Tremolit


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Tremolit
Tremolit aus Campolungo, Tessin, Schweiz (Größe: 11 x 9 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Ca2Mg5[(OH,F)|Si4O11]2<ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 627.</ref>
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Kettensilikate und Bandsilikate, Gruppe Calcium-Amphibole
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.DE.10 (8. Auflage: VIII/F.10)
66.01.03a.01
Ähnliche Minerale Wollastonit
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch 2/m
Raumgruppe (Nr.) C2/m<ref name="StrunzNickel" /> (Nr. 12)
Gitterparameter a = 9,86 Å; b = 18,05 Å; c = 5,29 Å
β = 104,8°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,99 bis 3,03; berechnet: 2,964<ref name="Datenblatt">Handbook of Mineralogy – Tremolite (englisch, PDF 78,8 kB)</ref>
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}; Querabsonderungen unter 56° und 124°<ref name="Datenblatt" />
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig, spröde
Farbe weiß, grau, braun, grün, violett bis rosa
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Seidenglanz, matt
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,599 bis 1,612
nβ = 1,613 bis 1,626
nγ 1,625 bis 1,637<ref name="Mindat">Tremolite bei mindat.org (engl.)</ref>
Doppelbrechung δ 0,026<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 88 bis 80°; berechnet: 82 bis 84°<ref name="Mindat" />
Pleochroismus farblos
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Fluoreszenz

Das Mineral Tremolit (auch Grammatit) ist ein häufig vorkommendes Kettensilikat aus der Gruppe der Calcium-Amphibole. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca2Mg5[(OH,F)|Si4O11]2<ref name="StrunzNickel" /> und entwickelt meist säulige, nadelige und radialstrahlige Kristalle, aber auch faserige, körnige und säulige Mineral-Aggregate in den Farben weiß (bei 100 % Magnesium), grau, braun, grün (geringe Beimengung von Eisen) und rosa. Mit steigendem Eisengehalt wird die Farbe immer dunkler. Seine Härte beträgt zwischen 5 und 6 und seine Dichte zwischen 2,9 und 3,2.

Tremolit ist das Endglied der Tremolit-Aktinolith-Ferro-Aktinolith-Mischreihe mit variabel austauschbaren Magnesium-Ionen (Tremolit) und Eisen-Ionen (Ferro-Aktinolith).

Besondere Eigenschaften

Datei:Tremolite-200816.jpg
Tremolit im Tageslicht und unter kurzwelligem UV-Licht hellblau fluoreszierend aus Franklin, Sussex County, New Jersey, USA

Je nach Fundort zeigen manche Tremolite unter kurzwelligem UV-Licht eine bläuliche, aber auch grüne, orange, rosa bis rote oder weiße<ref name="Fluoreszenztabelle">Mineralienatlas:Fluoreszenz/Tabelle</ref> und unter langwelligem UV-Licht eine orange oder rosa bis rote<ref name="Fluoreszenztabelle" /> Fluoreszenz.

Etymologie und Geschichte

Datei:Tremolite-148295.jpg
Tremolit aus dem Val Tremola, Schweiz

Erstmals entdeckt wurde Tremolit bei Campolungo im Val Piumogna im Schweizer Tessin und beschrieben 1790 von Johann Georg Albrecht Höpfner, der das Mineral nach dem am Gotthardpass liegenden Val Tremola benannte, welches er irrtümlich als Typlokalität dokumentiert hatte.<ref>Philippe Roth: The Early History of Tremolite (englisch, PDF 477,3 kB; MineralogicalRecord.com 2006)</ref> Später (Hey's Mineral Index (1993)) wurde das Mineral aber auch im Val Tremola gefunden.<ref name="Localities">Mindat - Localities for Tremolite</ref>

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Tremolit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Aktinolith, Alumino-Ferrotschermakit, Cannilloit, Chloro-Kaliumhastingsit, Edenit, Ferri-Ferrotschermakit, Ferrisadanagait, Ferritschermakit, Ferro-Aktinolith, Ferro-Alumino-Tschermakit, Ferro-Edenit, Ferrohornblende, Ferro-Kaersutit, Ferro-Pargasit, Ferrotschermakit, Fluorocannilloit, Fluoro-Edenit, Hastingsit, Kaersutit, Kalium-Chloropargasit, Kalium-Ferrisadanagait, Kalium-Magnesiosadanagait, Kaliumpargasit, Kaliumsadanagait, Magnesiohastingsit, Magnesiohornblende, Magnesiosadanagait, Pargasit, Sadanagait und Tschermakit eine eigenständige Amphibol-Untergruppe der „Calcium-Amphibole“ bildet.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Tremolit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Kettenbildung und nach der Zugehörigkeit zu größeren Mineralfamilien, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Klinoamphibole“ zu finden ist, wo es zusammen mit Aktinolith, Alumino-Ferrohornblende, Alumino-Ferrotschermakit, Alumino-Magnesiohornblende, Aluminotschermakit, Cannilloit, Ferri-Ferrotschermakit, Ferritschermakit, Ferro-Aktinolith, Ferrohornblende, Ferrotschermakit, Fluorocannilloit, Fluorotremolit, Joesmithit, Magnesiohornblende, Parvo-Manganotremolit und Tschermakit die nach ihm benannte „Tremolitgruppe der Ca-Klinoamphibole“ mit der System-Nr. 9.DE.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Tremolit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2“. Hier ist er zusammen mit Aktinolith, Ferro-Aktinolith, Magnesiohornblende, Ferrohornblende, Tschermakit, Aluminoferrotschermakit, Ferri-Ferrotschermakit, Ferrotschermakit, Ferro-Aluminotschermakit, Ferritschermakit, Ferroferritschermakit, Edenit, Fluoro-Edenit, Ferro-Edenit, Pargasit, Kaliumpargasit, Ferropargasit, Ferrochloropargasit, Kalium-Chloropargasit, Kalium-Ferropargasit, Magnesiohastingsit, Hastingsit, Kalium-Chlorohastingsit, Fluoro-Magnesiohastingsit, Kalium-Magnesiohastingsit, Chloro-Kaliumhastingsit, Fluoro-Kaliumhastingsit, Kalium-Magnesiosadanagait, Sadanagait, Kaliumsadanagait, Kaliumferrisadanagait, Magnesiosadanagait, Kaersutit, Ferrokaersutit, Fluorocannilloit und Cannilloit in der „Gruppe 2, Calcium-Amphibole“ mit der System-Nr. 66.01.03a innerhalb der Unterabteilung der „Kettensilikate: Doppelte unverzweigte Ketten, W=2 Amphibol-Konfiguration“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten

Eine Varietät ist das sogenannte Bergleder, das aus miteinander verfilzten Mineralfasern besteht und im Aussehen dem Leder recht ähnlich sieht.

Hexagonit ist eine durch geringe Beimengungen an Mangan violette Varietät von Tremolit.

Mit Aktinolith bildet Tremolit eine lückenlose Mischungsreihe. Die entsprechenden Mischkristalle, die eine große Härte besitzen, werden als Nephrit und wegen ihrer charakteristischen grünlichen Färbung auch als Jade (neben dem vorwiegend aus Jadeit bestehenden Gestein) bezeichnet.

Bildung und Fundorte

Datei:Trémolite-Barège.jpg
Faseriger Tremolit aus dem Vallée d'Aure, Hautes-Pyrénées, Frankreich

Tremolit bildet sich metamorph und kommt in Talkschiefern und oft auch in unreinen kristallinen Varietäten dolomitischen Kalksteines vor. Weniger häufig tritt es in Pyroxenlagern von Eruptivgesteinen auf. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Cummingtonit, Diopsid, Dolomit, Forsterit, calciumhaltige Granate, Talk, Magnesio-Cummingtonit, Riebeckit, Winchit und Wollastonit.<ref name="Datenblatt" />

Insgesamt konnte Tremolit bisher (Stand: 2011) an rund 1600 Fundorten nachgewiesen werden.<ref name="Mindat" /> Neben seiner Typlokalität Campolungo im Val Piumogna und dem Val Tremola am Gotthardpass wurde das Mineral in der Schweiz noch bei Fusio im tessiner Bezirk Vallemaggia, am Ofenhorn und am Geisspfad im Binntal sowie bei Martigny im Kanton Wallis.

In Deutschland fand man Tremolit bisher am Silberberg bei Todtnau in Baden-Württemberg, an mehreren Orten des Frankenlandes und Niederbayerns, bei Roßbach (Bensheim) im hessischen Odenwald, bei Bad Harzburg in Niedersachsen, bei Breitenbrunn/Erzgeb., Schneeberg und Beierfeld im Erzgebirge und bei Oelsnitz im Vogtland in Sachsen sowie bei Barmstedt und Schönberg in Schleswig-Holstein.

In Österreich konnte das Mineral an mehreren Orten im Burgenland, in Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark sowie im Tiroler Inn- und Zillertal.

Weitere Fundorte sind Afghanistan, Ägypten, die Antarktis, Argentinien, Äthiopien, Australien, Bangladesch, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Fidschi, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Grönland, Haiti, Indien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kenia, Nord- und Südkorea, Madagaskar, Malaysia, Marokko, Mexiko, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Sambia, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Schweden, Südafrika, Taiwan, Tansania, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, die US-amerikanische Jungferninsel Saint John, das Vereinigte Königreich (Großbritannien) und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Auch in Gesteinsproben des Mittelatlantischen Rückens konnte Tremolit gefunden werden.<ref name="Localities" />

Kristallstruktur

Tremolit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe <math>\ C2/m</math> (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 9,86 Å; b = 18,05 Å; c = 5,29 Å und β = 104,8° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Verwendung

Faserartige Tremolite wurden zur Herstellung von Asbest verwendet.

Für Geologen und Petrologen ist Tremolit ein Temperatur-Indikator, da es sich bei höheren Temperaturen in Diopsid umwandelt.

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />

Literatur

Weblinks

Commons Commons: Tremolit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien