Vinclozolin
Strukturformel | ||||||||||||||||||||
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Struktur von Vinclozolin | ||||||||||||||||||||
1:1-Gemisch aus (R)-Form und (S)-Form, Strukturformel ohne Stereochemie | ||||||||||||||||||||
Allgemeines | ||||||||||||||||||||
Name | Vinclozolin | |||||||||||||||||||
Andere Namen |
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Summenformel | C12H9Cl2NO3 | |||||||||||||||||||
CAS-Nummer | 50471-44-8 | |||||||||||||||||||
PubChem | 39676 | |||||||||||||||||||
Kurzbeschreibung |
farb- und geruchloses Pulver<ref name=inchem/> | |||||||||||||||||||
Eigenschaften | ||||||||||||||||||||
Molare Masse | 286,11 g·mol−1 | |||||||||||||||||||
Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||||||
Dichte |
1,51 g·cm−3<ref name=inchem/> | |||||||||||||||||||
Schmelzpunkt |
108 °C<ref name="GESTIS">Eintrag zu CAS-Nr. 50471-44-8 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 9. Mai 2008 (JavaScript erforderlich).</ref> | |||||||||||||||||||
Siedepunkt |
131 °C (7 Pa)<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||||||
Dampfdruck |
1,6·10−5 Pa<ref>Hornsby, A.G., Wauchope, R.D., Herner, A.E. (1996) Pesticide Properties in The Environment. Springer-Verlag, Inc., New York.</ref> | |||||||||||||||||||
Löslichkeit |
gering löslich in Wasser, löslich in Aceton und Chloroform<ref name=inchem>Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR), Monograph für Vinclozolin, abgerufen am 9. Dezember 2014.</ref> | |||||||||||||||||||
Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||
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Toxikologische Daten | ||||||||||||||||||||
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. |
Vinclozolin ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der chlorierten Stickstoff-Sauerstoff-Heterocyclen mit Ketogruppe und ein Oxazolidin-Derivat (Dichlorphenyloxazolidindion). Sie wird als Fungizid eingesetzt, allerdings wurde die Zulassung Vinclozolin-haltiger Pflanzenschutzmittel in Deutschland wieder zurückgenommen. Vinclozolin gilt als endokriner Disruptor.
Inhaltsverzeichnis
Gewinnung und Darstellung
Vinclozolin kann aus 3,5-Dichloranilin gewonnen werden, wobei ein Oxazolidindion (Oxazolidin-Derivat) angelagert wird.
Verwendung
Der Wirkstoff wurde in Deutschland als Fungizid (z.B. im Weinanbau, bei Erdbeeren, Kirschen, Salat, Bohnen und Raps z. B. gegen Grauschimmel, Weißstängeligkeit und Spitzendürre) in anderen Ländern auch bei Hopfen und im Obstanbau eingesetzt. In den USA wurde die Zulassung von Vinclozolin 1978 von BASF beantragt<ref>Temporary Tolerance & EUP for Use on Strawberries (Memento vom 8. April 2008 im Internet Archive).</ref> und 1981 zugelassen.<ref>Pesticide Reregistration (PDF; 31 kB).</ref> In Deutschland wurde die 1984 erfolgte Zulassung Ende 2001 wieder aufgehoben (Restmengen durften bis Anfang 2004 verwendet werden),<ref>Untersuchungsergebnisse zu Pflanzenschutzmittelrückstände in Möhren (2005) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.</ref> jedoch werden bei importierten Lebensmitteln noch Rückstände davon nachgewiesen.<ref>Greenpeace Bericht vom November 2005.</ref> In Österreich ist der Wirkstoff nicht zugelassen, in der Schweiz bestehen Zulassungen von Vinclozolin gegen die Weißstängeligkeit beim Raps, einzelne Pilzerkrankheiten bei Apfel und Aprikose sowie allgemein gegen den Grauschimmel.<ref name="PSM">Nationale Pflanzenschutzmittelverzeichnisse: Schweiz, Österreich, Deutschland; abgerufen am 17. Dezember 2008.</ref>
Sicherheitshinweise
Vinclozolin ist reproduktionstoxisch, beeinflusst das hormonelle System (antiandrogene Wirkung)<ref>Auszug aus Umwelt und Gesundheit des Umweltbundesamtes (PDF; 3,3 MB).</ref> und steht im Verdacht krebserzeugend zu sein. Zusätzlich wurde Synkanzerogenese nachgewiesen.<ref>Festsetzung von Höchstmengen unter Berücksichtigung von Kindern am Beispiel von Vinclozolin vom Bundesinstitut für Risikobewertung (PDF; 87 kB).</ref>
Regulierung
EU
Vinclozin ist in der EU nicht zur Anwendung zugelassen. Die Erlaubte Tagesdosis beträgt 0,005 und die Akute Referenzdosis 0,06 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.<ref>EU Pesticides database. Abgerufen am 21. November 2013.</ref>
Derivate
Verwandte Pflanzenschutzmittel (Dichlorphenyldicarboximide) sind:
- Chlozolinat C13H11Cl2NO5, CAS: 84332-86-5
- Dichlozolin C11H9Cl2NO3, CAS: 24201-58-9
- Iprodion C13H13Cl2N3O3, CAS: 36734-19-7
- Isovaledion C14H14Cl2N2O3, CAS: 70017-93-5
- Myclozolin C12H11Cl2NO4, CAS: 54864-61-8
- Procymidon C13H11Cl2NO2, CAS: 32809-16-8
Einzelnachweise
<references />