Rheinhessen (Weinbaugebiet)


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Logo der Rheinhessen-Vermarktung

Das Weinbaugebiet Rheinhessen ist mit 26.516 ha Rebfläche<ref> Deutsches Weininstitut: Statistik 2013/2014, (PDF Datei; 706 kB). Mainz 2013.</ref> das größte Weinbaugebiet Deutschlands. Es liegt komplett linksrheinisch und damit im Bundesland Rheinland-Pfalz (siehe auch: Region Rheinhessen). Das Weinanbaugebiet teilt sich auf in 3 Bereiche, 24 Großlagen und 432 Einzellagen.<ref>Deutsches Weininstitut – Rheinhessenwein e.V.</ref> Es liegt in der Weinbauzone A und zählt damit zu den kühlen Weinbauklimaten (Winterhärtezone 7).

Das Weinanbaugebiet wird seit 1953/1954 von der jährlich gewählten Rheinhessischen Weinkönigin vertreten.

Seit Mai 2008 ist Mainz mit Rheinhessen Mitglied im Netzwerk Great Wine Capitals.<ref>Pressemitteilung der Stadt Mainz vom 19. Mai 2008.</ref>

Überblick

Größte
Weinbaugemeinden
im Anbaugebiet
Rang nach
Rebfläche
(innerhalb
von RLP)
Bestockte
Rebfläche
Rebsorten
Weißwein Rotwein
ha  %
Logo von RheinhessenRheinhessen</div> 26.490 69,1 30,9
Worms 3 1.541 62,0 38,0
Nierstein 6 783 75,6 24,4
Alzey 8 769 69,0 30,1
Westhofen 9 764 68,7 31,3
Alsheim 10 704 69,3 30,7
Bechtheim 11 660 71,4 28,6
Ingelheim am Rhein 12 646 47,8 52,2
Flörsheim-Dalsheim 13 635 65,0 35,0
Bingen am Rhein 15 590 73,2 26,8
Saulheim 16 516 74,7 25,3
Osthofen 20 464 67,8 22,2
Guntersblum 21 461 71,8 28,2
Dittelsheim-Heßloch 23 447 70,2 29,8
Stadecken-Elsheim 24 438 71,2 28,8
Quelle: Weinbau 2010. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz


Ein Fünftel der rheinland-pfälzischen Region Rheinhessen, die auch die waldärmste Deutschlands ist, ist mit Rebstöcken bepflanzt. Über 6.000 Winzer produzieren pro Jahr mehr als 2,5 Mio. Hektoliter Wein aus dem Ertrag von ca. 120 Mio. Rebstöcken. Von den 136 Gemeinden Rheinhessens betreiben lediglich Budenheim, Hochborn, Eich, Hamm und Nieder-Wiesen keinen Weinbau auf der eigenen Gemarkung.<ref>Artikel über Hochborn. Mit Bezug auf die nicht-Weinorte Hochborn, Eich und Hamm.</ref>

Rheinhessen ist zudem eines der traditionsreichsten Anbaugebiete, in dem bereits seit 20 v. Chr. Wein angebaut wird. In Nierstein befindet sich die älteste (742) urkundlich belegte Weinlage Deutschlands, der Niersteiner Glöck. Nach Errichtung des Bremer Ratskellers im Jahr 1405 wurden dort zunächst ausschließlich Weine aus Rheinhessen ausgeschenkt – der Gemeine und der Bessere.

Aus Rheinhessen kamen vor dem Ersten Weltkrieg Weine, die bei internationalen Auktionen Spitzenpreise erzielten. Auf einer der ersten Auktionen nach dem Zweiten Weltkrieg im Juli 1949 konnten in London (Beaver Hall) die ersten Erfolge mit deutschen Spitzengewächsen erzielt werden, darunter 1929er Liebfrauenmilch Auslese und 1934er Liebfrauenmilch Superior.<ref>Rhein-Zeitung 30./31. Juli 1949</ref> Der Niersteiner Riesling z. B. genoss einen legendären Ruf. Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts gab es allerdings eine Phase, in der zu sehr auf Quantität geachtet wurde, was den Ruf des rheinhessischen Weines nachhaltig schädigte. In diesem Zusammenhang wurde die Liebfrauenmilch aus der gleichnamigen Großlage mehrfach genannt.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts setzte jedoch ein Umdenken ein. Einer neuen Winzergeneration ist es zu verdanken, dass der rheinhessische Wein sich wieder eines guten Rufs erfreut. Rheinhessische Weingüter zählen zu den höchstdekorierten, und auch bekannte Weinkritiker und Weinführer heben die Qualität der Weine hervor. Meist handelt es sich um Riesling oder Silvaner, aber auch manche Rotweine werden gelobt. Kompromisslos auf Qualität setzenden Winzern (u. a. durch Ertragsbegrenzung, kontrollierte Vergärung usw.) gelingt es zunehmend, die geologische Vielfalt der Region zu nutzen und absolute Spitzengewächse zu erzeugen.

Seit Spätherbst 2007 darf sich der Federweiße aus Rheinhessen auch Rheinhessischer Federweißer nennen, davor musste laut Weingesetz die Bezeichnung „Rheinischer Federweißer“ benutzt werden.<ref>"Rheinhessen" auf Etikett – Winzer nutzen für Federweißer das geänderte Weinrecht in der Allgemeinen Zeitung vom 11. September 2008</ref><ref>Federweißer aus Rheinhessen heißt ab 2008 endlich „Rheinhessischer Federweißer" in Rhein-Zeitung online vom 10. September 2008 basierend auf Mitteilung des Bauern- & Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd</ref> Die Bezeichnung „Rheinischer Federweißer“ basierte darauf, dass Federweißer kein Qualitätswein ist und dem Bezeichnungsrecht für Tafelwein unterlag.

Rebsorten

Datei:Gau-bickelheim.jpg
Rebenlandschaft bei Gau-Bickelheim

69 % der rheinhessischen Rebfläche sind mit weißen Rebsorten bestockt. Rotwein wird großflächig in der Gegend um Ingelheim und im Wonnegau angebaut.

Beim Sortenspektrum der Weißweine dominieren Müller-Thurgau (ca. 16,2 %) und Riesling (15,3 %). Weiterhin werden Dornfelder (13,4 %), Silvaner (9,1 %), Portugieser (5,6 %), Spätburgunder (5,4 %), Grauburgunder (4,9 %), Weißer Burgunder (4,0 %) und Kerner (3,8 %) angebaut.<ref>Deutsches Weininstitut: Statistik 2009/2010; Statistisches Bundesamt</ref> Die früher wegen ihres Aromenspektrums beliebte Scheurebe wird zunehmend vom Sauvignon Blanc verdrängt.<ref>Jörg Weiand: Sauvignon blanc – Wie beeinflussen Lesetermin, reduktiver Ausbau und Hefestamm die Aromaausprägung? auf www.DLR-RNH.rlp.de</ref>

Am Rhein um die Orte Nackenheim, Nierstein und Oppenheim konzentriert sich der Rieslinganbau. Der Anbau wird begünstigt durch milde Temperaturen, viel Sonne und geringen Niederschlag.

Von den angebauten Rebsorten besitzen nur etwa 23 eine Marktbedeutung. Der Anteil dieser einzelnen Sorten ist der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Führende Rebsorten in Rheinhessen (Stand 2014)
Sorte Farbe Synonym Fläche (%) Fläche (ha)
1. Riesling weiß Weißer Riesling 16,4 4.357
2. Müller-Thurgau weiß Rivaner 16,0 4.247
3. Dornfelder rot 13,1 3.492
4. Silvaner weiß Grüner Silvaner 8,8 2.348
5. Grauburgunder weiß Ruländer 5,6 1.493
6. Spätburgunder rot Pinot Noir 5,5 1.453
7. Blauer Portugieser rot 5,2 1.369
8. Weißer Burgunder weiß Klevner, Pinot Blanc 4,3 1.135
9. Kerner weiß 3,4 903
10. Scheurebe weiß S88 2,8 740
11. Regent rot 2,8 740
12. Chardonnay weiß 2,4 626
13. Bacchus weiß 2,2 598
14. Huxelrebe weiß 1,2 329
15. Faber weiß Faberrebe 1,2 323
16. St. Laurent rot 1,1 287
17. Ortega weiß 1,1 281
18. Sauvignon Blanc weiß 0,8 224
19. Merlot rot 0,7 177
20. Morio-Muskat weiß 0,6 168
21. Gewürztraminer weiß 0,6 166
22. Cabernet Sauvignon rot 0,4 106
23. Frühburgunder rot 0,3 86

Quelle: Statistisches Landesamt Rheinlandpfalz<ref> Statistisches Landesamt Rheinlandpfalz: Bestockte Rebfläche der Keltertrauben 1989 - 2014 nach ausgewählten Rebsorten und Anbaugebieten, (HTML). Mainz 2014.</ref>

Weiße Sorten

14px Zugelassene weiße Rebsorten 14px

Rote Sorten

Datei:Weintrauben.Rot.JPG
Trauben der roten Rebsorte Spätburgunder
15px Zugelassene rote Rebsorten 15px

Bereiche und Großlagen

Die insgesamt 24 Großlagen gliedern sich in 434 Einzellagen:

Bereich Bingen

Bereich Nierstein

Bereich Wonnegau

Auszeichnungen

DLG-empfohlene Weingüter

Datei:Schild-DLG-EWG.JPG
Schild an einem von der DLG empfohlenen Weingut

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) prüft seit 1999 Weingüter und Winzergenossenschaften und zeichnet die jährlichen Gewinner der Wettbewerbe mit den Zertifikaten DLG-Empfohlenes Weingut beziehungsweise DLG-Empfohlene Winzergenossenschaft aus.

Die Gültigkeit der Auszeichnung ist zunächst auf drei Jahre befristet. Danach wird in jährlichen Kontrollen überprüft, ob die Kriterien noch erfüllt werden. In Rheinhessen wurden bisher folgende Weingüter ausgezeichnet:

Great Wine Capitals

Im Mai 2008 wurde Rheinhessen mit seiner «Weinhauptstadt Mainz» in das Weinnetzwerk Great Wine Capitals aufgenommen. In diesem Netzwerk wird jeweils ein charakteristisches Weinbaugebiet pro Land aufgenommen. Neben Mainz/Rheinhessen befinden sich in diesem Verbund Städte und Regionen wie Bilbao/Rioja, Bordeaux/Bordeaux, Florenz/Toskana, Kapstadt/Cape-Winelands, Mendoza/Mendoza, Porto/Dourotal sowie San Francisco/Napa Valley. Neustes Mitglied im globalen Netzwerk ist seit November 2009 die neuseeländische Stadt Christchurch mit den Weinbaugebieten der Südinsel.

Siehe auch

Literatur

  • Jens Priewe: Wein, die neue große Schule. Zabert Sandmann, 1997, ISBN 3-932023-02-1.
  • Hess. Weinbauverband, Oppenheim: Die Rheinweine Hessens, Rheinhessen und die Bergstrasse. 2. Aufl. v. Zabern. Mainz 1927.
  • Paul Kadel: Beiträge zur rheinhessischen Winzersprache, Gießen 1928.
  • Monika Becht: Weinland Rheinhessen. Societäts-Verlag, Frankfurt 2005, ISBN 3-7973-0936-8.
  • Matthias F. Mangold: Rheinhessen im Glas. Höma-Verlag, Offenbach 2006, ISBN 3937329145.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

it:Rheinhessen