Mülheim-Kärlich


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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Mülheim-Kärlich
50.3869444444447.495277777777876Koordinaten: 50° 23′ N, 7° 30′ O{{#coordinates:50,386944444444|7,4952777777778|primary
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Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Weißenthurm
Höhe: 76 m ü. NHN
Fläche: 16,31 km²
Einwohner: 10.980 (31. Dez. 2014)<ref name="Metadaten Einwohnerzahl DE-RP">Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014; (Hilfe dazu).</ref>
Bevölkerungsdichte: 673 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56218
Vorwahl: 02630
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 216
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Kärlicher Str. 4
56575 Weißenthurm
Webpräsenz: www.muelheim-kaerlich.de
Bürgermeister: Uli Klöckner (CDU)
Lage der Stadt Mülheim-Kärlich im Landkreis Mayen-Koblenz
Datei:Straßenkarte Koblenz.jpg
Straßenkarte Raum Koblenz

Mülheim-Kärlich ist eine Stadt im nördlichen Rheinland-Pfalz und mit rund 11.000 Einwohnern die größte Kommune der Verbandsgemeinde Weißenthurm. Gemäß Landesplanung ist Mülheim-Kärlich als Unterzentrum ausgewiesen.<ref name="regionaldaten">Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten</ref> Der nahe Koblenz gelegene Ort besteht aus den vier Stadtteilen Mülheim, Kärlich, Urmitz-Bahnhof und Depot.

Lage

Mülheim-Kärlich liegt am Westrand des Neuwieder Beckens zwischen Rhein, Mosel, Nette und den östlichen Ausläufern der Eifel. Dank seiner verkehrsgünstigen Lage reicht das Einzugsgebiet seines Gewerbegebiets bis in die Eifel, den Westerwald, den Hunsrück und den Taunus.

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte

Das Gebiet des heutigen Mülheim-Kärlich gehört zu den ältesten von Menschen besiedelten Plätzen Deutschlands. Darauf weisen etwa 440.000 Jahre alte Faustkeile aus Quarzit und Feuerstein hin, Artefakte des Homo erectus von Mülheim-Kärlich, die in der Tongrube Kärlich gefunden wurden. Seit der Jungsteinzeit, ab etwa 4000 v. Chr., scheint die Region permanent besiedelt zu sein. Weitere wichtige archäologische Funde, die auf dem Stadtgebiet gemacht wurden, sind ein keltisches Wagengrab, die Überreste einer römischen Villa sowie eine germanische Runenspange aus der Zeit um 600, deren Inschrift „Wodani hailag“ („Dem Wôdan heilig“) jedoch als nicht authentisch gilt.<ref>Journal of English and Germanic philology 56 (1957), S. 315; Walter Baetke: Das Heilige im Germanischen, Tübingen 1942, S. 155–165.</ref>

Mittelalter

Obwohl der Ortsname Kärlich auf keltische Ursprünge und der Name Mülheim auf die Zeit der fränkischen Landnahme um etwa 500 hinweisen, werden beide Orte erst im Hochmittelalter urkundlich erwähnt: Kärlich 1042, Mülheim 1162. Sie gehörten zum Reichsgut des fränkischen Königshofs Koblenz, der 1018 durch eine Schenkung Kaiser Heinrichs II. an das Erzstift Trier gekommen war. 1217 wird die Kärlicher Kirche erstmals in einer Urkunde genannt.

Kurfürst Balduin von Luxemburg ließ Anfang des 14. Jahrhunderts eine Wasserburg in Kärlich errichten, die 1344 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Zwei Jahre später, 1346, erwirkte er von seinem Großneffen, Kaiser Karl IV., die Verleihung eines Stadtrechtsprivilegs für Kärlich. Er und seine Nachfolger als Kurfürsten und Erzbischöfe von Trier haben von diesem Privileg jedoch keinen Gebrauch gemacht und Kärlich nie offiziell zur Stadt erhoben. Bis kurz vor dem Ende des alten Reiches blieben Kärlich und das seiner Pfarrei zugeordnete Nachbardorf Mülheim Landgemeinden, die zum kurtrierischen Amt Bergpflege gehörten. Dessen Ausdehnung entsprach in etwa der heutigen Verbandsgemeinde Weißenthurm.

Neuzeit

Im 17. Jahrhundert wurden beide Orte durch den Dreißigjährigen Krieg und den Holländischen Krieg Ludwigs XIV. schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann Kurfürst Karl Kaspar von der Leyen mit dem Bau eines Land- und Jagdschlosses in Kärlich, das auf den Grundmauern der ehemaligen Wasserburg Balduins von Luxemburg errichtet wurde. Die beiden letzten trierischen Kurfürsten, Johann IX. Philipp von Walderdorff und Clemens Wenzeslaus von Sachsen, hielten sich bevorzugt in diesem Schloss auf. Clemens Wenzeslaus verließ von hier aus am 21. Oktober 1792 auf der Flucht vor der französischen Revolutionsarmee sein Land. Das Schloss wurde 1794 von den Truppen des Generals Marceau zerstört und danach von der einheimischen Bevölkerung als Steinbruch genutzt.

Datei:Mülheim-Kärlich.jpg
Mülheim-Kärlich mit dem stillgelegten Kernkraftwerk im Hintergrund

Von 1794 bis 1814 waren Mülheim und Kärlich französisch und gehörten zuletzt zum Département Rhin-et-Moselle mit Sitz in Koblenz. Der Wiener Kongress schlug das Rheinland 1815 zum Königreich Preußen. Damit kamen die beiden Gemeinden 1816 zum preußischen Landkreis Koblenz im gleichnamigen Regierungsbezirk und waren bis 1945 Teil der 1822 gebildeten preußischen Rheinprovinz.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts – zuletzt in den Jahren 1845 und 1847 – brachten Missernten immer wieder Notzeiten für die fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebende Bevölkerung.<ref>Winfried Henrichs: Landbevölkerung und Landwirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert. In: Mülheim-Kärlich, Hg. Winfried Henrichs, Mülheim-Kärlich 1981, S. 153–158.</ref> Deren wirtschaftliche Situation besserte sich merklich in der 2. Jahrhunderthälfte mit dem Bau der Eisenbahn, die den Bauern neue Märkte erschloss, sowie mit der Entwicklung des Tonabbaus und der Bimsindustrie. Dank dieser zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten fanden nun immer mehr Menschen ihr Auskommen in den beiden Dörfern. Die Abwanderung wurde gebremst und die Bevölkerungszahl nahm rasch zu. Ein weiterer Effekt war, dass die meisten Einwohner auf ihre meist kleinen landwirtschaftlichen Betriebe um 1900 nur noch als Nebenerwerbsquellen angewiesen waren. Allerdings hatte der Tonabbau zeitweise auch fatale Folgen: In den Jahren 1897 und 1906 ereigneten sich Bergrutschkatastrophen, bei denen zahlreiche Häuser in Mülheim beschädigt oder zerstört wurden.<ref>Winfried Henrichs: Die Bergrutschkatastrophen von 1896/97 und 1906. In: Mülheim-Kärlich, Hg. Winfried Henrichs, Mülheim-Kärlich 1981, S. 163–169.</ref>

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die beiden neuen Ortsteile Urmitz-Bahnhof und Depot. Sie entwickelten sich am Rand der Mülheimer Gemarkung aus Siedlungen, die sich rund um den 1876 errichteten Bahnhof und um ein im Ersten Weltkrieg angelegtes Munitionsdepot gebildet hatten.

In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. So wurde in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Mülheimer Synagoge in der Bassenheimer Straße verwüstet. Alle Juden, die nicht emigriert waren, wurden zwischen März und Juli 1942 in das polnische Ghetto Izbica bei Lublin und später weiter in Vernichtungslager deportiert. Im Zweiten Weltkrieg kamen auch zahlreiche Wehrmachtsoldaten aus Mülheim und Kärlich ums Leben, beide Orte erlitten aber trotz ihrer Nähe zur Garnisonsstadt Koblenz nur wenige Kriegsschäden. Am späten Nachmittag des 8. März 1945 nahmen Einheiten des Combat Command A (CCA) und B (CCB) der zum XII. US Korps gehörigen 4th Armored Division Mülheim, Kärlich und andere Orte zwischen Andernach und Koblenz kampflos ein.<ref>Lt. Col. George Dyer: XII Corps Spearhead of Patton’s third Army</ref> Die Ausgabe vom 2. April 1945 des amerikanischen „Life“-Magazins zeigt auf Seite 22 ein ikonisches Foto eines US-Jeeps auf der Fahrt durch die von weißen Fahnen gesäumte Bassenheimer Straße <ref>LIFE-Magazine, April 2, 1945</ref>

Seit 1946 gehören Mülheim und Kärlich zu Rheinland-Pfalz. Am 7. Juni 1969 wurden die beiden bis dahin eigenständigen Gemeinden im Zuge einer Verwaltungsreform des Landes aufgelöst und in der neu gebildeten Gemeinde Mülheim-Kärlich vereinigt. Mülheim zählte damals 6.903, Kärlich 2.663 Einwohner. Am 21. Juni 1996 erhielt Mülheim-Kärlich das Stadtrecht.<ref>Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seiten 188 und 204 (PDF; 2,1 MB)</ref>

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat in Mülheim-Kärlich besteht aus 28 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:<ref>Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen</ref>

Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt
2014 8 13 7 28 Sitze
2009 6 17 1 4 28 Sitze
2004 6 17 5 28 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Mülheim-Kärlich e. V.

Wappen

Blasonierung: „In Silber zwei schräggekreuzte schwarze Bischofsstäbe, deren Voluten in einem gleichschenkligen Kreuz enden, belegt mit einem durchgehenden roten Balkenkreuz, in dessen Querbalkenmitte ein ovales silbernes Mühleisen.“

Wappenbedeutung: Das Mülheim-Kärlicher Wappen entstand Anfang 1970 aus der Kombination der Wappen beider Orte. Das durchgehende rote Balkenkreuz in Silber ist das Kreuz Kurtriers, zu dem beide Orte bis zum Ende des alten Reiches gehörten und das beide in gleicher Form und Größe in ihren ehemaligen Wappen trugen. Das Mühleisen aus dem Mülheimer Wappen, dort als schwarzes Mühleisen im rechten Obereck, weist auf die Mühlen hin, die einst hier standen. Die schräggekreuzten schwarzen Bischofsstäbe aus dem Kärlicher Wappen, dort über dem durchgehenden roten Balkenkreuz, beziehen sich darauf, dass die Kurfürsten und Erzbischöfe von Trier zeitweise im später zerstörten Kärlicher Schloss residierten.

Sehenswürdigkeiten

Datei:Kurfürstliches Schloss Kärlich (um 1790).JPG
Das 1794 zerstörte Kurfürstliche Schloss zu Kärlich

Römische Villa

Aus der Zeit zwischen dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. sind in Mülheim-Kärlich an der Jungenstraße Grundmauern einer römischen Villa rustica erhalten, die 1983 bei der Bimsausbeute zu Tage kamen und 1995 bis zu einer Höhe von 80 cm restauriert wurden. Auf diesen Mauern stand ein etwa 70 × 35 Meter großes Herrenhaus. Erkennbar ist noch der Badetrakt mit Fußbodenheizung (Hypokaustum) und Kaltwasserbecken dieses aufwendig gebauten Anwesens.<ref>Winfried Henrichs: Stadtchronik Mülheim-Kärlich. Mülheim-Kärlich 2009, S. 50.</ref>

Sakralbauten

Pfarrkirche St. Mauritius Kärlich

Ältester Sakralbau ist die Pfarrkirche St. Mauritius im Stadtteil Kärlich, die in Verbindung mit der Einverleibung in das Stift St. Florin in Koblenz am 10. März 1217 erstmals urkundlich belegt ist. Aus dieser Zeit stammen der romanische Ostchor und Mauerreste einer seitlichen Apsis, die 1976 bei Bauarbeiten entdeckt wurden. An der Nordseite des Chors ist eine gotische Kapelle aus dem 15. Jahrhundert angebaut. 1903 erhielt die Kirche, deren Langhaus nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg im Barockstil wiederaufgebaut worden war, einen von Norden und Westen her weithin sichtbaren neoromanischen, 42 Meter hohen Glockenturm. Das alte Langhaus der Kirche ist nicht erhalten; es wich dem 1931/32 errichteten Neubau der Architekten Ludwig Becker und Anton Falkowski.<ref>Risse/Spurzem: Pfarrei und Pfarrkirche St. Mauritius Kärlich. Mülheim-Kärlich 1991, S. 9–13.</ref>

Alte Kapelle am Rathaus

Das älteste vollständig erhaltene Gebäude ist die gotische „Alte Kapelle“ mit einem barocken Dachreiter neben dem Rathaus in der Kapellenstraße im Stadtteil Mülheim. Alten Urkunden zufolge wurde sie in den Jahren zwischen 1313 und 1318 erbaut. Sie ist 14 × 5 Meter groß. Bis zum Bau der Mülheimer Pfarrkirche war die Kapelle Filialkirche von Kärlich. Danach wurde sie unter anderem als Schulraum genutzt. Heute dient sie der Stadt als Sitzungssaal und Festraum.<ref>Winfried Henrichs: Stadtchronik Mülheim-Kärlich. Mülheim-Kärlich 2009, S. 75–77.</ref>

Pfarrkirche Maria Himmelfahrt Mülheim

Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ist ein dreischiffiger Bau, der in den Jahren 1888 bis 1890 nach Plänen des Architekten Caspar Clemens Pickel in neugotischem Stil errichtet wurde. Sie ist 56,5 Meter lang und 34,5 Meter breit, der Turm 60 Meter hoch.<ref>Winfried Henrichs: 100 Jahre Pfarrei Maria Himmelfahrt Mülheim. Mülheim-Kärlich 1987, S. 89–103.</ref>

Kapelle Am Guten Mann

Außerhalb der Bebauung unmittelbar am Rhein steht die Kapelle Am Guten Mann, die 1838 einen Vorgängerbau ersetzte, der im Zuge der Französischen Revolution zerstört worden war. Architekt der neuen Kapelle war Johann Claudius von Lassaulx, auf dessen Arbeit die kleinen Bögen unterhalb des Dachs sowohl an den Seitenwänden, an der Altarapsis als auch am Giebel hindeuten.<ref>Josef Schmitt in Mülheim-Kärlich. Hrsg. Gemeinde Mülheim-Kärlich 1981, S. 241 und 246.</ref>

Fachwerkhäuser

In Mülheim-Kärlich stehen noch viele alte Fachwerkhäuser, die zum Teil originalgetreu restauriert wurden. Dazu gehört der kurfürstliche Burghof in der Burgstraße 9, der nach einer über dem Eingang eingemeißelten Jahreszahl vermutlich 1710 erbaut oder erweitert wurde. Urkunden über die Besitzverhältnisse deuten jedoch darauf hin, dass sein Ursprung viel weiter zurückreicht. Die Grundmauern des Burghofs und das äußere Mauerwerk bis zum Obergeschoss bestehen aus Bruchstein, auf dem sich das Fachwerk aufbaut. Die Innenwände des Untergeschosses sind ebenfalls als Fachwerk ausgeführt. Unter dem Haus befinden sich zwei Keller mit Bruchsteingewölbedecken.<ref>Dr. Dieter Mannheim: Der Kurfürstliche Burghof … In: Mülheim-Kärlich. Hg. Winfried Henrichs, Mülheim-Kärlich 1981.</ref>

Ehemaliger jüdischer Friedhof

Zu den geschützten Kulturdenkmälern der Stadt gehört auch der ehemalige jüdische Friedhof von Mülheim am südlichen Ortsrand. Er wurde im 19. Jahrhundert angelegt und bis zur Deportation der Mülheimer Juden in der Zeit des Nationalsozialismus genutzt. Das letzte Begräbnis fand im Jahr 1941 statt. Auf dem 773 m² großen Gelände stehen 15 Grabsteine sowie ein Gedenkstein, der an die ausgelöschte jüdische Gemeinde erinnert.

Obstlehrpfad

Im Flurbereich „In der Pötsch“ am Hang des Rübenacher Berges wurde im Jahr 2000 ein Obstlehrpfad mit über 250 Bäumen und Sträuchern angelegt. Gruppen und Einzelpersonen können die Anlage auf Anfrage bei der Stadtverwaltung besichtigen. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Schutzhütte.<ref>Horst Hohn: Köstliche Heimatkunde im Mülheim-Kärlicher Obstlehrpfad. In: Heimatbuch des Landkreises Mayen-Koblenz 2006, S. 147–148.</ref>

Kultur

Mülheim-Kärlich verfügt über ein reges Vereinsleben, das seinen Höhepunkt in der Karnevalszeit erreicht. Anders als in den bekannteren Karnevalshochburgen im Rheinland bildet in Mülheim-Kärlich nicht der Rosenmontag, sondern der Schwerdonnerstag, die sogenannte Weiberfastnacht, den Höhepunkt der Saison. In Mülheim-Kärlich ist der größte Möhnenverein Deutschlands zu Hause.

1978 gründete die Kolpingsfamilie St. Mauritius Kärlich eine Theatergruppe, die seit 1984 jedes Jahr ab Ostern bis zu 18 Vorstellungen im Pfarrsaal der Kärlicher Kirche gibt. Die Gruppe führt vorwiegend Boulevardkomödien auf, mit denen sie ein Publikum weit über Mülheim-Kärlich hinaus erreicht. Den Einnahmenüberschuss verwendet die Kolpingsfamilie für soziale Zwecke.

Im September 2012 gründete sich die Theatergruppe „Da Capo“ Mülheim-Kärlich. Sie präsentiert Boulevardkomödien. Spielort ist der große Saal des Vereinshauses im Stadtteil Mülheim. Die Gruppe zeigt jährlich ein neues Stück, wobei die Premiere Anfang März stattfindet. Der Einnahmeüberschuss wird ausschließlich gemeinnützigen Zwecken in Mülheim-Kärlich zugeführt.

Seit 1985 hat der Ort ein kleines historisches Museum. In ihm sind erdgeschichtliche Funde sowie Altertümer aus Jungsteinzeit, Antike, Mittelalter und Neuzeit ausgestellt. Im Jahr 2003 bezog das Stadtmuseum neue Räume im Gebäude der alten Schule und im ehemaligen Feuerwehrhaus in der Poststraße. Träger des Museums ist heute der 2003 gegründete Verein „Museumsfreunde Mülheim-Kärlich“, der sich der Pflege des historischen und kulturellen Erbes der Stadt widmet.

Sport

Mehrere Vereine bieten Gelegenheit zur sportlichen Betätigung unterschiedlichster Art, unter anderem die Turnvereine TV 05 Mülheim und TV Kärlich 08/68 sowie der Fußballverein SG 2000 Mülheim-Kärlich 1921 e. V. Hierbei handelt es sich um den Zusammenschluss der beiden Vereine SSV Mülheim-Kärlich und SSV Urmitz/Bhf. B<ref>Homepage der Stadt Mülheim-Kärlich</ref> Den bisher größten sportlichen Erfolg erzielte der TV Kärlich, als die B-Jugend des Vereins 1974 in Fürth deutscher Meister im Handball wurde.<ref>Homepage des TV Kärlich 08/68</ref> 1980 entstand aus dem TV Mülheim und dem TV Kärlich die HSG Mülheim-Kärlich (Handballspielgemeinschaft), an der sich ab 1991 der TV Bassenheim beteiligte. Drei Jahre spielte die HSG in der zweiten Bundesliga, bevor finanzielle Schwierigkeiten 2009 zur Auflösung führten. Den Handballsport setzt seitdem der TV Mülheim fort und hält darüber hinaus wie der TV Kärlich ein vielfältiges Angebot im Breitensport bereit.

1991 wurde das Freizeitbad Tauris in Mülheim-Kärlich eröffnet.

Wirtschaft und Verkehr

Industrie, Dienstleistung, Handel und Landwirtschaft

Zu den traditionellen Wirtschaftszweigen in Mülheim-Kärlich gehören seit dem 19. Jahrhundert der Abbau von Bims und Ton.

Tonbergbau

Der Ton wurde zunächst in Glockenschächten unter Tage gewonnen; nach tödlichen Unfällen wurde diese Art des Abbaus aber eingestellt. 1892 begann der Tagebau in der Grube auf dem Kärlicher Berg südlich der damaligen Gemeinde und heutigen Stadtteils Kärlich. Der Rohstoff wird sowohl an Abnehmer im In- und Ausland geliefert als auch in der ortsansässigen Fabrik, der Kärlicher Ton- und Schamottewerke, im Stadtteil Urmitz-Bahnhof zu feuerfestem Stein gebrannt. Anfangs transportierten Pferdefuhrwerke den Ton von der Grube zur Fabrik, bis 1919 eine Drahtseilbahn und in Verbindung damit eine Schiffsverladestelle am Rhein in Betrieb genommen wurden. 1965 lösten Lkws die Seilbahn ab. Heute arbeiten in der Grube nur noch vier bis fünf Personen. Mit Scrapern und Schürfwagen bauen sie jährlich rund 50.000 Tonnen Ton ab und rekultivieren das Gelände anschließend. Um 1900 leisteten je nach Bedarf 200 bis 300 Männer die vergleichbare Arbeit von Hand.<ref>Dr. Dieter Mannheim: Zur Geschichte des Tonbergbaus in unserer Gemeinde. In: Mülheim-Kärlich. Hg. Winfried Henrichs, Mülheim-Kärlich 1981, S. 334–338.</ref>

Handel und Dienstleistung

Inzwischen prägen überwiegend Handel, Dienstleistung und produzierendes Gewerbe das Gesicht der jungen Stadt. Während der Amtszeiten des letzten Mülheimer Bürgermeisters Andreas Nickenig<ref>Horst Hohn: Der letzte Bürgermeister von Mülheim Heimatbuch des Landkreises Mayen-Koblenz 2007, S. 138.</ref> und des ersten Mülheim-Kärlicher Bürgermeisters Philipp Heift († 2. September 2002) entstand ab 1967 ein Gewerbegebiet, in dem heute rund 300 Betriebe mit mehr als 6000 Arbeitsplätzen ansässig sind.<ref>Winfried Henrichs: Stadtchronik Mülheim-Kärlich. Mülheim-Kärlich 2009, S. 320.</ref><ref>Vater des Gewerbeparks ist tot. Rhein-Zeitung vom 4. September 2002, S. 21.</ref> Der Gewerbepark Mülheim-Kärlich zählt mit über 2 Quadratkilometern zu den größten seiner Art im Bundesgebiet. 2005 wurde er um zusätzliche Flächen erweitert, die unter anderem die Gebrüder-Pauken-Straße umfassen.

Landwirtschaft

Auch die Landwirtschaft ist nach wie vor von Bedeutung für den Ort: Das Gebiet um Mülheim-Kärlich stellt das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet der Region dar. Vor allem werden Süßkirschen und Schattenmorellen angebaut.

Kernkraftwerk

Überregional wurde der Ort in den letzten Jahrzehnten als Standort des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich bekannt, das auf eine Leistung von 1.300 Megawatt ausgelegt war. Seit seinem Bau durch den Energiekonzern RWE war das Kernkraftwerk umstritten, nicht zuletzt wegen seiner Lage im erdbebengefährdeten Neuwieder Becken. Wegen dieser Gefährdung wurde das Reaktorgebäude ohne neues Baugenehmigungsverfahren 70 Meter vom ursprünglich geplanten Standort errichtet.

Dies führte dazu, dass das Kernkraftwerk 1988 – nach knapp zwei Jahren im Probe- und genau 100 Tagen im Regelbetrieb – aufgrund einer richterlichen Entscheidung vom Netz genommen werden musste. Die rheinland-pfälzische Landesregierung erteilte 1991 zwar eine veränderte Baugenehmigung, die vom Oberverwaltungsgericht Koblenz 1995 jedoch erneut aufgehoben wurde. Diese Entscheidung hat das Bundesverwaltungsgericht in Berlin 1998 in letzter Instanz bestätigt. Nach Meinung des Gerichts hätten die Erkenntnisse über die Erdbebengefährdung ein vollständig neues Genehmigungsverfahren erfordert. Im Jahr 2001 wurde das Kraftwerk endgültig stillgelegt.

Das KKW Mülheim-Kärlich ist das bisher größte seiner Art in Deutschland, das zurückgebaut wird.<ref>http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article128833081/So-laesst-man-ein-Atomkraftwerk-verschwinden.html</ref> Nachdem 2002 die Uranbrennstäbe aus dem Reaktorblock entfernt wurden, begannen 2004 die eigentlichen Rückbauarbeiten, die bis Mitte der 2020er Jahre abgeschlossen sein sollen. Nach seiner weitgehenden Dekontaminierung, wurde der größte Teil des Kraftwerksgeländes an eine Recyclingfirma verkauft, die für 2015 den Abriss des 160 Meter hohen Kühlturms plant. Die Kosten für den Rückbau werden auf ca. 750 Mio. Euro geschätzt.

Bahnhof Urmitz

Ein erster Bahnhaltepunkt in Mülheim, an dem täglich drei Personenzüge aber auch Güterzüge anhielten, wurde im Juni 1870 eingerichtet. Im Jahr 1876 folgte der Bau des Bahnhofs. Obwohl in der Mülheimer Gemarkung gelegen, heißt die Station seit jeher Urmitz, da sie näher an den Häusern dieses Nachbarorts lag und weil es schon mehrere Bahnhöfe mit dem Namen Mülheim gab. Ursprünglich soll beabsichtigt gewesen sein, die linksrheinische Bahnstrecke näher an die Orte Mülheim und Kärlich heranzuführen. Dies sei jedoch daran gescheitert, dass die nötigen Grundstücke nicht erworben werden konnten.<ref>Winfried Henrichs: Stadtchronik Mülheim-Kärlich. Hrsg. Stadt Mülheim-Kärlich, 2009, S. 306.</ref>

Der Bahnhof Urmitz hat zwei Bahnsteige, die durch eine Unterführung miteinander verbunden sind. Lange Zeit gab es nur einen schienengleichen Übergang, so dass Reisende die Gleise überqueren mussten, um die Fahrtrichtung zu wechseln. Im Bahnhofsgebäude gab es außer dem Fahrkartenschalter sowie der Gepäck- und Expressgutabfertigung einen Warteraum und eine Bahnhofsgaststätte. Zum Bahnhof gehörten zwei Stellwerke und eine Güterabfertigung für Stückgut und Wagenladungen, die in einem eigenen Gebäude etwa 250 Meter weiter westlich untergebracht war.<ref>Ewald Dähler: Der Bahnhof Urmitz. In Mülheim-Kärlich, Hrsg. Gemeinde Mülheim-Kärlich, 1981, S. 320–323.</ref>

Seit 1992 besteht der Bahnhof Urmitz nur noch als Haltepunkt mit Fahrkartenausgabe an Automaten. Das alte Bahnhofsgebäude ist heute in Privatbesitz und wurde 2013 im Vorfeld des „Bahnhofsfestes“ der Stadt Mülheim-Kärlich renoviert.<ref>Rhein-Zeitung, Mittelrhein-Verlag Koblenz, vom 17. September 2013, S. 22.</ref> Die Güterabfertigung Urmitz besteht nicht mehr.

Persönlichkeiten

In Mülheim-Kärlich geboren

Mit Mülheim-Kärlich verbunden

Literatur

  • Winfried Henrichs: Stadtchronik Mülheim-Kärlich. Mülheim-Kärlich 2009.
  • Winfried Henrichs (Hg.): Mülheim-Kärlich. Mülheim-Kärlich 1981.
  • Peter Schuth: Mülheim-Kärlich und seine Vergangenheit (Auf Spurensuche). Mülheim-Kärlich 2001.
  • Franz-Josef Risse und Lothar Spurzem: Pfarrei und Pfarrkirche St. Mauritius Kärlich. Mülheim-Kärlich 1991.

Weblinks

Commons Commons: Mülheim-Kärlich – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references />