Kernkraftwerk Krümmel


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Kernkraftwerk Krümmel
Kernkraftwerk Krümmel
Lage

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Koordinaten 10,408888888889|primary dim=1000 globe= name= region=DE-SH type=landmark
  }}
Land: Deutschland
Daten
Eigentümer: 50 % E.ON
50 % Vattenfall
Betreiber: Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co. oHG
Projektbeginn: 1972
Kommerzieller Betrieb: 28. März 1984
Stilllegung: 2011<ref>tagesschau.de: 2022 soll Schluss sein, 30. Mai 2011. (Memento vom 24. August 2011 im Internet Archive)</ref>

Aktive Reaktoren (Brutto):

0  (0<ref>Vattenfall Europe: Beschreibung des KKK (Vattenfall-Werbebroschüre) (PDF) gesehen 30. März 2011.</ref> MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1  (1402 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2009: 334,96 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 201.712,09 GWh
Website: Seite bei Vattenfall
Stand: 31. Dezember 2009
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Krümmel (Abk.: KKK, KKW Krümmel oder AKW Krümmel) war von 1984 bis 2011 als Kernkraftwerk mit einem Siedewasserreaktor in Betrieb. Es liegt südöstlich von Hamburg an der Elbe, direkt am Geesthachter Ortsteil Krümmel. Betreiber ist die Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co. oHG, die je zur Hälfte E.ON Kernkraft und Vattenfall Europe Nuclear Energy gehört. Die Betriebsführerschaft liegt bei Vattenfall.<ref name="vattenfall2">Vattenfall Europe Nuclear Energy: VENE Kernkraftwerke. (Memento vom 27. Juni 2010 auf WebCite) (PDF) gesehen 24. April 2010</ref>

Das KKK gehört der Baulinie 69 der Kraftwerk Union (KWU) an, ebenso wie die deutschen Kernkraftwerke Brunsbüttel, Philippsburg (Block 1) und Isar (Block 1) sowie das österreichische Kernkraftwerk Zwentendorf, das aber nach einer Volksabstimmung nie in Betrieb ging.<ref>ARD-Magazin „kontraste“ vom 15. Juli 2010: Atomkraft – Laufzeitverlängerung trotz Sicherheitsdefiziten, taz 19. Mai 2010</ref>

Das KKK wurde am 28. März 1984 erstmals an das Stromnetz angeschlossen. Aufgrund eines Transformatorenbrands am 28. Juni 2007 befand es sich bis zum 19. Juni 2009 nicht im Leistungsbetrieb. Nach weiteren Zwischenfällen innerhalb von zwei Wochen nach Wiederanfahren kam es am 4. Juli 2009 zu einer Reaktorschnellabschaltung aufgrund einer Störung in einem Maschinentransformator. Seither befand sich das Kernkraftwerk Krümmel im Stillstandsbetrieb;<ref>NDR: (Link nicht abrufbar), Die Welt online vom 20. März 2009.</ref><ref>[http://www.news-adhoc.com/notstromtransformator-nach-panne-im-akw-kruemmel-abgeschaltet-idna2009032023109/ ''Notstromtransformator nach Panne im AKW Krümmel abgeschaltet''] (Link nicht abrufbar) (Link nicht mehr abrufbar), News adhoc vom 20. März 2009.</ref>

23. Juni 2009: Ausfall einer elektronischen Baugruppe zum Reaktorschutz

Die Atomaufsicht hatte am 19. Juni 2009 das Wiederanfahren des Reaktors genehmigt. Vier Tage danach, am 23. Juni 2009, kam es zum nächsten meldepflichtigen Ereignis: Eine elektronische Baugruppe (von dreien insgesamt) zum zeitverzögerten Auslösen einer Reaktorschutzmaßnahme war ausgefallen. Die defekte Baugruppe steuerte eine Auswahlschaltung an, die bei Ausfall der Stromeigenversorgung im Anforderungsfall ein Reaktoreinspeisesystem startet (INES 0). Dieser Ausfall der Baugruppe wurde während einer wiederkehrenden Prüfung am 23. Juni 2009 festgestellt. Die Betreiber des Kernkraftwerks meldeten den Vorfall fristgerecht am 29. Juni 2009 dem zuständigen Ministerium in Kiel.<ref>[http://www.schleswig-holstein.de/MSGF/DE/Service/Presse/PI/2009/090629__msgf__mekkk.html Reaktorsicherheitsbehörde in Kiel: ''Meldepflichtiges Ereignis im Kernkraftwerk Krümmel''] (Link nicht abrufbar) (Link nicht mehr abrufbar)</ref>

Am 1. Juli 2009 kam es zu einem nicht meldepflichtigen Zwischenfall: Die Turbine der Anlage schaltete sich automatisch ab (TUSA), nachdem ein Eigenbedarftransformator ausgefallen war. Infolge dieser Störung kam es zu einer weiteren Anomalie. Statt einer automatischen Regelung des Füllstands im Reaktor wurde dieser von Hand geschaltet. Zur Klärung der Ursachen und des weiteren Vorgehens wurden von der Atomaufsicht Sachverständige hinzugezogen.<ref>Kernkraftwerk Krümmel heruntergefahren</ref> Das Kraftwerk ging nach vier Stunden wieder ans Netz und lief mit verminderter Leistung weiter.<ref>[http://www.schleswig-holstein.de/MSGF/DE/Service/Presse/PI/2009/090702__msgf__kkk.html ''Untersuchungen im Kernkraftwerk Krümmel''] (Link nicht mehr abrufbar)</ref>

4. Juli 2009: Reaktorschnellabschaltung

Datei:AKW Kruemmel Trafo.JPG
Installation der neuen Maschinentransformatoren im AKW Krümmel

Am Samstag, den 4. Juli 2009 kam es kurz nach 12 Uhr mittags zu einer Reaktorschnellabschaltung. Ursache war eine Störung in einem der beiden Maschinentransformatoren, wodurch es zu einer Unterspannung an zwei der vier Eigenbedarfsschienen des Kernkraftwerks kam. Zusätzlich gab es Kühlprobleme bei der Reaktorwasserreinigung sowie (bei der zusätzlichen Fixierung eines Steuerstabes) Hinweise auf ein defektes Brennelement (INES 0).<ref name="Pressemitteilung 5. Juli">Pressemitteilung Vattenfall vom 5. Juli 2009. Vattenfall.de. 19. November 2008. Abgerufen am 27. Juni 2010.</ref> Die Polizei informierte die Atomaufsicht 20 Minuten früher als Vattenfall, da der Betriebsleiter des Kraftwerks vor seinem Anruf beim Kieler Ministerium für Soziales und Gesundheit zuerst zum Kraftwerk fuhr, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen.<ref name="Pannen-Protokoll">Was im Atomkraftwerk Krümmel wirklich passierte. Welt.de. Abgerufen am 27. Juni 2010.</ref>

Die Schnellabschaltung verursachte in Hamburg massive Einschränkungen im Stromnetz. Dabei fielen 1500 der insgesamt 1711 Ampelanlagen der Stadt teilweise über mehrere Stunden aus und Einkaufszentren waren ohne Licht.<ref>Störfall im AKW Krümmel sorgt in Hamburg für Chaos, Hamburger Mopo vom 5. Juli 2009</ref> Weiterhin fielen durch die Störung mehrere Wasserpumpen aus, und es kam bei der Wiederinbetriebnahme der Pumpen aufgrund von Druckstößen zu elf Wasserrohrbrüchen, wodurch Tausende Hamburger zeitweise ohne Wasserversorgung waren.<ref>Tausende Hamburger zeitweise ohne Wasser. In: Welt online, 5. Juli 2009</ref>

Die für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerin des Landes Schleswig-Holstein Gitta Trauernicht ordnete daraufhin eine erneute Zuverlässigkeitsprüfung des Betreibers Vattenfall an.<ref>[http://www.schleswig-holstein.de/MSGF/DE/Service/Presse/PI/PDF/2009/090704__msgf__TrauernichtKruemmel,templateId=raw,property=publicationFile.pdf ''Ministerin Trauernicht zur Reaktorschnellabschaltung im Kernkraft Krümmel''] (PDF; Link nicht mehr abrufbar), Medieninformation des Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren vom 4. Juli 2009</ref> Außerdem gab das Unternehmen drei Tage nach der Notabschaltung bekannt, dass ein vorgeschriebenes Überwachungsgerät am betroffenen Transformator, ein sogenanntes Teilentladungsmessgerät, nicht installiert worden war. Aufgrund der Vorkommnisse wurde der bisherige Kraftwerkschef von Vattenfall entlassen.<ref>Vattenfall räumt Versäumnisse in Krümmel ein bei Spiegel Online, 7. Juli 2009</ref> Das Kernkraftwerk selbst sollte nach Angaben des Energiekonzerns bis mindestens April 2010 abgeschaltet bleiben, damit die beiden Transformatoren gegen neue ausgetauscht werden können.<ref>Vattenfall: AKW Krümmel bleibt mehrere Monate abgeschaltet bei reuters.com, 7. Juli 2009</ref><ref>Vattenfall trennt sich von Krümmel-Werksleiter. In: Hamburger Abendblatt, 8. Juli 2009</ref> Kurz darauf räumte ein Sprecher von Vattenfall ein, dass es wahrscheinlich auch zu einem Brennstab-Schaden innerhalb des Reaktors gekommen sei. Einige wenige der 80.000 Brennstäbe wiesen demnach einen Defekt auf. Für weitere Untersuchungen soll der Druckbehälter des Reaktors geöffnet werden.<ref>[http://www.tagesschau.de/inland/vattenfall122.html ''Vattenfall vermutet Brennstab-Schaden in Krümmel''] (Link nicht abrufbar) bei tagesschau.de, 9. Juli 2009</ref>

Am 19. Juni 2009 hatte die zuständige Aufsichtsbehörde „kontinuierliche Audioaufzeichnungen auf der Hauptwarte“ des Kernkraftwerks Krümmel – ähnlich wie eine Blackbox in einem Flugzeug – angeordnet; Vattenfall hatte dagegen geklagt. Beim Ereignis vom 4. Juli war die Blackbox nicht eingeschaltet.<ref>Blackbox im AKW Krümmel war außer Betrieb. In: Welt online, 5. Juli 2010</ref>

6. Dezember 2013: Ausfall eines Notstromaggregates

Am 6. Dezember 2013 kam es zu einem Ausfall eines Notstromaggregates.<ref>Börse online: Meldepflichtiges Ereignis im Atomkraftwerk Krümmel, vom 6. Dezember 2013, abgerufen am 9. Dezember 2013.</ref>

Daten des Reaktorblockes

Das Kernkraftwerk Krümmel hat einen Kraftwerksblock:

Reaktorblock<ref name="IAEA">Power Reactor Information System der IAEA: „Germany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)</ref> Reaktortyp KWU-Baulinie elektrische
Nettoleistung
elektrische
Bruttoleistung
thermische
Reaktorleistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Krümmel (KKK) Siedewasserreaktor Baulinie 69 1.346 MW 1.402 MW 3.690 MW 05.04.1974 28.09.1983 28.03.1984 06.08.2011

Rückbau

Vattenfall hat für Rückbau und Entsorgung Rückstellungen in Höhe von 1,9 Mrd. Euro gebildet, den Rückbau aber noch nicht beantragt, da der Konzern für die Abschaltung des Kernkraftwerks eine Entschädigung fordert.<ref>welt.de: Brunsbüttel wird erst in Jahren zur grüne Wiese vom 30. Oktober 2013</ref>

Am 25. August 2015 kündigte Vattenfall einen direkten Rückbau der Anlage an. Dieser soll nach Plänen des Konzerns frühestens 2018 beginnen und 15 bis 20 Jahre dauern.<ref>ndr.de: Rückbau des AKW Krümmel dauert bis zu 20 Jahre vom 25. August 2015</ref>

Zukunft

Der Betriebsrat des Kraftwerks fordert, nach der Stilllegung des Kernkraftwerks am selben Standort ein Gaskraftwerk zu errichten und so die Arbeitsplätze zu erhalten.<ref>Redaktion Stromsparer.de: Vattenfall: Baut der Stromanbieter jetzt ein Gaskraftwerk in Krümmel? Abgerufen am 12. Juli 2011.</ref>

Siehe auch

Weblinks

Commons Commons: Kernkraftwerk Krümmel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />