Nord-Ostsee-Bahn
Nord-Ostsee-Bahn GmbH | |
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Logo | |
Basisinformationen | |
Unternehmenssitz | Kiel |
Webpräsenz | Nord-Ostsee-Bahn |
Bezugsjahr | 2011 |
Eigentümer | Transdev GmbH |
Geschäftsführung |
Martina Sandow |
Verkehrsverbund | VRK, HVV |
Mitarbeiter | 350 |
Umsatz | 95 Mio. EUR |
Linien | |
Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
Eisenbahn | 2 |
Anzahl Fahrzeuge | |
Lokomotiven | 6 MAK DE 2700 3 ER 20 + 6 angemietete 2 Köf III |
Triebwagen | 3 Talent |
Sonstige Fahrzeuge | 90 Wagen |
Statistik | |
Fahrleistung | 4,2 Mio. Zugkilometer |
Länge Liniennetz | |
Eisenbahnlinien | 238 km |
Sonstige Betriebseinrichtungen | |
Betriebshöfe | 1 |
Die Nord-Ostsee-Bahn GmbH (kurz NOB) ist eine Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Kiel. Sie gehört zu 100 % zur Transdev GmbH und betreibt Personennahverkehr auf der Marschbahn in Schleswig-Holstein. Neben dem Bahnbetrieb betreibt die NOB Busverkehre mit den beiden Tochtergesellschaften Rohde Verkehrsbetriebe mit Betriebsteilen in Husum und Eutin und Norddeutsche Verkehrsbetriebe GmbH mit den Betriebsteilen in Niebüll und Itzehoe.
Der Umsatz im Jahr 2011 betrug 95 Millionen Euro und die Passagierleistung lag bei rund 10,2 Millionen (inkl. Tochtergesellschaften).
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Bahnverkehr
Die Liberalisierung des Schienenpersonennahverkehrs in Deutschland ermöglichten den Einstieg des Eisenbahnkonzerns Connex in den deutschen Eisenbahnverkehr. Nach einer Ausschreibung durch das Land Schleswig-Holstein erhielt das Tochterunternehmen Nord-Ostsee-Bahn den Zuschlag und übernahm ab 5. November 2000 den Personennahverkehr auf den Strecken Kiel–Husum, Husum–Bad St. Peter Ording sowie zur Hälfte auf der Strecke Kiel–Neumünster.
Nachfolgend bemühte sich das Unternehmen um eine Bahnlizenz auf der Autotransportstrecke zwischen den Bahnhöfen Niebüll und Westerland (Sylt) (Sylt-Shuttle). Die Planung scheiterte im Jahr 2003, nachdem DB Autozug keinen Zugang zu den Verladeterminals gewährte. Die für den Verkehr vorgesehenen Flachwagen wurden verkauft.<ref name="eri-2003-297">Meldung Kein Connex-Sylt-Shuttle. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2003, ISSN 1421-2811, S. 297.</ref>
Nach dem überraschenden Konkurs ihres Konkurrenten FLEX übernahm die NOB von November 2003 bis Dezember 2005 nach einer Preisanfrage des Landes Schleswig-Holstein auch den Schienenpersonennahverkehr auf der Fernstrecke Hamburg–Flensburg–Pattburg/Padborg (Dänemark), den Flensburg-Express. Dort wurden Dispoloks der Baureihe 182 und Lokomotiven der Baureihe 185 eingesetzt. Hinzu kamen ehemalige InterConnex-Wagen.
Den Sprung zum zweitgrößten Eisenbahnunternehmen gelang ab 11. Dezember 2005. Zum damaligen Fahrplanwechsel übernahm die NOB den bislang von der Deutschen Bahn betriebenen Schienenpersonennahverkehr auf der Marschbahn (Hamburg-Altona–Westerland/Sylt). Hierzu wurde ein eigenes Betriebswerk in Husum errichtet. Nach anfänglichen Problemen mit der Wendezugsteuerung, den neuen Waggons der Firma Bombardier und den Diesellokomotiven vom Typ MAK DE 2700 (früher Siemens ME 26), hat sich der Betrieb bis Januar 2006 auf der Marschbahn wieder normalisiert. Die gemessene Pünktlichkeit liegt wieder im Bereich anderer Wettbewerber in Schleswig-Holstein. Viele Probleme konnten seit der Betriebsübernahme beseitigt werden, jedoch kam es bis April 2007 immer wieder zu Störungen, die dann jedoch verstärkt öffentlich wahrgenommen werden. Die Nord-Ostsee-Bahn führt einen Großteil der Verspätungen auf Streckenschäden und Instandhaltungsmaßnahmen an der Infrastruktur zurück, die in der Verantwortung der Deutschen Bahn liegen<ref>NOB-Pressemitteilung vom 21. März 2006</ref>. Infolge des „Fehlstarts“ auf der Marschbahn im Dezember 2005 wurde die Führungsetage der NOB teilweise ausgewechselt. Der bisherige Geschäftsführer Karl-Heinz Fischer übernahm eine neue Funktion innerhalb der Gruppe. Die damalige Veolia Verkehr bestellte darauf hin im Januar 2006 Steffen Höppner, seinerzeit bereits Leiter der Region Ost, als Geschäftsführer und neuen Leiter der Region Nord. Mitte 2006 wurde Hagen Kalleja zum weiteren Geschäftsführer der NOB bestellt. Nachdem Steffen Höppner im April 2007 zum Chief Operating Officer (COO) der damaligen Veolia Verkehr berufen wurde, legte er nach Abschluss der Schlichtungsverhandlungen mit dem Land Schleswig-Holstein seine Funktion als NOB-Geschäftsführer Mitte 2008 nieder. Seitdem war Hagen Kalleja alleiniger Geschäftsführer der NOB. Seit Frühjahr 2009 wurde die Geschäftsführung als Doppelspitze aus Hagen Kalleja und Olaf Ernst als technischem Geschäftsführer gebildet. Wiederum Ende 2009 wurde Hagen Kalleja als Geschäftsführer abberufen und durch Andreas Winter ersetzt. Nach einer Übergangsfrist folgte auf Andreas Winter die frühere Geschäftsführerin der Ratzeburg-Möllner-Verkehrsbetriebe, Martina Sandow.
Seit den Tarifverhandlungen im Winter 2010/2011 verkehrt die Marschbahn überwiegend nach einem Teilfahrplan nur zweistündlich. Seit Februar 2011 zählte die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung SHZ 17 Streiks der Lokführergewerkschaft GDL<ref>SHZ-Bericht vom 20. Oktober 2011</ref> Das Ende der regelmäßigen Ausständen gelang erst mit der Einigung auf einen Schlichter am 4. November 2011.
Zwischenzeitlich hatte sich das Unternehmen mit dem Konkurrenzunternehmen DB Regio auf einen teilweise vorgezogenen Übergang des Netzbetriebs auf der Strecke Husum–Schleswig–Rendsburg–Kiel geeinigt. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 ging ein Großteil der NOB-Strecken im Zuge der Ausschreibung im Netz Nord auf das Unternehmen DB Regio über. Seither verkehrt die Nord-Ostsee-Bahn nur noch auf der Marschbahn, deren Ausschreibung ebenfalls bevorsteht.
Im Juli 2015 wurde auf Beschluss des Finanz- und Wirtschaftsausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtags festgelegt, dass die Nord-Ostsee-Bahn die Leistung der Marschenbahn zum Fahrplanwechsel 2016 an die DB Regio abgeben muss. Nach Verlautbarung der Landesregierung soll die DB Regio das für die Landesverkehrsgesellschaft wirtschaftlichste Angebot abgegeben haben. Die Verkehrsleistung wird dabei mit den bereits bei der Nord-Ostsee-Bahn in Nutzung stehenden Fahrzeugen erbracht.
Busverkehr
Im Januar 2004 wurde die Mehrheit am Busunternehmen Niebüller Verkehrsbetriebe GmbH (NVB) übernommen. Im weiteren Verlauf übernahm die Nord-Ostsee-Bahn zum Jahreswechsel 2005/06 den in Husum ansässigen Bus-Betrieb Rohde Verkehrsbetriebe.
Ab 1. Januar 2006 übernahm die als Busbeteiligungsgesellschaft von der NOB gegründete Nord-Ostsee-Bus GmbH unter dem Markennamen Steinburger Linien den Stadtverkehre in den Städten Itzehoe und Glückstadt. Der Betriebsübernahme war eine europaweite Ausschreibung des Zweckverbandes ÖPNV Steinburg vorausgegangen, die der bisherige Betreiber die-linie GmbH nicht erneut gewinnen konnte.
Seit 2013 betreibt die Nord-Ostsee-Bahn außerdem den Stadtbusverkehr in Bad Segeberg.
Linien
Die folgenden SPNV-Linien werden bzw. wurden von der Nord-Ostsee-Bahn betrieben:
Zuggattung | Streckenname | Linienweg | Vertragslaufzeit | Fahrzeuge | |
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RE | Marschbahn | Hamburg-Altona – Elmshorn – Itzehoe – Heide (Holstein) – Husum – Westerland | 11.12.2005 – 10.12.2016 | ER20 bzw. MAK- DE 2700 + 6 (= 3 * 2) Married-Pair-Wagen | |
RB | Itzehoe – Wilster – Heide (Holstein) | Talent und ehemals LINT 41 | |||
Husum – Niebüll – Westerland | |||||
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SHE | Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel / Bahnstrecke Neumünster–Flensburg | Hamburg Hbf – Elmshorn – Neumünster – Rendsburg – Schleswig – Flensburg – Padborg | 01.11.2003 – 10.12.2005 | BR 182 Dispo, später 185, mit ex InterConnex-Z-Wagen und Steuerwagen | |
RB | Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel | Neumünster – Bordesholm – Kiel Hbf | 05.11.2000 – 04.04.2009 | LINT 41 | |
RB | Marschbahn | Niebüll – Tondern | 2003 – 11.12.2010 | NE 81 | |
RB | Bahnstrecke Husum–Kiel | Husum – Schleswig – Rendsburg – Kiel Hbf | 05.11.2000 – 10.12.2011 | Talent | |
RB | Bahnstrecke Husum–Bad St. Peter-Ording | Husum – Tönning – Sankt Peter-Ording | |||
RB | Bahnstrecke Kiel–Flensburg | Kiel Hbf – Eckernförde | 04.04.2009 – 10.12.2011 | LINT 41 |
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 fährt die NOB nur noch auf der Marschbahn. Die anderen Strecken musste sie an die Regionalbahn SH abgeben, da diese eine entsprechende Ausschreibung gewonnen hatte. In den letzten Monaten des Jahres 2011 fuhr bereits die Regionalbahn Schleswig-Holstein einen Teil der Streckenleistung. Die NOB bevorzugte eine schrittweise Übergabe des Netzbetriebs.
Fahrzeugpark
Die Nord-Ostsee-Bahn hat eine große Anzahl von eigenen und geleasten bzw. gemieteten Fahrzeugen und Wagen verschiedenster Bauarten im Einsatz. Die Fahrzeuge werden im eigenen Werk in Husum gewartet.
Triebwagen
Im Besitz der NOB befinden sich neun LINT 41-Triebwagen (VT 301–VT 309), welche aktuell nicht mehr auf der Marschbahn fahren und drei Talent-Triebwagen (VT 728–VT 730). Ein NE 81 fuhr von April 2003 bis Dezember 2010 auf der Strecke Niebüll–Tønder und wurde von der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft gekauft.
Lokomotiven
Für den Betrieb auf der so genannten Marschbahn wurden mehrere Lokomotiven und Eisenbahnwagen angeschafft, wovon einige auch schon vorher im Einsatz der NOB waren.
So hat die NOB aktuell sechs MAK DE 2700 (DE 2700-01 bis DE 2700-12) von Vossloh gemietet. Des Weiteren ist sie im Besitz von drei Eurorunner 20 (DE 2000-01 bis 2000-03). Zusätzlich hat die NOB fünf ER 20 von Siemens Dispolok angemietet (ER 20-001, 20-010, 20-011, 20-013 und 20-014). Drei weitere ER 20 von der ÖBB waren bis Oktober 2006 angemietet (2016 041 bis 2016 043). Vier Lokomotiven der Baureihe 146.2 (146 519 bis 146 522) wurden ebenfalls von der NOB erworben und werden derzeit vor allem im Güterverkehr und beim InterConnex eingesetzt.
Zwei Köf III ( 355 106 und 143 ) sorgen im Bahnbetriebswerk Husum für den Rangierbetrieb.
Zwischenzeitlich werden mehrere Lokomotiven des Typ Bomdardier Traxx P160 DE ME für den Betrieb auf der Marschbahn angeschafft, welche im neuen Design der Landesverkehrsgesellschaft in blau lackiert sind. Die Inbetriebnahme soll zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2015 stattfinden, womit die bisherigen Zugfahrzeuge aus dem Verkehr genommen werden sollen. U.a. erhofft man sich damit eine Reduzierung der Pannenanfälligkeit an diesen Fahrzeugen.
- Nord-Ostseebahn.jpg
DE 2700 zieht einen NOB Marschbahn-Express
- ER20 01.JPG
DE2000-01 der Nord-Ostsee Bahn GmbH im Bw Husum
Personenwagen
Die NOB verfügt über insgesamt 110 Personenwagen. Davon sind 90 Wagen (so genannte „Married-Pair-Wagen“) von HSH N Sylt-Express AB, einer Tochter der HSH Nordbank in Stockholm, zweckgebunden für den Betrieb auf der Marschbahn geleast. Im Juni 2012 wurde der Wagenpool ausgeschrieben, weil sich die Leasinggesellschaft aus dem Geschäft zurückziehen will. Das Land Schleswig-Holstein hat für diese Wagen eine Einsatzgarantie für ihre Restnutzungsdauer von 19 Jahren gegeben, deshalb muss der zukünftige Betreiber der Marschbahn den Leasingvertrag übernehmen. Die übrigen 20 Wagen standen vom ehemaligen Flensburg-Express noch zur Verfügung, die aus dem ehemaligen InterConnex 3 hervorgingen.
Flensburg-Express-Wagen
Die Flensburg-Express-Wagen waren bis zum Fahrplanwechsel 2005 zwischen Hamburg und Padborg im Einsatz. Dieser Verkehr auf der Strecke wurde 2003 von der NOB übernommen und gilt als ein Grund der Einstellung des InterConnex 3, da die Wagen nun für den Flensburg-Express eingesetzt werden sollen. Bis zum 1. November 2015 fuhren sie ab und zu auf der Marschbahn und verlängerten die normalen 6-Married-Pair-Wagen-Züge auf 10 Wagen oder wurden als Reserve oder Verstärker eingesetzt. Es handelt sich bei den Wagen um UIC-Z-Abteilwagen und Großraum-Steuerwagen. Ab dem Fahrplanwechsel 2015/16 werden die Wagen zusammen mit Loks der Baureihe 223 zwischen Leipzig und Chemnitz eingesetzt.
Married-Pair-Wagen
Für den Personenverkehr auf der Marschbahn wurden bei der Bombardier Transportation 90 so genannte Married-Pair-Wagen beschafft. Mit dieser Bezeichnung ist ein besonderes Zugzusammenstellungskonzept verbunden, bei dem immer ein Wagenpaar eine feste Einheit bildet. Die Wagenpaarungen werden jeweils aus einem Ergänzungsmittelwagen, Anschlusswagen oder Steuerwagen und einem Versorgungsmittelwagen zusammengestellt. Da am einen Ende des Zuges stets ein Steuerwagen und am anderen Ende ein Anschlusswagen benötigt werden, besteht die kleinste Zugeinheit aus vier Wagen (Steuerwagen + Versorgungsmittelwagen + Versorgungsmittelwagen + Anschlusswagen). Dazwischen ist immer eine Verlängerung um ein Paar aus einem Versorgungsmittelwagen und einem Ergänzungsmittelwagen möglich. Meist bestehen die Züge bei der NOB aus sechs Wagen.
Die Versorgungsmittelwagen haben Einrichtungen, mit denen jeweils der zweite Paarungswagen mit versorgt wird. Dies sind ein Mehrzweckabteil mit Klappsitzen im Niederflurbereich sowie eine Toilette. Der Ergänzungsmittelwagen besitzt das gleiche Mehrzweckabteil, hat jedoch keine Toilette. Steuerwagen, Ergänzungsmittelwagen sowie Versorgungsmittelwagen haben alle die zweite Klasse. Da die Wagen über Sonder-Kupplungen miteinander verbunden sind, gibt es einen speziellen Anschlusswagen, der genauso wie der Steuerwagen, eine Standard-Schraubenkupplung hat. Im Anschlusswagen befinden sich das Dienstabteil des Zugführers und der Zugbegleiter sowie die erste Klasse. Die Wagen sind technisch eine einstöckige Variante des von Bombardier gebauten Doppelstockwagen-Typs. Die NOB ist das einzige Eisenbahnverkehrsunternehmen, welches diesen Fahrzeugtyp einsetzt. Alle Wagen sind gemäß der gesetzlichen Vorgabe Nichtraucherwagen.
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Married-Pair-Steuerwagen im Bahnhof Husum
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Married-Pair-Anschlusswagen im Bahnhof Niebüll
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Zug der NOB mit ehemaligen FLEX-Wagen in Husum
- HKX 1812 - Eomdz - Harburg 20-07-13.JPG
FLEX-Abteilwagen
Literatur
- Frederik Naumann: Die Nord – Ostsee-Bahn – ein regionaler Anbieter. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2004, S. 234–239, ISSN 1421-2811.
- Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 13: Schleswig-Holstein 2 (westlicher Teil). EK-Verlag, Freiburg 2012, ISBN 978-3-88255-672-8
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 54° 18′ 58″ N, 10° 7′ 56″ O{{#coordinates:54,31623|10,132287|primary
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