Sérandit


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Sérandit
Sérandit und Aegirin (schwarz) aus dem Steinbruch Poudrette, Mont Saint-Hilaire, Kanada (Größe: 6,2 × 5,5 × 3,9 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel NaMn2+2Si3O8(OH)<ref name="IMA-Liste2013" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ketten- und Bandsilikate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.DG.05 (8. Auflage: VIII/F.18)
65.02.01.05
Ähnliche Minerale Pektolith NaCa2Si3O8(OH)
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe (Nr.) P1<ref name="StrunzNickel" /> (Nr. 2)
Gitterparameter a = 7,68 Å; b = 6,89 Å; c = 6,75 Å
α = 90,5°; β = 94,1°; γ = 102,7°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung Kontaktzwillinge nach {110}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,34; berechnet: 3,42<ref name="Datenblatt" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {001} und {100}
Bruch; Tenazität uneben; spröde
Farbe hellrosa bis rosarot, braun, schwarz, farblos
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz bis Fettglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,668
nβ = 1,671
nγ 1,703<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,035<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 39° (gemessen); 39° (berechnet)<ref name="Mindat" />

Sérandit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Er kristallisiert im triklines Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung NaMn2+2Si3O8(OH)<ref name="IMA-Liste2013" />, ist also chemisch gesehen ein Natrium-Mangan-Silikat.

Strukturell gehört Sérandit zu den Ketten- und Bandsilikaten mit zusätzlichen Hydroxidionen. Zudem bildet er mit Pektolith (NaCa2Si3O8(OH)) eine Mischkristallreihe. Entsprechend ist bei natürlichem Sérandit das in der Formel enthaltene Mangan oft durch geringe Mengen an Calcium ersetzt. Beides lässt sich mit der von Strunz entwickelten kristallchemischen Strukturformel in der Form Na(Mn2+,Ca)2[Si3O8(OH)]<ref name="Lapis" /> ausdrücken.

In reiner Form ist Sérandit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine hellrosa bis rosarote, braune oder schwarze Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist jedoch stets weiß.

Sérandit entwickelt meist prismatische bis nadelige sowie tafelige oder blockige Kristalle, kommt aber auch in Form radialstrahliger und massiger Mineral-Aggregate vor. Unverletzte bzw. unverwitterte Kristallflächen weisen einen glas- bis fettähnlichen Glanz auf, Spaltflächen zeigen dagegen Perlmuttglanz und derbe Aggregate sind matt.

Mit einer Mohshärte von 5 bis 5,5 gehört Sérandit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie die Referenzminerale Apatit (5) und Orthoklas (6) mit einem Taschenmesser oder einer Stahlfeile ritzen lassen.


Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Sérandit auf der zu den Îles de Los gehörenden Insel Roume in Guinea und beschrieben 1931 durch Antoine Lacroix, der das Mineral nach seinem Assistenten J. M. Sérand benannte.

Typmaterial des Minerals wird im National Museum of Natural History in Washington, D. C. aufbewahrt (Register-Nr. 96515).<ref name="Datenblatt" />

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Sérandit zur Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Bustamit, Cascandit, Denisovit, Ferrobustamit, Foshagit, Jennit, Pektolith, Tanohatait, Vistepit und Wollastonit die „Wollastonitgruppe“ mit der System-Nr. VIII/F.18 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sérandit ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Kettenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 3-periodischen Einfach- und Mehrfachketten“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bustamit, Ferrobustamit, Pektolith, Tanohatait und Wollastonit die „Wollastonitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DG.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Sérandit in die Abteilung der „Kettensilikatminerale “ ein. Hier ist er ebenfalls in der „Wollastonitgruppe“ mit der System-Nr. 65.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=3“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Datei:Serandite-Albite-Aegirine-242633.jpg
Sérandit, Albit (weiß) und Aegirin (schwarz) aus dem Steinbruch Poudrette, Mont Saint-Hilaire, Kanada (Größe: 8,9 × 4,7 × 4,4 cm)
Datei:Rhodochrosite-Serandite-34724.jpg
Rhodochrosit-Pseudomorphose nach Serandit mit Polylithionit, ebenfalls aus dem Steinbruch Poudrette (Größe: 5 × 2,6 × 1,8 cm)

Sérandit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in Hohlräumen von Vulkaniten wie beispielsweise Nephelin-Syeniten, Pegmatiten oder Karbonatiten. Als Begleitminerale traten neben Nephelin unter anderem noch Aegirin, Analcim, Arfvedsonit, Astrophyllit, Eudialyt, Leukophanit, Mikroklin, manganhaltiger Neptunit, Sodalith und Villiaumit auf.

Als seltene Mineralbildung konnte Sérandit bisher nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 30 Fundorte (Stand: 2013) als bekannt gelten<ref name="MindatAnzahl" /> und seine Typlokalität Roume ist der bisher einzige bekannte Fundort in Guinea.

Die bisher größten bekannten und zugleich besten Kristalle mit bis zu 20 Zentimetern Länge wurden am Mont Saint-Hilaire in Kanada gefunden. Mont Saint-Hilaire ist zudem bekannt für seine Pseudomorphosen von Rhodochrosit nach Sérandit. Bis zu 6 Zentimeter lange Séranditkristalle traten im „Yubileinaya“-Pegmatitgang am Berg Karnassurt Lowosero-Massiv (Lowosero-Tundra) auf der russischen Halbinsel Kola zutage.<ref name="Dörfler" />

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, Italien, Japan, Namibia, Norwegen, Südafrika und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Mindat" />

Kristallstruktur

Sérandit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 7,68 Å; b = 6,89 Å; c = 6,75 Å; α = 90,5°; β = 94,1° und γ = 102,7° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Siehe auch

Literatur

  • À. Lacroix (1931): Les pegmatites de la syénite sodalitique de l'île Rouma (archipel de Los, Guinée française). Description d'un nouveau minéral (sérandite) qu'elles renferment, In: Comptes Rendus Hebdomadaires des Séances de l’Académie des Sciences, Band 192, S. 189-194 (PDF 360,3 kB)
  • W. F. Foshag (1931): New mineral names, In: American Mineralogist, Band 16, S. 343-344 (PDF 126,3 kB)

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Datenblatt"> Sérandite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 77,1 kB) </ref> <ref name="Dörfler">  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 242 (Dörfler Natur). </ref> <ref name="IMA-Liste2013"> IMA/CNMNC List of Minerals 2013 (PDF 1,3 MB) </ref> <ref name="Lapis">  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat - Sérandite </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat - Anzahl der Fundorte für Sérandit </ref> <ref name="StrunzNickel">  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 636. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral - Sérandite </ref> </references>