RT (Fernsehsender)
RT | |
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Senderlogo | |
Allgemeine Informationen | |
Empfang: | Kabel, Satellit, IPTV |
Eigentümer: | Rossija Sewodnja |
Intendant: | Alexei Nikolow (Generaldirektor), Margarita Simonjan (Chefredakteurin) |
Sendebeginn: | 15. September 2005 |
Rechtsform: | Privatrechtlich |
Programmtyp: | Spartenprogramm (Information) |
Website: | rt.com |
Liste von Fernsehsendern |
RT (ehemals Russia Today) ist ein seit dem Jahre 2005 existierender, vom Russischen Staat finanzierter Auslandsfernsehsender mit nachrichten- und informationsorientiertem Programm mit Sitz in Moskau. Gesendet wird auf Englisch, Arabisch und Spanisch. Das Programm und die Themen- und Nachrichtensetzung sind in den jeweiligen Sprachen jedoch nicht identisch. Seit dem 6. November 2014 gibt es auf dem Webportal von RT Deutsch ein Nachrichtenformat in deutscher Sprache. Der russische Ableger des RT-Webportals stellt die Beiträge in russischer Sprache zur Verfügung.
Der Sender selbst gibt an, dem Publikum die russische Sichtweise auf das internationale Geschehen vorzustellen und ein Gegengewicht zu westlichen Medien darstellen zu wollen.<ref name="ReporterOhneGrenzen">Der Kreml auf allen Kanalen: Wie der russische Staat das Fernsehen lenkt. Reporter ohne Grenzen, Oktober 2013, S. 32 ff.</ref>
RT hatte 2012 weltweit etwa 2000 Mitarbeiter,<ref name="sz-1296946">Wahlen in Russland – Wie westliche PR-Agenturen Putins Image aufpolieren. In: sueddeutsche.de. 4. März 2012, abgerufen am 15. Dezember 2014. </ref> von denen ein Großteil nicht-russische Journalisten waren.<ref>Benjamin Bidder: Kreml-Sender Russia Today: „Wenn Russland Krieg führt, ziehen wir mit in die Schlacht“. In: Spiegel Online, 14. August 2013.</ref> Der Sender betreibt Korrespondentenbüros auf der ganzen Welt.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Gründung
Russia Today, später umbenannt in „RT“, wurde im Zuge einer Medienoffensive der russischen Regierung zur Verbesserung des Russland-Images im Ausland gegründet.<ref name="ReporterOhneGrenzen"/><ref name="MedienOsteuropas">Marc Stegherr, Kerstin Liesem: Die Medien in Osteuropa: Mediensysteme im Transformationsprozess. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17482-2, S. 331f.</ref><ref name="SpinningRussia">Julian Evans: Spinning Russia. In: Foreign Policy, 1. December 2005.</ref> Der Auslandssender wurde erstmals durch den ehemaligen Minister für Kommunikation und Medien, Michail Lessin, und Wladimir Putins Pressesprecher, Alexei Gromow, vorgeschlagen.<ref>Robert Parsons: Russia: New State Channel Goes Global In English. In: Radio Free Europe, 16. September 2005.</ref> Lessin sagte, dass es wichtig sei, international für Russland zu werben und dass er nicht vor dem Wort Propaganda zurückschrecke.<ref name="spiegel-54002224"/> Mit Hilfe der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti wurde im April 2005 die staatliche Dachorganisation „TV-Novosti“ gegründet, zu der Russia Today gehört.<ref>Другое телевидение. Auf: Comnews.ru, 19. September 2012. (Interview mit dem Geschäftsführer der Organisation „TV-Novosti“, Alexei Nikolow)</ref>
Russia Today ging nach dreimonatiger Probephase am 10. Dezember 2005 in englischer Sprache auf Sendung.<ref name="MedienOsteuropas"/><ref>Marcel H. Van Herpen: Putin's Propaganda Machine: Soft Power and Russian Foreign Policy. Rowman & Littlefield, Lanham 2015, ISBN 978-1-4422-5362-9, S. 71.</ref> Zum Sendebeginn beschäftigte der Kanal 300 Journalisten, unter ihnen etwa 70 ausländische Mitarbeiter.<ref name="SpinningRussia"/> Die 25-jährige Journalistin Margarita Simonjan wurde 2005 zur Chefredakteurin ernannt. Sie hatte zuvor als Reporterin des Staatssenders Rossija 1 gearbeitet und gehörte 2011 zu Putins Wahlkampfteam.<ref>Katja Gloger: Putins Welt: Das neue Russland, die Ukraine und der Westen. Berlin Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8270-7854-4, S. 91 f.</ref> Simonjan bezeichnet den Sender als „Verteidigungsministerium“ des Kreml. Ein Auslandssender sei ihrer Ansicht nach in Friedenszeiten „nicht unbedingt nötig. Aber im Krieg kann er entscheidend sein. Eine Armee gründet man ja auch nicht erst eine Woche vor Kriegsbeginn“, so Simonjan.<ref name="ReporterOhneGrenzen"/>
Ausbau
Kanal | Sendestart | Sprache |
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RT International | Dez. 2005 | Englisch |
Rusiya Al-Yaum | Mai 2007 | Arabisch |
RT Actualidad | Dez. 2009 | Spanisch |
RT America | Feb. 2010 | Englisch |
RT Documentary | Juni 2011 | Russisch und Englisch |
RT UK | Okt. 2014 | Englisch |
RT Deutsch (Webportal mit Informationssendung) | Nov. 2014 | Deutsch |
RT Français (Webportal) | 2014 | Französisch |
Im Jahr 2007 kamen eine arabische (Rusiya Al-Yaum) und 2009 eine spanische Programmversion (RT Actualidad) hinzu. Diese Kanäle senden ein paralleles Programm zur englischsprachigen Version von RT International. 2010 wurde RT America gegründet. Seit dem 23. Juni 2011 gibt es auch den Kanal RT Д (das kyrillische Д entspricht dem lateinischen D), der Dokumentationen über Russland in russischer und englischer Sprache ausstrahlt und ein Themenspektrum bietet, das Kultur, Technologie, Kunst, Geschichte, Extremsport und Politik umfasst.
Seit 2009 stellt RT einen Teil seiner Inhalte kostenlos fremden Sendern zur Verfügung und ermuntert internationale Medien, diese Inhalte in ihr Programm zu integrieren. Auf der RT-Webseite kann fertig produziertes Material, Meinungen von Experten und RT-Korrespondenten übersetzt in Englisch, Arabisch, Spanisch und Russisch heruntergeladen werden.<ref name="ReporterOhneGrenzen"/> 2012 engagierte der Sender 100 neue Mitarbeiter und gründete die Videoagentur Ruptly mit Sitz in Berlin, die Videos und Liveberichte von aktuellen Ereignissen zu besonders günstigen Preisen zum Kauf anbietet.<ref name="ReporterOhneGrenzen"/><ref>Christoph Lanz: Russia Today: Putins Welt In: Berliner Zeitung, 14. Dezember 2012.</ref><ref>Ruptly – die russische TV-Agentur in Berlin. In: Zapp (Magazin), 11. September 2013.</ref>
Am 6. November 2014 startete ein deutschsprachiges Netzangebot des Senders.<ref>Steffen Grimberg: Russia Today jetzt auch auf Deutsch. In: NDR, 10. November 2014.</ref> RT Deutsch ist vorwiegend ein Internetportal, die einzige Sendung ist das halbstündige Video-Journal „Der fehlende Part“.<ref>Hannah Beitzer und Julian Hans: Russia Today in Deutschland: Das neue Wettrüsten. In: Süddeutsche Zeitung, 1. Dezember 2014.</ref> Moderatorin der Sendung ist Jasmin Kosubek,<ref name="ndr.de">Charlotte Horn: RT Deutsch - Putins Propaganda-Kolonne rollt. In: NDR, 25. November 2014.</ref> als Außenreporter ist Nicolaj Gericke im Einsatz. Gericke hatte zuvor bei Ruptly als Journalist gearbeitet und u. a. aus der Ukraine berichtet.<ref>Stefan Niggemeier: "Ich glaube nicht, dass wir jedem Verrückten ein Podium bieten". In: Krautreporter, 13. November 2014.</ref>
Umbenennung
Nach seiner Gründung 2005 sendete RT vor allem positive Nachrichten über Russland, änderte seine Vorgehensweise jedoch nach dem Kaukasuskrieg 2008 grundlegend. Die russische Sicht auf den Krieg sei in der internationalen Berichterstattung zu kurz gekommen, so die Chefredakteurin Simonjan.<ref name="ReporterOhneGrenzen"/> Seit 2009 richtet RT seinen Fokus verstärkt auf die Vereinigten Staaten und Europa anstatt wie bis dahin vorwiegend über Russland zu berichten.<ref name="vSalzen">Claudia von Salzen: RT Deutsch: Stimmungsmacher für Wladimir Putin. In: Der Tagesspiegel, 22. Dezember 2014.</ref> Der Sender berichtet ausführlich über Verfehlungen und soziale Missstände in Europa und den Vereinigten Staaten und kritisiert westliche Politik und westliche Werte.<ref name="ReporterOhneGrenzen"/>
Im Zuge dieser Entwicklung und um in den Vereinigten Staaten ein größeres Publikum zu erreichen, entfernte RT das Wort Russland aus dem Namen.<ref name="vSalzen"/> Der seit dem Start 2005 verwandte Name „Russia Today“ wurde 2009 auf das Kürzel „RT“ verkürzt, das seitdem auch als Logo in sämtliche Sprachversionen übernommen wurde. Die 2007 gestartete arabische Version trug ursprünglich den Namen Rūsiyā al-Yaum (روسيا اليوم, Arabisch für „Russland Heute“)<ref Name="Twickel"/> und verwendet inzwischen die englische Bezeichnung „RT Arabic“.<ref>معلومات عامة حول القناة („Allgemeine Informationen über den Kanal“), auf der Webseite von RT Arabic, abgerufen am 3. Februar 2015 (arabisch)</ref> Zur Begründung der Abkehr vom früheren Sendernamen Russia Today verwies die Chefredakteurin 2010 auf bessere Marktaussichten unter dem neutraleren Namen RT, der nicht länger nahelege, dass die Nachrichten aus Russland stammten.<ref Name="Twickel">Nikolaus von Twickel: Russia Today Courts Viewers With Controversy. In: The Moscow Times, 17. März 2010. Abgerufen am 3. Februar 2015 (englisch).</ref> Der spanische Programmname war von Anfang an nicht eindeutig russlandbezogen, hier startete der Sender 2009 unter dem Namen „RT Noticias“ (Spanisch für „RT Nachrichten“) und heißt inzwischen „RT en Español“ („RT auf Spanisch“).<ref>Quiénes somos („Wer wir sind“), auf der Webseite von RT en Español, abgerufen am 3. Februar 2015 (spanisch)</ref>
Budget
RT ist mit einem Budget von umgerechnet etwa 250 Mio. Euro jährlich (Stand: 2013) ausgestattet. Das Budget wird aus dem Staatshaushalt der russischen Föderation bezahlt.<ref name="ReporterOhneGrenzen"/> Aufgrund der Finanzprobleme der russischen Regierung infolge des Währungsverfalls bei gleichzeitigem Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen musste RT schon Anfang 2015 massive Kürzungen im Programm vornehmen. Der zweitwichtigste Kanal im Englischen soll so wenig Kürzungen wie möglich erleiden müssen, es ist aber geplant, dass dem arabischen und dem spanischen Sender dafür sehr stark gekürzt wird.<ref>Elke Windisch: Russische Medien auf Sparkurs: Russia Today Deutsch vor dem Aus? In: Der Tagesspiegel, 30. Januar 2015.</ref>
Programm des Senders
Nachrichten aus internationaler und russischer Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport sowie Dokumentarfilme, Politmagazine (IMHO, In Context) und die täglich ausgestrahlte politische Talkshow „Spotlight with Al Gurnov“ machen das Programm des Senders aus. Das Programm des englischsprachigen Nachrichtensenders RT besteht aus Segmenten, die zwischenzeitlich durch Programmankündigungen unterbrochen werden. Dokumentationen und Talk-Formate werden meist mehrfach ausgestrahlt, häufig auch mehrere Male an einem Tag. Zu jeder vollen Stunde werden halbstündige Nachrichten gesendet.<ref>rt.com</ref>
Ausrichtung und Bewertung
RT International
RT gilt als ein zentrales Mittel im Kampf um die öffentliche Meinung im Ausland und ein wichtiges Element der Soft-Power-Strategie der russischen Regierung. RT wird von Wissenschaftlern als Sprachrohr des Kreml bewertet.<ref>Vgl. z.B:
- Ilya Yablokov: Conspiracy Theories as a Russian Public Diplomacy Tool: The Case of Russia Today (RT). In: Politics. 35, Nr. 3–4, November 2015, S. 301–315. doi:10.1111/1467-9256.12097.
- Gary D. Rawnsley: To Know Us is to Love Us: Public Diplomacy and International Broadcasting in Contemporary Russia and China. In: Politics. 35, Nr. 3–4, November 2015, S. 273–286. doi:10.1111/1467-9256.12104.
- Peter Pomerantsev: The Kremlin's Information War. In: Journal of Democracy. 26, Nr. 4, Oktober 2015, S. 40–50. doi:10.1353/jod.2015.0074.
- Lilia Shevtsova: Forward to the Past in Russia. In: Journal of Democracy. 26, Nr. 2, April 2015, S. 22–26. doi:10.1353/jod.2015.0028.
- Der Kreml auf allen Kanalen: Wie der russische Staat das Fernsehen lenkt. Reporter ohne Grenzen, Oktober 2013, S. 32 ff.
- Nils S. Borchers: "Do You Really Think Russia Should Pay Up for That?" How the Russia-Based TV Channel RT Constructs Russian-Baltic Relations. In: Javnost - The Public: Journal of the European Institute for Communication and Culture. 18, Nr. 4, 2011, S. 89–106. doi:10.1080/13183222.2011.11009069.</ref> Pascal Bonnamour, der Leiter der europäischen Abteilung von Reporter ohne Grenzen, bezeichnete den Sender 2005 kurze Zeit nach seiner Gründung als einen weiteren Schritt des Staates, Informationen zu kontrollieren.<ref>Nikita Prokunin, Andrey Kozenko: Reporters Without Borders Don’t Fancy Russia Today. In: Kommensant, 21. Oktober 2005.</ref> Ziel des Senders sei, das Image Russlands im Ausland zu verbessern.<ref name="spiegel-67398837">Putin räumt TV auf. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2009 (online).</ref> Dazu stellt der Sender Personen aus der russischen und sowjetischen Geschichte in einem positiven Licht dar. 2007 zeigte der Sender etwa Josef Stalin mit einer Feder in seiner Hand und beschrieb ihn als Autor romantischer Gedichte.<ref name="spiegel-54002224">Propaganda mit Stalin. In: Der Spiegel. Nr. 47, 2007 (online).</ref>
Zweifel an der Parlamentswahl in Russland 2011 konterte RT mit Hinweisen auf die umstrittene Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000; auch berichtete RT ausführlich über amerikanische Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Occupy Wall Street-Aktionen und stellte ihnen eine vom Kreml genehmigte Großdemonstration gegenüber, was einen für Russland vorteilhaften Vergleich darstellen sollte, so der Russland-Wissenschaftler Stephen F. Cohen. Cohen, häufiger Gast bei RT, betonte aber, RT sei nicht einseitiger als etwa CNN, es biete ein Pendant.<ref>„...in striving to bring the West an alternate point of view, [RT] is forced to talk to marginal, offensive, and often irrelevant figures who can take positions bordering on the absurd.(...) “I’m highly suspicious about the narrative I’m getting on CNN,” he says. “It seems to be the flip side of RT. It’s too black and white, too virtuous and simple. Each side sounds like one hand clapping.” RT might have a hard Kremlin slant, but Cohen argues that “any intelligent viewer can sort this out. I doubt that many idiots find their way to RT. First, you have to pay a lot for cable, and then you have to get way up in the numbers to find it.“ Jesse Zwick: Pravda Lite - The New Republic, 14. März 2012</ref> RT wird zudem beschuldigt, in einigen Situationen Verschwörungstheoretikern unterschiedlicher Art eine Plattform zu geben.<ref>Julia Ioffe:What Is Russia Today?The Kremlin’s propaganda outlet has an identity crisis - Columbia Journalism Review, 28. September 2010</ref> Auch Julian Assange bot RT eine mediale Plattform.<ref>Russia Today strahlt TV-Projekt von WikiLeaks-Gründer Assange aus - 2012</ref> Einige amerikanische und deutsche Journalisten bezeichneten RT als anti-amerikanisch<ref>www.newrepublic.com</ref> und anti-westlich,<ref>www.aljazeera.com</ref><ref name="tagesspiegel-7924162">Der Krieg der Bilder. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 15. Dezember 2014. </ref> während andere den Sender lediglich eine Plattform für scharfe Kritik an der amerikanischen Politik nannten.<ref>"Working for a Kremlin channel does not seem like an obvious choice for Mr Assange, who has devoted his life to fighting governmental opacity, but Russia Today has made a name for itself as a strident critic of US policy." - Assange takes chat-show job with state-funded Russian TV, 2012</ref> Während des Kaukasuskriegs 2008 bezeichnete RT Georgien von Anbeginn als Aggressor,<ref>Hm? Wo steht hier was von RT? Clarity in the Caucasus?</ref> noch bevor das von einer unabhängigen EU-Kommission bestätigt wurde.<ref>IIFFMCG Report, Vol. 1 (Memento vom 7. Oktober 2009 im Internet Archive) (PDF; 3,8 MB), S. 20.</ref> Julia Ioffe vom Columbia Journalism Review bezeichnete RT als Werkzeug der russischen Regierung, um angebliche Voreingenommenheiten gegenüber Russland in westlichen Medien zu bekämpfen.<ref>www.slate.com</ref>
Die britische Medienaufssichtsbehörde rügte RT UK im September 2015 wegen voreingenommener und im Wesentlichen irreführender Berichterstattung über den Ukraine-Krieg und den Bürgerkrieg in Syrien. In einer beanstandeten Sendung behauptete der Sender, in der Ostukraine würde ein von der ukrainischen Regierung unterstützter Völkermord stattfinden. In einem anderen Bericht behauptete RT UK, die CNN habe einen Chemiewaffenangriff der Assad-Regierung in Syrien inszeniert.<ref>Jasper Jackson: RT sanctioned by Ofcom over series of misleading and biased articles . In: The Guardian, 21. September 2015.
UK regulator Ofcom backs BBC in Russian TV case. In: BBC, 21. September 2015.</ref> Die Behörde hatte den Sender bereits 2014 wegen mangelnder Objektivität kritisiert.<ref>John Plunkett: Russia Today threatened with Ofcom sanctions due to bias. In: The Guardian, 10. November 2014.</ref>
Die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte bei einer Anhörung vor dem außenpolitischen Ausschuss des US-Senats (Senate Foreign Relations Committee) Anfang März 2011, dass den Vereinigten Staaten aufgrund des verstärkten Erfolges von Fernsehsendern wie Russia Today eine Niederlage im „weltweiten Informationskrieg“ drohe.<ref>Hillary Clinton: ‘America Is Losing’ An Information War That ‘Al Jazeera Is Winning’</ref>
RT Deutsch
Zum Start des deutschsprachigen Programms erklärte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, RT nutze die aktuelle „Medienverdrossenheit als publizistische Marktlücke“.<ref>RT Deutsch: „Dahinter steht ja der Kreml“ - Bernhard Pörksen im Gespräch mit Brigitte Baetz In: Deutschlandrundfunk, 25. Oktober 2014.</ref> Olaf Sundermeyer und Christian Mihr, der Geschäftsführer der deutschen Abteilung von Reporter ohne Grenzen, sehen den Sender als Propagandainstrument des Kremls und sind der Ansicht, dass RT Deutsch die Medienfreiheit nutze, um unabhängigen Journalismus zu diskreditieren und eine wachsende Medienverdrossenheit zu verstärken.<ref>Olaf Sundermeyer: Im Studio von „RT deutsch“: Mein Auftritt bei Putins Propagandasender. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. November 2014.</ref> Der Geschäftsführer des Netzwerks für Osteuropa-Berichterstattung, Hanno Gundert, betrachtet den Sender als Teil der Strategie des Kremls, unter dem Deckmantel des Journalismus das Meinungsbild in Europa zu spalten.<ref name="ndr.de"/> Carsten Luther, Redakteur der deutschen Wochenzeitung Die Zeit, analysierte die RT-Methode: Zwar sei nicht alles gelogen und verbogen und manch kritischer Beitrag habe seine Berechtigung, jedoch sei es insgesamt „haarsträubend, was dort als Journalismus verkauft wird“.<ref>Carsten Luther: RT Deutsch: Das hat uns gerade noch gefehlt. In: Die Zeit, 19. November 2014.</ref> Der Politologe Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sagte über den Sender, RT suche sich gezielt Themen aus, die das westliche demokratische System infrage stellen und greife das pluralistische Mediensystem an, indem behauptet werde, dass alle Medien lügen.<ref name="vSalzen"/> Im Handelsblatt folgerte Andreas Macho nach einer Untersuchung des Programms des deutschen Ablegers von RT im November 2014: „Unterm Strich verbreitet RT Deutschland mehr Unwahrheiten, Verkürzungen und Verfälschungen, als es diese – wie die Moderatoren ständig versprechen – aufklären würde.“<ref>Andreas Macho: Russia Today: Der Propaganda-Sender des Kremls in Deutschland. In: Handelsblatt, 21. November 2014.</ref> Die Tageszeitung fasste die Auswahl der Gesprächspartner der ersten Wochen von RT Deutsch mit „entweder flammende Antiamerikaner oder EU-Gegner vom linken und rechten Rand“ zusammen.<ref>Klaus-Helge Donath: Propaganda in Russland: Putins mediale Großoffensive. In: taz.de, 5. Dezember 2014, abgerufen am 3. Februar 2015.</ref> Der NDR hat sich in seinem Medienmagazin Zapp mit einigen der ersten Artikeln und Videos von RT Deutsch beschäftigt und zeigt an einigen konkreten Beispielen, wie die Redaktion Texte verzerrt übersetzt und falsche Behauptungen aufstellt.<ref>Silvio Duwe, Janina Kalle, Benedikt Scheper: Gegenläufig - Kreml-Sender auf Deutsch. In: Zapp, 11. November 2014.</ref> Markus Beckedahl von Netzpolitik.org gab an, dass er und die Netzpolitik-Autoren RT grundsätzlich keine Interviews geben werden, um sich nicht instrumentalisieren zu lassen und nicht „neben irgendwelche Rechtsaußen“ einsortiert zu werden.<ref name="vSalzen"/><ref>Markus Beckedahl: Warum wir keine Interviews für Russia Today (RTdeutsch) geben. Auf: Netzpolitik.org, 17. November 2014.</ref>
Gesprächspartner
Prominente sowie häufige deutschsprachige Interviewpartner sind unter anderem:
- Sevim Dağdelen<ref>Linke-Abgeordnete in der Ostukraine: Spritztour mit Separatistenführer Sachartschenko. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Februar 2015. Zitat: „Sevim Dagdelen... wettert im russischen Propaganda-Sender RT gegen die deutsche Regierung, die EU und die USA.“</ref>
- Jürgen Elsässer, Chefredakteur des Querfront-Magazins<ref name="welt-3039995">Linker Publizist von der NPD für "Volksfront" gelobt. In: welt.de. 16. Januar 2009, abgerufen am 15. Dezember 2014. Thomas Vitzthum: </ref> Compact<ref name="Feldmann">Julian Feldmann: Rodionov: Auftritt vor Rechtsextremen abgesagt. Auf: Ndr.de, 22. April 2015. Zitat: „Der deutschsprachige Ableger des russischen Auslandsfernsehsender RT interviewt zu politischen Themen auch immer wieder Verschwörungstheoretiker wie Jürgen Elsässer.“</ref>
- Daniele Ganser<ref>Bald Nato-Panzer vorm Goetheanum?. In: info3 Magazin, 19. Mai 2015.</ref>
- Christoph R. Hörstel, ehemaliger ARD-Journalist, PR-Berater und mehrfacher al-Quds-Tag-Redner<ref>Filipp Piatov: Moskaus Propagandasender gibt's jetzt auch auf Deutsch. In: Die Welt, 27. November 2014. Zitat: „Christoph Hörstel wird den Zuschauern nur als ehemaliger ARD-Korrespondent in Afghanistan vorgestellt, als es wieder mal darum geht, das Versagen der Amerikaner näher zu beleuchten. Seine verschwörungstheoretischen Betätigungen nach 9/11 – die CIA soll es gewesen sein – erwähnt man lieber nicht.“</ref>
- Oliver Janich, Klimaskeptiker
- Ken Jebsen, ehemaliger Radiomoderator des RBB, KenFM<ref name="SPON291014">Propaganda für den Kreml: Putins deutsche Gehilfen. In: Spiegel Online. 29. Oktober 2014, abgerufen am 15. Dezember 2014. Benjamin Bidder: </ref>
- Reinhard Lauterbach, Journalist der marxistisch orientierten Tageszeitung Junge Welt<ref>http://www.rtdeutsch.com/7724/der-fehlende-teil/der-fehlende-part-ukraine-das-neue-kabinett-steht-fest-e17/</ref>
- Manuel Ochsenreiter, rechtsextremistischer Publizist (Zuerst! und DMZ)<ref>Silvio Duwe: Russischer Nationalist und "Vordenker" Alexander Dugin Stargast bei rechtsextremen Treffen. In: Telepolis, 9. März 2015. Zitat: „Genauso regelmäßig ist "Zuerst!"-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter zu Gast im russischen Staatsfernsehen. Den Zuschauern wird beim englischsprachigen Sender Russia Today regelmäßig als deutscher Journalist vorgestellt - dass sein Magazin am äußersten rechten Rand zu verorten ist, wird ebenso regelmäßig nicht erwähnt.“</ref>
- Hermann Ploppa <ref>http://www.rtdeutsch.com/tag/hermann-ploppa/</ref>
- Karl Albrecht Schachtschneider, EU-Kritiker<ref>rt.com</ref>
- Jochen Scholz, Oberstleutnant a.D. der Luftwaffe, ehemaliger Linkspartei-Bezirksvorstand (Berlin Tempelhof-Schöneberg), Gründungsmitglied der „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“<ref>RT Deutsch: Sie ist Putins schönes Gesicht für Deutschland. In: Münchner Merkur, 14. November 2014.</ref>
- Hans-Christof von Sponeck <ref>http://www.rtdeutsch.com/15649/der-fehlende-teil/der-fehlende-part-bundeswehr-als-auftragsarmee-fuer-die-usa-96/</ref>
- Beatrix von Storch, Alternative für Deutschland<ref>Malte Lehming: Alternative für Deutschland: Was AfD und Linke verbindet. In: Der Tagesspiegel, 5. Februar 2015.</ref>
- Horst Teltschik <ref>http://www.rt.com/shows/sophieco/315001-military-drills-nato-russia/</ref>
- Jürgen Todenhöfer <ref>http://www.rtdeutsch.com/11366/international/der-is-durch-die-augen-von-todenhoefer-rt-deutsch-interview-mit-bisher-nicht-gestellten-fragen-zum-is/</ref><ref>http://www.rt.com/shows/sophieco/259493-isis-terror-war-arms/</ref>
- Udo Ulfkotte, Politikwissenschaftler, Publizist, ehemaliger Journalist der FAZ, Gründer der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pax Europa<ref name="taz-4235">Moscheegegner im rechten Netz. In: taz.de. 4. September 2007, abgerufen am 15. Dezember 2014. Alke Wierth Und Gereon Asmuth: </ref><ref>"Wie sich der deutsche Journalist Udo Ulfkotte vom russischen Staatsfernsehen vorführen lässt" Huffington Post vom 30. Oktober 2014, gesichtet am 30. Oktober 2014</ref>
- Willy Wimmer, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CDU und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)<ref>Ria Novosti: "Killing Russian Journalists in Ukraine is Organized Effort – Willy Wimmer" vom 8. Juli 2014, gesichtet am 8. Juli 2014</ref>
Deutsche Sender
In Thüringen strahlt der Lokalsender Salve TV Sendungen von RT Deutsch täglich aus und wurde dafür von Politikern mehrerer Parteien des Thüringer Landtags kritisiert. Werner Pidde (SPD) bezeichnete die Sendungen als „einseitig“ und „aus russischer Sicht“, Gerold Wucherpfennig (CDU) kritisierte, dass ein „Lokalsender staatliche russische Auslandspropaganda ausstrahlt“ und Madeleine Henfling (Grüne) sprach von „unkommentierter Ausstrahlung ohne journalistische Auseinandersetzung“. Kirsten Kramer, die stellvertretende Direktorin der Thüringer Landesmedienanstalt, sagte, dass die Programme von Salve TV intensiv beobachtet werden, es aber kein Aufsichtsverfahren oder einen Verbotstatbestand gebe. Salve-Chef Klaus-Dieter Böhm verteidigte die Übernahme der RT-Sendungen, die Ausstrahlung solle „ein Gegenpol zur Anti-Putin-Berichterstattung deutscher Medien“ sein.<ref>Viola Schenz: Kritik an Salve TV: Privatpropaganda. In: Süddeutsche Zeitung, 1. Juni 2015.</ref><ref>„Russland ist nicht unser Feind“: Thüringer Lokalsender zeigt RT Deutsch. Auf: N-tv, 1. Juni 2015.</ref>
Kritik von RT-Journalisten an der politischen Ausrichtung des Senders
Im März 2014 kritisierte die Moderatorin Abby Martins von RT America vor laufender Kamera die Politik Russlands im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Sie verurteilte die Besetzung der Krim durch russische Truppen. „Ich werde nicht hier sitzen und eine militärische Aggression entschuldigen oder verteidigen“, sagte Martin.<ref>Ann Kathrin Hermes: Russia-Today-Moderatorin Abby Martin: „Was Russland getan hat, ist falsch!“. In: Wirtschaftsblatt, 4. März 2014.
Kritik an Krim-Invasion: Putins widerspenstige Moderatorin. In: Spiegel Online, 4. März 2014</ref>
Einen Tag nach Martins Kritik sorgte die Moderatorin Liz Wahl für Aufmerksamkeit in den internationalen Medien, weil sie vor laufender Kamera ihren Job bei RT America kündigte. Sie begründete diesen Schritt in nachfolgenden Interviews mit der nach ihrer Meinung zu einseitigen Berichterstattung des Senders im Zuge des Ukraine-Kriegs. Sie sagte, der Sender würde die Taten Putins beschönigen, in einem späteren Interview sagte sie, RT verbreite pure Propaganda. In einer Reaktion auf Wahls Kündigung wertete RT den Auftritt als „Selbstvermarktung“.<ref>TV-Moderatorin kündigt on air wegen Krim-Krise. In: Zeit Online, 6. März 2014.</ref>
Im Juli 2014 kündigte auch die Reporterin Sara Firth vom britischen RT-Ableger aus Protest gegen die Berichterstattung des Senders über den Absturz von Malaysia-Airlines-Flug 17. Sie bezeichnete die RT-Berichte über den Absturz und die Schuldzuweisungen an die Ukraine als „völlig an den Fakten vorbei“. „Ich konnte nicht mehr. Jeden Tag lügen wir und entwickeln dafür immer verführerischere Methoden“, so Firth.<ref>Jim Waterson: Russia Today Correspondent Resigns Over Coverage Of Ukrainian Plane. In: BuzzFeed, 18. Juli 2014.
Peter Seiffert: Putins Propaganda-Sender: Die bizarren Wahrheiten von „Russia Today“. In: Focus, 23. Juli 2014.</ref> RT begründete Firths Kündigung damit, dass sie ein anderes Verständnis von Wahrheit habe als der Sender.<ref>Crash John Plunkett: Russia Today reporter resigns in protest at MH17 coverage. In: The Guardian, 18. Juli 2014.</ref>
Technische Verbreitung
Seit 2005 sendet RT rund um die Uhr in englischer Sprache und kann über Satellit (in Europa über Hotbird-6, Astra 1KR und Eurobird 1) und abhängig vom lokalen Kabelnetzbetreiber auch im digitalen Kabel empfangen werden. RT bemüht sich entsprechend auch um eine Einspeisung in Kabelnetze; in Deutschland kann RT z. B. im Netz von Unitymedia und im Raum Köln-Bonn-Aachen im Netz von NetCologne empfangen werden.
Insgesamt wird RT auf über 20 Satelliten weltweit verbreitet. Während RT Englisch z.B. auf Hotbird 13° Ost, Astra 19,2° Ost und Astra/Eutelsat 28,2° Ost jeweils in SD und HD ausgestrahlt wird, ist RT Arabisch in Deutschland am einfachsten über Hotbird 13,0° Ost und RT Spanisch über 19,2° Ost zu empfangen, jeweils nur in SD. In Deutschland ist RT USA nur mit Aufwand im C-Band über NSS-806 auf 40,5° West zu empfangen (HD und SD). RT Д in englischer Sprache ist in Deutschland nur über Hotbird 13,0° Ost zu empfangen, und zwar sowohl in HD als auch in SD. Die verschiedenen RT-Kanäle können über die Webseite des Senders auch im Internet über Live-Streaming empfangen werden. Das jeweilige Programm ist auch über den Peer-to-peer-Dienst Livestation verfügbar. Außerdem werden einzelne Beiträge in einem eigenen Kanal auf YouTube verbreitet, der im Juni 2013 die Marke von 1 Milliarde Zugriffe überschritt. Politische Videos des Kanals wurden etwa 4 Millionen Mal aufgerufen (ca. 1 % der Gesamtzugriffe). Ein Großteil der meistaufgerufenen Clips des Senders beschäftigt sich mit Naturkatastrophen, Unfällen, Verbrechen und Naturereignissen. Unter den fünf meistgesehenen Videos sind Clips über das Tōhoku-Erdbeben 2011, den Meteor von Tscheljabinsk und einen obdachlosen Amerikaner mit „goldener Stimme“. Laut einem von RIA Nowosti erstellten Dokument, das 2013 der Presse zugespielt wurde, sind die vergleichsweise hohen Abrufzahlen dadurch zu erklären, dass RT nicht-originale Inhalte auf YouTube hochlädt, die andere TV-Kanäle wegen Urheberrechtsbeschränkungen nicht hochladen.<ref>Katie Zavadski: Failing Mission: Putin's Propaganda TV Lies About Its Popularity. In: The Daily Beast, 17. September 2015.</ref>
Auszeichnungen
RT war 2010 für die Berichterstattung über Obamas Besuch in Russland und 2012 für einen Bericht über die Occupy Wall Street-Proteste für den International Emmy Award nominiert.<ref>The 2010 International Emmy® Award News & Current Affairs Nominees. Auf: iemmys.tv, 11. August 2010.
The 2012 International Emmy® Awards Current Affairs & News Nominees. Auf: iemmys.tv, 21. August 2012.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 55° 46′ 17,8″ N, 37° 42′ 51,8″ O{{#coordinates:55,7716|37,7144|primary
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