |
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Brechungsindex |
1,3956<ref name="celanese"/> | ||||||||||||||||
Sicherheitshinweise | |||||||||||||||||
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MAK |
Schweiz: 10 ml·m−3 bzw. 35 mg·m−3<ref>SUVA: Grenzwerte am Arbeitsplatz 2015 – MAK-Werte, BAT-Werte, Grenzwerte für physikalische Einwirkungen, abgerufen am 2. November 2015.</ref> | ||||||||||||||||
Toxikologische Daten |
2920 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)<ref name="Leitfaden">Leitfaden zur sicheren Handhabung von Vinylacetat</ref> | ||||||||||||||||
Thermodynamische Eigenschaften | |||||||||||||||||
ΔHf0 |
−349,2 kJ·mol−1<ref name="CRC90_5_25">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-25.</ref> | ||||||||||||||||
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C |
Vinylacetat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Carbonsäureester. Sie liegt in Form einer farblosen Flüssigkeit mit süßlichem Geruch vor. Vinylacetat ist lichtempfindlich, es neigt dann dazu, spontan zu polymerisieren.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Das monomere Vinylacetat wurde erstmals 1912 von Fritz Klatte bei Griesheim-Elektron dargestellt.<ref>Datenblatt bei Kremer Pigmente</ref>
Gewinnung und Darstellung
Vinylacetat kann durch Reaktion von Ethen und Essigsäure mit Sauerstoff in Anwesenheit eines Palladium-Katalysators (z. B. in einem kontinuierlichen, homogenen Gasphasenprozess) nach dem Wacker-Verfahren hergestellt werden. Die Jahresnachfrage nach Vinylacetat beträgt in den Vereinigten Staaten ungefähr 1,14 Mio. Tonnen (Stand 2005).<ref name="Leitfaden" />
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
Vinylacetat hat eine Viskosität von 0,43 mPa · s bei 20 °C, eine spezifische Wärmekapazität von 1,926 kJ/(kg · K) bei 20 °C, eine Verdampfungswärme von 379,3 kJ/kg, eine Polymerisationswärme von 1035,8 kJ/kg (bei 76,8 °C), eine Verbrennungswärme 2082,9 kJ/mol bei 25 °C.<ref name="celanese">Datenblatt bei Celanese Chemicals.</ref> Die Dämpfe von Vinylacetat sind 2,98-mal schwerer als Luft. Mit Wasser bildet Vinylacetat ein Azeotrop, welches unter Normaldruck bei 66 °C siedet und 92,7 % Vinylacetat enthält.<ref name="celanese" />
Chemische Eigenschaften
Vinylacetat polymerisiert sehr leicht unter dem Einfluss von verschiedenen Aktivatoren, z. B. Licht oder Peroxiden, sowie auch thermisch bei Erwärmung. Die Polymerisationswärme beträgt −88 kJ·mol−1 bzw. –1020 kJ·kg−1.<ref>Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie, Merkblatt R 008 Polyreaktionen und polymerisationsfähige Systeme, Ausgabe 05/2015, ISBN 978-3-86825-069-5.</ref> Als ein ungesättigter Ester sind eine Reihe von Additions- und Umesterungsreaktionen möglich.
Verwendung
Vinylacetat ist ein Monomer und wird überwiegend zur Herstellung von Polyvinylacetat und in geringem Umfang Vinylacetat-Copolymeren (wie Ethylenvinylacetaten oder Ethylen-Vinylalkohol-Copolymeren) und Polyvinylalkohol verwendet. Diese Polymere finden in Form von flüssigen Dispersionen, Dispersionspulver, Festharzen und Lösungen ihre Anwendung, insbesondere als Bindemittel im Bau-, Farben-, und Lacksektor und als Rohstoff für die Klebstoff-, Papier- und Textilindustrie.<ref name=Lechner>M. D. Lechner, K. Gehrke und E. H. Nordmeier: Makromolekulare Chemie, 4. Auflage, Birkhäuser Verlag, 2010, S. 53, S. 58 u. S. S. 63, ISBN 978-3-7643-8890-4.</ref>
Sicherheitshinweise
Vinylacetat ist als krebserzeugend nach EG-Kategorie 3 (Stoffe die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben) eingestuft. An der Luft kann Vinylacetat leicht explosive Peroxide bilden, was durch Zugabe von Stabilisatoren (z. B. Hydrochinon oder Methylhydrochinon in einer Konzentration von 3 bis 20 ppm) unterdrückt wird.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />