Sayda


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25px Dieser Artikel beschreibt eine deutsche Stadt. Sidon, Libanon, arabisch Sayda, Saida (Begriffsklärung) bzw. Seyda, Ortsname.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sayda
50.71666666666713.416666666667680Koordinaten: 50° 43′ N, 13° 25′ O{{#coordinates:50,716666666667|13,416666666667|primary
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Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Verwaltungs­gemeinschaft: Sayda
Höhe: 680 m ü. NHN
Fläche: 35,17 km²
Einwohner: 1942 (31. Dez. 2014)<ref name="Metadaten Einwohnerzahl DE-SN">Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).</ref>
Bevölkerungsdichte: 55 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09619
Vorwahl: 037365
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 520
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
09619 Sayda
Webpräsenz: www.sayda.de
Bürgermeister: Volker Krönert (CDU)
Lage der Stadt Sayda im Landkreis Mittelsachsen

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Sayda ist eine kreisangehörige Stadt im Südosten des Landkreises Mittelsachsen. Sie ist seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts urkundlich dokumentiert.

Geografie

Lage

Sayda liegt im Osterzgebirge zwischen den Tälern der Freiberger Mulde und der Flöha.

Stadtgliederung

Zu Sayda gehören die Ortsteile

Geschichte

Ersterwähnung und Entwicklung

Die älteste belegte Erwähnung von Seydowe ist eine Stiftungsurkunde des Zisterzienserkloster von Ossegg. In dieser Stiftungsurkunde ist erwähnt, dass das Kloster einen Zehnt der Zoll- und Gerichtseinnahme von Seydowe jährlich erhalten soll. Die Stiftung ist 1191 vom damaligen Besitzer, dem Grafen von Bilin, gemacht worden. Die erste urkundliche Erwähnung als Zavidove ist in der noch vorhandenen Urkunde von 1207 erfolgt. Im 13. Jahrhundert folgte die eigentliche Besiedlung des Raumes um Sayda vom Süden her durch das böhmische Adelsgeschlecht der Hrabischitzer.

Wesentlichen Anteil an der Entstehung des Ortes hat der Böhmische Steig oder Alte Salzstraße genannte Erzgebirgspass von Sayda über den Deutscheinsiedler Sattel. Dieser wichtige Weg aus Mitteldeutschland über das Erzgebirge ins Böhmische Becken entstand im späten 11. bzw. im 12. Jahrhundert. Die ältere Forschung nimmt die Existenz dieser Verkehrsverbindung bereits seit dem 7. Jahrhundert an, doch gibt es dafür noch keine belastbaren Belege (Stand 2014).

Sayda bot mit der landesherrlichen Burg Schutz für die Böhmische Straße und die entstandenen Siedlungen. In Dokumenten der Jahre 1253 und 1289 heißt die Siedlung Castrum et civitas Seydowe. Markgraf Heinrich der Erlauchte erwarb Sayda Mitte des 13. Jahrhunderts, indem er seine Ansprüche auf österreichische Güter aufgab. Das Gebiet Sayda wurde danach an Böhmen verkauft, ehe es Anfang des 14. Jahrhunderts endgültig zur Markgrafschaft Meißen kam.

Der Vertrag zu Mügeln besiegelt am 18. Oktober 1300, dass der Bischof von Meißen vom Abt und Konvent des Zisterzienser-Klosters Ossegg (im Bistum Prag gelegen) den Vikar der Gemeinde Sayda zusammen mit den umliegenden Kirchen und Kapellen, die zum Ort Sayda selbst gehören, sowie den Pfarrern und den Leitern derselben mit allen geistlichen Rechten übernehmen. Eine Ablichtung dieser Urkunde befindet sich im Heimatmuseum in Sayda. Im Jahr 1324 wurde die Familie von Bergowe von dem Landgraf Friedrich in Thüringen mit Sayda und Purschenstein belehnt. 1352 wurde Burggraf Meinher IV. von Meißen, der Schwager Borso's IV. von Riesenburg, Lehnsherr, der das Lehen aber sofort an die Familie von Schönberg weitergab. Die Familie von Schönberg hat dann fortan das Lehen besessen. Der erste Lehnsherr war Heinrich von Schönberg.

1451 wurde Bernhard von Schönberg mit Sayda beliehen. 1476 ging er mit dem sächsischen Herzog Albrecht dem Beherzten nach Jerusalem. Auf dem Rückweg erkrankte er und verfügte in einem Testament, dass in Sayda ein Hospital für kranke und hilfsbedürftige Menschen zu errichten ist, so wurde 1508 das Hospital zu St. Johannis errichtet. Das mehrhundertjährige Gebäude sollte nach 1990 abgerissen werden, doch der am 17. Februar 1990 wiedergegründete Erzgebirgszweigverein Sayda schaffte es, das Hospital - das älteste Haus im Ort - zu erhalten. Der Verein sanierte das Gebäude und eröffnete am 22. Mai 1993 das Erzgebirgische Heimatmuseum Hospital zu St. Johannis.

Kriege, Katastrophen und Unglücke

Sayda wurde im Laufe seiner Geschichte überdurchschnittlich oft von teils verheerenden Stadtbränden heimgesucht.

  • 31. März 1435: Ein Stadtbrand vernichtete weite Teile des Ortes. Vermutlich hatten Hussiten das Feuer gelegt.
  • 30. Oktober 1559: Ein Feuer vernichtete in der Stadt 200 Häuser und Scheunen. Den Flammen fielen auch das Rathaus, die Kirche und die Schule zum Opfer.
  • 1657: 13 Häuser und 10 Scheunen fielen einem Brand zum Opfer.
  • 3. August 1681: Infolge eines Blitzschlags brannten 17 Scheunen ab.
  • 10./11. Februar 1702: Gegen Mitternacht brach ein sich rasch ausbreitendes Feuer aus, welches 44 Häuser, darunter Kirche, Pfarre, Diakonat und Rathausturm, sowie 14 Scheunen vernichtete.
  • 10. Januar 1743: Bei einem durch Unachtsamkeit verursachten Brand gehen innerhalb von vier Stunden 26 Häuser und 19 Scheunen in Flammen auf.
  • 31. August/1. September 1842: Am Abend des 31. August brach in einer vor dem Freiberger Tor gelegenen Scheune ein Feuer aus, welches innerhalb von acht Stunden weite Teile der Stadt zerstörte. Bei diesem letzten großen Stadtbrand gingen 145 Häuser inklusive der Neben- und Hintergebäude und 52 Scheunen in Flammen auf, nur 38 Häuser und 26 Scheunen blieben unbeschädigt. Das Feuer machte 289 Familien (ca. 1.100 Einwohner) obdachlos.
  • 8. Juni 1876: 24 Scheunen brannten nieder.
  • 2. Juli 1914: Ein vermutlich durch Brandstiftung entstandenes Feuer vernichtete am historischen Ortsteil "Plan" (Anger) zehn Häuser.
  • 4. Juli 1978: In der nahe Sayda befindlichen Verdichterstation der Erdgastrasse Nordlicht ereignete sich eine Explosion, bei der zwei Menschen ums Leben kamen.

Einwohnerentwicklung

  • 1486: 136 Mann
  • 1648: ca. 100 Einwohner (Folge der Verwüstungen durch den Dreißigjährigen Krieg)
  • 1652: 175 Häuser, davon nur 76 bewohnt (ca. 500 Einwohner), die restlichen Häuser waren abgebrannt bzw. wüst gefallen
  • 1764: 54 besessene Mann und 99 Häusler

Folgende Einwohnerzahlen ab 1982 beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007:

1834 bis 1929

  • 1834–2308
  • 1871–2329
  • 1890–2328
  • 1910–2277
  • 1929–2286

1982 bis 1988

  • 1982–2308
  • 1983–2329
  • 1984–2328
  • 1985–2277
  • 1986–2286
  • 1987–2324
  • 1988–2348

1989 bis 1995

  • 1989–2356
  • 1990–2334
  • 1991–2344
  • 1992–2350
  • 1993–2348
  • 1994–2343
  • 1995–2329

1996 bis 2002

  • 1996–2353
  • 1997–2321
  • 1998–2329
  • 1999–2315
  • 2000–2284
  • 2001–2292
  • 2002–2299

2003 bis 2013

  • 2003–2267
  • 2004–2235
  • 2005–2188
  • 2006–2180
  • 2007–2134
  • 2012–1958
  • 2013–1947
Quelle ab 1982: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik

Stadtrat

Gemeinderatswahl 2014<ref>Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014</ref>
Wahlbeteiligung: 61,1 %
 %
40
30
20
10
0
28,6 %
16,1 %
14,3 %
9,6 %
31,4 %
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Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 12 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Wählervereinigung der Handwerker und Gewerbetreibenden (WvHG): 3 Sitze
  • Regionalbauernverband (RBV): 2 Sitze
  • CDU: 2 Sitze
  • Bürgerinitiative (BI): 1 Sitz
  • Wählervereinigung "Wir für Sayda" (WfS): 4 Sitze

Bürgermeister

Der Gemeinde Sayda steht ein Bürgermeister vor, seit der letzten Wahl des Jahres 2014 ist das Volker Krönert.

Wappen

Blasonierung: „In Gold ein rot-grün geteilter Löwe.“

Die Stadt führt das Wappen der Herren von Schönberg, die seit 1336 auf Schloss Purschenstein (Neuhausen) ansässig waren. Das älteste bekannte Siegel datiert von 1454. Der Sage nach soll ein Schönberger auf einem Kreuzzug in Palästina mit einem Löwen gekämpft haben und das todwunde Tier sei im Unterschilf eines Flusses verendet. Als es hervorgezogen worden war, hatte es einen von Algen und Wasserpflanzen grün gefärbten Hinterleib.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Datei:Sayda Hospital (1) 2006-07-15.JPG
Erzgebirgisches Heimatmuseum Hospital zu St. Johannis

Museen

  • Erzgebirgisches Heimatmuseum im Hospital St. Johannis, 1993 hier eröffnet
  • Feuerwehrmuseum im alten Spritzenhaus
  • Straßenbaumuseum der Firma A. Adam
  • Mittelmühle und Röhrenbohrerei im Stadtteil Friedebach
Datei:Sayda (02) 2006-07-15.JPG
Blick in die Dresdner Straße

Bauwerke

  • Kirche Zu unserer lieben Frauen (Pfarrkirche St. Marien)
    dreischiffige spätgotische Hallenkirche von 1391, das Langhaus entstand nach 1502, der Chor wird auf das 14. Jahrhundert datiert. An der Südseite befinden sich ein Vorbau mit gedrehten Rippengewölben und eine dreieckige Vorhalle mit Zellengewölben. Im Innenraum sind zwei Epitaphe der Familie von Schönberg aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. 1892 innen umfassend renoviert, 62 m hoher Turm, zweithöchste Hallenkirche im ehemaligen Landkreis Freiberg
    <ref>Kirchengemeinde Sayda mit Kurzinfo zum Kirchengebäude</ref> Das Kirchengebäude ist ein Kulturdenkmal.<ref name="Piltz">Georg Piltz: Kunstführer durch die DDR. 4. Auflage. Urania-Verlag, Leipzig/ Jena/ Berlin 1973, S. 466.</ref>
  • Hospital St. Johannis: ist ein schlichter Barockbau, im Jahr 1467 begonnen und weist als Besonderheit ein Fachwerk-Obergeschoss auf, das 1784 aufgesetzt wurde. Es ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt, bis 1945 als Hospital genutzt, danach Wohnhaus. Das Hospital und die benachbarte Begräbniskirche aus dem Jahr 1508 sind Kulturdenkmale.<ref name="Piltz" />
  • Wasserturm: Inbetriebnahme 1894, bis heute (Stand 2014) genutzt, 25 m hoch

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Datei:Halle Prag Salzweg Übersichtskarte 600.jpg
Verlauf der Alten Salzstraße zwischen Halle und Prag
Datei:Sayda (10) 2006-07-15.JPG
Kirche und Grundschule

Sayda hatte sein Aufblühen im Mittelalter seiner Lage an der Alten Salzstraße von Halle nach Prag zu verdanken. So entwickelte sich Sayda im 14. Jh. zu einer Handelsstadt, in der mehrmals jährlich Handelsmessen stattfanden. Erst mit dem Zweiten Berggeschrei im Erzgebirge im 15. Jahrhundert und dem damit verbundenen Aufblühen neuer Bergstädte im Westerzgebirge, wie Marienberg, Annaberg und Schneeberg, verlor dieser Fernhandelsweg seine Bedeutung zugunsten anderer Böhmischer Steige bzw. Erzgebirgspässe. Seit dem Jahr 2012 ist Sayda Staatlich anerkannter Erholungsort und wirbt mit diesem Titel auch um Touristen. Die Gemeindehomepage nennt im Jahr 2015 22 kleine und größere Unternehmen in Sayda und seinen Ortsteilen.<ref>Wirtschaft in Sayda auf www.sayda.eu; abgerufen am 18. Februar 2014.</ref>

Verkehr

Von 1897 bis 1966 war Sayda Endpunkt der Schmalspurbahn Mulda–Sayda. Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Sayda ist erhalten geblieben. Es wird als Hauptgebäude der Saydaer Kindertagesstätte Bahnhofsspatzen genutzt und beherbergt wochentags ca. 100 Kinder.

Bildungseinrichtungen

  • Grundschule, benannt nach dem Kantor und Heimatforscher Max Rennau
  • Oberschule Sayda

Freizeit- und Sportanlagen

  • Skigebiet Sayda mit 45 km gespurten Loipen, 1 beleuchteten Rodelhang, Pferdeschlittenfahrten, Motorschlittensafaris
  • 2 Sportplätze

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Carl August Hänsel (1799–?), Komponist (Tänze, Märsche, Ballettmusik) und Musikmeister, 1836–1867 Cellist der königlich-sächsischen Hofkapelle
  • Oskar Beier (1875–1941), Politiker (Wirtschaftspartei), Reichstagsabgeordneter.
  • Curt Böhme (1889–1968), 1948–1956 Oberbürgermeister der Stadt Gera, Ehrenbürger von Gera

Literatur

  • Festkomitee der 750-Jahrfeier der Stadt Sayda (Hrsg.): 750-Jahrfeier Sayda/Erzgebirge vom 15.-23. Juni 1957. Sayda 1957.
  • Carl Gustav Flade, Friedrich Wilhelm Thost: Beschreibung des in der Nacht vom 31. August zum 1. Sept. 1842 in der Stadt Sayda stattgefundenen Brandunglücks. Rudolph und Dieterici, Annaberg 1842 (Digitalisat)
  • Gottfried Krönert (Hrsg.): Chronik und Zeittafel der Bergstadt Sayda. Sayda 2000.
  • Sayda. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 10. Band, Zwickau 1823, S. 191–193.
  • Richard Steche: Sayda. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 118.

Weblinks

Commons Commons: Sayda – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />