Liste von Afrikaforschern
Als Afrikaforscher bezeichnet man heute Forscher und Entdecker, die nach neuen afrikaspezifischen Erkenntnissen suchen und in der Regel im wissenschaftlichen Rahmen arbeiten.
Das erworbene menschliche Wissen über Afrika ist ebenso Gegenstand der Forschung wie Ergebnisse der Forschung als Tätigkeit des Erwerbs von Wissen über „Afrika“.
Große Unterschiede in der Darstellung und dem Verständnis der Afrikaforschung sowie ihres Forschungsgegenstandes zeigen sich anhand des gesellschaftlichen, historischen und institutionellen Rahmens, in dem diese organisiert und betrieben wird. Diese Rahmenbedingungen bestimmen auch die sehr unterschiedlichen Lehrmeinungen und Interessen der Forscher selbst.
Differenzieren lässt sich die Forschung dabei sowohl nach Epochen, gesellschaftlicher und nationaler Herkunft und Interessen der Forscher, dem Forschungsgegenstand und der wissenschaftlichen Disziplin.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Methodischer Überblick
- 2 Geschichtlicher Überblick
- 3 Unabhängig von einer nationalen Herkunft
- 4 Aus afrikanischen Ländern
- 5 Aus Martinique
- 6 Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
- 7 Aus Frankreich
- 8 Aus Großbritannien
- 9 Aus den Niederlanden und Belgien
- 10 Aus Portugal
- 11 Aus Italien
- 12 Aus Schweden
- 13 Aus Slowenien
- 14 Aus Marokko
- 15 Aus Griechenland
- 16 Aus Rumänien
- 17 Aus Norwegen
- 18 Aus den Vereinigten Staaten
- 19 Afroamerikanische Biographie-Forschung
- 20 Aus Kanada
- 21 Aus Australien
- 22 Weitere internationale wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgruppen
- 23 Einzelnachweise
- 24 Literatur
Methodischer Überblick
Je nach der wissenschaftlichen Doktrin (Doxa) in ihrer Zeit und ihren Rahmenbedingungen wird der Forschungsgegenstand sowohl aus unterschiedlichen Blickwinkeln und vor dem Hintergrund divergierender Interessen betrachtet. Daraus ergibt sich für die „Afrikaforscher“ auch ein unterschiedlich kritisches oder affirmatives Verhältnis zum Forschungsgegenstand. So wird in den African Studies, in den modernen Kulturwissenschaften und in den Geisteswissenschaften allgemein „Afrika“ als theoretisches und eurozentristisches Konstrukt behandelt, das in seiner universalistischen und auch exklusionistischen Perspektive als undifferenziert angesehen wird. Forscher aus dem Bereich der African Studies behandeln heute die geschichtlichen, sozialen und kulturellen Gesichtspunkte sehr ausdifferenziert. Sie reichen von der afrikanischen Diaspora, über die Einflüsse „Afrikas“ auf andere Gesellschaften bis hin zu speziellen historischen, regionalen und gesellschaftlichen Unterschieden innerhalb des Kontinents Afrika.
Geschichtlicher Überblick
Afrikaforscher im Kolonialismus
Schon im 15. Jahrhundert erkundeten portugiesische Seefahrer die Küsten Afrikas. Mit der Unabhängigkeit Nordamerikas und der zunehmenden Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs Europas Interesse an Afrika und seinen Ressourcen. Die Entdeckungsreisen vor allem europäischer Afrikaforscher, insbesondere in das Innere des Kontinents, dienten nicht nur dem geographischen Interesse, sondern waren häufig auch Vorbereitungen für die Kolonisierung des Kontinents im Zuge des „Neuen Imperialismus“. Viele der fast ausschließlich männlichen Entdecker reisten im Auftrag so genannter Afrikanischer Gesellschaften. Die Entdeckung Afrikas schloss Henry Morton Stanley 1877 im Wesentlichen ab. Der politische Wettlauf um Afrika begann um 1882 und endete 1898.
Afrikaforscher aus dieser Epoche sind heute Gegenstand der Forschung. Dazu zählt vor allem auch die Rekonstruktion der gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen des von ihnen erworbenen Wissens. Vor dem Hintergrund militärischer Aktivitäten und wirtschaftlicher Interessen dieser Afrikaforscher reduzierte sich das wissenschaftliche Interesse ihrer Forschung oft auf geographische Fragen. Eine alternative Bezeichnung ist je nach Darstellungszusammenhang der Begriff „Afrikareisende“. Ihre Tätigkeiten, wie auch Expeditionen, bedurften oft einer staatlichen Legitimation und waren an politische Interessen und Aufträge gebunden.
Unabhängig von einer nationalen Herkunft
Institutionen
- African Virtual University (Seit 1995 auf Initiative der Weltbank)
Medien
- IRIN humanitarian news and analysis UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (UN)<ref>IRIN humanitarian news and analysis UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs </ref>
- Institute of Ethiopian Studies an der Universität Addis Abeba
Medien / Portale
- Sudanese Online Research Association – SORA<ref>Sudanese Online Research Association </ref>
- Marweb – Annuaire et Moteur de recherche du Maghreb Arabe. Fès, Marokko<ref>Marweb – Annuaire et Moteur de recherche du Maghreb Arabe </ref>
Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Institutionen
- Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF), Frankfurt<ref>Selbstdarstellung ZIAF </ref>
- Institut für Ethnologie und Afrikastudien, Mainz<ref>Selbstdarstellung </ref>
- Schweizerische Gesellschaft für Afrikastudien SAGW<ref>Selbstdarstellung SAGW </ref>
- Geschichte der Afrikanistik in Österreich - History of African Studies in Austria<ref>Erich Sommerauer, Uni Wien </ref>
- Institut d'Etudes Africaines, Aix-en-Provence<ref>Vgl. Ministère de la Recherche / Action Concertée Incitative. Archives BREUIL Entre préhistoire européenne et africanisme, un univers intellectuel et institutionnel au XXe siècle </ref>
- Méga-Tchad. Réseau international de recherches pluridisciplinaires dans le bassin du lac Tchad. Université Nanterre<ref>MÉGA-TCHAD </ref>
Forscher
- Michel Adanson (1727–1806)
- Louis-Gustave Binger (1856–1936) bewies, dass die „Entdeckung“ der Kong-Berge falsch war
- Yves Bénot (1920–2006)
- Antoine Brun-Rollet (1810–1850)
- Frédéric Cailliaud (1787–1869)
- René Caillié (1799–1838)
- Ernest Cambié
- Paul Belloni Du Chaillu (1835–1903), Äquatorialafrika
- Henri Duveyrier (1840–1892)
- Stanislas Graf von Escayrac de Lauture (1830–1868)
- Joseph Halévy (1827–1917)
- Eugène Mage (1837–1869)
- Pierre Savorgnan de Brazza (1852–1905)
- Paul Soleillet (1842–1886)
- Anselm d’Ysalguier (15. Jhd.)
- Octave Mannoni (1899–1989)
- Marcel Treich-Laplène (1860–1890), gilt als Gründer der Kolonie Elfenbeinküste
Aus Großbritannien
Institutionen
- African Studies Association of the UK (ASAUK), London<ref>African Studies Association of the UK (ASAUK)</ref>
- Archives of Popular Swahili. Achille Mutombo<ref>Vgl. Ausgabe Nr. 8 Ukumbusho von Dr. Achille Mutombo </ref>
Forscher
- Ernest François Cambier (1844–1909)
- Alphonso van Gèle (1849–1939)
- Eugène de Pruyssenaere (1826–1864)
- Alexandrine Tinné (1839–1869)
Aus Portugal
Institutionen
- Instituto de Investigação Científica Tropical, Lissabon
- Sociedade de Geografia de Lisboa
- Centro de Estudos Internacionais/ISCTE-Instituto Universitário de Lisboa (bis 2014 Centro de Estudos Africanos)
- Centro de Estudos Africanos/Faculdade de Letras/Universidade do Porto
- Centro de Estudos sobre África/Instituto Superior de Economia e Gestão/Universidade de Lisboa
- Centro de Estudos Africanos/Faculdade de Letras/Universidade de Lisboa)
Entdecker
- Pêro de Alenquer
- Francisco Álvares (1465–1540), lebte 6 Jahre in Äthiopien, in seinem Buch „Wahrhaftiger Bericht aus dem Reich des Priesters Johannes von Indien“ gibt er erstmals dem christlichen Abendland einen Einblick in das christliche Äthiopien, traf 1520 auf Pêro da Covilhã
- Diogo Afonso entdeckt 1461 die westlichen Inseln von Cabo Verde
- Afonso Gonçalves Baldaia entdeckte 1435 mit Gil Eanes Angra dos Ruivos, sie erreichten 1436 die Goldküste (früherer Name von Ghana), den Rio de Ouro sowie Pedra bzw. Porto de Galé bei etwa 22° 3' nördlicher Breite
- Pedro Álvares Cabral, Brasilien-„Entdecker“, erster Seefahrer, der in einer Reise vier Kontinente ansteuert: Amerika, Afrika, Asien und Europa
- Hernandogildo Augusto de Brito Capello (1839–1917)
- Diogo Cão erforschte 1482–1489 die Westküste Afrikas bis zur Walvis Bay
- Pêro da Covilhã war als Geheimagent João II. der erste Portugiese in Kalikut und Äthiopien, gilt als Wegbereiter für Vasco da Gama
- Bartolomeu Diaz (1450–1500), erreichte 1487 das Kap der Guten Hoffnung und umrundete Afrika
- Dinis Dias passiert 1444 den westlichsten Punkt Kontinentalafrikas, das im heutigen Senegal gelegene Cabo Verde, und entdeckt die 'Terra dos Guineus', Gebiete des heutigen Guinea und Senegals
- João Dias
- Gil Eanes umsegelt 1434 das für unpassierbar gehaltene Kap Bojador
- Pêro Escobar erreicht und überquert 1471 mit João de Santarém den Äquator, sie entdecken Elmina und die Inseln São Tomé Príncipe, 1497 begleitete er auf Grund seiner großen Erfahrung Vasco da Gama nach Indien
- António Fernandes, ein Neffe von João Gonçalves Zarco, passiert 1445 südlicht von Cabo Verde und erreicht Cabo dos Mastros
- João Fernandes
- Estevão da Gama (1430–1497) Vater von Vasco da Gama
- Estêvão da Gama (1505–1576) der zweite Sohn von Vasco da Gama
- Cristóvão da Gama (1516–1542) Sohn von Vasco da Gama, kämpfte gegen Ahmad ibn Ibrahim al-Ghasi auf der Seite vom Kaiser von Äthiopien
- Paulo da Gama Buder von Vasco da Gama
- Vasco da Gama umsegelte zwischen 1497 und 1499 Afrika und erreichte Indien
- Diogo Gomes (1440–1482), 1460 entdecken er und António da Noli einige der Inseln des Archipels von Cabo Verde
- Fernão Gomes
- Antão Gonçalves Verwandter von João Gonçalves Zarco, 1440/1441 bereiste er gemeinsam mit Nuno Tristão den Rio de Ouro und erreichte Kap Blanc
- Roberto Ivens
- Duarte Pacheco Pereira, Luís de Camões nannte ihn den lusitanischen Archilles
- João de Santarém erreicht und überquert 1471 mit Pêro Escobar den Äquator, sie entdecken Elmina und die Inseln São Tomé und Príncipe
- Alexandre Alberto da Rocha de Serpa Pinto (1846–1900)
- Afonso de Paiva
- Fernão do Pó
- Nuno Tristão (?–1446) bereiste die afrikanische Westküste im Auftrag Heinrich des Seefahrers, 1441 erreicht er und Antão Gonçalves Kap Blanc, 1444 befährt er den Senegal-Fluss
- Diogo de Azambuja (1432–1518) der erste portugiesische Gouverneur (capitão-mór) von Elmina
Aus Italien
- Pierre Savorgnan de Brazza (1852–1905)
- Giovanni Beltrame (1824–1906), Weißer Nil und die Dinkasprache
- Giovanni Battista Belzoni (1778–1823), Ägypten und das Tal der Könige, Oase Siwa
- Alvise Cadamosto (1432–1488)
- Romolo Gessi (1829–1881)
- Pellegrino Matteucci (1850–1881)
- Carlo Piaggia (1830–1882)
Aus Schweden
Aus Slowenien
- Ignaz Knoblecher (1819–1858)
Aus Marokko
- Ibn Battuta (1304–1368 oder 1377) Sahara, Mali, Timbuktu
- Leo Africanus (~1490 – ~1550)
Aus Griechenland
- Panagiotes Potagos (1838–1903)
Aus Rumänien
- Florence Baker geb. Barbara Szász (1841–1916), Albertsee und Oberlauf des Weißen Nils zusammen mit ihrem Mann Samuel White Baker
- Sámuel Teleki (1845–1916), Reisen in Ostafrika, Namensgeber des Rudolfsees (zusammen mit Ludwig von Höhnel)
Aus Norwegen
Portale / Medien
- Index on Africa - The Norwegian Council for Africa. Oslo, Norwegen<ref>Index on Africa - The Norwegian Council for Africa </ref>
- Department of African and Asian Languages and Literatures (AALL), University of Florida<ref>African Languages, University of Florida Online </ref>
- Comparative Bantu Dictionary. University of California, Berkeley<ref>Comparative Bantu Dictionary, Berkeley </ref>
- Equiano Foundation. (Olaudah Equiano)<ref>Equiano Foundation Online: </ref>
- JALA — the Journal of the African Literature Association. Literatur Journal, Western Illinois University (WIU), Macomb, Illinois, USA<ref>JALA — the Journal of the African Literature Association. Auf: AFRICAN LITERATURE ASSOCIATION </ref>
- Habari Newsletter - University of Illinois<ref>Habari Newsletter </ref>
- Africana Collection. Betreut von Dan Reboussin, University of Florida, Gainesville<ref>Africana Collection. Betreut von Dan Reboussin, University of Florida, Gainesville </ref>
Afroamerikanische Biographie-Forschung
Archive / Portale
- Biographie Projekt Afroamerikanische Autorinnen, Columbia University<ref>Biographie Projekt Afroamerikanische Autorinnen, Columbia University </ref>
- Virginia W. Broughton<ref>Vgl. ihr Werk: Twenty year's Homespun heroines</ref>
- Josephine Brown:<ref>Columbia University Memories of childhood's slavery days</ref>
- Lucy A. Delany:<ref>Columbia University A Brand Plucked From the Fire</ref>
- Harriet A. Jacobs:<ref>Columbia University Religious Experience</ref>
- Hiram Mattison:<ref>Columbia University Essays</ref>
- Mary Prince:<ref>Columbia University Life and Public Services of Martin R. Delany</ref>
- Amanda Smith:<ref>Columbia University Productions</ref>
- Susie King Taylor:<ref>Columbia University The Narrative of Bethany Veney, slave woman</ref>
Andere Forscher
- Charles Chaillé-Long (1842–1917)
- William Edward Burghardt Du Bois
- Booker T. Washington (1856–1915) Ehrenmitglied in die Phi Beta Kappa
- Frederick Douglass
- William Lloyd Garrison
- Lysander Spooner, Rechtsphilosoph, Autor von The Unconstitutionality of Slavery (1845) und anderer Grundlagenwerke zur Situation der Afroamerikaner
- Kay Branagan (NYASA)
- Roger Gocking (NYASA)
- Eudora Chikwendu (NYASA)
- Benjamin Banneker (1731–1806)
Aus Kanada
- Nicholas David, Archäologe University of Calgary<ref>Nicholas David </ref>
Einzelnachweise
<references />
Literatur
- Albert Adu Boahen: Britain, the Sahara and the Western Sudan 1788–1861. Oxford 1964. (wichtige Arbeit zur ersten Epoche der wissenschaftlichen Afrikaforschung, von einem der führenden schwarzafrikanischen Historiker des 20. Jahrhunderts)
- Cornelia Essner: Deutsche Afrikareisende im neunzehnten Jahrhundert. Zur Sozialgeschichte des Reisens. Stuttgart 1985. (versucht u. a. die Motive der Afrikaforscher zu analysieren)
- Peter Kremer: Der schwarze Erdtheil. Afrika im Spiegel alter Bücher 1484–1884. Köln 1984. (bislang einzige Bibliografie zur Geschichte der deutschen Afrikaforschung im vorkolonialen Zeitalter)
- Frank McLynn: Hearts of Darkness: The European Exploration of Africa. London 1992. (leicht irreführender Titel, denn es handelt sich weitgehend um die Geschichte der britischen Afrikaforschung)
- Paul Kainbacher: Die Erforschung Afrikas. Die Afrika-Literatur über Geographie und Reisen von 1486–1945. Eine Bibliographie von A-Z. 4. Auflage. Baden 2010. (Online-Version) – ca. 3800 Autoren, 7500 deutschsprachige Werke