Xatar


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Datei:Xatar Frankfurter Buchmesse by Leander Wattig.jpg
Xatar auf der Frankfurter Buchmesse (2015)
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Nr. 415
  DE 19 11.05.2012 (2 Wo.) <ref>Meinrap.de: Xatar und Alpa Gun charten in den Top 20. Abgerufen am 7. Mai 2012.</ref>
  AT 52 11.05.2012 (1 Wo.)
  CH 23 13.05.2012 (2 Wo.)
Baba aller Babas
  DE 1 08.05.2015 (5 Wo.)
  AT 3 15.05.2015 (2 Wo.)
  CH 3 10.05.2015 (4 Wo.)
Singles
Original
  DE 86 06.03.2015 (1 Wo.)

Xatar [ˈχatar], bürgerlicher Name Giwar Hajabi (* 24. Dezember 1981 in Kūh-e Qalā‘, Kordestān), ist ein deutscher Rapper und Produzent kurdischer Abstammung. Sein Künstlername „Xatar“ (Aussprache Chatar) leitet sich vom kurdischen Wort „Xatar“ ab, das Gefahr bedeutet.

Leben und Karriere

Xatar wurde 1981 als Sohn einer bürgerlichen kurdischen Familie im westiranischen Dorf Kūh-e Qalā‘ (kurdisch: Qalue) bei Saqqez (kurdisch: Seqiz) als Giwar Hajabi geboren. Sein Vater, Eghbal Hajabi, war Komponist<ref>02.09.1990 Egbal Hajabi: Kurdische Sinfonie (Uraufführung)</ref> und seine Mutter Schullehrerin. Seine Eltern flüchteten 1979, ein paar Jahre nach der Revolution im Iran, in den Irak. In dieser Zeit brach der Erste Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran aus. Nach den Übergriffen des Regimes Saddam Husseins auf die kurdische Minderheit im Irak wurden auch seine Eltern gefoltert und kamen in Haft. Mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes gelangte seine Familie als Asylbewerber nach Bonn. Dort lebte sie in einem Hochhaus am Rande der Stadt.<ref name="xatar">Christiane Florin: Ich will nicht weg von hier (Memento vom 31. Oktober 2010 im Internet Archive). Porträt über Xatar und seine Familiengeschichte In: Rheinischer Merkur, Bonn, 21. Oktober 2010</ref>

Giwar besuchte eine katholische Grundschule in Bonn. Mit neun Jahren bekam er regelmäßig Klavierunterricht. Außerdem spielte er in seiner Freizeit oft Basketball. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium bis zur elften Klasse. Er spielte auch in der Schulmannschaft des Gymnasiums und trainierte bei den Telekom Baskets Bonn. 1993 kam er über Dr. Dres Album The Chronic zum ersten Mal mit Hip-Hop in Kontakt.

1995 verließ sein Vater die Familie. Giwar blieb mit seiner Schwester zusammen bei seiner Mutter.<ref name="xatar" /> Nach der Trennung der Eltern zogen Giwar, seine Mutter und Schwester in den Stadtteil Brüser Berg, wo Giwar seine Jugendzeit verbrachte und Mitglied der Bande Brüser Berger Assis war. Die Mutter arbeitete als Kinderpflegerin, um den Klavierunterricht für Giwar und seine Schwester zu bezahlen. 1999 begann Giwar zusammen mit seinen späteren Labelkollegen Maestro, Samy und SSIO zu rappen und Beats zu produzieren. 2005 eröffnete seine Mutter ein Internetcafé in Brüser Berg. Beim Betrieb des Internetcafés unterstützte er seine Mutter. 2007 veröffentlichte er seine ersten Tracks Bonn Brüser Berg und zusammen mit Samy und SSIOLilane. Anfang 2008 gründete er das Label Alles oder Nix Records, zu dem noch die Rapper SSIO und Kalim, die Rapperin Schwesta Ewa, der Sänger Samy sowie die Produzenten Maestro und REAF gehören.<ref name="xatar" /><ref name="xatar1">laut.de: Biografie über Xatar, abgerufen 11. Februar 2010</ref> 2012 nahm Xatar die Rapper Kalim und Schwesta Ewa sowie den Sänger Aram Kaya unter Vertrag.

Im August 2008 wirkte Xatar neben Bintia und Ali As als „Rapcoach“ bei der RTL-2-Show Der Bluff mit. Darin sollte der Rapper einen Literaturstudenten in die Rolle eines glaubwürdigen Gangsterrappers bringen. Die Medienresonanz auf die Fernsehsendung fiel sehr negativ aus.<ref name="xatar5">Quotenmeter.de: RTL II-Show «Der Bluff»: Es geht noch schlechter, abgerufen 11. Februar 2010</ref><ref name="xatar6">Christoph Cadenbach: Erst Goethe, dann Gangsta in Spiegel Online, abgerufen 11. Februar 2010</ref>

Im November 2008 veröffentlichte Xatar sein erstes Soloalbum Alles oder nix über sein Independent-Label Alles oder nix Records, den Vertrieb übernahm Groove Attack. Auf dem Album sind Gastauftritte von Rappern wie Azad und Bero Bass. Des Weiteren veröffentlichte er drei dazugehörige Videoclips über Los Banditos Films. Er gab Konzerte mit anderen Rappern wie Azad, Joe Rilla oder Massiv und trat oftmals im Kölner Streetcinema Fight Night oder in der Rheinkultur auf. Im Juni 2009 gab Xatar ein 30-minütiges Interview bei Kurdistan TV.<ref name="xatar1" />

Im August 2011 erschien der Sampler AGB 2010 – Allgemeine Geschäftsbedingungen während Xatar und Samy in Untersuchungshaft saßen. Dieses wurde hauptsächlich vom Produzenten Maestro produziert. Auf dem Sampler sind Gastauftritte von Rappern wie Haftbefehl und Manuellsen.

Anfang 2012 fand zu Xatars vermutlich bekanntestem Song Interpol.com, aus seinem Album Nr. 415, eine Videoauskopplung statt. Im Video treten viele deutsche Rapper auf, um ihre Solidarität zu Xatar zu zeigen. Im Refrain des Tracks kann man Zeilen einiger Lieder der befreundeten Rapper Massiv und Fard hören.

Am 20. April 2012 erschien dann das Album Nr. 415. Es landete auf Platz 19 der Deutschen Albumcharts. Features waren unter anderem Farid Bang, Nate57, Celo & Abdi, Capo, Eko Fresh, Haftbefehl, Bero Bass, sowie die Labelkollegen SSIO, Kalim und Schwesta Ewa. Produziert wurde es von Maestro, der auch das gesamte Album abgemischt hat, sowie von REAF, M3 und Mete Makkat.

Xatar besitzt die deutsche und die iranische Staatsangehörigkeit. Er spricht neben Kurdisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch, auch Arabisch.

Seinen größten Erfolg feierte Xatar mit seinem im Mai 2015 erschienenen Album Baba Aller Babas, welches auf Platz 1 der Offiziellen Deutschen Charts gelangte. Am 12. Oktober 2015 veröffentlichte er über den riva Verlag seine offizielle Biografie Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir.

Musikalischer Stil

Xatars Musik ist dem Gangsta-Rap zuzuordnen, der nach der Bundesprüfstelle den „Randbereich einer Subkultur, basierend auf gewalthaltigem und frauenfeindlichem Hip-Hop, darstellt.<ref>Bundesprüfstelle.de Thema Hip-Hop-Musik, Seite 6 ff (Memento vom 13. Juni 2010 im Internet Archive) (PDF; 733 kB)</ref> Er rappt in leicht bönnschem Dialekt. Inhaltlich dreht sich ein Großteil seiner Lieder um das Leben auf der „Straße“. Außerdem rappt Xatar über Drogenhandel, Nachtleben, Prostituierte und Waffengewalt. Die beschriebenen schwierigen Lebensumstände in den sozialen Brennpunkten Bonns werden durch den harten Vortrag des Rappers noch verstärkt.

Kontroverse

Aufenthalt in London

Von 2005 bis 2007 wurde Xatar wegen Verdachts auf Drogenhandel per Haftbefehl gesucht. Er lebte während dieser Zeit bei Verwandten in London und studierte an der London Metropolitan University International Business und Music Business.<ref name="xatar1" /><ref name="xatar4">rap.de: Interview mit Xatar: "Die Raps von Eazy E waren scheiße" (Memento vom 6. Januar 2010 im Internet Archive), abgerufen 11. Februar 2010</ref> Zur Finanzierung des Studiums gründete er zusammen mit seinem Cousin eine Sicherheitsfirma, die Türsteher für Kasinos und Clubs vermittelte. Der Haftbefehl wurde 2007 wieder aufgehoben. Xatar kehrte anschließend nach Deutschland zurück und gründete 2008 sein Label Alles oder nix Records.<ref name="xatar1" />

Körperverletzung in Bonn-Bad Godesberg

Im Juni 2007 schlug Xatar einen Barkeeper vor dessen Cocktailbar in Bonn-Bad Godesberg nieder, nachdem dieser in einer Kölner Disco einen Freund Xatars beleidigt hatte. Xatar wurde vom Amtsgericht Bonn zu einer Geldstrafe in Höhe von 3750 Euro verurteilt.<ref name="xatar14">D. Bickmann: Barkeeper verprügelt: Rapper Xatar (26) als Schläger verknackt in Express, abgerufen 13. Februar 2010</ref>

Körperverletzung in Los Angeles

Im September 2009 wurden Xatar, Sido und Harris von einem Getränkehersteller nach Los Angeles in die Playboy Mansion eingeladen, dem Anwesen des Playboy-Gründers Hugh Hefner. Dort soll Xatar versehentlich seinen Drink auf das Kleid einer Dame verschüttet haben. Sie soll ihm daraufhin ins Gesicht geschlagen haben. Anschließend soll Xatar ihr die Nase gebrochen haben. Er wurde verhaftet und ins L.A. Pacific County Jail eingeliefert. Gegen eine Kaution von 50.000 US-Dollar wurde er freigelassen.<ref name="xatar1" /><ref name="xatar7">Tobias Kargoll: Xatar in Los Angeles inhaftiert, abgerufen 11. Februar 2010</ref>

Haftstrafe aufgrund eines Überfalls auf einen Goldtransporter

Anfang Mai 2010 wurde Xatar im Irak festgenommen und nach Deutschland abgeschoben. Am 14. Juli 2010 wurde durch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Anklage gegen Xatar erhoben. Ihm und fünf weiteren Tatverdächtigen wurde vorgeworfen, im Dezember 2009 auf der A 81 bei Ludwigsburg einen Goldtransporter überfallen zu haben. Die Gruppe habe dabei Gold im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro erbeutet. Donald Stellwag wurde verdächtigt, sich als Informant wegen Tatbeteiligung beim „Goldraub“ strafbar gemacht zu haben. Ihm wurde vorgeworfen, einen Mitarbeiter des Beraubten ausgehorcht und dann Insiderwissen an die Täter weitergegeben zu haben.<ref>Rap.de: Anklage gegen Xatar erhoben (Memento vom 22. Juli 2010 im Internet Archive)</ref> Der Prozess gegen Xatar und die fünf anderen Angeklagten begann am 27. Oktober 2010 vor dem Stuttgarter Landgericht. Nachdem die große Strafkammer des Landgericht Stuttgarts in Aussicht gestellt hatte, im Falle eines Geständnisses die Haftstrafen auf sieben bis acht Jahre zu begrenzen, legte Xatar am 9. Mai 2011 ein umfassendes Geständnis ab. Er habe die Tat mit drei Mittätern begangen und dafür 25.000 Euro bekommen. Er belastete Donald Stellwag als Drahtzieher und Auftraggeber.<ref>Tilmann Grewe: Goldräuber legt Geständnis ab (Memento vom 11. Mai 2011 im Internet Archive) in Nordbayern.de/Nuernberger-Zeitung, abgerufen 10. Mai 2011</ref>

Für den Goldraub mussten vier Angeklagte für sieben bis acht Jahre in Haft. Mit seinem Urteil folgte das Gericht am 22. Dezember 2011 in weiten Teilen den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Xatar musste als Organisator für acht Jahre in Haft. Je ein halbes Jahr weniger bekamen ein 27-jähriger Mitorganisator, der am Überfall direkt nicht beteiligt war, und ein 26-Jähriger, der bei dem Raub nach Ansicht der Kammer in vorderer Reihe gestanden hat. Sieben Jahre Haft verhängte das Gericht über einen 28-Jährigen, der nach der Tat die Beute umgeladen haben soll.<ref>laut.de zum Urteil</ref>

Am 5. Dezember 2014 erfolgte Xatars frühzeitige Freilassung aus der JVA Rheinbach.<ref>Dene: Xatar Wieder Auf Freiem Fuß. In: 16Bars. 5. Dezember 2014. Abgerufen am 5. Dezember 2014.</ref>

Jugendgefährdung

Im Februar 2010 indizierte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien das Album Alles oder nix. Seit dem 26. Februar 2010 darf das Album nicht mehr beworben oder an Minderjährige verkauft werden. Nach Auffassung des Gremiums waren sieben Lieder des Albums jugendgefährdend, da sie verrohend wirken und zu Gewalttätigkeiten anreizen würden.<ref>Mediabiz.de: Bundesprüfstelle indiziert Xatar-Album, abgerufen 5. November 2010</ref>

Im September 2010 wurde auf WDR eine Dokumentation namens „Heldenkult am Stadtrand – Wie Gangster zum Vorbild werden“ veröffentlicht. In dieser Dokumentation ging es darum, wie Xatar Jugendliche in ihrer Denkweise und in ihrem Handeln beeinflussen konnte.<ref>Peter Schran: Heldenkult am Stadtrand - Wie Gangster zu Vorbildern werden (Memento vom 17. Februar 2013 im Webarchiv archive.is) in WDR, abgerufen 11. Januar 2013</ref>

Werke

  • Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir. München: Riva Verlag 2015. ISBN 978-3868837551

Diskografie

Alben
  • 2008: Alles oder nix (indiziert, Liste A)
  • 2012: Nr. 415
  • 2015: Baba aller Babas
Sampler
  • 2011: AGB 2010 – Allgemeine Geschäftsbedingungen
Single
  • 2008: § 31 (E-Single)
  • 2009: Kopf oder Zahl (E-Single; mit Manuellsen)
  • 2012: Interpol.com
  • 2015: Original
Freetracks
  • 2007: Bonn Brüser Berg
  • 2007: Lilane (mit Samy und SSIO)
  • 2007: Alles oder nix Snippet (mit Samy& SSIO)
  • 2008: Rache und Sex
  • 2008: Schachmatt (mit SSIO)
  • 2009: Was würdest du für Para machen? (mit SSIO)

Trivia

  • Xatar drehte seinen Videoclip der E-Single § 31 im Oberlandesgericht Köln. Im Videoclip droht er allen „Verrätern“ mit Blutrache und sein Labelkollege Samy überwältigt einen Polizisten, um an dessen Uniform zu kommen. Auch Xatars ehemaliger Anwalt Michael Hakner spielte in dem Videoclip mit.<ref>Dagmar Blesel, Rita Klein: Rapper drehte Drohvideo im Kölner Gericht in General-Anzeiger, abgerufen 19. November 2010</ref>

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons Commons: Xatar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien